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Selbstständigkeit - Finanzen
Gast133
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Beiträge: 29
Themen: 3
Registriert seit: Jun 2025
#1
17.07.2026, 18:48
Guten Tag, eine Frage an die selbständigen Kollegen. Konntet ihr am Anfang die laufenden Kosten decken + private Kosten?
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Negatives Tatbestandsmerkmal
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Beiträge: 96
Themen: 1
Registriert seit: Aug 2024
#2
17.07.2026, 20:54
Das kommt ganz auf deine konkreten Kosten an

In der Regel sind die fixen Kosten:

Private Miete + Nebenkosten
Krankenkasse, PKV oder GKV
Versorgungswerk
Einkommenssteuer
Umsatzsteuer.

Hinsichtlich des Finanzamts kannst du erstmal die Füße still halten und etwas auf Zeit spielen. Irgendwann kommt aber die rückwirkende Keule und sodann auch die erste entsprechende Vorauszahlung für Einkommenssteuer und Umsatzsteuer.

Hinzu kommen die konkreten Kanzleifixkosten
Miete
Kammerbeiträge
Versicherung
Ggf. Anwaltssoftware.
Dazu die einmaligen Anschaffungskosten für Homepage, Briefkopf, Visitenkarten etc. pp.

Demgegenüber steht die Frage, wo kommen die ersten Mandate her? Bist du bereits aus deinem Anstellungsverhältnis bekannt? Wenn du völlig neu bist, musst du natürlich erstmal bekannt werden. Hinzu kommt die Konkurrenzsituation.

Die Wahrheit ist: Die meisten haben sich vorher etwas angespart im Angestelltenverhältnis und wagen dann den Spruch in die Selbständigkeit, wobei man zunächst von den eigenen Reserven zehrt, bis alles soweit angelaufen ist. Oder man nimmt - entsprechende Sicherheiten vorausgesetzt - einen Gründungskredit auf, den man dann direkt oder nach abgesprochener Zeit beginnt zurückzuzahlen. Daneben gibt es noch die Möglichkeit - Ein halbes Jahr ALG-1-Anspruch vorausgesetzt - einen Gründungszuschuss beim Arbeitsamt zu beantragen.

Letztlich kommt es also ganz auf deine eigenen konkreten Umstände an. Man sollte aber durchaus davon ausgehen, dass man in der ersten Zeit (auch) von seinen Reserven leben wird, bis die Selbständigkeit entsprechend angelaufen ist. Insbesondere wenn man sich ohne große Erfahrung und Beziehungen direkt nach dem Examen selbständig macht.
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Gast133
Junior Member
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Beiträge: 29
Themen: 3
Registriert seit: Jun 2025
#3
17.07.2026, 21:37
Ich würde als freie Mitarbeiterin bei einer Kanzlei arbeiten. Ich darf die Räumlichkeiten und Software nutzen. Also Anschaffungskosten bzgl der Kanzlei sind demnach nicht hoch. 

Wie meinst du das mit dem Füße stillhalten bzgl FA?
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Negatives Tatbestandsmerkmal
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***
Beiträge: 96
Themen: 1
Registriert seit: Aug 2024
#4
17.07.2026, 21:58
Das ist eine Frage der Liquidität.

Du musst deinem Finanzamt natürlich die Aufnahme der Tätigkeit anzeigen. Wenn du dich aber nicht gerade - so wie ich - mit einem Steuerberater direkt ins benehmen setzt, der das alles antreibt, kann es sein, dass das Finanzamt erstmal nicht tätig wird. Nach Ablauf des ersten Jahres musst du dann deine erste Steuererklärung machen. Die wird das Finanzamt dann prüfen. Das nimmt alles Zeit in Anspruch. Und dann irgendwann Mitte/Ende des zweiten, vielleicht anfang des dritten Jahres wird dann das Finanzamt vorstellig und wird entsprechende Zahlungen von dir nachfordern, sofern du bis dahin noch nichts geleistet hat. Gleichsam wird man ab dann von dir auch entsprechende Vorauszahlungen auf Umsatz- und Einkommenssteuern verlangen. Wenn du bis dahin noch nichts gezahlt hast, dann knallt das auf einen Schlag böse in die Liquidität rein, die du dir am Anfang durch diesen Umstand noch nehmen konntest.

Du darfst dann die Umsatzsteuern und Einkommenssteuern nachzahlen und dann erstmals für ein Quartal vorauszahlen. Dieser Moment kann richtig böse sein, wenn du das Geld nicht schön Beiseite gelegt hast, sondern es für die eigene Liquidität genutzt hast. 

Um das zu vermeiden habe ich mit meinem Steuerberater direkt mit dem Finanzamt eingestielt, dass ich bereits von Anfang an Einkommenssteuer und Umsatzsteuer vorauszahle. Ich habe aber auch die nötige Liquidität dazu. Von daher zahle ich seit meinem Beginn voraus und bekomme dann nach Jahresabrechnung regelmäßig etwas zurück oder muss nachzahlen, je nachdem wie das Jahr gelaufen ist und welche Ausgaben/Abschreibungen ich hatte.

Du musst entscheiden, was für dich der bessere Weg ist. Wenn du das Finanzamt aber am Anfang erstmal aussparst - was dir Liquidität verschafft - dann kommt aber irgendwann der große Nach- und Vorauszahlungshammer.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.07.2026, 22:00 von Negatives Tatbestandsmerkmal.)
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Gast133
Junior Member
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Beiträge: 29
Themen: 3
Registriert seit: Jun 2025
#5
17.07.2026, 22:05
Danke für deine Ausführungen! Ich würde tatsächlich von Anfang an mich mit dem FA auseinandersetzen, die nachträgliche „Bombe“ ist nicht so meins. Aber ab welchem Zeitpunkt konntest du finanziell alles ohne Probleme stemmen? Und würdest du die Selbstständigkeit empfehlen?
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Äfes
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Beiträge: 382
Themen: 3
Registriert seit: Jul 2022
#6
18.07.2026, 22:22
(17.07.2026, 18:48)Gast133 schrieb:  Guten Tag, eine Frage an die selbständigen Kollegen. Konntet ihr am Anfang die laufenden Kosten decken + private Kosten?

