15.09.2026, 09:46
Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.
15.09.2026, 09:55
(15.09.2026, 09:46)Patenter Gast schrieb: Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.
Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?
15.09.2026, 10:15
(15.09.2026, 09:55)NRW556 schrieb:Das Problem ist, glaube ich, dass viele aus finanziell gut aufgestellten Haushalten kommen und daher (berechtigt) von Anfang an diesen Standard halten wollen. Aus dem Grund wird dann alles auf das Einstiegsgehalt ausgerichtet und alles unter 70k als zu wenig betitelt. Egal wie die weiteren Umstände des Jobs sind.(15.09.2026, 09:46)Patenter Gast schrieb: Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.
Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?
Oder viele denken noch, dass sie aufgrund des langen Ausbildungswegs ein Anrecht auf ein hohes Gehalt haben, direkt zum Einstieg haben.
15.09.2026, 10:25
(15.09.2026, 09:55)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 09:46)Patenter Gast schrieb: Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.
Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?
Ja. Bei Medizinern und anderen medizinischen Studiengängen ist das Berufsbild sehr klar vorgegeben. Ebenso bei Lehramt. BWLer haben hingegen oftmals ein großes Ego und mehr Selbstvertrauen. Jedenfalls habe ich noch von keinem BWLer gehört, dass der Kündigungsschutz ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl sei... da geht's eher darum, wo am meisten verdient wird, man schnell aufsteigen kann und/oder gut wegwechseln kann.
Geisteswissenschaftler wissen oft um ihre problematische Ausgangsposition bei der Jobsuche.
Einzig bei Naturwissenschaftlern bekomme ich hin und wieder diese lebenspraktischer Phantasielosigkeit (übrigens ein schönes Wort) mit; da höre ich hin und wieder nach Abschluss des Physikstudiums die Frage, wieso wartet denn jetzt kein Unternehmen auf mich? Mein Studium war doch so schwer.
Bei Juristen merke ich vor allem, dass dieser starke Drang nach Ordnung, Planbarkeit und Struktur besteht - wahrscheinlich passt das Studium deswegen so gut. Entsprechend oftmals die Fragen hier "ich habe X Punkte und Y Punkte in meinen Examen, welche Kanzlei nimmt mich?". Das Studium wird gar nicht als "Befähiger" gesehen, wonach man danach ganz viele verschiedene Dinge machen könnte. Lieber würde man auf Grund seiner Examensergebnisse einen Job zugeteilt bekommt, der eben das Maximum aus dem rausholt, was man notentechnisch abgeliefert hat, und gut ist.
15.09.2026, 10:32
Die Unterschiede zwischen größeren Unternehmen der Privatwirtschaft und dem öffentlichen Dienst sind am Ende des Tages doch ohnehin gering. Vielleicht gibt es hier und da mal ein paar Euro mehr, Gratiskaffee oder - mit Glück - eine Dienstwagenberechtigung. Lebensverändernd ist aber nichts davon. Und wenn man mal von kleinen, dynamischen Projektteams absieht, sind die Arbeitsabläufe und sonstigen Prozesse in der Linie eines Konzerns auch nicht viel anders als in einer Behörde, teilweise sogar schlimmer. Ich glaube um ehrlich zu sein nicht, dass man, wenn man blind in ein Büro gebeamt würde, auf den ersten Blick sagen könnte, ob man nun bei VW oder im Katasteramt der Stadt Gütersloh gelandet ist.
15.09.2026, 12:26
Schöner Vergleich!
Wo es vielleicht doch einen Unterschied gibt, ist die Unterscheidung des Gehalts zwischen den Hierarchieebenen. Zwischen A13 mit Kindern und lediger Behördenleitung liegt gehaltsmäßig viel weniger als zwischen jungem Anwalt und Partner.
