20.04.2021, 16:34
(20.04.2021, 16:03)Gast schrieb:(20.04.2021, 15:46)Fritzle schrieb:(20.04.2021, 15:32)Ratlos schrieb: Hi!
Lese hier häufiger mit und sehe auch in meinem Bekanntenkreis, dasselbe Phänomen: viele wollen sich unbedingt als Richter oder Staatsanwalt bewerben (wobei nun angeblich die Nachfrage noch mehr ansteigt während corona) und die meisten sind danach hier im forum oder überall anders nur am jammern. Frage mich immer warum man das dann macht bzw. warum man trotzdem dabei bleibt wenn es doch alles so unerträglich ist?
Hatte tatsächlich auch schon überlegt zur Justiz zu gehen, nur Schrecken mich die "Erfahrungsberichte" schon etwas ab. Wobei ich mich bei manchen auch frage, was sie davon erwartet haben. Viele beschweren sich ja schon, dass sie am Anfang 50h die Woche arbeiten mussten. Das ist aber doch als Anfänger in der Anwaltschaft ganz normal?!
Ich denke, das Problem ist, dass die Erwartungen, die man an den Job in der Justiz hat nicht erfüllt werden. Zumindest war das bei mir so. Ich wollte eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben.
Inwieweit war es denn nicht sinnstiftend? Das ist auch genau der Punkt, weswegen ich aus der GK in die Justiz wechsle (neben hoffentlich mittelfristig besserer Work Life Balance).
Aber ich denke auch, dass es viel mit den Erwartungen zusammenhängt - dass man direkt von Beginn an mit 30 Stunden rumpimmelt und davon idealerweise 15 Std. Kaffeepause sind..
Bei 200 Verfahren mit mehrbändigen Akten kannst du nicht annähernd für sowas wie Gerechtigkeit sorgen. Den Berg musst du erstmal abarbeiten. Und das wird dir mit 40h nicht gelingen. Deine Hoffnung auf bessere Arbeitsbedingungen kannst du zumindest vorerst begraben.
20.04.2021, 16:41
(20.04.2021, 16:20)Gast schrieb:(20.04.2021, 16:03)Gast schrieb:(20.04.2021, 15:46)Fritzle schrieb:(20.04.2021, 15:32)Ratlos schrieb: Hi!
Lese hier häufiger mit und sehe auch in meinem Bekanntenkreis, dasselbe Phänomen: viele wollen sich unbedingt als Richter oder Staatsanwalt bewerben (wobei nun angeblich die Nachfrage noch mehr ansteigt während corona) und die meisten sind danach hier im forum oder überall anders nur am jammern. Frage mich immer warum man das dann macht bzw. warum man trotzdem dabei bleibt wenn es doch alles so unerträglich ist?
Hatte tatsächlich auch schon überlegt zur Justiz zu gehen, nur Schrecken mich die "Erfahrungsberichte" schon etwas ab. Wobei ich mich bei manchen auch frage, was sie davon erwartet haben. Viele beschweren sich ja schon, dass sie am Anfang 50h die Woche arbeiten mussten. Das ist aber doch als Anfänger in der Anwaltschaft ganz normal?!
Ich denke, das Problem ist, dass die Erwartungen, die man an den Job in der Justiz hat nicht erfüllt werden. Zumindest war das bei mir so. Ich wollte eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben.
Inwieweit war es denn nicht sinnstiftend? Das ist auch genau der Punkt, weswegen ich aus der GK in die Justiz wechsle (neben hoffentlich mittelfristig besserer Work Life Balance).
Aber ich denke auch, dass es viel mit den Erwartungen zusammenhängt - dass man direkt von Beginn an mit 30 Stunden rumpimmelt und davon idealerweise 15 Std. Kaffeepause sind..
Aber ja, alles Faulpelze und Low Performer. Mal sehen, was von deiner Einstellung nach ein paar Monaten noch übrig ist.
