08.04.2026, 15:58
Hallo!
Ich würde mich gerne über die Arbeitsbedingungen im jur. Bereich austauschen.
Ich arbeite jetzt seit 5 Jahren als angestellte Anwältin (aufgrund einer Promotion die meiste Zeit in Teilzeit) und ich finde es wirklich erschreckend, wie die Arbeitsbedingungen teilweise noch immer sind. In meinem Bundesland sind die Einstiegsgehälter leider wirklich mau. Wenn ich ins benachbarte Hamburg gehen würde, könnte ich wahrscheinlich locker das doppelte verdienen. Dazu kommt, dass es wirklich oft keine Benefits gibt. Also kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, keine Benefits oder Prämien. Zeiterfassung gibt es nicht, Überstunden werden nicht ausgeglichen, wenn man Urlaub nimmt, bekommt man einen Spruch gedrückt. Mein Ziel war immer, erstmal meine Promotion fertig zu bekommen. Es gab wirklich regelmäßiges Feedback, dass der Anwaltsberuf eigentlich nicht mit einer Teilzeittätigkeit zu vereinbaren sei (mein Arbeitgeber wusste, dass ich wegen der Doktorarbeit Teilzeit arbeiten wollte) und es wurde einem negativ angelastet, dass man einigermaßen pünktlich gegangen ist. In der normalen Kanzlei in meiner Stadt ist Vollzeit immer noch 40h+Überstunden. In den Kanzleien, in denen ich bisher gearbeitet habe, war das Arbeitsklima auch eher schlecht als recht und viele Partner hatten eher einen schwierigen Charakter. Wertschätzung oder ähnliches gab es kaum. Wenn ich das mit Kollegen vergleiche, die als Syndikusanwälte in einem Unternehmen angefangen haben, oder mit Angestellten im ÖD oder in öffentlichen Körperschaften, dann ist das wirklich frustrierend, was man als angestellter Anwalt geboten bekommt. Ich überlege inzwischen, der Anwaltschaft den Rücken zu kehren und mein Glück in der Justiz zu finden. In den Stationen im Ref war die Arbeitsbelastung bei der StA und dem Gericht aber wirklich enorm hoch.
Wie sind eure Erfahrungen im Berufseinstieg so gewesen? Ich habe inzwischen das Gefühl, wenn man sein Leben nicht komplett mit arbeiten verbringen möchte, ist man in den klassischen juristischen Berufen eher falsch aufgehoben.
Ich würde mich gerne über die Arbeitsbedingungen im jur. Bereich austauschen.
Ich arbeite jetzt seit 5 Jahren als angestellte Anwältin (aufgrund einer Promotion die meiste Zeit in Teilzeit) und ich finde es wirklich erschreckend, wie die Arbeitsbedingungen teilweise noch immer sind. In meinem Bundesland sind die Einstiegsgehälter leider wirklich mau. Wenn ich ins benachbarte Hamburg gehen würde, könnte ich wahrscheinlich locker das doppelte verdienen. Dazu kommt, dass es wirklich oft keine Benefits gibt. Also kein Weihnachtsgeld, kein Urlaubsgeld, keine Benefits oder Prämien. Zeiterfassung gibt es nicht, Überstunden werden nicht ausgeglichen, wenn man Urlaub nimmt, bekommt man einen Spruch gedrückt. Mein Ziel war immer, erstmal meine Promotion fertig zu bekommen. Es gab wirklich regelmäßiges Feedback, dass der Anwaltsberuf eigentlich nicht mit einer Teilzeittätigkeit zu vereinbaren sei (mein Arbeitgeber wusste, dass ich wegen der Doktorarbeit Teilzeit arbeiten wollte) und es wurde einem negativ angelastet, dass man einigermaßen pünktlich gegangen ist. In der normalen Kanzlei in meiner Stadt ist Vollzeit immer noch 40h+Überstunden. In den Kanzleien, in denen ich bisher gearbeitet habe, war das Arbeitsklima auch eher schlecht als recht und viele Partner hatten eher einen schwierigen Charakter. Wertschätzung oder ähnliches gab es kaum. Wenn ich das mit Kollegen vergleiche, die als Syndikusanwälte in einem Unternehmen angefangen haben, oder mit Angestellten im ÖD oder in öffentlichen Körperschaften, dann ist das wirklich frustrierend, was man als angestellter Anwalt geboten bekommt. Ich überlege inzwischen, der Anwaltschaft den Rücken zu kehren und mein Glück in der Justiz zu finden. In den Stationen im Ref war die Arbeitsbelastung bei der StA und dem Gericht aber wirklich enorm hoch.
