14.08.2026, 23:01
Ich finde persönlich die Idee auch nett gemeint, aber halte ich für Schwachsinn.
Ganz persönlich, egal wie man das Ref abschließt. Es kann ja nicht sein, dass alle ohne VB oder Gutes befriedigend als unvermittelbar oder keine Jobs finden, kann ich mir nicht vorstellen. Ich würde sagen, ob man erfolgreich ist, zeigt sich erst im Beruf. Ich würde mal behaupten, nicht jeder mit guten Noten ist auch zwingend gut im Beruf. Im Berufsleben zählen auch andere Fähigkeiten als das rein juristische.
In deiner Kanzlei würden die Mitarbeiter wie schwer erziehbare Kinder gelabelt werden. Daher nein, danke würde ich nicht machen.
Ganz persönlich, egal wie man das Ref abschließt. Es kann ja nicht sein, dass alle ohne VB oder Gutes befriedigend als unvermittelbar oder keine Jobs finden, kann ich mir nicht vorstellen. Ich würde sagen, ob man erfolgreich ist, zeigt sich erst im Beruf. Ich würde mal behaupten, nicht jeder mit guten Noten ist auch zwingend gut im Beruf. Im Berufsleben zählen auch andere Fähigkeiten als das rein juristische.
In deiner Kanzlei würden die Mitarbeiter wie schwer erziehbare Kinder gelabelt werden. Daher nein, danke würde ich nicht machen.
15.08.2026, 09:35
Die Idee überzeugt mich persönlich auch nicht. Durch eine solche Kanzlei wird das Narrativ eines vermeintlich gescheitert Juristen doch weitererzählt. Gerade weil das Konzept nicht auf wirtschaftliche Tragfähigkeit ausgelegt ist, werden sich viele andere Arbeitgeber/Kanzleien denken, dass die Anwälte von dort nie gelernt haben, richtig zu arbeiten und Druck auszuhalten. Spätestens bei einem Wechsel wollen andere Arbeitgeber einen Arbeitnehmer, der sich bewiesen hat und nicht jemanden, bei dem sie nicht wissen, ob er etwas taugt. Den Anwälten in deiner Kanzlei würde jedoch ein gewisser Ruf anhaften, der sie spätestens bei einem Wechsel einholt. Damit erschwert man es den Leuten, sich von ihrer Note zu lösen.
15.08.2026, 10:35
Ich finde eure Anmerkungen relevant. Sie haben einen Punkt, ohne jede Frage - ich persönlich gewichte diesen Punkt sehr anders, was allerdings an mir liegt. Wenn ich die Wahl habe, ob ich in einem Umfeld arbeite, in dem ich mit einem Gewissen Gefühl von Drückfreiheit im Berufsleben ankommen und mir eine wirklich solide Basis aufbauen kann, oder in einem, dass das Label "fake it till you make it, oder wir blicken auf dich hinab" hochhält, dann weiß ich, was ich persönlich bevorzugt hätte, als Berufsanfänger.
Da wäre mir ganz persönlich auch am Poppes vorbeigegangen, ob mich das für eine GK oder wer weiß was später disqualifiziert - lieber ein erfahrener, in der Sache versierter und unerschütterlicher Jurist als das Karrieresternchen, das ich mit burn-out bezahle. Aber, und ich kann das nicht oft genug sagen, das scheint eine ganz persönliche Marotte meinerseits zu sein. Druck von außen berührt mich einfach nicht mehr so.
Wenn ein solches Projekt in dem Rahmen weniger gut aufgenommen wird - und danach klingt es ja -, würde mich interessieren, wie anderweitig der Grundgedanke aufgegriffen werden kann, ohne den negativen Beigeschmack zu haben. Falls jemand Verbesserungsvorschläge hat, freue ich mich sehr darüber! Danke euch!
