04.07.2026, 12:45
(04.07.2026, 11:33)BayJur00 schrieb:Ja klar, verstehe ich! Ich kann dir aber auch was Gutes sagen: Eine Bekannte hat mit einem niedrigen VB im ersten und 6,9 im zweiten einen in einer GK Tier 4 bekommen und das obwohl diese sie nicht kannten. Sie hat vorher aber auch einen Bachelor im Ausland gemacht (du hast aber einen llm, was ja mindestens gleichwertig sein könnte). Dazu hat sie einen roten Faden, den ich selten gesehen habe. Bachelor in dem Bereich (Industriedesign), Praktika und Nebenjob während des Studiums in dem Bereich, freiwillige Mastermodule in dem Bereich als Zweithörerin absolviert, WissMit in dem Bereich, Referendariat in dem Bereich und auch Schwerpunkt im Studium im IP-Recht(04.07.2026, 11:26)Riecko schrieb:(04.07.2026, 10:53)BayJur00 schrieb:Also ich arbeite in Düsseldorf in der GK die gemeinhin als Tier 1/2 bezeichnet wird im Gesellschafts und auch Steuerrecht und kann dir (leider) sagen: Ohne doppel VB ist es, soweit ich es als WiMi sehen kann, fast unmöglich hier rein zu kommen, wenn die dich vorher nicht kannten.(04.07.2026, 10:15)advocatus diaboli schrieb: Der Markt ist zur Zeit sehr schwierig. Auf eine Stelle drängen inzwischen eine Vielzahl von Bewerbern. Gerade bei Großkanzleien hat das dazu geführt, dass die Notengrenze wieder angezogen haben. Obwohl du einen Dr. und einen LLM hast, halte ich die Chancen tendenziell eher für schlecht. Wenn du aber gerne in eine GK willst, würde ich es einfach versuchen. Mit Vorerfahrungen in einem Rechtsgebiet kannst du sicherlich noch einmal zusätzlich etwas ausgleichen.
Ja, ich habe schon einen roten Faden. Also ich interessiere mich fürs Steuerrecht und generell Wirtschaftsrecht. In diesem Bereich hab ich auch promoviert und meinen LL.M. in England gemacht. In solchen Teams würde ich auch gerne arbeiten. Es heißt ja auch oft 2 aus 4 Anforderungen genügen. Mit Dr. + LL.M hätte ich die ja erfüllt. Schaut man da wirklich so stark auf diesen einen Punkt der mir fürs Prädikat im zweiten gefehlt hat? Kann mir das eigentlich kaum vorstellen. Zumal der Großteil der Bewerber ja weder Dr. noch LL.M vorweisen kann. Wenn da allein die Note entscheidet und quasi Selbstläufer wäre, finde ich das jedenfalls sehr schade!
Grund: Diss setzt fast keine GK mehr voraus und ist wenn ein Pluspunkt, wenn sie (wie bei dir) vom Thema relevant ist und sich zwei ansonsten gleich gute Bewerber bewerben.
Ein englischsprachiger llm ist laut Aussagen der Berufsträger der Kanzlei zwar auch ein Plus, aber nicht so wichtig, da die meisten Kanzleien eh voraussetzen, dass du nach einigen Berufsjahren ein Secondment im Ausland machst
Aber versuchen würde ich es an deiner Stelle einfach. Kann ja nichts passieren.
Danke für deinen ehrlichen Einblick! Du musst aber auch bedenken, dass ich gerade keine Tier 1/2 Kanzlei anstrebe. Dass ich dort absolut schlechte Chancen habe, ist mir bewusst. Möchte für den Anfang eher in eine Tier 3/4 Kanzlei im Wirtschaftsrecht.. hocharbeiten kann man sich ja immer noch
04.07.2026, 12:50
Ich würde sagen, wenn du welche kennst, wird das schon gehen. Aber man muss halt Leute kennen. Ansonsten gibt es ja auch sog. Staff Attorneys. Die haben zum Teil sog. 5 Punkte. Aber so wie ich das kennengelernt habe, arbeiten die ähnlich viel wie normale Associates, kriegen auch objektiv ein sehr ordentliches Gehalt, aber der Aufwand ist halt riesig.