Wie sind eure Erfahrungen im Berufseinstieg so gewesen? Ich habe inzwischen das Gefühl, wenn man sein Leben nicht komplett mit arbeiten verbringen möchte, ist man in den klassischen juristischen Berufen eher falsch aufgehoben.
08.04.2026, 17:25
Kurz: du hast Recht.
Alle klassischen juristischen Berufe sind mit viel Arbeit verbunden.
Habe noch nie etwas anderes gehört.
Dass du das jetzt erst realisierst scheint überraschend. Ist ja eigentlich wohlbekannt. Wenig Arbeit gibt’s nur im ÖD und ggf., wenn man Glück hat, als Syndikus.
Meiner Meinung nach passen deine Vorstellungen eher dazu.
In der Justiz ist jedenfalls auch sehr viel Arbeit und Leistung gefragt.
Alle klassischen juristischen Berufe sind mit viel Arbeit verbunden.
Habe noch nie etwas anderes gehört.
Dass du das jetzt erst realisierst scheint überraschend. Ist ja eigentlich wohlbekannt. Wenig Arbeit gibt’s nur im ÖD und ggf., wenn man Glück hat, als Syndikus.
Meiner Meinung nach passen deine Vorstellungen eher dazu.
In der Justiz ist jedenfalls auch sehr viel Arbeit und Leistung gefragt.
08.04.2026, 17:28
Es ist ein Trugschluss, dass Benefits wie 13. Gehalt usw. "oben drauf" kommen. Ein Arbeitgeber, der das zahlt, zahlt unterjährig eben entsprechend weniger. Das Geld muss ja verdient werden.
08.04.2026, 20:22
wer sich etwas vor dem Studium informiert, der weiß, dass als RA auch im Angestelltenverhältnis nicht von 40 Stunden ausgegangen werden kann. Das kann man nun bedauern, aber jeder der den Beruf ergreift, weiß es m.E. im Vorfeld. Was den Verdienst anbelangt, dann ist dies von vielen Faktoren abhängig. Du selbst beschreibt einen regionalen Faktor. Den kannst du nun akzeptieren, oder etwas ändern. Du kannst dir einen anderen Job z.B. in HH suchen, du kannst dich selbständig machen oder einen der anderen von dir genannten Jobs annehmen. Kaum ein Studium eröffnet ein so breites Feld an Möglichkeiten. Wenn du sie nicht nutzt, dann fütterst das System, dass du hier bedauerst
08.04.2026, 21:44
(08.04.2026, 17:28)Greif schrieb: Es ist ein Trugschluss, dass Benefits wie 13. Gehalt usw. "oben drauf" kommen. Ein Arbeitgeber, der das zahlt, zahlt unterjährig eben entsprechend weniger. Das Geld muss ja verdient werden.
Also dem widerspreche ich. Also Kanzleien mit etwas über 3K Brutto zahlen kein Weihnachtsgeld, während du woanders mit über 4K Brutto Weihnachtsgeld bekommst 😅 Also ich sehe es nicht so, dass Arbeitgeber weniger zahlen, wenn sie Weihnachtsgeld gewähren. Habe da andere Erfahrungen im Umkreis gemacht
08.04.2026, 22:13
(08.04.2026, 21:44)JurisRef schrieb:(08.04.2026, 17:28)Greif schrieb: Es ist ein Trugschluss, dass Benefits wie 13. Gehalt usw. "oben drauf" kommen. Ein Arbeitgeber, der das zahlt, zahlt unterjährig eben entsprechend weniger. Das Geld muss ja verdient werden.