Da wäre mir ganz persönlich auch am Poppes vorbeigegangen, ob mich das für eine GK oder wer weiß was später disqualifiziert - lieber ein erfahrener, in der Sache versierter und unerschütterlicher Jurist als das Karrieresternchen, das ich mit burn-out bezahle. Aber, und ich kann das nicht oft genug sagen, das scheint eine ganz persönliche Marotte meinerseits zu sein. Druck von außen berührt mich einfach nicht mehr so.
Wenn ein solches Projekt in dem Rahmen weniger gut aufgenommen wird - und danach klingt es ja -, würde mich interessieren, wie anderweitig der Grundgedanke aufgegriffen werden kann, ohne den negativen Beigeschmack zu haben. Falls jemand Verbesserungsvorschläge hat, freue ich mich sehr darüber! Danke euch!
15.08.2026, 10:58
Ich verstehe nicht, wieso Du dich überhaupt für die “unterprivilegierte“ Berufsgruppe der fertig ausgebildeten Volljuristen einsetzen willst. Das sind (unabhängig von der Note) Akademiker mit im Prinzip guten Berufsaussichten.
Ähnlich sinnvoll scheint mir ein Engagement im Zahnärzte ohne Yacht e.V.
Theoretisch müsste mE viel früher angesetzt werden, d.h. in der Schule oder dem Beginn des Studiums
Ähnlich sinnvoll scheint mir ein Engagement im Zahnärzte ohne Yacht e.V.
Theoretisch müsste mE viel früher angesetzt werden, d.h. in der Schule oder dem Beginn des Studiums
15.08.2026, 11:51
(15.08.2026, 10:58)Zukunft schrieb: Ich verstehe nicht, wieso Du dich überhaupt für die “unterprivilegierte“ Berufsgruppe der fertig ausgebildeten Volljuristen einsetzen willst. Das sind (unabhängig von der Note) Akademiker mit im Prinzip guten Berufsaussichten.
Ähnlich sinnvoll scheint mir ein Engagement im Zahnärzte ohne Yacht e.V.
Theoretisch müsste mE viel früher angesetzt werden, d.h. in der Schule oder dem Beginn des Studiums
Das ist schnell erklärt: Weil auch richtige Talente oft keine Chance bekommen, weil die Zahl vor dem Komma nicht stimmt.
Was das andere angeht: Auch da bin ich aktiv, etwa mit dem Projekt "Hyäne mit Hut" für Missbrauchsbetroffene. Darüber hinaus habe ich bereits im letzte Jahr dem OLG angeboten, eine Sammlung an notwendiger und nützlicher Literatur für Referendar:innen mit knappen budget aufzubauen und zu verwalten, also Lehrbücher, Kommentare, und wenn möglich, Rep-Plätze, herauszugeben wenn gebraucht, und nachher wieder einzusammeln. Das Angebot besteht nach wie vor, das OLG hat es in seiner Antwortmail nicht einmal angesprochen. Das Projekt "Re-soziale Weihnachten" ist zwar in erster Linie nicht auf die Förderung von Jurist:innen ausgelegt, kann bei Behördenbewerbungen allerdings von Vorteil sein, wenn ehrenamtliches Engagement als deutliches Plus gewertet wird (wird bei uns häufig in den Ausschreibungen erwähnt).
Akademiker ist leider nicht gleich Akademiker - schon gar nicht in unserer Berufswelt.
15.08.2026, 12:00
(15.08.2026, 11:51)hyaene_mit_hut schrieb:(15.08.2026, 10:58)Zukunft schrieb: Ich verstehe nicht, wieso Du dich überhaupt für die “unterprivilegierte“ Berufsgruppe der fertig ausgebildeten Volljuristen einsetzen willst. Das sind (unabhängig von der Note) Akademiker mit im Prinzip guten Berufsaussichten.
Ähnlich sinnvoll scheint mir ein Engagement im Zahnärzte ohne Yacht e.V.