Fühlt sich da wer angegriffen? ;)
20.04.2021, 16:55
Ich habe mir im Ref sehr genau angesehen wie der Alltag aussieht.
Junger Richter:
Man muss ehrgeizig, höchstleistungsorientiert und karrierefokussiert sein und vorallem beeindrucken wollen, was man alles juristisch kann - und ganz besonders muss man juris copy paste mögen und treu der nächsthöheren oder obersten Instanz nachsprechen.
Man muss sich über die Anwälte und deren Mandanten lustig machen können und die Arbeit der "schlechten" Anwälte machen, sich über seine immense Arbeitslast beschweren, stets den hohen Selbstanspruch erwähnen.
Kurz vor Pension:
Entspannt, viel Urlaub, viele Vergleiche, alles cool, 40h passen, sich noch immer über Anwälte beschweren, gute Ausbildung
Das waren meine Erfahrungen an zwei Gerichten.
Es ist wie in der Anwaltschaft und fast alles anderen Berufen, die es gibt:
Man muss ein paar Jahre durchhalten, bis es richtig läuft!
Junger Richter:
Man muss ehrgeizig, höchstleistungsorientiert und karrierefokussiert sein und vorallem beeindrucken wollen, was man alles juristisch kann - und ganz besonders muss man juris copy paste mögen und treu der nächsthöheren oder obersten Instanz nachsprechen.
Man muss sich über die Anwälte und deren Mandanten lustig machen können und die Arbeit der "schlechten" Anwälte machen, sich über seine immense Arbeitslast beschweren, stets den hohen Selbstanspruch erwähnen.
Kurz vor Pension:
Entspannt, viel Urlaub, viele Vergleiche, alles cool, 40h passen, sich noch immer über Anwälte beschweren, gute Ausbildung
Das waren meine Erfahrungen an zwei Gerichten.
Es ist wie in der Anwaltschaft und fast alles anderen Berufen, die es gibt:
Man muss ein paar Jahre durchhalten, bis es richtig läuft!
20.04.2021, 16:56
(20.04.2021, 16:41)Gast schrieb:(20.04.2021, 16:20)Gast schrieb:(20.04.2021, 16:03)Gast schrieb:(20.04.2021, 15:46)Fritzle schrieb:(20.04.2021, 15:32)Ratlos schrieb: Hi!
Lese hier häufiger mit und sehe auch in meinem Bekanntenkreis, dasselbe Phänomen: viele wollen sich unbedingt als Richter oder Staatsanwalt bewerben (wobei nun angeblich die Nachfrage noch mehr ansteigt während corona) und die meisten sind danach hier im forum oder überall anders nur am jammern. Frage mich immer warum man das dann macht bzw. warum man trotzdem dabei bleibt wenn es doch alles so unerträglich ist?
Hatte tatsächlich auch schon überlegt zur Justiz zu gehen, nur Schrecken mich die "Erfahrungsberichte" schon etwas ab. Wobei ich mich bei manchen auch frage, was sie davon erwartet haben. Viele beschweren sich ja schon, dass sie am Anfang 50h die Woche arbeiten mussten. Das ist aber doch als Anfänger in der Anwaltschaft ganz normal?!
Ich denke, das Problem ist, dass die Erwartungen, die man an den Job in der Justiz hat nicht erfüllt werden. Zumindest war das bei mir so. Ich wollte eine sinnstiftende Tätigkeit ausüben.
Inwieweit war es denn nicht sinnstiftend? Das ist auch genau der Punkt, weswegen ich aus der GK in die Justiz wechsle (neben hoffentlich mittelfristig besserer Work Life Balance).
Aber ich denke auch, dass es viel mit den Erwartungen zusammenhängt - dass man direkt von Beginn an mit 30 Stunden rumpimmelt und davon idealerweise 15 Std. Kaffeepause sind..
Aber ja, alles Faulpelze und Low Performer. Mal sehen, was von deiner Einstellung nach ein paar Monaten noch übrig ist.