Wo es vielleicht doch einen Unterschied gibt, ist die Unterscheidung des Gehalts zwischen den Hierarchieebenen. Zwischen A13 mit Kindern und lediger Behördenleitung liegt gehaltsmäßig viel weniger als zwischen jungem Anwalt und Partner.
15.09.2026, 12:35
(15.09.2026, 10:25)Patenter Gast schrieb:(15.09.2026, 09:55)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 09:46)Patenter Gast schrieb: Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.
Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?
Ja. Bei Medizinern und anderen medizinischen Studiengängen ist das Berufsbild sehr klar vorgegeben. Ebenso bei Lehramt. BWLer haben hingegen oftmals ein großes Ego und mehr Selbstvertrauen. Jedenfalls habe ich noch von keinem BWLer gehört, dass der Kündigungsschutz ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl sei... da geht's eher darum, wo am meisten verdient wird, man schnell aufsteigen kann und/oder gut wegwechseln kann.
Geisteswissenschaftler wissen oft um ihre problematische Ausgangsposition bei der Jobsuche.
Einzig bei Naturwissenschaftlern bekomme ich hin und wieder diese lebenspraktischer Phantasielosigkeit (übrigens ein schönes Wort) mit; da höre ich hin und wieder nach Abschluss des Physikstudiums die Frage, wieso wartet denn jetzt kein Unternehmen auf mich? Mein Studium war doch so schwer.
Bei Juristen merke ich vor allem, dass dieser starke Drang nach Ordnung, Planbarkeit und Struktur besteht - wahrscheinlich passt das Studium deswegen so gut. Entsprechend oftmals die Fragen hier "ich habe X Punkte und Y Punkte in meinen Examen, welche Kanzlei nimmt mich?". Das Studium wird gar nicht als "Befähiger" gesehen, wonach man danach ganz viele verschiedene Dinge machen könnte. Lieber würde man auf Grund seiner Examensergebnisse einen Job zugeteilt bekommt, der eben das Maximum aus dem rausholt, was man notentechnisch abgeliefert hat, und gut ist.
Ich bin selber Berufseinsteiger und teile viele hier genannte Aspekte. Ich möchte ebenfalls in den Staatsdienst und finde das Gesamtpaket natürlich ebenfalls attraktiv, auch wenn es nicht mein primärer Beweggrund (eher die Tätigkeiten und die Sinnhaftigkeit) ist. Es gibt unter Juristen schon die typische "Preußische Beamtenmentalität". Mancher geht wirklich davon aus, dass ihm mit den passenden Noten Job, Frau und Haus zugeteilt wird.
Ich glaube es hat aber auch mit der aktuellen Situation zu tun, was Leute mit Berufserfahrung so vielleicht nicht (mehr) nachvollziehen können. "Uns" (ich habe lustigerweise fast identische Noten mit dem Poster) wurde immer gesagt, dass uns eine Vielfalt an juristischen Möglichkeiten offen steht. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Gerade mit den kombinierten Wirtschaftskrisen und der "Mainstream"-Verfügbarkeit von KI im juristischen Alltag sind viele Arbeitgeber (Unternehmen, öD und Kanzleien) zurückhaltender geworden. Dazu kommt die zunehmend ungewisse Zukunft. Für Juristen mit Berufserfahrung ist der Arbeitsmarkt unverändert gut, für Berufseinsteiger ist er jedoch (soweit ein Ausblick möglich ist) schlecht.
Die Möglichkeit, einfach nichts zu finden oder dauerhaft in Jobs zu landen, die man bei Studienbeginn nicht machen wollte, ist real. Dies erzeugt Frustration und gewisse Tendenzen "aufzugeben". Viele Leute sehen die ambitionslose, aber sichere, Beamtenstelle plötzlich als sehr attraktiv an. Viele sind mittlerweile auch einfach verzweifelt. Die machen dann lieber einen (für sie) langweiligen oder sogar unliebsamen Job, nehmen die genannten Vorteile aber mit (obwohl solche Leute ja gerade durch das Assessment Center aussortiert werden sollten).
