25.09.2026, 19:11
(24.09.2026, 21:08)Leo schrieb: Ich bin seit nun fast einem Jahr in einer Großkanzlei und warte sehnsüchtig auf den Tag, an dem ich diesen Schuppen wieder verlassen kann. Nur wird im ÖD derzeit nichts ausgeschrieben, was mich tatsächlich interessiert. Und so bleibe ich dann doch noch etwas im Hamsterrad.
Ohje das klingt aber nicht gut. Magst du etwas näher dazu ausführen was da alles schief läuft?
26.09.2026, 14:28
ZB hier im Freilichtmuseum sieht man schön wie beschwerlich das Leben als Bauer früher war, dagegen ist Anwalt in der Großkanzlei ein Top-Job. Das Problem ist halt dass der ÖD mit hoher Bezahlung für wenig Arbeit bietet, die Jobs, die wirklich kostendeckend und wertschöpfend sind, nicht bieten können. Dass die politisch-gesellschftlichen Entwicklungen oft nicht-wertschöpfende Branchen subventioniert, sorgt halt auch auf der Arbeitnehmetebene sich viele für den einfachen Weg entscheiden, oftmals noch schön kaschiert mit dem Gedanken, ja „was fürs Gemeinwohl zu tun“. Leider insgesamt eine bedenkliche Entwicklung, (der ich mich selbst als Beamter im HD auch nicht entziehen konnte, so ehrlich muss man sein).
26.09.2026, 14:39
Wertschöpfung braucht aber auch die richtigen Rahmenbedingungen und eine öffentliche Infrastruktur. Diese zu schaffen bzw. zu unterhalten ist die Aufgabe des öD. D.h. würde ich es ihm nicht zum Vorwurf machen, dass er diese Wertschöpfung nicht selbst unmittelbar schafft.
Etwas anderes ist es natürlich, die kritische Frage zu stellen, ob es wirklich jede Planstelle geben muss. Da setzt dann auch die notwendige Aufgabenkritik an.
Etwas anderes ist es natürlich, die kritische Frage zu stellen, ob es wirklich jede Planstelle geben muss. Da setzt dann auch die notwendige Aufgabenkritik an.
26.09.2026, 16:38
Wobei die Werte, die ein Strafverteidiger oder Großkanzleianwalt schafft, auch eher abstrakt sind. Vielleicht hätten wir alle besser Ingenieure oder gleich Maurer werden sollen, da entstehen wahre Werte. Ganz schlimm sind Anwälte, die die öffentliche Hand beraten, die vervielfachen noch die Kosten der fehlenden Wertschöpfung...
27.09.2026, 08:57
(26.09.2026, 14:28)Sesselpupser schrieb: ZB hier im Freilichtmuseum sieht man schön wie beschwerlich das Leben als Bauer früher war, dagegen ist Anwalt in der Großkanzlei ein Top-Job. Das Problem ist halt dass der ÖD mit hoher Bezahlung für wenig Arbeit bietet, die Jobs, die wirklich kostendeckend und wertschöpfend sind, nicht bieten können. Dass die politisch-gesellschftlichen Entwicklungen oft nicht-wertschöpfende Branchen subventioniert, sorgt halt auch auf der Arbeitnehmetebene sich viele für den einfachen Weg entscheiden, oftmals noch schön kaschiert mit dem Gedanken, ja „was fürs Gemeinwohl zu tun“. Leider insgesamt eine bedenkliche Entwicklung, (der ich mich selbst als Beamter im HD auch nicht entziehen konnte, so ehrlich muss man sein).
Diese immer gleichen Klischees zeigen wie klein der Horizont mancher Foristen hier ist. Den öd so pauschal zu beschreiben ist mindestens genauso Unsinn wie die Tätigkeit als Anwalt einheitlich zu erfassen...
27.09.2026, 10:23
(27.09.2026, 08:57)Homer S. schrieb:(26.09.2026, 14:28)Sesselpupser schrieb: ZB hier im Freilichtmuseum sieht man schön wie beschwerlich das Leben als Bauer früher war, dagegen ist Anwalt in der Großkanzlei ein Top-Job. Das Problem ist halt dass der ÖD mit hoher Bezahlung für wenig Arbeit bietet, die Jobs, die wirklich kostendeckend und wertschöpfend sind, nicht bieten können. Dass die politisch-gesellschftlichen Entwicklungen oft nicht-wertschöpfende Branchen subventioniert, sorgt halt auch auf der Arbeitnehmetebene sich viele für den einfachen Weg entscheiden, oftmals noch schön kaschiert mit dem Gedanken, ja „was fürs Gemeinwohl zu tun“. Leider insgesamt eine bedenkliche Entwicklung, (der ich mich selbst als Beamter im HD auch nicht entziehen konnte, so ehrlich muss man sein).
