11.04.2026, 09:31
(11.04.2026, 08:08)Praktiker schrieb: Ja, das ist ein Problem. Anwesende immer ausgenommen. Aber ist es in Kanzleien oder der Wirtschaft besser? Der Gehaltssprung ist größer, aber ansonsten hört und liest man auch von dort wenig Schönes.
Ich will nicht behaupten, dass es besser ist. Außerhalb des öD kann der Markt das aber noch ein bisschen mehr regeln. Bei schlechter Führung kündigen also eher Mitarbeiter oder die Führungsperson wird gekündigt. Das funktioniert aber nur, wenn es eine bessere Alternative gibt.
Ich würde mal eher behaupten, dass in der freien Wirtschaft einfach weniger das idealisierte Bild der netten Vorgesetzten und des lieben Vater Staat vorherrscht. Das führt zu weniger Enttäuschung.
11.04.2026, 09:47
(11.04.2026, 09:31)KissingSpines schrieb:Da ist etwas dran.(11.04.2026, 08:08)Praktiker schrieb: Ja, das ist ein Problem. Anwesende immer ausgenommen. Aber ist es in Kanzleien oder der Wirtschaft besser? Der Gehaltssprung ist größer, aber ansonsten hört und liest man auch von dort wenig Schönes.
Ich will nicht behaupten, dass es besser ist. Außerhalb des öD kann der Markt das aber noch ein bisschen mehr regeln. Bei schlechter Führung kündigen also eher Mitarbeiter oder die Führungsperson wird gekündigt. Das funktioniert aber nur, wenn es eine bessere Alternative gibt.
Ich würde mal eher behaupten, dass in der freien Wirtschaft einfach weniger das idealisierte Bild der netten Vorgesetzten und des lieben Vater Staat vorherrscht. Das führt zu weniger Enttäuschung.
Speziell in der Justiz kommt noch der Faktor der richterlichen Unabhängigkeit hinzu. Da fehlt dann häufig das Korrektiv eines Teams bzw. direkten Vorgesetzten. Genügend Fleiß und juristisches Können vorausgesetzt marschieren dann Leute nach oben durch, die auf ihrem Weg kaum soziale Fähigkeiten entwickeln mussten. Und die ziehen dann wieder ihresgleichen nach usw.
11.04.2026, 16:56
(10.04.2026, 22:00)Lauser schrieb:(10.04.2026, 20:54)Spencer schrieb: Das ist leider so. Ich kenne auch solche Fälle. Letztlich eine Folge dessen, dass in der Justiz noch zu oft zu wenig Wert auf soziale Kompetenz gelegt wird, wenn es um Positionen mit Personalverantwortung geht. Ein erstklassiger Wegschaffer kann immer noch ein völlig ungeeigneter Behördenleiter sein. Und diese fehlenden Fähigkeiten kann man sich idR auch nur sehr bedingt nachträglich „draufschaffen“.
Wenn diese Personen dann falsche Entscheidungen bei der Personalauswahl nachträglich mit Härte korrigieren wollen, wird es richtig übel. Leider gilt das teilweise immer noch als Führungsstärke.
Nun, ich könnte davon erzählen, dass letztens jemand zum OStA befördert wurde, der regelmäßig durch offen rassistische Vokabeln, cholerische Wutausbrüche und sexistische Sprüche gegenüber den jungen Kolleginnen auffällt... das ist dann die "Führungskompetenz", die sich die Justiz wünscht... aber lassen wir das
Wo ist da jetzt der Unterschied zur Wirtschaft oder zu Kanzleien? Dass solche Leute Führungskräfte werden (und es auch bleiben), gibt es doch überall zuhauf.
11.04.2026, 19:10
Ein wichtiger Unterschied ist sicher, dass der Staat solche Leute nur noch sehr schwierig bis gar nicht wieder los wird. Die werden dann höchstens an eine andere Behörde weggelobt , so dass dann andere das Problem haben. Bei Gerichtspräsidenten geht selbst das wegen der richterlichen Unabhängigkeit nicht.