Da kann man sich als jemand, der schon im sicheren Boot sitzt und seinen Wunschberuf gefunden hat, natürlich gut drüber lustig machen.
15.09.2026, 13:00
(15.09.2026, 12:35)Träumchen schrieb:Aber genau dieses Risiko, dass man hinterher einen Job machen muss den man vielleicht nicht anfangs wollte ist ein großes Stück weit selbstverschuldet aufgrund dieser Einstellung.(15.09.2026, 10:25)Patenter Gast schrieb:(15.09.2026, 09:55)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 09:46)Patenter Gast schrieb: Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.
Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?
Ja. Bei Medizinern und anderen medizinischen Studiengängen ist das Berufsbild sehr klar vorgegeben. Ebenso bei Lehramt. BWLer haben hingegen oftmals ein großes Ego und mehr Selbstvertrauen. Jedenfalls habe ich noch von keinem BWLer gehört, dass der Kündigungsschutz ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl sei... da geht's eher darum, wo am meisten verdient wird, man schnell aufsteigen kann und/oder gut wegwechseln kann.
Geisteswissenschaftler wissen oft um ihre problematische Ausgangsposition bei der Jobsuche.
Einzig bei Naturwissenschaftlern bekomme ich hin und wieder diese lebenspraktischer Phantasielosigkeit (übrigens ein schönes Wort) mit; da höre ich hin und wieder nach Abschluss des Physikstudiums die Frage, wieso wartet denn jetzt kein Unternehmen auf mich? Mein Studium war doch so schwer.
Bei Juristen merke ich vor allem, dass dieser starke Drang nach Ordnung, Planbarkeit und Struktur besteht - wahrscheinlich passt das Studium deswegen so gut. Entsprechend oftmals die Fragen hier "ich habe X Punkte und Y Punkte in meinen Examen, welche Kanzlei nimmt mich?". Das Studium wird gar nicht als "Befähiger" gesehen, wonach man danach ganz viele verschiedene Dinge machen könnte. Lieber würde man auf Grund seiner Examensergebnisse einen Job zugeteilt bekommt, der eben das Maximum aus dem rausholt, was man notentechnisch abgeliefert hat, und gut ist.
Ich bin selber Berufseinsteiger und teile viele hier genannte Aspekte. Ich möchte ebenfalls in den Staatsdienst und finde das Gesamtpaket natürlich ebenfalls attraktiv, auch wenn es nicht mein primärer Beweggrund (eher die Tätigkeiten und die Sinnhaftigkeit) ist. Es gibt unter Juristen schon die typische "Preußische Beamtenmentalität". Mancher geht wirklich davon aus, dass ihm mit den passenden Noten Job, Frau und Haus zugeteilt wird.
Ich glaube es hat aber auch mit der aktuellen Situation zu tun, was Leute mit Berufserfahrung so vielleicht nicht (mehr) nachvollziehen können. "Uns" (ich habe lustigerweise fast identische Noten mit dem Poster) wurde immer gesagt, dass uns eine Vielfalt an juristischen Möglichkeiten offen steht. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Gerade mit den kombinierten Wirtschaftskrisen und der "Mainstream"-Verfügbarkeit von KI im juristischen Alltag sind viele Arbeitgeber (Unternehmen, öD und Kanzleien) zurückhaltender geworden. Dazu kommt die zunehmend ungewisse Zukunft. Für Juristen mit Berufserfahrung ist der Arbeitsmarkt unverändert gut, für Berufseinsteiger ist er jedoch (soweit ein Ausblick möglich ist) schlecht.
Die Möglichkeit, einfach nichts zu finden oder dauerhaft in Jobs zu landen, die man bei Studienbeginn nicht machen wollte, ist real. Dies erzeugt Frustration und gewisse Tendenzen "aufzugeben". Viele Leute sehen die ambitionslose, aber sichere, Beamtenstelle plötzlich als sehr attraktiv an. Viele sind mittlerweile auch einfach verzweifelt. Die machen dann lieber einen (für sie) langweiligen oder sogar unliebsamen Job, nehmen die genannten Vorteile aber mit (obwohl solche Leute ja gerade durch das Assessment Center aussortiert werden sollten).