Also dem widerspreche ich. Also Kanzleien mit etwas über 3K Brutto zahlen kein Weihnachtsgeld, während du woanders mit über 4K Brutto Weihnachtsgeld bekommst 😅 Also ich sehe es nicht so, dass Arbeitgeber weniger zahlen, wenn sie Weihnachtsgeld gewähren. Habe da andere Erfahrungen im Umkreis gemacht
Du hast nicht verstanden, was ich sagen wollte. Die Kanzlei, die 3k brutto zahlt und kein Weihnachtsgeld, kann nicht einfach aus dem nichts Weihnachtsgeld zahlen. Wenn der nächste Bewerber dieser Kanzlei unbedingt Weihnachtsgeld will, bekommt er das, wird aber 2.8k brutto bekommen.
08.04.2026, 22:15
(08.04.2026, 21:44)JurisRef schrieb:Ich habe den Beitrag anders verstanden:(08.04.2026, 17:28)Greif schrieb: Es ist ein Trugschluss, dass Benefits wie 13. Gehalt usw. "oben drauf" kommen. Ein Arbeitgeber, der das zahlt, zahlt unterjährig eben entsprechend weniger. Das Geld muss ja verdient werden.
Also dem widerspreche ich. Also Kanzleien mit etwas über 3K Brutto zahlen kein Weihnachtsgeld, während du woanders mit über 4K Brutto Weihnachtsgeld bekommst 😅 Also ich sehe es nicht so, dass Arbeitgeber weniger zahlen, wenn sie Weihnachtsgeld gewähren. Habe da andere Erfahrungen im Umkreis gemacht
Es kommt beim Entgelt auf das Gesamtpaket an, also das Jahresbrutto, und nicht auf den Umstand, dass ein 13. Gehalt gezahlt wird.
Übrigens: Wer ganz spitzfindig ist empfindet eine unterjährige gleichmäßige Verteilung des Entgelts als vorteilhaft. Denn eine ungleichmäßige Verteilung sorgt in der Einkommensteuer aufgrund des progressiven Steuertarifs für eine höhere Steuerbelastung des Bruttoentgelts. Selbstverständlich kann man das durch die Abgabe einer Einkommensteuererklärung "ausbügeln", allerdings entgeht dem Arbeitnehmer in den Monaten bis zur Erstattung ein (marginaler) Zinseffekt.
08.04.2026, 22:17
(08.04.2026, 22:15)KissingSpines schrieb:(08.04.2026, 21:44)JurisRef schrieb:Ich habe den Beitrag anders verstanden:(08.04.2026, 17:28)Greif schrieb: Es ist ein Trugschluss, dass Benefits wie 13. Gehalt usw. "oben drauf" kommen. Ein Arbeitgeber, der das zahlt, zahlt unterjährig eben entsprechend weniger. Das Geld muss ja verdient werden.
Also dem widerspreche ich. Also Kanzleien mit etwas über 3K Brutto zahlen kein Weihnachtsgeld, während du woanders mit über 4K Brutto Weihnachtsgeld bekommst 😅 Also ich sehe es nicht so, dass Arbeitgeber weniger zahlen, wenn sie Weihnachtsgeld gewähren. Habe da andere Erfahrungen im Umkreis gemacht
Es kommt beim Entgelt auf das Gesamtpaket an, also das Jahresbrutto, und nicht auf den Umstand, dass ein 13. Gehalt gezahlt wird.
Übrigens: Wer ganz spitzfindig ist empfindet eine unterjährige gleichmäßige Verteilung des Entgelts als vorteilhaft. Denn eine ungleichmäßige Verteilung sorgt in der Einkommensteuer aufgrund des progressiven Steuertarifs für eine höhere Steuerbelastung des Bruttoentgelts. Selbstverständlich kann man das durch die Abgabe einer Einkommensteuererklärung "ausbügeln", allerdings entgeht dem Arbeitnehmer in den Monaten bis zur Erstattung ein (marginaler) Zinseffekt.
Er/Sie hat es verstanden ;)
09.04.2026, 00:55
(08.04.2026, 22:15)KissingSpines schrieb:(08.04.2026, 21:44)JurisRef schrieb:Ich habe den Beitrag anders verstanden:(08.04.2026, 17:28)Greif schrieb: Es ist ein Trugschluss, dass Benefits wie 13. Gehalt usw. "oben drauf" kommen. Ein Arbeitgeber, der das zahlt, zahlt unterjährig eben entsprechend weniger. Das Geld muss ja verdient werden.