Nope, erst ab dem 6. Monat. Für's Finanzamt, Versorgungswerk und Krankenkasse lege ich jeden Monat knapp 50% meiner Entnahme verzinst zurück. Sollte dicke reichen, weil das Versorgungswerk erst ab dem dritten(?) Jahr wirklich nach dem Einkommen berechnet, ggf. zahle ich aber mal freiwillig mehr. Gründungszuschuss hatte ich auch, aber erst nach Widerspruch. Sonst hätte ich zumindest meine privaten Kosten damit decken können.

Zur Einordnung: Monatliche Kanzleikosten (mein Anteil) waren anfangs glaube ich so 3-4k und sind jetzt ~6,5k.

PS: Gut vorbereitete Selbstständigkeit würde ich uneingeschränkt empfehlen
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 18.07.2026, 22:22 von Äfes.)
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Gast133
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Registriert seit: Jun 2025
#7
19.07.2026, 12:56
Aber wie hast du dann deine Kosten decken können die ersten 6 Monaten? Und ab welchem Zeitpunkt hat sich die Selbständigkeit finanziell gelohnt?
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Patenter Gast
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#8
19.07.2026, 13:18
(19.07.2026, 12:56)Gast133 schrieb:  Aber wie hast du dann deine Kosten decken können die ersten 6 Monaten? Und ab welchem Zeitpunkt hat sich die Selbständigkeit finanziell gelohnt?

Variante 1: Man hat Rücklagen.

Variante 2: Man hat einen Partner, der zahlt.

(Variante 3: Du bist abends Uber Eats Fahrer)

Du brauchst einen Business Plan und auf dessen Basis kannst du auch ausrechnen, ab wann sich eine Selbstständigkeit für dich lohnt.
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Äfes
Senior Member
****
Beiträge: 382
Themen: 3
Registriert seit: Jul 2022
#9
19.07.2026, 15:01
(19.07.2026, 12:56)Gast133 schrieb:  Aber wie hast du dann deine Kosten decken können die ersten 6 Monaten? Und ab welchem Zeitpunkt hat sich die Selbständigkeit finanziell gelohnt?

Rücklagen, Partner, der ausreichend Umsatz gemacht hat und (vierstelliges) Privatdarlehen meiner Lebensgefährtin (war nur notwendig, weil die Rücklagen als Einlage in der Kanzlei waren und nicht aufgebraucht werden sollten und auch nur, bis der Widerspruch durchging und die Nachzahlung vom Amt kam). Unsere Kosten waren aber mit zwei Büros einer Angestellten von Beginn an und einer Refa nach 4 Monaten auch vergleichsweise hoch.
Ich habe kürzlich mit einem älteren Kollegen gesprochen, bei dem ein anderer Kollege als Einzelanwalt für 300€/Monat zwei Büros angemietet hat und den Besprechungsraum nutzt. Wenn Du also ohne Angestellte und alleine startest, kommst Du wahrscheinlich erstmal mit 1k/Monat an Kosten hin. Zumindest die hätte ich im ersten Monat schon wieder reingeholt.

Die Frage ist, was "sich lohnen" bedeutet? Meine Entnahme entspricht netto gerechnet ca. seit dem 9. Monat dem, was ich vorher angestellt bekommen habe. Ich entnehme aber nicht den vollständigen Gewinnanteil, eher 1/2 - 2/3 davon. Wir halten gern etwas Liquidität zurück, zumal wir ab Herbst eine Kollegin in Teilzeit einstellen und voraussichtlich ab Winter eine weitere Refa und ab Januar eine weitere Vollzeitkollegin. Jedenfalls wenn die letzteren beiden zusagen. Daher haben wir gern die Kosten + Entnahmen für die nächsten ~3 Monate als Puffer. Ich rechne trotzdem mit einer zusätzlichen fünfstelligen Entnahme Ende des Jahres (gerade läuft der 12. Monat der Selbstständigkeit).

Persönlich hat es sich vorher schon gelohnt, weil ich arbeite wie und wo ich Lust habe, Zeit für Frau und Kind habe oder zumindest flexibel einteilen kann und Entscheidungen selbst treffe. Außerdem mache ich inhaltlich zu 95% das, was ich machen will.
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Äfes
Senior Member
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Beiträge: 382
Themen: 3
Registriert seit: Jul 2022
#10
19.07.2026, 15:02
(19.07.2026, 13:18)Patenter Gast schrieb:  
(19.07.2026, 12:56)Gast133 schrieb:  Aber wie hast du dann deine Kosten decken können die ersten 6 Monaten? Und ab welchem Zeitpunkt hat sich die Selbständigkeit finanziell gelohnt?

Variante 1: Man hat Rücklagen.

Variante 2: Man hat einen Partner, der zahlt.

(Variante 3: Du bist abends Uber Eats Fahrer)

Du brauchst einen Business Plan und auf dessen Basis kannst du auch ausrechnen, ab wann sich eine Selbstständigkeit für dich lohnt.

Das Ding beim Businessplan ist halt, dass man keine Ahnung hat, welche Menge an Mandaten wirklich reinkommt. Dann steht im Businessplan "lohnt sich ab 10 Mandaten/Monat". Das hilft wegen der Ungewissheit aber nur bedingt. Wenn man schon Mandate hat und mitnehmen mann, ist das anders
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