17.04.2026, 15:35
Moin! Was haltet ihr von den Programmen von Unternehmen zum Direkteinstieg in die Rechtsabteilung ohne (große) Berufserfahrung? Einerseits sind die Bedingungen natürlich sehr attraktiv (höheres Gehalt als in kleinen Kanzleien, aber weit weg von GKs; Work-Life-Balance; Internationalität; gutes Arbeitsumfeld), andererseits höre ich oft, dass man damit letztlich ein Mitarbeiter zweiter Klasse wird, da die wirklich guten Stellen sowieso mit Ex-GKlern besetzt würden.
Ein Beispiel wäre das Programm von Evonik: www.evonik.com/de/karriere/moeglichkeiten/traineeprogramme/legal.html
Ein Beispiel wäre das Programm von Evonik: www.evonik.com/de/karriere/moeglichkeiten/traineeprogramme/legal.html
17.04.2026, 17:15
Ich halte von solchen Traineestellen eigentlich gar nichts. In aller Regel ist die Bezahlung auch nicht sehr gut für die Ausbildung die man bereits hat, sondern sehr schlecht. Traineestellen sind manchmal mit 2000€, 3.000€ vergütet, was lächerlich wenig ist.
Auch in dem Inserat ist nur von „überdurchschnittlich“ die Rede. Überdurchschnittlich im Vergleich zu wem ist da die Frage.
Außerdem muss man erstmal Lust darauf haben, nach 7+ Jahren Ausbildung nochmal irgendwie 2 Jahre in so eine Nachwuchsrolle gesteckt zu werden, anstatt auch mal eigenständig zu arbeiten, wie man es ansonsten könnte.
Worst Case wäre natürlich nach so einem zweijährigen Programm, das meistens der Ausbeutung der Trainees dient, nicht übernommen zu werden. Das wären halt zwei komplett verschwendete Jahre, weil interne Firmenprozesse die man gelernt hat nicht universell sind und das Risiko besteht auch immer. Man ist halt immer abhängig vom Gutdünken der Vorgesetzen und des konkreten Unternehmens. Wenn die einen nicht übernehmen oder doch nur ein schlechtes Jobangebot am Ende machen ist man halt geliefert…
Wohingegen man beim Berufseinstieg als Anwalt tatsächlich Standard-Dinge lernt die man überall in der anwaltlichen Tätigkeit gebrauchen kann, auch wenn man dann die Kanzlei wechselt.
Deswegen halte ich sehr wenig davon. Das Gehalt müsste schon sehr gut sein um so ein Wagnis einzugehen.
Auch in dem Inserat ist nur von „überdurchschnittlich“ die Rede. Überdurchschnittlich im Vergleich zu wem ist da die Frage.
Außerdem muss man erstmal Lust darauf haben, nach 7+ Jahren Ausbildung nochmal irgendwie 2 Jahre in so eine Nachwuchsrolle gesteckt zu werden, anstatt auch mal eigenständig zu arbeiten, wie man es ansonsten könnte.
Worst Case wäre natürlich nach so einem zweijährigen Programm, das meistens der Ausbeutung der Trainees dient, nicht übernommen zu werden. Das wären halt zwei komplett verschwendete Jahre, weil interne Firmenprozesse die man gelernt hat nicht universell sind und das Risiko besteht auch immer. Man ist halt immer abhängig vom Gutdünken der Vorgesetzen und des konkreten Unternehmens. Wenn die einen nicht übernehmen oder doch nur ein schlechtes Jobangebot am Ende machen ist man halt geliefert…
Wohingegen man beim Berufseinstieg als Anwalt tatsächlich Standard-Dinge lernt die man überall in der anwaltlichen Tätigkeit gebrauchen kann, auch wenn man dann die Kanzlei wechselt.
Deswegen halte ich sehr wenig davon. Das Gehalt müsste schon sehr gut sein um so ein Wagnis einzugehen.
18.04.2026, 00:01
(17.04.2026, 17:15)Attila schrieb: Ich halte von solchen Traineestellen eigentlich gar nichts. In aller Regel ist die Bezahlung auch nicht sehr gut für die Ausbildung die man bereits hat, sondern sehr schlecht. Traineestellen sind manchmal mit 2000€, 3.000€ vergütet, was lächerlich wenig ist.
Auch in dem Inserat ist nur von „überdurchschnittlich“ die Rede. Überdurchschnittlich im Vergleich zu wem ist da die Frage.
Außerdem muss man erstmal Lust darauf haben, nach 7+ Jahren Ausbildung nochmal irgendwie 2 Jahre in so eine Nachwuchsrolle gesteckt zu werden, anstatt auch mal eigenständig zu arbeiten, wie man es ansonsten könnte.
