09.07.2026, 11:41
Hallo zusammen,
ich habe vor Kurzem mein 2. Examen absolviert und stehe nun vor der großen Frage: Wohin eigentlich? Ich stehe jetzt mit 8,x im 1. Examen und 9,x im 2. Examen da.
Ich liebäugele extrem stark mit einer Bewerbung bei der StA. Das Strafrecht war schon immer eines der spannendsten Rechtsgebiete. Auch die R1-Besoldung finde ich top, diesbezüglich interessieren mich GK-Gehälter und co ohnehin nicht.
Allerdings plagt mich eine riesige Sorge. Die (wohl kaum vorhandene) Work-Life-Balance.
Man hört und liest überall, dass man in den ersten Jahren lachend von 50 bis 60 Wochenstunden ausgeht. Ganz ehrlich? Für mich ist es absolut unverständlich, wie man sich sowas antun kann. Ich möchte zwar auch einen anspruchsvollen Job, der mich erfüllt, aber habe auch Freunde, Familie und Hobbys. Es kann doch nicht sein, dass man den spannenden StA-Beruf nur mit derart horrenden Arbeitsbedingungen ausüben kann?
Ist das wirklich die Realität oder kriege ich hier gerade einfach nur klassische Torschlusspanik vor dem Berufseinstieg? Wie gut lässt sich die Dezernatsarbeit in den ersten Jahren wirklich steuern, wenn man effizient arbeitet?
Als berufliche Alternativen habe ich auch schon während des Refs an das Innenministerium und insb. die Finanzverwaltung gedacht. Auch wenn es dort man anstrengende Phasen geben kann, glaube ich kaum, dass man dort monatelang 50 - 60 Stunden durchkloppen muss.
Dahingehend habe ich dann aber direkt die Angst, dass ich es ewig bereuen werde, die Justiz nie von innen gesehen zu haben.
Zudem frage ich mich, ob ich nicht auch dem Anwaltsberuf / Rechtsabteilung im Unternehmen eine echte Chance hätte geben müssen, bevor ich mich bspw. im ÖD / Justiz "verschanze".
Wie habt ihr diese Phase der Entscheidungsfindung erlebt? Wer stand vor einer ähnlichen Problem und wie blickt ihr heute darauf zurück?
ich habe vor Kurzem mein 2. Examen absolviert und stehe nun vor der großen Frage: Wohin eigentlich? Ich stehe jetzt mit 8,x im 1. Examen und 9,x im 2. Examen da.
Ich liebäugele extrem stark mit einer Bewerbung bei der StA. Das Strafrecht war schon immer eines der spannendsten Rechtsgebiete. Auch die R1-Besoldung finde ich top, diesbezüglich interessieren mich GK-Gehälter und co ohnehin nicht.
Allerdings plagt mich eine riesige Sorge. Die (wohl kaum vorhandene) Work-Life-Balance.
Man hört und liest überall, dass man in den ersten Jahren lachend von 50 bis 60 Wochenstunden ausgeht. Ganz ehrlich? Für mich ist es absolut unverständlich, wie man sich sowas antun kann. Ich möchte zwar auch einen anspruchsvollen Job, der mich erfüllt, aber habe auch Freunde, Familie und Hobbys. Es kann doch nicht sein, dass man den spannenden StA-Beruf nur mit derart horrenden Arbeitsbedingungen ausüben kann?
Ist das wirklich die Realität oder kriege ich hier gerade einfach nur klassische Torschlusspanik vor dem Berufseinstieg? Wie gut lässt sich die Dezernatsarbeit in den ersten Jahren wirklich steuern, wenn man effizient arbeitet?
Als berufliche Alternativen habe ich auch schon während des Refs an das Innenministerium und insb. die Finanzverwaltung gedacht. Auch wenn es dort man anstrengende Phasen geben kann, glaube ich kaum, dass man dort monatelang 50 - 60 Stunden durchkloppen muss.
Dahingehend habe ich dann aber direkt die Angst, dass ich es ewig bereuen werde, die Justiz nie von innen gesehen zu haben.
Zudem frage ich mich, ob ich nicht auch dem Anwaltsberuf / Rechtsabteilung im Unternehmen eine echte Chance hätte geben müssen, bevor ich mich bspw. im ÖD / Justiz "verschanze".