04.07.2026, 15:32
Also ich habe mit einem hohen b im ersten (staatlich 7,x) eine WiMi-Stelle in einer "T3" GK bekommen und hatte auch Gespräche in 2 weiteren T2/3 GKen. Also nur als WiMi-Stelle promotionsbegleitend. Nachdem ich bereits anfing, hatte mich auch noch eine weitere T4 Kanzlei angerufen gehabt... Ich weiß nicht inwiefern das repräsentativ ist, aber sooooooo extrem schlecht kann der Markt dann ja wohl nicht sein, oder? Habe das Ref noch vor mir.
Jedenfalls würde ich mich einfach bewerben! Mir hatte man damals auch gesagt, dass das nicht wird etc. :D
Jedenfalls würde ich mich einfach bewerben! Mir hatte man damals auch gesagt, dass das nicht wird etc. :D
04.07.2026, 18:28
Irgendjemand hier im forum hatte mal geschrieben, dass er einfach alle möglichen Partner in dem Rechtsgebiet, was ihn interessierte, auf LinkedIn angeschrieben hat. Da waren wohl viele begeistert. Als es dann um die Noten ging, wurde er von 95% abgelehnt. Aber es reicht ja ein einziger, der zusagt 👍 . Jetzt ist er in einer GK, obwohl sogar eines der Examen ein A war.
Think out of the box .
Think out of the box .
05.07.2026, 08:50
Hast du es schon mal bei Dentons versucht? Die Schreiben bei Azur zu ihrem Auswahlverfahren explizit, dass sie 15 in Summe erwarten und LLM + Promotion ein plus sind.
06.07.2026, 19:56
Die Kanzleiwelt ist jetzt wieder zweigeteilt: Einerseits gibt es jetzt wieder viele Kandidaten mit guten Noten (vor allem im ersten Examen), was den Kanzleien, die traditionell sehr nach Noten gehen, gelegen kommt. Auf Ausnahmen sind die jetzt nicht mehr angewiesen.
Andererseits haben viele Kanzleien auch die Erfahrung gemacht, dass die Examen (bzw. wie und was die Leute in der Vorbereitung darauf lernen) eigentlich gar nicht die Arbeit in der Kanzlei abbilden und die Noten ein sehr schlechter Indikator für den Erfolg in der Kanzlei sind. Das galt schon früher im Steuerrecht und einigen Nischen und inzwischen über nahezu alle Rechtsgebiete hinweg. Es gibt viele Fälle, in denen Associates mit herausragenden Noten ihre Kanzlei nach nur einem Jahr wieder unglücklich verlassen, während Associates mit 7 Punkten sich als solide Dauerläufer erweisen. Es gibt auch einige Anekdoten, denen zufolge die absoluten Überflieger die schlechtesten Noten hatten. Da fragt man sich, wie die mit den Noten überhaupt genommen wurden, aber ein ausreichend + Bachelor Biologie kann im richtigen Gebiet mehr Wert sein als 9 Punkte. Eine Ausbildung/Zweitstudium im Bereich Steuern/Rechnungswesen ist in fast jedem Rechtsgebiet Gold wert, nicht nur weil das die Sprache der Mandanten ist, sondern weil es meistens genau darum geht, diese Dinge juristisch zu beleuchten, sowohl bei Transaktionen als auch bei Disputes und natürlich bei White Collar. Nicht selten sitzen Leute erstmal jahrelang nur im Datenraum und machen Due Diligence, weil sie die ganzen Begriffe und Konzepte im Jurastudium nie gehört haben und nicht mitreden können. In international ausgerichteten Kanzleien kann man sich außerdem schnell einen Vorteil verschaffen: Englisch! Die meisten Kanzleien geben sich im Bewerbungsgespräch mit Schulenglisch zufrieden, weil sie es selbst gar nicht besser kennen, aber spätestens im Arbeitsalltag macht es unausweichlich den Unterschied.