11.04.2026, 20:02
(11.04.2026, 19:10)Spencer schrieb: Ein wichtiger Unterschied ist sicher, dass der Staat solche Leute nur noch sehr schwierig bis gar nicht wieder los wird. Die werden dann höchstens an eine andere Behörde weggelobt , so dass dann andere das Problem haben. Bei Gerichtspräsidenten geht selbst das wegen der richterlichen Unabhängigkeit nicht.
Klar, ist aber in anderen Bereichen auch nicht wirklich anders. Theoretisch kann man die Leute rausschmeißen. Praktisch passiert das aber auch in der Wirtschaft so gut wie nie (es sei denn, man will sie aus anderen Gründen loswerden).
Meiner persönlichen Erfahrung nach ist übrigens das Verhalten von Führungskräften in NGOs am allerschlimmsten.
11.04.2026, 21:37
(11.04.2026, 16:56)Pontifex Maximus schrieb:(10.04.2026, 22:00)Lauser schrieb:(10.04.2026, 20:54)Spencer schrieb: Das ist leider so. Ich kenne auch solche Fälle. Letztlich eine Folge dessen, dass in der Justiz noch zu oft zu wenig Wert auf soziale Kompetenz gelegt wird, wenn es um Positionen mit Personalverantwortung geht. Ein erstklassiger Wegschaffer kann immer noch ein völlig ungeeigneter Behördenleiter sein. Und diese fehlenden Fähigkeiten kann man sich idR auch nur sehr bedingt nachträglich „draufschaffen“.
Wenn diese Personen dann falsche Entscheidungen bei der Personalauswahl nachträglich mit Härte korrigieren wollen, wird es richtig übel. Leider gilt das teilweise immer noch als Führungsstärke.
Nun, ich könnte davon erzählen, dass letztens jemand zum OStA befördert wurde, der regelmäßig durch offen rassistische Vokabeln, cholerische Wutausbrüche und sexistische Sprüche gegenüber den jungen Kolleginnen auffällt... das ist dann die "Führungskompetenz", die sich die Justiz wünscht... aber lassen wir das
Wo ist da jetzt der Unterschied zur Wirtschaft oder zu Kanzleien? Dass solche Leute Führungskräfte werden (und es auch bleiben), gibt es doch überall zuhauf.
Der Unterschied zur Wirtschaft / Kanzleien besteht zuvorderst darin, das sich diese nicht als "moralische Instanz" inszenieren. Wenn ich mir den Kampf gegen "Hass und Hetze" auf die Fahnen schreibe und zum Teil erheblichste Grundrechtseingriffe veranlasse, weil sich irgendein Facebook-Wutboomer, der noch nie Probleme mit dem Rechtsstaat hatte, im Internet im Ton vergriffen oder sonst geschmacklos geäußert hat, dann muss ich mich auch selbst an den Maßstäben messen lassen, was bedeutet, dass man solche Leute intern maßregelt oder zumindest nicht befördert...
Klar beteiligen sich Großkanzleien auch an irgendwelchen Kampagnen, aber da ist ja jedem klar, dass das vor allem Compliance ist, deshalb werden die auch von absolut niemand als "moralische Instanz" wahrgenommen
12.04.2026, 13:55
Hierzu mal ein aktuelles Beispiel aus NRW:
https://www.sueddeutsche.de/politik/nord...li.3455918
Zur noch ausbaufähigen Führungskultur und Wertschätzung in der Justiz empfehle ich das folgende Interview:
https://www.lto.de/recht/justiz/j/deutsc...erthe-dehe
https://www.sueddeutsche.de/politik/nord...li.3455918
Zur noch ausbaufähigen Führungskultur und Wertschätzung in der Justiz empfehle ich das folgende Interview:
https://www.lto.de/recht/justiz/j/deutsc...erthe-dehe
12.04.2026, 14:31
Das Beamtentum ist bei solchen Themen ein zweischneidiges Schwert. Einerseits schützt es das untergeordnete Personal, andererseits schützt es eben auch die ungeeigneten Führungskräfte. Zudem fördert es bei Missständen eine gewisse Scheißegal-Haltung.