Wie habt ihr diese Phase der Entscheidungsfindung erlebt? Wer stand vor einer ähnlichen Problem und wie blickt ihr heute darauf zurück?
09.07.2026, 17:39
Ich kann immer wieder (vgl. Suchfunktion) nur sagen, dass das keineswegs bundesweit durchgehend so sein muss. Wohin willst Du denn?
Wenn es ein ordentliches Bundesland ist, der Dezernatsvorgänger gut gearbeitet hat und die Abteilungsleitung nicht irgendwie seltsam ist, dann bekommt man das, wenn man strukturiert und zielgerichtet arbeitet, nach einer Weile auch mit normalen Arbeitszeiten hin. Ich habe in einer Allgemeinen Abteilung angefangen und dort eine sehr schöne Zeit.
Wenn es ein ordentliches Bundesland ist, der Dezernatsvorgänger gut gearbeitet hat und die Abteilungsleitung nicht irgendwie seltsam ist, dann bekommt man das, wenn man strukturiert und zielgerichtet arbeitet, nach einer Weile auch mit normalen Arbeitszeiten hin. Ich habe in einer Allgemeinen Abteilung angefangen und dort eine sehr schöne Zeit.
09.07.2026, 18:08
(09.07.2026, 17:39)Praktiker schrieb: Ich kann immer wieder (vgl. Suchfunktion) nur sagen, dass das keineswegs bundesweit durchgehend so sein muss. Wohin willst Du denn?
Wenn es ein ordentliches Bundesland ist, der Dezernatsvorgänger gut gearbeitet hat und die Abteilungsleitung nicht irgendwie seltsam ist, dann bekommt man das, wenn man strukturiert und zielgerichtet arbeitet, nach einer Weile auch mit normalen Arbeitszeiten hin. Ich habe in einer Allgemeinen Abteilung angefangen und dort eine sehr schöne Zeit.
Auch wenn ich selbst eine schlechte Zeit bei der StA hatte, kann ich das ebenfalls bestätigen (auch aus der gleichen Behörde). Es ist auch eine Typsache. Aber gegen ausprobieren spricht ja nichts. Ich bin rückblickend froh es gemacht zu haben, andernfalls hätte der Gedanke mich wohl nicht losgelassen. Wechsel von der StA ging auch ziemlich problemlos.
09.07.2026, 21:11
(09.07.2026, 17:39)Praktiker schrieb: Ich kann immer wieder (vgl. Suchfunktion) nur sagen, dass das keineswegs bundesweit durchgehend so sein muss. Wohin willst Du denn?
Wenn es ein ordentliches Bundesland ist, der Dezernatsvorgänger gut gearbeitet hat und die Abteilungsleitung nicht irgendwie seltsam ist, dann bekommt man das, wenn man strukturiert und zielgerichtet arbeitet, nach einer Weile auch mit normalen Arbeitszeiten hin. Ich habe in einer Allgemeinen Abteilung angefangen und dort eine sehr schöne Zeit.
Welche Bundesländer sind denn unordentlich? ;-)
Wie bereits gesagt wurde, ist es von vielen Faktoren abhängig und kaum pauschalisierbar. Wenn du grundsätzlich Lust darauf hast, dann probier es doch einfach aus, deine Seele verkaufst du ja nicht gleich dadurch ;-)
Ich weiß noch nicht, ob ich mich lieber als Staatsanwalt oder Richter auf Lebenszeit ernennen lassen werde (oder überhaupt in der Justiz bleibe), aber ich kann mir nicht vorstellen, eines Tages zurückzublicken und zu bereuen, es für eine Weile gemacht zu haben. Es ist schon ein cooler Job, bei dem man viele interessante Einblicke hat und spannende Erfahrungen machen kann.
10.07.2026, 07:00
(09.07.2026, 21:11)Burchard von Worms schrieb:(09.07.2026, 17:39)Praktiker schrieb: Ich kann immer wieder (vgl. Suchfunktion) nur sagen, dass das keineswegs bundesweit durchgehend so sein muss. Wohin willst Du denn?
Wenn es ein ordentliches Bundesland ist, der Dezernatsvorgänger gut gearbeitet hat und die Abteilungsleitung nicht irgendwie seltsam ist, dann bekommt man das, wenn man strukturiert und zielgerichtet arbeitet, nach einer Weile auch mit normalen Arbeitszeiten hin. Ich habe in einer Allgemeinen Abteilung angefangen und dort eine sehr schöne Zeit.