Also dem widerspreche ich. Also Kanzleien mit etwas über 3K Brutto zahlen kein Weihnachtsgeld, während du woanders mit über 4K Brutto Weihnachtsgeld bekommst 😅 Also ich sehe es nicht so, dass Arbeitgeber weniger zahlen, wenn sie Weihnachtsgeld gewähren. Habe da andere Erfahrungen im Umkreis gemacht
Es kommt beim Entgelt auf das Gesamtpaket an, also das Jahresbrutto, und nicht auf den Umstand, dass ein 13. Gehalt gezahlt wird.
Übrigens: Wer ganz spitzfindig ist empfindet eine unterjährige gleichmäßige Verteilung des Entgelts als vorteilhaft. Denn eine ungleichmäßige Verteilung sorgt in der Einkommensteuer aufgrund des progressiven Steuertarifs für eine höhere Steuerbelastung des Bruttoentgelts. Selbstverständlich kann man das durch die Abgabe einer Einkommensteuererklärung "ausbügeln", allerdings entgeht dem Arbeitnehmer in den Monaten bis zur Erstattung ein (marginaler) Zinseffekt.
Es ist auch beim Elterngeld nachteilig.
Bei meinem 2. Arbeitgeber wurde es leider genau so gehandhabt, wie dargestellt. Ich nannte Summe X als Gehaltswunsch, bekam dies auch, aber aufgeteilt auf 12 Monate plus 2x 1/2 Gehälter als Urlaubs- und Weihnachtsgeld. Fand ich doof, bekamen dort aber alle so, deswegen kein Spielraum.
Ansonsten kann ich aber immer wieder nur sagen, dass es sehr wohl Kanzleien gibt, in denen man keine ~50 Stunden arbeiten muss. Ich habe sowohl im Ref als auch im Berufsleben solche Kanzleien kennengelernt und auch etliche Anwältinnen, die in Teilzeit arbeiten. Man darf nur nicht erwarten, dafür das große Geld zu bekommen, wie hier teilweise die Erwartungshaltung ist.
Da hier im Forum der Fokus überwiegend aufs Gehalt gerichtet ist, gibt es kaum Erfahrungsberichte über Kanzleien mit normalen Arbeitszeiten im Sinne von 40 Stunden, aber tatsächlich gibt es mehr als genug Kanzleien, in denen man sich nicht tot arbeitet.
Wie man sie findet? Sich umhören, auf Zwischentöne in der Stellenanzeige und im Bewerbungsgespräch achten und nicht nur aufs Gehalt schielen. Manchmal gibt es hier Berichte über Ausnahmen, aber wer bspw. ein 6stelliges Gehalt angeboten bekommt, kann nicht davon ausgehen, dass er dafür 35-40h easy und locker vor sich hinarbeiten kann.
10.04.2026, 10:04
(08.04.2026, 17:25)Attila schrieb: Kurz: du hast Recht.
Alle klassischen juristischen Berufe sind mit viel Arbeit verbunden.
Habe noch nie etwas anderes gehört.
Dass du das jetzt erst realisierst scheint überraschend. Ist ja eigentlich wohlbekannt. Wenig Arbeit gibt’s nur im ÖD und ggf., wenn man Glück hat, als Syndikus.
Meiner Meinung nach passen deine Vorstellungen eher dazu.
In der Justiz ist jedenfalls auch sehr viel Arbeit und Leistung gefragt.
Dass es im ÖD wenig Arbeit gibt, würde ich nicht sagen, es kommt hier sehr darauf an, wo man konkret tätig ist und kann bisweilen sehr arbeitsintensiv und zeitkritisch sein.
Die Zeiten, wo es sich der ÖD erlauben konnte, jeden "Faulpelz" zu alimentieren, sind eindeutig vorbei und das wird sich in Zeiten von Wirtschaftskrise und sinkenden Steuereinnahmen noch verschärfen.