Theoretisch müsste mE viel früher angesetzt werden, d.h. in der Schule oder dem Beginn des Studiums
Das ist schnell erklärt: Weil auch richtige Talente oft keine Chance bekommen, weil die Zahl vor dem Komma nicht stimmt.
Was das andere angeht: Auch da bin ich aktiv, etwa mit dem Projekt "Hyäne mit Hut" für Missbrauchsbetroffene. Darüber hinaus habe ich bereits im letzte Jahr dem OLG angeboten, eine Sammlung an notwendiger und nützlicher Literatur für Referendar:innen mit knappen budget aufzubauen und zu verwalten, also Lehrbücher, Kommentare, und wenn möglich, Rep-Plätze, herauszugeben wenn gebraucht, und nachher wieder einzusammeln. Das Angebot besteht nach wie vor, das OLG hat es in seiner Antwortmail nicht einmal angesprochen. Das Projekt "Re-soziale Weihnachten" ist zwar in erster Linie nicht auf die Förderung von Jurist:innen ausgelegt, kann bei Behördenbewerbungen allerdings von Vorteil sein, wenn ehrenamtliches Engagement als deutliches Plus gewertet wird (wird bei uns häufig in den Ausschreibungen erwähnt).
Akademiker ist leider nicht gleich Akademiker - schon gar nicht in unserer Berufswelt.
Ich glaube der Punkt den der Kollege ansprechen will ist nicht, dass bei den Juristen alles rosig läuft, sondern das man im Vergleich zu dem Rest der Welt eine unglaublich privilegierte Position hat, Note und EVD hin oder her. Da erreichst du mit deinem Geld bei der Bahnhofsmission mehr. Oder bau eine Kanzlei für Sozialrecht auf, in der du ohne Kostendruck auch mal mehr Zeit in einen an sich unwirtschaftlichen Fall investieren kannst. Die allermeisten mit zwei Staatsexamina brauchen (und wollen) danach keine Stützräder mehr.
15.08.2026, 12:06
Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob das ganze nicht ein Scherz sein soll.
Ich glaube jeder, der das Examen bestanden hat, hat erstmal gute Voraussetzungen. Klar, es wird mit den meisten großen Namen am Anfang nicht klappen.
Aber warum sollten diese Leute grundsätzlich keine Chance haben oder bekommen im normalen Arbeitsmarkt? Dann muss man sich halt vermehrt bewerben.
Ich denke zum Beispiel an den von dir erwähnten talentierten Volljuristen, der nicht die super Note hat.
Wenn er so talentiert ist, dann wird er auch ohne das von dir anvisierte Kanzleimodell erfolgreich sein.
Und nehmen wir mal an, jemand macht sich selbstständig, selbst wenn das mit 4,0 oder 9,0 gemacht wird, kann ich sagen wir jetzt mal im Strafrecht der durchschnittliche Mandant möglicherweise keinen Unterschied feststellen.
Wenn vielleicht der eine das clevere Marketing hat, kann es auch bei dem nur bestandenen auch durchaus besser laufen.
Also ich wüsste nicht, wozu es dieses Kanzleimodell braucht.
Ich glaube jeder, der das Examen bestanden hat, hat erstmal gute Voraussetzungen. Klar, es wird mit den meisten großen Namen am Anfang nicht klappen.
Aber warum sollten diese Leute grundsätzlich keine Chance haben oder bekommen im normalen Arbeitsmarkt? Dann muss man sich halt vermehrt bewerben.
Ich denke zum Beispiel an den von dir erwähnten talentierten Volljuristen, der nicht die super Note hat.
Wenn er so talentiert ist, dann wird er auch ohne das von dir anvisierte Kanzleimodell erfolgreich sein.
Und nehmen wir mal an, jemand macht sich selbstständig, selbst wenn das mit 4,0 oder 9,0 gemacht wird, kann ich sagen wir jetzt mal im Strafrecht der durchschnittliche Mandant möglicherweise keinen Unterschied feststellen.