Da kann man sich als jemand, der schon im sicheren Boot sitzt und seinen Wunschberuf gefunden hat, natürlich gut drüber lustig machen.
Wenn ich Jura anfange und meinen Erwartungshorizont auf
A. GK Anwalt mit 120k + als First year
B. Richter, StA oder andere xy - fancy Stellen mit Prestige und Sicherheit
verenge, obwohl von vornherein klar ist, dass
1. die Anforderungen verdammt hoch sind UND
2. die gewünschten Stellen rar gesät sind.
ist eine solche Einstellung einfach nur absurd und zwar mit Ansage.
15.09.2026, 13:17
(15.09.2026, 13:00)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 12:35)Träumchen schrieb:Aber genau dieses Risiko, dass man hinterher einen Job machen muss den man vielleicht nicht anfangs wollte ist ein großes Stück weit selbstverschuldet aufgrund dieser Einstellung.(15.09.2026, 10:25)Patenter Gast schrieb:(15.09.2026, 09:55)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 09:46)Patenter Gast schrieb: Ich finde, man merkt hier sehr gut den Unterschied zwischen den Berufseinsteigern und denen, die schon 5 Jahre, 10 Jahre oder mehr arbeiten.Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.
Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?
Ja. Bei Medizinern und anderen medizinischen Studiengängen ist das Berufsbild sehr klar vorgegeben. Ebenso bei Lehramt. BWLer haben hingegen oftmals ein großes Ego und mehr Selbstvertrauen. Jedenfalls habe ich noch von keinem BWLer gehört, dass der Kündigungsschutz ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl sei... da geht's eher darum, wo am meisten verdient wird, man schnell aufsteigen kann und/oder gut wegwechseln kann.
Geisteswissenschaftler wissen oft um ihre problematische Ausgangsposition bei der Jobsuche.
Einzig bei Naturwissenschaftlern bekomme ich hin und wieder diese lebenspraktischer Phantasielosigkeit (übrigens ein schönes Wort) mit; da höre ich hin und wieder nach Abschluss des Physikstudiums die Frage, wieso wartet denn jetzt kein Unternehmen auf mich? Mein Studium war doch so schwer.
Bei Juristen merke ich vor allem, dass dieser starke Drang nach Ordnung, Planbarkeit und Struktur besteht - wahrscheinlich passt das Studium deswegen so gut. Entsprechend oftmals die Fragen hier "ich habe X Punkte und Y Punkte in meinen Examen, welche Kanzlei nimmt mich?". Das Studium wird gar nicht als "Befähiger" gesehen, wonach man danach ganz viele verschiedene Dinge machen könnte. Lieber würde man auf Grund seiner Examensergebnisse einen Job zugeteilt bekommt, der eben das Maximum aus dem rausholt, was man notentechnisch abgeliefert hat, und gut ist.
Ich bin selber Berufseinsteiger und teile viele hier genannte Aspekte. Ich möchte ebenfalls in den Staatsdienst und finde das Gesamtpaket natürlich ebenfalls attraktiv, auch wenn es nicht mein primärer Beweggrund (eher die Tätigkeiten und die Sinnhaftigkeit) ist. Es gibt unter Juristen schon die typische "Preußische Beamtenmentalität". Mancher geht wirklich davon aus, dass ihm mit den passenden Noten Job, Frau und Haus zugeteilt wird.