Diese immer gleichen Klischees zeigen wie klein der Horizont mancher Foristen hier ist. Den öd so pauschal zu beschreiben ist mindestens genauso Unsinn wie die Tätigkeit als Anwalt einheitlich zu erfassen...
Man müsste sich halt mal überlegen woher diese „Klischees“ stammen. Defacto sieht es außerhalb der Führungsebene in nicht allen, aber vielen Bereichen so aus, dass das Verhältnis zwischen Arbeit und Benefits nicht stimmt. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, mittlerweile 5 Jahre in der Behörde, wie auch von Berichten von Freunden aus anderen Behörden. Wenn es verallgemeinernd klingt, möchte ich das allerdings ein Stück weit richtig stellen, natürlich ist es nicht überall gleich, aber doch an vielen Stellen.
27.09.2026, 14:58
(27.09.2026, 10:23)Sesselpupser schrieb:(27.09.2026, 08:57)Homer S. schrieb:(26.09.2026, 14:28)Sesselpupser schrieb: ZB hier im Freilichtmuseum sieht man schön wie beschwerlich das Leben als Bauer früher war, dagegen ist Anwalt in der Großkanzlei ein Top-Job. Das Problem ist halt dass der ÖD mit hoher Bezahlung für wenig Arbeit bietet, die Jobs, die wirklich kostendeckend und wertschöpfend sind, nicht bieten können. Dass die politisch-gesellschftlichen Entwicklungen oft nicht-wertschöpfende Branchen subventioniert, sorgt halt auch auf der Arbeitnehmetebene sich viele für den einfachen Weg entscheiden, oftmals noch schön kaschiert mit dem Gedanken, ja „was fürs Gemeinwohl zu tun“. Leider insgesamt eine bedenkliche Entwicklung, (der ich mich selbst als Beamter im HD auch nicht entziehen konnte, so ehrlich muss man sein).
Diese immer gleichen Klischees zeigen wie klein der Horizont mancher Foristen hier ist. Den öd so pauschal zu beschreiben ist mindestens genauso Unsinn wie die Tätigkeit als Anwalt einheitlich zu erfassen...
Man müsste sich halt mal überlegen woher diese „Klischees“ stammen. Defacto sieht es außerhalb der Führungsebene in nicht allen, aber vielen Bereichen so aus, dass das Verhältnis zwischen Arbeit und Benefits nicht stimmt. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, mittlerweile 5 Jahre in der Behörde, wie auch von Berichten von Freunden aus anderen Behörden. Wenn es verallgemeinernd klingt, möchte ich das allerdings ein Stück weit richtig stellen, natürlich ist es nicht überall gleich, aber doch an vielen Stellen.
Vielleicht ist unsere Schnittstelle die These, dass es juristische Arbeitsplätze gibt, die eine besonders schlechte Kombi aus Aufwand und Ertrag haben. Und ich würde mir auch in Behörden mehr Leistungs- oder stellenzulagen wünschen und will auch in keiner Pauschalität behaupten, dass der ÖD nur aus Arbeitstieren besteht. Aber ich kenne hier (in einer Behörde/Ministerium) auch viele, die mindestens 10 Stunden am Tag vor Ort sind und dann nochmal ne Stunde pro Weg brauchen. Und spätestens ab der Ebene des Referatsleiters ist bei uns auch Schluss mit mehr als einem Tag HO pro Woche. So gut wie niemand der etwas über A15 hinauskommen möchte hat ein entspanntes Leben.
Das im ÖD auch der ein oder andere Lowpeformer mitgezogen wird ist so. Aber hier wird ja oft so getan, als würde man mit 9-5, 4 Tagen HO, 30 Tagen Urlaub plus 4 Wochen Krankfeiern noch Karriere machen.
Und ja, es gibt diese Leute und rausfliegen können die (teilweise leider) nicht. Aber die fliegen hier auch ganz schnell aus den Ministerien, werden auf irgendeine Kack-Stelle gesetzt und versauern dann dort. Wer das als Work-Life Balance benefit betrachtet, bekommt den, aber erstrebenswert ist das doch nicht?!
Denke das die Bezahlung im Beamtentum recht gut mit der in Unternehmen vergleichbar ist. Das bezieht sich jetzt nicht speziell auf Juristen, sondern ist so mein Ergebnnis wenn ich so unter meinen Kollegen der Durchschnitt betrachte.
