04.02.2026, 22:41
Auf die Gefahr hin, dass dazu noch einiges von mir Unentdecktes im Forum rumgeistert, oder, dass die Frage etwas unsympathisch klingt (was sie nicht sein soll!):
An diejenigen, die in den Klausuren insgesamt bzw. in einzelnen Klausuren über das VB hinausgekommen sind, was sind eure "Geheimtipps"?
Hier im Forum findet man ja schon ein paar Anhaltspunkte, wie
- Sicher sein im materiellen Recht
- Bestimmte Formulierungen beherrschen
- Selbstverständliches wie sinnvolle Argumentation, Rechtschreibung, Zeitmanagement etc. (& im Zweifel das nötige Glück)
Habt ihr darüber hinaus vielleicht noch konkrete Tipps/Hinweise/Ratschläge, wie man mit seinen Klausuren in diesem utopischen Punktebereich landet?
Vielleicht konkrete Formulierungsvorschläge oder gute Fundstellen im Kommentar für gewisse "Dauerbrenner" oder Spezialprobleme, (unkonventionelle) Herangehensweisen an Klausurlösungen (wie zB Lösungsskizzen weglassen, mehr Zeit zum Schreiben haben; bestimmte farbige Marker für bestimmten Sachverhaltsinhalt), Argumentationsmuster für unbekannte Probleme (à la "WURST" aus dem 1. StEx) ...?
Mich würde ansonsten auch schon interessieren, wie ihr für die Klausuren gelernt habt - musstet ihr viel matR wiederholen oder hat der Kommentar gereicht, habt ihr viele oder kaum/keine Probeklausuren geschrieben, war eine Lerngruppe hilfreich, seid ihr noch nah am 1. StEx gewesen oder ist seitdem schon deutlich Zeit ins Land gezogen, war ein bestimmtes Lehrbuch/Skript/KK-Satz euer heiliger Gral ...?
An diejenigen, die in den Klausuren insgesamt bzw. in einzelnen Klausuren über das VB hinausgekommen sind, was sind eure "Geheimtipps"?
Hier im Forum findet man ja schon ein paar Anhaltspunkte, wie
- Sicher sein im materiellen Recht
- Bestimmte Formulierungen beherrschen
- Selbstverständliches wie sinnvolle Argumentation, Rechtschreibung, Zeitmanagement etc. (& im Zweifel das nötige Glück)
Habt ihr darüber hinaus vielleicht noch konkrete Tipps/Hinweise/Ratschläge, wie man mit seinen Klausuren in diesem utopischen Punktebereich landet?
Vielleicht konkrete Formulierungsvorschläge oder gute Fundstellen im Kommentar für gewisse "Dauerbrenner" oder Spezialprobleme, (unkonventionelle) Herangehensweisen an Klausurlösungen (wie zB Lösungsskizzen weglassen, mehr Zeit zum Schreiben haben; bestimmte farbige Marker für bestimmten Sachverhaltsinhalt), Argumentationsmuster für unbekannte Probleme (à la "WURST" aus dem 1. StEx) ...?
Mich würde ansonsten auch schon interessieren, wie ihr für die Klausuren gelernt habt - musstet ihr viel matR wiederholen oder hat der Kommentar gereicht, habt ihr viele oder kaum/keine Probeklausuren geschrieben, war eine Lerngruppe hilfreich, seid ihr noch nah am 1. StEx gewesen oder ist seitdem schon deutlich Zeit ins Land gezogen, war ein bestimmtes Lehrbuch/Skript/KK-Satz euer heiliger Gral ...?
05.02.2026, 17:30
- Viele Klausuren schreiben.
- "Faul" sein beim Lernen: Nur das auswendig lernen, was nicht im Gesetz oder Kommentar steht.
- Probieren, die Unterlagen wirklich zu verstehen, statt sie "nur" zu lesen: Könnte man das Thema jemandem aus dem Stehgreif erklären und welche Normen/Themen stehen damit im Zusammenhang?
- Aus Klausurerstellerperspektive denken: Was hat er sich bei dieser Klausur gedacht, gibt es einen roten Faden oder einen Schwerpunkt?
- Sich wirklich (!) damit auseinandersetzen, wie Gutachtenstil, Urteilsstil usw. funktioniert. Warum eine Definition abstrakt ist und wie genau eigentlich eine Subsumtion funktioniert; das ist mE der Punkt, der mir im zweiten Examen am besten geholfen hat. Das zwingt automatisch in die richtige Struktur und Denkweise.