Worst Case wäre natürlich nach so einem zweijährigen Programm, das meistens der Ausbeutung der Trainees dient, nicht übernommen zu werden. Das wären halt zwei komplett verschwendete Jahre, weil interne Firmenprozesse die man gelernt hat nicht universell sind und das Risiko besteht auch immer. Man ist halt immer abhängig vom Gutdünken der Vorgesetzen und des konkreten Unternehmens. Wenn die einen nicht übernehmen oder doch nur ein schlechtes Jobangebot am Ende machen ist man halt geliefert…
Wohingegen man beim Berufseinstieg als Anwalt tatsächlich Standard-Dinge lernt die man überall in der anwaltlichen Tätigkeit gebrauchen kann, auch wenn man dann die Kanzlei wechselt.
Deswegen halte ich sehr wenig davon. Das Gehalt müsste schon sehr gut sein um so ein Wagnis einzugehen.
ich weiß nicht woher du deine Einblicke hast. Große Unternehmen versuchen darüber Berufseinsteiger bestmöglich für das Unternehmen auszubilden. Projektarbeit, agile Methoden, Stakeholdermanagement, Einblick in verschiedenste Unternehmensbereiche.... Da nimmt man als Unternehmen auch Geld in die Hand. Für den Trainee hat es auch Vorteile: man kann sich selbst noch etwas ausprobieren, häufig machen solche Menschen schneller Karriere und bei der Bewerbung muss ich nicht gegen Kandidaten mit Berufserfahrung antreten.
18.04.2026, 18:41
Wir bieten Trainee-Stellen in allen möglichen Bereichen an und ich kenne auch Kollegen aus anderen Abteilungen und bei auch uns im Team, die auf diese Weise zu uns gekommen sind. Für uns ist das eins der Nachwuchsprogramme, so wie wir auch gezielt duale Studienplätze anbieten, um Fachkräfte zu gewinnen. Wer nicht mitmachen will, muss es nicht. Wer einen sicheren Arbeitsplatz will, macht mit. Übernahme quasi garantiert (wir machen das nicht, weil wir "billige" Arbeitskräfte suchen, sondern um Nachwuchs zu finden). Gehalt war mal vor einigen Zeit, ich weiß aber nicht mehr wann, irgendwas um die 4.500 Euro brutto oder mehr. Die genaue Zahl habe ich nicht mehr im Kopf.
Evonik ist ein renommiertes Unternehmen. Wenn du die Chance hast, dort unterzukommen, greif zu. Trainee heißt nicht, dass du der Depp vom Dienst bist. Bei uns lernen die Trainees verschiedene Abteilungen kennen und fangen im Anschluss dann meist in einer dieser Abteilungen oder auch einer anderen fest an. Das Gehalt nach dem Traineeprogramm entspricht dem regulären Tarifgehalt. Wenn du dir aber, wie der eine Vorschreiber, zu fein dafür bist, einige Zeit in verschiedene Abteilungen hineinzuschnuppern, Traineeaufgaben zu übernehmen (oft verschiedene interne Projekte, die man teils federführend bearbeiten darf) und dafür "nur" ein Traineegehalt zu kassieren, lass es.
Ich dagegen würde es dir empfehlen.
Übrigens meckert ja auch keiner über das übliche Traineeprogramm, mit dem man beim Finanzamt einsteigt. Der Hintergrund beider Programme ist vermutlich ähnlich (verschiedene Abteilungen und Aufgaben kennenlernen und sich "finden").
Evonik ist ein renommiertes Unternehmen. Wenn du die Chance hast, dort unterzukommen, greif zu. Trainee heißt nicht, dass du der Depp vom Dienst bist. Bei uns lernen die Trainees verschiedene Abteilungen kennen und fangen im Anschluss dann meist in einer dieser Abteilungen oder auch einer anderen fest an. Das Gehalt nach dem Traineeprogramm entspricht dem regulären Tarifgehalt. Wenn du dir aber, wie der eine Vorschreiber, zu fein dafür bist, einige Zeit in verschiedene Abteilungen hineinzuschnuppern, Traineeaufgaben zu übernehmen (oft verschiedene interne Projekte, die man teils federführend bearbeiten darf) und dafür "nur" ein Traineegehalt zu kassieren, lass es.
Ich dagegen würde es dir empfehlen.
Übrigens meckert ja auch keiner über das übliche Traineeprogramm, mit dem man beim Finanzamt einsteigt. Der Hintergrund beider Programme ist vermutlich ähnlich (verschiedene Abteilungen und Aufgaben kennenlernen und sich "finden").