Ich glaube es hat aber auch mit der aktuellen Situation zu tun, was Leute mit Berufserfahrung so vielleicht nicht (mehr) nachvollziehen können. "Uns" (ich habe lustigerweise fast identische Noten mit dem Poster) wurde immer gesagt, dass uns eine Vielfalt an juristischen Möglichkeiten offen steht. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Gerade mit den kombinierten Wirtschaftskrisen und der "Mainstream"-Verfügbarkeit von KI im juristischen Alltag sind viele Arbeitgeber (Unternehmen, öD und Kanzleien) zurückhaltender geworden. Dazu kommt die zunehmend ungewisse Zukunft. Für Juristen mit Berufserfahrung ist der Arbeitsmarkt unverändert gut, für Berufseinsteiger ist er jedoch (soweit ein Ausblick möglich ist) schlecht.
Die Möglichkeit, einfach nichts zu finden oder dauerhaft in Jobs zu landen, die man bei Studienbeginn nicht machen wollte, ist real. Dies erzeugt Frustration und gewisse Tendenzen "aufzugeben". Viele Leute sehen die ambitionslose, aber sichere, Beamtenstelle plötzlich als sehr attraktiv an. Viele sind mittlerweile auch einfach verzweifelt. Die machen dann lieber einen (für sie) langweiligen oder sogar unliebsamen Job, nehmen die genannten Vorteile aber mit (obwohl solche Leute ja gerade durch das Assessment Center aussortiert werden sollten).
Da kann man sich als jemand, der schon im sicheren Boot sitzt und seinen Wunschberuf gefunden hat, natürlich gut drüber lustig machen.
Wenn ich Jura anfange und meinen Erwartungshorizont auf
A. GK Anwalt mit 120k + als First year
B. Richter, StA oder andere xy - fancy Stellen mit Prestige und Sicherheit
verenge, obwohl von vornherein klar ist, dass
1. die Anforderungen verdammt hoch sind UND
2. die gewünschten Stellen rar gesät sind.
ist eine solche Einstellung einfach nur absurd und zwar mit Ansage.
Das kann man natürlich so sehen, aber wer hat Jura (in den letzten 20 Jahren) bewusst mit dem Risiko studiert, dass er keinen Job finden oder nur (bald durch KI-ersetzter und ums Überleben kämpfender) FWW-Anwalt wird? Es sind ja nicht nur die Stellen an der Spitze enger geworden, sondern das zieht sich immer weiter runter. Teilweise fordert der öD teils für e12/13 Stellen mindestens ein VB, FWW Kanzleien mindestens zwei B.
Es geht ja auch garnicht darum, dass alle zu Freshfields oder zur Berliner Justiz wollten und nichts anderes in Betracht käme. Es sind in kurzer Zeit viele "mittelgute" Stellen weggefallen, die früher von den "mittelguten" Absolventen besetzt wurden (Syndikusanwälte/MK/gehobene FWW/Verbände/hD). Auf die verbleibenden Junior-Stellen bewerben sich jetzt diejenigen, die früher in der GK/Justiz oder den Ministerien eingestiegen wären. Gerade die typischen 2x7-8 Kandidaten müssen jetzt kämpfen und nehmen, was sie kriegen können. Die 2x7 Kandidaten müssen wirklich schauen, dass sie unterkommen. Wenn denen dann ihr ganzes Studium gesagt wurde, dass sie "super Aussichten" hätten (was man als Anfang 20-jähriger glaubt, wenn Herr Prof. das sagt), sind die frustriert.
15.09.2026, 13:29
(15.09.2026, 13:17)Träumchen schrieb:(15.09.2026, 13:00)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 12:35)Träumchen schrieb:Aber genau dieses Risiko, dass man hinterher einen Job machen muss den man vielleicht nicht anfangs wollte ist ein großes Stück weit selbstverschuldet aufgrund dieser Einstellung.(15.09.2026, 10:25)Patenter Gast schrieb:(15.09.2026, 09:55)NRW556 schrieb: Ich finde man merkt daran vor allem wie wenig echte Lebenserfahrung und wie eng der Horizont von Juraabsolventen ist. Was ich persönlich sehr absurd finde, da auf der anderen Seite dieselben Leute im Grunde hochgebildet sein müssten.