Der gängigste Ratschlag ist, sich einfach mit jeglichen Missständen zu arrangieren, da man ohnehin nichts tun könne. Ein Mitarbeiter arbeitet kaum, feiert krank, ist unproduktiv? Ist eben so, sei nicht zu hart, sonst ist er noch mehr krank. Eine Führungskraft ist völlig ungeeignet? Ist eben so, da kann man nichts machen, feier mehr krank. Das Prinzip gilt auf beiden Seiten, es besteht massives Missbrauchspotenzial. Wäre das Personal nicht großteils pflichtbewusst und motiviert, um solche Fälle abzufangen, würde gar nichts mehr funktionieren.
Das Beamtentum ist aus der Zeit gefallen und das sage ich als Beamter. Alternativen gibt es jedoch nicht wirklich. Die Ideen in Richtung Abschaffung, die immer mal wieder halbherzig in der Politik diskutiert werden, sehen keinen Ausgleich vor. Wenn zukünftig nur noch TVöD und TV-L statt Beamtentum winken, verliert der Staat den Wettkampf um gutes Personal endgültig. Zur Schaffung eines neuen Systems mit entsprechenden Anreizen bräuchte es politische Mehrheiten, die nicht existieren.
Das Fazit ist wie so oft: es wird sich nichts ändern.
Der gängigste Ratschlag ist, sich einfach mit jeglichen Missständen zu arrangieren, da man ohnehin nichts tun könne. Ein Mitarbeiter arbeitet kaum, feiert krank, ist unproduktiv? Ist eben so, sei nicht zu hart, sonst ist er noch mehr krank. Eine Führungskraft ist völlig ungeeignet? Ist eben so, da kann man nichts machen, feier mehr krank. Das Prinzip gilt auf beiden Seiten, es besteht massives Missbrauchspotenzial. Wäre das Personal nicht großteils pflichtbewusst und motiviert, um solche Fälle abzufangen, würde gar nichts mehr funktionieren.
Das Beamtentum ist aus der Zeit gefallen und das sage ich als Beamter. Alternativen gibt es jedoch nicht wirklich. Die Ideen in Richtung Abschaffung, die immer mal wieder halbherzig in der Politik diskutiert werden, sehen keinen Ausgleich vor. Wenn zukünftig nur noch TVöD und TV-L statt Beamtentum winken, verliert der Staat den Wettkampf um gutes Personal endgültig. Zur Schaffung eines neuen Systems mit entsprechenden Anreizen bräuchte es politische Mehrheiten, die nicht existieren.
Das Fazit ist wie so oft: es wird sich nichts ändern.
12.04.2026, 16:01
Auf diesen Fatalismus trifft man leider oft im öD. Zumindest den Führungskräften sollte man den allerdings nicht durchgehen lassen. Führungskräfte, die sich auf die Starrheit der Strukturen berufen, machen einfach einen schlechten Job!
Dass es im öD auch anders geht, durfte ich selbst nach meinem Wechsel in die Verwaltung erleben. Bei der persönlichen Ansprache wie bei den sonstigen Arbeitsbedingungen ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Gerade in der Justiz hält sich hingegen der Denkfehler, dass die richterliche Unabhängigkeit eine wertschätzende Führungskultur verbiete, weil der Richter ja schon nicht geführt werden dürfe. Das kommt in dem o.g. Interview schon gut raus. Dabei wäre eine solche Kultur so wichtig, um die Leute dauerhaft motiviert bei der Stange zu halten. Stattdessen scheint mir in der Justizverwaltung immer noch der (Irr-)Glaube vorzuherrschen, der Job alleine garantiere schon Erfüllung und Zufriedenheit genug und man könne die Zitrone einfach noch ein wenig mehr auspressen. Das mag gerade wegen der hohen Motivation der meisten Berufsanfänger für die ersten Jahre funktionieren, auf Dauer trägt es allerdings oft nicht, wenn ich mir viele Kollegen um die 45-50 so anschaue. Gerade hier würde gute Führungskultur einen Unterschied machen, denn wie es in dem Interview zutreffend heißt:
„Das Berufsleben ist ein Marathon“
Ich sage das schon mit einem gewissen Groll, weil die eigentlich schönen Justizberufe bessere Arbeitsbedingungen verdient hätten.