18.04.2026, 19:03
Und konkret zum geposteten Link: ich finde, das hört sich sehr gut an. Du würdest eben keine klassische Fallbearbeitung machen, sondern in Projekte reingehen. Ein längerer Auslandsaufenthalt und der Aufenthalt an verschiedenen Standorten ist offenbar auch vorgesehen. Man investiert also ordentlich Geld in den Trainee, um ihn bestmöglich auszubilden und den Standorten schon bekanntzumachen. Davon wird derjenige später profitieren, denn er lernt, wie das Unternehmen in z.B. Shanghai tickt, wie dort die Arbeitsabläufe in der Rechtsabteilung sind und kann Kontakte knüpfen. Also eins kann ich dir versprechen: Evonik macht das nicht, um eine billige Arbeitskraft zu finden. Bewerber haben die bestimmt genug und auch die Stellenanzeige beschreibt alles andere als einen langweiligen Schreibtischjob im Backoffice der deutschen Rechtsabteilung zu einem schlechten Gehalt.
18.04.2026, 22:50
(18.04.2026, 19:03)Egal_ schrieb: Und konkret zum geposteten Link: ich finde, das hört sich sehr gut an. Du würdest eben keine klassische Fallbearbeitung machen, sondern in Projekte reingehen. Ein längerer Auslandsaufenthalt und der Aufenthalt an verschiedenen Standorten ist offenbar auch vorgesehen. Man investiert also ordentlich Geld in den Trainee, um ihn bestmöglich auszubilden und den Standorten schon bekanntzumachen. Davon wird derjenige später profitieren, denn er lernt, wie das Unternehmen in z.B. Shanghai tickt, wie dort die Arbeitsabläufe in der Rechtsabteilung sind und kann Kontakte knüpfen. Also eins kann ich dir versprechen: Evonik macht das nicht, um eine billige Arbeitskraft zu finden. Bewerber haben die bestimmt genug und auch die Stellenanzeige beschreibt alles andere als einen langweiligen Schreibtischjob im Backoffice der deutschen Rechtsabteilung zu einem schlechten Gehalt.
Klare Empfehlung das zu machen wenn du Lust auf Inhouse hast.
Du siehst viel, Ausland ist immer nice und du lernst wirklich in Ruhe das Unternehmen kennen.
Würde da ehrlich gesagt nichts drauf geben dass es rein formal unter deiner Qualifikation liegt. Unternehmen ticken anders und wie schon gesagt wurde ist Evonik nicht die Müller & Sohn GmbH von nebenan.
Kannst nur gewinnen. :)
27.04.2026, 09:05
Danke für die ganzen Antworten! Ich könnte mir eine Inhouse-Tätigkeit langfristig gut vorstellen und fände viele der Aspekte der Stellenanzeige daher sehr gut. Gerade die Möglichkeit aus recht gutem Gehalt (zumindest langfristig, ich komme auch aus finanziell eher bescheidenen Verhältnissen, sodass selbst eine Bezahlung nach Tarif sehr gut wäre), internationalem/interdisziplinärem Arbeiten und zumindest einigermaßen bestehender W/L Balance sind da natürlich super. Das Argument, dass man nur unternehmensspezifische Vorgänge lernt und für andere Unternehmen wertlos ist, kann ich nach Rücksprache mit mehreren Legal Counseln bisher nicht bestätigen.
Jedenfalls sind die typischen "Anwalts-Skills" für mich auch nicht so super interessant, da ich mir allenfalls die Arbeit in einer Großkanzlei/Boutique vorstellen könnte. Dafür habe ich aber bisher nicht die Noten und die persönliche Einstellung (iSv "Arbeit ist alles, Hobbys/Familie stören nur"). Sollte der Verbesserungsversuch gut laufen, kämen für mich eigentlich nur der "stressigere" ÖD (Ministerium, BKartA, Polizei), die Justiz oder eben andere Unternehmen (ggf. mit einem kurzen Umweg über die GK oder MK) in Betracht. Es mag dumm sein, aber die Arbeit in einer KK fand ich in meinem Praktikum wirklich schrecklich, sodass ich dies um jeden Preis vermeiden möchte.
Jedenfalls sind die typischen "Anwalts-Skills" für mich auch nicht so super interessant, da ich mir allenfalls die Arbeit in einer Großkanzlei/Boutique vorstellen könnte. Dafür habe ich aber bisher nicht die Noten und die persönliche Einstellung (iSv "Arbeit ist alles, Hobbys/Familie stören nur"). Sollte der Verbesserungsversuch gut laufen, kämen für mich eigentlich nur der "stressigere" ÖD (Ministerium, BKartA, Polizei), die Justiz oder eben andere Unternehmen (ggf. mit einem kurzen Umweg über die GK oder MK) in Betracht. Es mag dumm sein, aber die Arbeit in einer KK fand ich in meinem Praktikum wirklich schrecklich, sodass ich dies um jeden Preis vermeiden möchte.