Gibt es diese Mischung aus an sich guter Qualifikation und lebenspraktischer Phantasielosigkeit bzw. Unfähigkeit vor Allem unter frischen Juristen ?
Ja. Bei Medizinern und anderen medizinischen Studiengängen ist das Berufsbild sehr klar vorgegeben. Ebenso bei Lehramt. BWLer haben hingegen oftmals ein großes Ego und mehr Selbstvertrauen. Jedenfalls habe ich noch von keinem BWLer gehört, dass der Kündigungsschutz ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl sei... da geht's eher darum, wo am meisten verdient wird, man schnell aufsteigen kann und/oder gut wegwechseln kann.
Geisteswissenschaftler wissen oft um ihre problematische Ausgangsposition bei der Jobsuche.
Einzig bei Naturwissenschaftlern bekomme ich hin und wieder diese lebenspraktischer Phantasielosigkeit (übrigens ein schönes Wort) mit; da höre ich hin und wieder nach Abschluss des Physikstudiums die Frage, wieso wartet denn jetzt kein Unternehmen auf mich? Mein Studium war doch so schwer.
Bei Juristen merke ich vor allem, dass dieser starke Drang nach Ordnung, Planbarkeit und Struktur besteht - wahrscheinlich passt das Studium deswegen so gut. Entsprechend oftmals die Fragen hier "ich habe X Punkte und Y Punkte in meinen Examen, welche Kanzlei nimmt mich?". Das Studium wird gar nicht als "Befähiger" gesehen, wonach man danach ganz viele verschiedene Dinge machen könnte. Lieber würde man auf Grund seiner Examensergebnisse einen Job zugeteilt bekommt, der eben das Maximum aus dem rausholt, was man notentechnisch abgeliefert hat, und gut ist.
Ich bin selber Berufseinsteiger und teile viele hier genannte Aspekte. Ich möchte ebenfalls in den Staatsdienst und finde das Gesamtpaket natürlich ebenfalls attraktiv, auch wenn es nicht mein primärer Beweggrund (eher die Tätigkeiten und die Sinnhaftigkeit) ist. Es gibt unter Juristen schon die typische "Preußische Beamtenmentalität". Mancher geht wirklich davon aus, dass ihm mit den passenden Noten Job, Frau und Haus zugeteilt wird.
Ich glaube es hat aber auch mit der aktuellen Situation zu tun, was Leute mit Berufserfahrung so vielleicht nicht (mehr) nachvollziehen können. "Uns" (ich habe lustigerweise fast identische Noten mit dem Poster) wurde immer gesagt, dass uns eine Vielfalt an juristischen Möglichkeiten offen steht. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Gerade mit den kombinierten Wirtschaftskrisen und der "Mainstream"-Verfügbarkeit von KI im juristischen Alltag sind viele Arbeitgeber (Unternehmen, öD und Kanzleien) zurückhaltender geworden. Dazu kommt die zunehmend ungewisse Zukunft. Für Juristen mit Berufserfahrung ist der Arbeitsmarkt unverändert gut, für Berufseinsteiger ist er jedoch (soweit ein Ausblick möglich ist) schlecht.
Die Möglichkeit, einfach nichts zu finden oder dauerhaft in Jobs zu landen, die man bei Studienbeginn nicht machen wollte, ist real. Dies erzeugt Frustration und gewisse Tendenzen "aufzugeben". Viele Leute sehen die ambitionslose, aber sichere, Beamtenstelle plötzlich als sehr attraktiv an. Viele sind mittlerweile auch einfach verzweifelt. Die machen dann lieber einen (für sie) langweiligen oder sogar unliebsamen Job, nehmen die genannten Vorteile aber mit (obwohl solche Leute ja gerade durch das Assessment Center aussortiert werden sollten).