Zumindest manche Kanzleien/einzelne Partner haben ihre Strategie inzwischen daran angepasst, indem sie z.B. maximal viele WiMis/Referendare durchschleusen oder sich viele Stunden lang mit Bewerbern intensiv fachlich unterhalten (sogenannter extended test drive), um besser unterscheiden zu können, wer wirklich was auf dem Kasten hat und wer nur seine Karteikarten auswendig kann. Und selbst in den strengen Kanzleien glauben nur noch die Dinosaurier, die jetzt langsam in Rente gehen, an die Bedeutung von Noten. Der Rest sieht das schon jetzt vor allem als teures Marketing-Instrument (sogenannte Signaling-Ökonomie).
Also: nicht den Mut verlieren!
Andererseits haben viele Kanzleien auch die Erfahrung gemacht, dass die Examen (bzw. wie und was die Leute in der Vorbereitung darauf lernen) eigentlich gar nicht die Arbeit in der Kanzlei abbilden und die Noten ein sehr schlechter Indikator für den Erfolg in der Kanzlei sind. Das galt schon früher im Steuerrecht und einigen Nischen und inzwischen über nahezu alle Rechtsgebiete hinweg. Es gibt viele Fälle, in denen Associates mit herausragenden Noten ihre Kanzlei nach nur einem Jahr wieder unglücklich verlassen, während Associates mit 7 Punkten sich als solide Dauerläufer erweisen. Es gibt auch einige Anekdoten, denen zufolge die absoluten Überflieger die schlechtesten Noten hatten. Da fragt man sich, wie die mit den Noten überhaupt genommen wurden, aber ein ausreichend + Bachelor Biologie kann im richtigen Gebiet mehr Wert sein als 9 Punkte. Eine Ausbildung/Zweitstudium im Bereich Steuern/Rechnungswesen ist in fast jedem Rechtsgebiet Gold wert, nicht nur weil das die Sprache der Mandanten ist, sondern weil es meistens genau darum geht, diese Dinge juristisch zu beleuchten, sowohl bei Transaktionen als auch bei Disputes und natürlich bei White Collar. Nicht selten sitzen Leute erstmal jahrelang nur im Datenraum und machen Due Diligence, weil sie die ganzen Begriffe und Konzepte im Jurastudium nie gehört haben und nicht mitreden können. In international ausgerichteten Kanzleien kann man sich außerdem schnell einen Vorteil verschaffen: Englisch! Die meisten Kanzleien geben sich im Bewerbungsgespräch mit Schulenglisch zufrieden, weil sie es selbst gar nicht besser kennen, aber spätestens im Arbeitsalltag macht es unausweichlich den Unterschied.
Zumindest manche Kanzleien/einzelne Partner haben ihre Strategie inzwischen daran angepasst, indem sie z.B. maximal viele WiMis/Referendare durchschleusen oder sich viele Stunden lang mit Bewerbern intensiv fachlich unterhalten (sogenannter extended test drive), um besser unterscheiden zu können, wer wirklich was auf dem Kasten hat und wer nur seine Karteikarten auswendig kann. Und selbst in den strengen Kanzleien glauben nur noch die Dinosaurier, die jetzt langsam in Rente gehen, an die Bedeutung von Noten. Der Rest sieht das schon jetzt vor allem als teures Marketing-Instrument (sogenannte Signaling-Ökonomie).
Also: nicht den Mut verlieren!
14.07.2026, 19:42
14.07.2026, 21:24
Was sind so typische T3/T4 Kanzleien 😅?
15.07.2026, 11:09
(14.07.2026, 21:24)mrcl schrieb: Was sind so typische T3/T4 Kanzleien 😅?
Schwierig. Jede große Kanzlei hat eigentlich so 1-2 Praxisgruppen, die „herausstechen“. Sei es Umsatz, Bekanntheit oder Renommees. Aber wenn man sich das Gesamtgefüge anschaut, würde ich vorsichtig folgende Kanzleien der 3./4. Reihe zuordnen wollen:
-Luther
-Görg
-Dentons
-Görg
-Pinsent & Masons
-Eversheds
-Advant
-vllt. auch die Big4-Legal-Ableger
15.07.2026, 11:26
Heuking hat zudem intern eine Notengrenze von insgesamt mindestens 16 Punkte. Je nach Partner natürlich auch nochmal mehr.