27.09.2026, 15:23
@ Homer S.: das kann ich so aus unserer Behörde bestätigen.
Auch hier gibt es Lowperformer, die sich aber eher unter den älteren Kollegen finden. Da spielen dann auch gefühlte/tatsächlich erlebte Ungerechtigkeiten und das Gefühl der mangelnde Sinnhaftigkeit der eigenen Aufgaben bis hin zur totalen beruflichen Frustration eine Rolle. Gut geht es diesen Kollegen aber meistens nicht damit. Wer steht schon gerne mit Mitte 50 auf dem Abstellgleis? Das Gegenstück zum Burnout ist bekanntlich das Boreout…
Bei aller Routine und Ernüchterung, die sich in vielen Berufen zumindest phasenweise einstellen kann, halte ich es schon im eigenen Interesse für absolut wichtig, sich die Freude an der Arbeit zu bewahren. Und das geht auch im öD nur mit einer ordentlichen Portion Einsatz. Ansonsten können 41h pro Woche über die Jahre sehr lang und zermürbend werden.
Auch hier gibt es Lowperformer, die sich aber eher unter den älteren Kollegen finden. Da spielen dann auch gefühlte/tatsächlich erlebte Ungerechtigkeiten und das Gefühl der mangelnde Sinnhaftigkeit der eigenen Aufgaben bis hin zur totalen beruflichen Frustration eine Rolle. Gut geht es diesen Kollegen aber meistens nicht damit. Wer steht schon gerne mit Mitte 50 auf dem Abstellgleis? Das Gegenstück zum Burnout ist bekanntlich das Boreout…
Bei aller Routine und Ernüchterung, die sich in vielen Berufen zumindest phasenweise einstellen kann, halte ich es schon im eigenen Interesse für absolut wichtig, sich die Freude an der Arbeit zu bewahren. Und das geht auch im öD nur mit einer ordentlichen Portion Einsatz. Ansonsten können 41h pro Woche über die Jahre sehr lang und zermürbend werden.
27.09.2026, 16:50
(27.09.2026, 10:23)Sesselpupser schrieb: Man müsste sich halt mal überlegen woher diese „Klischees“ stammen. Defacto sieht es außerhalb der Führungsebene in nicht allen, aber vielen Bereichen so aus, dass das Verhältnis zwischen Arbeit und Benefits nicht stimmt. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, mittlerweile 5 Jahre in der Behörde, wie auch von Berichten von Freunden aus anderen Behörden.
Das beste Verhältnis aus Leistung und Ertrag hast du vermutlich als Sachbearbeiter in einer obersten Bundesbehörde durch Bündelung bis A13 und 20% mit A13Z, was nahezu A14 entspricht. Dazu kommt noch die Ministerialzulage, womit man über A14 in anderen Behörden liegt. 3 Jahre gut bezahltes duales Studium mit extrem geringer Durchfallquote und danach ca. 8 Jahre absitzen, während man automatisch durchbefördert wird. Durch den frühen Einstieg noch die günstigste PKV und höhere Dienstjahre für die Erfahrungsstufen und Pension mitgenommen.
Ja, es gibt auch Referenten, die reine Edelsachbearbeiter ohne Verantwortung sind, aber das ist eine Minderheit. Die Mehrheit im hD besitzt Führungsverantwortung und wenn man dieser ansatzweise gerecht werden möchte, ist Dienst nach Vorschrift keine wirkliche Option. Zudem herrscht eine ganz andere Konkurrenzsituation, sowohl beim Einstieg als auch bei der Bewerbung auf höherwertige Dienstposten.
Zumindest für mich war der öD nicht die bestbezahlte Option. Inhaltliche Interessen, Standort und Planbarkeit passten jedoch am besten zu meinen Vorstellungen und ich bin insgesamt durchaus zufrieden. Mich nervt nur, wie stark die Stimmung aufgrund eines schwierigen Arbeitsmarktes von einem Extrem ins andere umschlägt. Vor 4 Jahren hieß es noch, der öD könne froh sein, dass sich überhaupt jemand herablässt, zu diesen Konditionen zu arbeiten, was natürlich auch Blödsinn war.