Fühlt sich da wer angegriffen? ;)
Nö, ich finde die mitschwingende Überheblichkeit eher erheiternd. Zumal der Kommentator nur am eigenen Ast sägt. Wenn er recht hat und ihm das alles locker von der Hand geht, war's demnach keine große Kunst. Läuft's andersrum, rächt sich sein Hochmut. Ansonsten wird er selbst erleben, wie der Hase hoppelt.
20.04.2021, 17:05
Mich schreckt vor allem die größtenteils technisch schlechte Ausstattung und tristen Gebäude / Büros ab. Ich will mich auf der Arbeit auch einfach wohl fühlen und nicht das Gefühl haben im 70er Jahre-Bunker zu sein.
20.04.2021, 17:31
(20.04.2021, 17:05)Gast schrieb: Mich schreckt vor allem die größtenteils technisch schlechte Ausstattung und tristen Gebäude / Büros ab. Ich will mich auf der Arbeit auch einfach wohl fühlen und nicht das Gefühl haben im 70er Jahre-Bunker zu sein.
Bin jetzt seit kurzer Zeit Richter, und ich finde es super. Die Arbeit macht mir Spaß, die Kolleginnen und Kollegen sind durchweg nett und vor allem sind die meisten jungen Kolleginnen und Kollegen auf Probe alle auch super zufrieden. Klar, manche ächtzen ein wenig unter der Arbeitslast, aber im Großen und Ganzen finden alle den Job toll.
Ich würde auf das Forum hier weder in die eine noch in die andere Richtung viel geben.
Achja: Finde nur die Ausstattung grauenhaft, aber das sollte sich mit einem geplanten Neubau verbessern.
Wer Richter auf Probe bzw. Staatsanwalt werden möchte, sollte sich mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Das Karriere-Dossier ist als Print-Buch sowie als E-Book für alle 16 Bundesländer erhältlich:
https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
Und zur Vorbereitung auf das alles entscheidende Vorstellungsgespräch sollte man auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben.
https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
Und zur Vorbereitung auf das alles entscheidende Vorstellungsgespräch sollte man auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben.
20.04.2021, 18:06
Nur ein Idiot denkt, dass Erfahrungsberichte in Foren ein unverzerrtes Bild abgeben. Und Idioten braucht die Justiz zum Glück nicht.
20.04.2021, 18:21
Zitat:Und das alles dann auch noch für ein Gehalt, über das Unternehmensjuristen nach fünf Jahren laut lachen..
Ach ja, was kriegen Unternehmensjuristen denn nach 10 Jahren? Der R1-Richter mit Kind hat dann (BW) 4.400€ netto, minus PKV. Das sind - PKV nicht berücksichtigt - über 90.000 € brutto. Das bisschen, was die PKV kostet, muss jeder Unternehmensjurist 3x für die private Altersvorsorge ausgeben, von BU mal gar nicht gesprochen.
Die Besoldung ist gar nicht so übel, dafür, dass man einen bombensicheren Job hat und auch nur 2x8 braucht. Das dumme ist nur, dass man absehen kann, dass sie wohl nie besonders steigen wird, bzw. sehr limitiert ist.
20.04.2021, 18:28
20.04.2021, 18:31
(20.04.2021, 18:21)Gast schrieb:Lol, die Diskussion hatten wir doch neulich erst. Warum zum Teufel ziehst Du für deine Rechnung die PKV nicht ab?Zitat:Und das alles dann auch noch für ein Gehalt, über das Unternehmensjuristen nach fünf Jahren laut lachen..
Ach ja, was kriegen Unternehmensjuristen denn nach 10 Jahren? Der R1-Richter mit Kind hat dann (BW) 4.400€ netto, minus PKV. Das sind - PKV nicht berücksichtigt - über 90.000 € brutto. Das bisschen, was die PKV kostet, muss jeder Unternehmensjurist 3x für die private Altersvorsorge ausgeben, von BU mal gar nicht gesprochen.