Welche Bundesländer sind denn unordentlich? ;-)
Das kann man leicht ausprobieren. Ich erinnere mich an Verfahren mit Einzeltaten unterschiedlicher Tatorte, die ich abgetrennt und abgegeben habe. In Bayern wurden die Beschuldigten angeklagt, in Berlin wurde eingestellt. Wenn nicht sowieso die Akte unauffindbar war. Das kann sich inzwischen geändert haben, aber bei Kontakten nach Berlin ging zu meiner Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas schief. Und bei NRW war der Eindruck auch eher ungünstig.
10.07.2026, 07:50
Es hängt halt auch sehr von der einzelnen Behörde ab und auch davon, ob man z.B. als StA in der Allgemeinen den ganzen "Kleinkram" (Schwarzfahren, Ladendiebstahl, etc.) mit erledigen muss, oder ob es Amtsanwälte gibt, die das machen und man als StA mehr Zeit für die größeren Sachen hat.
10.07.2026, 11:24
(10.07.2026, 07:00)Praktiker schrieb:Ein Indiz können auch die Pebb§y-Zahlen über die Arbeitsbelastung und Personalausstattung geben. Meines Wissens werden die zumindest auf Länderebene erhoben. Da sah es für die StA in NRW immer besonders schlecht aus. 130-140 Prozent Arbeitslast pro Planstelle, wobei da noch nicht berücksichtigt war, ob die Stelle wirklich bei der StA besetzt ist bzw nicht eine Abordnung an eine andere Behörde dahinter steht.(09.07.2026, 21:11)Burchard von Worms schrieb:(09.07.2026, 17:39)Praktiker schrieb: Ich kann immer wieder (vgl. Suchfunktion) nur sagen, dass das keineswegs bundesweit durchgehend so sein muss. Wohin willst Du denn?
Wenn es ein ordentliches Bundesland ist, der Dezernatsvorgänger gut gearbeitet hat und die Abteilungsleitung nicht irgendwie seltsam ist, dann bekommt man das, wenn man strukturiert und zielgerichtet arbeitet, nach einer Weile auch mit normalen Arbeitszeiten hin. Ich habe in einer Allgemeinen Abteilung angefangen und dort eine sehr schöne Zeit.
Welche Bundesländer sind denn unordentlich? ;-)
Das kann man leicht ausprobieren. Ich erinnere mich an Verfahren mit Einzeltaten unterschiedlicher Tatorte, die ich abgetrennt und abgegeben habe. In Bayern wurden die Beschuldigten angeklagt, in Berlin wurde eingestellt. Wenn nicht sowieso die Akte unauffindbar war. Das kann sich inzwischen geändert haben, aber bei Kontakten nach Berlin ging zu meiner Zeit mit hoher Wahrscheinlichkeit etwas schief. Und bei NRW war der Eindruck auch eher ungünstig.
10.07.2026, 13:09
Einwendung einer Nicht-Strafrechtlerin von der Seite:
Hat man als Externer überhaupt Zugriff auf diese internen Daten wie Erledigungszahlen?
Hat man als Externer überhaupt Zugriff auf diese internen Daten wie Erledigungszahlen?
10.07.2026, 13:17
10.07.2026, 14:06
(10.07.2026, 13:17)Homer S. schrieb:https://www.drb-nrw.de/fileadmin/Landesv...gnahme.pdf(10.07.2026, 13:09)Egal_ schrieb: Einwendung einer Nicht-Strafrechtlerin von der Seite:
Hat man als Externer überhaupt Zugriff auf diese internen Daten wie Erledigungszahlen?
Der Richterbund veröffentlicht die oft "beiläufig" in den jeweiligen Stellungnahmen.
Tatsächliche Belastungsquote von 132,9 % (Seite 2 unten). Das scheinen mir aber schon die um Abordnungen uä. bereinigten Pebb§y-Zahlen zu sein, dh es werden nur die tatsächlich mit StA besetzten Stellen gezählt.
Bei einer 41h-Woche macht das - im Schnitt und zumindest auf dem Papier - 54,5h.