Da kann man sich als jemand, der schon im sicheren Boot sitzt und seinen Wunschberuf gefunden hat, natürlich gut drüber lustig machen.
Wenn ich Jura anfange und meinen Erwartungshorizont auf
A. GK Anwalt mit 120k + als First year
B. Richter, StA oder andere xy - fancy Stellen mit Prestige und Sicherheit
verenge, obwohl von vornherein klar ist, dass
1. die Anforderungen verdammt hoch sind UND
2. die gewünschten Stellen rar gesät sind.
ist eine solche Einstellung einfach nur absurd und zwar mit Ansage.
Das kann man natürlich so sehen, aber wer hat Jura (in den letzten 20 Jahren) bewusst mit dem Risiko studiert, dass er keinen Job finden oder nur (bald durch KI-ersetzter und ums Überleben kämpfender) FWW-Anwalt wird? Es sind ja nicht nur die Stellen an der Spitze enger geworden, sondern das zieht sich immer weiter runter. Teilweise fordert der öD teils für e12/13 Stellen mindestens ein VB, FWW Kanzleien mindestens zwei B.
Es geht ja auch garnicht darum, dass alle zu Freshfields oder zur Berliner Justiz wollten und nichts anderes in Betracht käme. Es sind in kurzer Zeit viele "mittelgute" Stellen weggefallen, die früher von den "mittelguten" Absolventen besetzt wurden (Syndikusanwälte/MK/gehobene FWW/Verbände/hD). Auf die verbleibenden Junior-Stellen bewerben sich jetzt diejenigen, die früher in der GK/Justiz oder den Ministerien eingestiegen wären. Gerade die typischen 2x7-8 Kandidaten müssen jetzt kämpfen und nehmen, was sie kriegen können. Die 2x7 Kandidaten müssen wirklich schauen, dass sie unterkommen. Wenn denen dann ihr ganzes Studium gesagt wurde, dass sie "super Aussichten" hätten (was man als Anfang 20-jähriger glaubt, wenn Herr Prof. das sagt), sind die frustriert.
Im Arbeitsmarkt gibt es einen Schweinezyklus. Vor 20 Jahren hieß es auch schon, dass es das war mit den goldenen Zeiten der Juristen und man unter doppel-vb direkt Taxi fahren darf. Hier ein Text aus 2006!
"Leugnen ist daher zwecklos: Die Lage für junge Juristen ist ernst. Viele Berufseinsteiger haben es schwer." und auch "Besonders heftig beutelt die Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen Berufseinsteiger am unteren Ende der Skala: Sie erhalten keine Festeinstellung, sondern freie Mitarbeit und müssen dann für die soziale Absicherung selbst aufkommen. Hohe Arbeitsbelastung bei niedriger Vergütung - mitunter müssen gleich zwei Jobs für das Auskommen sorgen."
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/jo...12423.html
Euch steht weiterhin eine Vielfalt an Jobmöglichkeiten offen, man muss sich dafür aber auch entsprechend breit bewerben und suchen.
Und Profs erzählen natürlich gerne, dass alles wunderbar ist. Das tun sie in den MINT-Berufen auch. Aber als Jurastudent sollte man sich schon klar sein, dass man als leicht überdurchschnittlicher Absolvent eines Massenstudiengangs nun nicht händeringend gesucht wird. Da bringt es auch wenig, auf ein kurzes Zeitfenster nach Corona zu schauen und zu sagen, da war es viel besser.
Außerdem, wie ich hier immer wieder schreibe, wir sind eine Tier 1/2 Spezialkanzlei und bekommen ca. eine Bewerbung pro Monat (oder weniger). Und da rede ich nicht von doppel-vb, sondern wirklich eine Bewerbung pro Monat. Es kann mir keiner erzählen, dass man sich überall bewirbt und alles abklappert, wenn ich das praktische Gegenbeispiel bei mir im Alltag sehe. Über 100.000 zum Einstieg zahlen wir auch...