28.09.2026, 10:09
(27.09.2026, 14:58)Homer S. schrieb:(27.09.2026, 10:23)Sesselpupser schrieb:(27.09.2026, 08:57)Homer S. schrieb:(26.09.2026, 14:28)Sesselpupser schrieb: ZB hier im Freilichtmuseum sieht man schön wie beschwerlich das Leben als Bauer früher war, dagegen ist Anwalt in der Großkanzlei ein Top-Job. Das Problem ist halt dass der ÖD mit hoher Bezahlung für wenig Arbeit bietet, die Jobs, die wirklich kostendeckend und wertschöpfend sind, nicht bieten können. Dass die politisch-gesellschftlichen Entwicklungen oft nicht-wertschöpfende Branchen subventioniert, sorgt halt auch auf der Arbeitnehmetebene sich viele für den einfachen Weg entscheiden, oftmals noch schön kaschiert mit dem Gedanken, ja „was fürs Gemeinwohl zu tun“. Leider insgesamt eine bedenkliche Entwicklung, (der ich mich selbst als Beamter im HD auch nicht entziehen konnte, so ehrlich muss man sein).
Diese immer gleichen Klischees zeigen wie klein der Horizont mancher Foristen hier ist. Den öd so pauschal zu beschreiben ist mindestens genauso Unsinn wie die Tätigkeit als Anwalt einheitlich zu erfassen...
Man müsste sich halt mal überlegen woher diese „Klischees“ stammen. Defacto sieht es außerhalb der Führungsebene in nicht allen, aber vielen Bereichen so aus, dass das Verhältnis zwischen Arbeit und Benefits nicht stimmt. Ich weiß es aus eigener Erfahrung, mittlerweile 5 Jahre in der Behörde, wie auch von Berichten von Freunden aus anderen Behörden. Wenn es verallgemeinernd klingt, möchte ich das allerdings ein Stück weit richtig stellen, natürlich ist es nicht überall gleich, aber doch an vielen Stellen.
Vielleicht ist unsere Schnittstelle die These, dass es juristische Arbeitsplätze gibt, die eine besonders schlechte Kombi aus Aufwand und Ertrag haben. Und ich würde mir auch in Behörden mehr Leistungs- oder stellenzulagen wünschen und will auch in keiner Pauschalität behaupten, dass der ÖD nur aus Arbeitstieren besteht. Aber ich kenne hier (in einer Behörde/Ministerium) auch viele, die mindestens 10 Stunden am Tag vor Ort sind und dann nochmal ne Stunde pro Weg brauchen. Und spätestens ab der Ebene des Referatsleiters ist bei uns auch Schluss mit mehr als einem Tag HO pro Woche. So gut wie niemand der etwas über A15 hinauskommen möchte hat ein entspanntes Leben.
Das im ÖD auch der ein oder andere Lowpeformer mitgezogen wird ist so. Aber hier wird ja oft so getan, als würde man mit 9-5, 4 Tagen HO, 30 Tagen Urlaub plus 4 Wochen Krankfeiern noch Karriere machen.
Und ja, es gibt diese Leute und rausfliegen können die (teilweise leider) nicht. Aber die fliegen hier auch ganz schnell aus den Ministerien, werden auf irgendeine Kack-Stelle gesetzt und versauern dann dort. Wer das als Work-Life Balance benefit betrachtet, bekommt den, aber erstrebenswert ist das doch nicht?!
Denke das die Bezahlung im Beamtentum recht gut mit der in Unternehmen vergleichbar ist. Das bezieht sich jetzt nicht speziell auf Juristen, sondern ist so mein Ergebnnis wenn ich so unter meinen Kollegen der Durchschnitt betrachte.
Den Vergleich mit dem Unternehmen finde ich auch sehr gut. Ich glaube einfach, dass es immer ab einer gewisse Größe dieselben strukturellen Probleme und Defizite gibt egal ob privat oder öD. Es sind halt mehr oder weniger hierarchische Strukturen mit Zuständigkeiten und vielen Akteuren, die an gemeinsamen Projekten arbeiten. Für mich sind diese Diskussionen, um diese ganze öD Kultur etc. immer etwas unsinnig. Klar ist dort mal die Work Life Balance besser. Aber wer möchte dafür dann in einem Job arbeiten der einem nicht gefällt und das für Jahrzehnte im Extremfall. Nur Beamter werden oder in den öD allgemein gehen wegen der angenehmeren Arbeit ist doch quatsch. Es muss immer im Optimalfall beides stimmen oder halt so wie man es selbst gewichtet. Ich bin grad vorübergehend noch in einer Behörde (nicht Justiz) und merke, dass ich das trotz der sehr guten Arbeitsbedingungen einfach wegen der Tätigkeit an sich später nicht dauerhaft machen möchte und bin froh, dass es nur vorübergehend ist.