Wenn vielleicht der eine das clevere Marketing hat, kann es auch bei dem nur bestandenen auch durchaus besser laufen.
Also ich wüsste nicht, wozu es dieses Kanzleimodell braucht.
15.08.2026, 12:26
Die Reaktionen hier zeigen ja, dass viele sowohl für die Kanzlei als auch die Angestellten Nachteile befürchten, wenn das offensichtlich bekannt wird.
Deshalb würde ich es andersrum aufzäunen: Ihr habt es doch in der Hand, wen Ihr anstellt. Niemand muss den Bewerber mit 9 Punkten nehmen, wenn sich auch jemand mit 4 bewirbt.
Sprich einfach die Ausbildungsleitung an, dass sie geeignet erscheinende Absolventen gerne motivieren darf, sich zu bewerben. Und dann gibst Du ihnen eine Chance und bildest sie genau so fachlich und persönlich aus, wie Du es dir vorgenommen hast.
Deshalb würde ich es andersrum aufzäunen: Ihr habt es doch in der Hand, wen Ihr anstellt. Niemand muss den Bewerber mit 9 Punkten nehmen, wenn sich auch jemand mit 4 bewirbt.
Sprich einfach die Ausbildungsleitung an, dass sie geeignet erscheinende Absolventen gerne motivieren darf, sich zu bewerben. Und dann gibst Du ihnen eine Chance und bildest sie genau so fachlich und persönlich aus, wie Du es dir vorgenommen hast.
15.08.2026, 12:30
(15.08.2026, 12:06)anwalt 2026 schrieb: Ich bin mir mittlerweile nicht mehr sicher, ob das ganze nicht ein Scherz sein soll.
Ich glaube jeder, der das Examen bestanden hat, hat erstmal gute Voraussetzungen. Klar, es wird mit den meisten großen Namen am Anfang nicht klappen.
Aber warum sollten diese Leute grundsätzlich keine Chance haben oder bekommen im normalen Arbeitsmarkt? Dann muss man sich halt vermehrt bewerben.
Ich denke zum Beispiel an den von dir erwähnten talentierten Volljuristen, der nicht die super Note hat.
Wenn er so talentiert ist, dann wird er auch ohne das von dir anvisierte Kanzleimodell erfolgreich sein.
Und nehmen wir mal an, jemand macht sich selbstständig, selbst wenn das mit 4,0 oder 9,0 gemacht wird, kann ich sagen wir jetzt mal im Strafrecht der durchschnittliche Mandant möglicherweise keinen Unterschied feststellen.
Wenn vielleicht der eine das clevere Marketing hat, kann es auch bei dem nur bestandenen auch durchaus besser laufen.
Also ich wüsste nicht, wozu es dieses Kanzleimodell braucht.
Mal mit Leuten beim Arbeitsamt gesprochen? Es gibt deutliche Probleme, Jurist:innen mit schlechten Noten zu vermitteln.
Ein Scherz ist das übrigens nicht.
15.08.2026, 12:32
(15.08.2026, 12:26)Praktiker schrieb: Die Reaktionen hier zeigen ja, dass viele sowohl für die Kanzlei als auch die Angestellten Nachteile befürchten, wenn das offensichtlich bekannt wird.
Deshalb würde ich es andersrum aufzäunen: Ihr habt es doch in der Hand, wen Ihr anstellt. Niemand muss den Bewerber mit 9 Punkten nehmen, wenn sich auch jemand mit 4 bewirbt.
Sprich einfach die Ausbildungsleitung an, dass sie geeignet erscheinende Absolventen gerne motivieren darf, sich zu bewerben. Und dann gibst Du ihnen eine Chance und bildest sie genau so fachlich und persönlich aus, wie Du es dir vorgenommen hast.
Die Absprache mit einer Ausbildungsleitung gibt es tatsächlich. 😊 Das wäre auch der Weg, über den Kandidat:innen primär zu uns kommen würden.