Dass es im öD auch anders geht, durfte ich selbst nach meinem Wechsel in die Verwaltung erleben. Bei der persönlichen Ansprache wie bei den sonstigen Arbeitsbedingungen ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Gerade in der Justiz hält sich hingegen der Denkfehler, dass die richterliche Unabhängigkeit eine wertschätzende Führungskultur verbiete, weil der Richter ja schon nicht geführt werden dürfe. Das kommt in dem o.g. Interview schon gut raus. Dabei wäre eine solche Kultur so wichtig, um die Leute dauerhaft motiviert bei der Stange zu halten. Stattdessen scheint mir in der Justizverwaltung immer noch der (Irr-)Glaube vorzuherrschen, der Job alleine garantiere schon Erfüllung und Zufriedenheit genug und man könne die Zitrone einfach noch ein wenig mehr auspressen. Das mag gerade wegen der hohen Motivation der meisten Berufsanfänger für die ersten Jahre funktionieren, auf Dauer trägt es allerdings oft nicht, wenn ich mir viele Kollegen um die 45-50 so anschaue. Gerade hier würde gute Führungskultur einen Unterschied machen, denn wie es in dem Interview zutreffend heißt:
„Das Berufsleben ist ein Marathon“
Ich sage das schon mit einem gewissen Groll, weil die eigentlich schönen Justizberufe bessere Arbeitsbedingungen verdient hätten.
12.04.2026, 16:34
(12.04.2026, 16:01)Spencer schrieb: Auf diesen Fatalismus trifft man leider oft im öD. Zumindest den Führungskräften sollte man den allerdings nicht durchgehen lassen. Führungskräfte, die sich auf die Starrheit der Strukturen berufen, machen einfach einen schlechten Job!
Dass es im öD auch anders geht, durfte ich selbst nach meinem Wechsel in die Verwaltung erleben. Bei der persönlichen Ansprache wie bei den sonstigen Arbeitsbedingungen ein Unterschied wie Tag und Nacht.
Gerade in der Justiz hält sich hingegen der Denkfehler, dass die richterliche Unabhängigkeit eine wertschätzende Führungskultur verbiete, weil der Richter ja schon nicht geführt werden dürfe. Das kommt in dem o.g. Interview schon gut raus. Dabei wäre eine solche Kultur so wichtig, um die Leute dauerhaft motiviert bei der Stange zu halten. Stattdessen scheint mir in der Justizverwaltung immer noch der (Irr-)Glaube vorzuherrschen, der Job alleine garantiere schon Erfüllung und Zufriedenheit genug und man könne die Zitrone einfach noch ein wenig mehr auspressen. Das mag gerade wegen der hohen Motivation der meisten Berufsanfänger für die ersten Jahre funktionieren, auf Dauer trägt es allerdings oft nicht, wenn ich mir viele Kollegen um die 45-50 so anschaue. Gerade hier würde gute Führungskultur einen Unterschied machen, denn wie es in dem Interview zutreffend heißt:
„Das Berufsleben ist ein Marathon“
Ich sage das schon mit einem gewissen Groll, weil die eigentlich schönen Justizberufe bessere Arbeitsbedingungen verdient hätten.
Ich kann das nur alles bestätigen. Bereits im heutigen System gibt es große Spielräume, die zu häufig ungenutzt blieben (bzw. in die falsche Richtung genutzt werden). Jede Führungskraft hat sehr viel selbst in der Hand. Ich staune umgekehrt öfters, was für wichtige Dinge Kollegen einfach laufen lassen, während sie sich um Unbedeutendes kümmern. Da ist für jeden der Ansatzpunkt, für sein Team und letztlich die ganze Einheit den Unterschied zu machen. In der Verwaltung sowieso, aber auch bei Gericht oder StA.