Viel Erfolg :)
05.02.2026, 21:40
Full disclosure vorweg: ich hatte nur mit mündlicher Prüfung das Gut geschafft, schriftlich nur ein hohes vb. Vielleicht hilft es aber trotzdem:
- schnell (nach max 1 h) anfangen zu schreiben, dafür:
- schnell (nach max 1 h) anfangen zu schreiben, dafür:
- Sachverhalt nur einmal lesen, Markierung in versch. Farben (bspw. Vortrag Kläger/Bkl., Rechtsansicht, prozessuales)
- Alle identifizierten Probleme beim Lesen nummeriert auf Zettel sammeln, immer mit Seitenangabe
- Rudimentäre Lösungsskizze: nur "kritischer Weg", alle unproblematischen TB-Merkmale auslassen o max. 1 Wort
- Skizze gliedern (I.1.a.etc)
- Alle Probleme in Lösungsskizze unterbringen (deswegen die Nummern), am Ende muss auf dem "Problemzettel" alles abgehakt sein
- Probleme nicht hier lösen, nur wenn von Entscheidung der rest des Lösungswegs abhängt kurz nachlesen (Fundstelle hinschreiben, sonst nichts)
- Alle Problemstellen in Skizze farblich markieren
- Skizze sollte auf ca. 1 seite passen (vllt 2 wenn man groß schreibt)
- Struktur bewahren, dafür Gliederungsebenen in der Skizze
- Bei "großen" Gliederungspunkten oder vielen Unterpunkten: vernünftigen Obersatz
- Was auf der Skizze farblich markiert ist (Problem!) Im gutachtenstil bzw. "Echten" Urteilstil: obersatz, Definition aus Kommentar abschreiben, dann Definition weiter zuschneiden auf den speziellen Fall, Argumente aus dem Sachverhalt verwenden (deswegen Seitenangaben bei Problem), dann Ergebnis ("So auch hier") und dann Sachverhalt mir Definition abgleichen (sollte dann genau passen)
- Wenn man argumentiert: Wortlaut, Systematik, Telos, Umkehrschluss etc. ist viel überzeugender als "BGH sagt so"
- Alles andere kurz feststellen, keine Definition, Argumente etc.
- Ohne solide Rechtskenntnisse geht es natürlich nicht, aber ich habe z.b. nie Rechtsprechung gelesen/gelernt, nur Dogmatik und Form
- Bestimmte Formulierungen sollte man auswendig draufhaben
- Mutig sein, nicht grübeln, man muss halt irgendwie die Klausur kohärent zu ende bringen. Ob dann alles stimmt, ist zweitrangig.
10.02.2026, 11:24
lustige nachrichten für den korrektor hinterlassen
10.02.2026, 18:27
12.02.2026, 16:16
(05.02.2026, 21:40)Fortuna schrieb: Full disclosure vorweg: ich hatte nur mit mündlicher Prüfung das Gut geschafft, schriftlich nur ein hohes vb. Vielleicht hilft es aber trotzdem:
- schnell (nach max 1 h) anfangen zu schreiben, dafür:- Beim Schreiben:
- Sachverhalt nur einmal lesen, Markierung in versch. Farben (bspw. Vortrag Kläger/Bkl., Rechtsansicht, prozessuales)
- Alle identifizierten Probleme beim Lesen nummeriert auf Zettel sammeln, immer mit Seitenangabe
- Rudimentäre Lösungsskizze: nur "kritischer Weg", alle unproblematischen TB-Merkmale auslassen o max. 1 Wort
- Skizze gliedern (I.1.a.etc)
- Alle Probleme in Lösungsskizze unterbringen (deswegen die Nummern), am Ende muss auf dem "Problemzettel" alles abgehakt sein
- Probleme nicht hier lösen, nur wenn von Entscheidung der rest des Lösungswegs abhängt kurz nachlesen (Fundstelle hinschreiben, sonst nichts)
- Alle Problemstellen in Skizze farblich markieren
- Skizze sollte auf ca. 1 seite passen (vllt 2 wenn man groß schreibt)
- im übrigen:
- Struktur bewahren, dafür Gliederungsebenen in der Skizze
- Bei "großen" Gliederungspunkten oder vielen Unterpunkten: vernünftigen Obersatz
- Was auf der Skizze farblich markiert ist (Problem!) Im gutachtenstil bzw. "Echten" Urteilstil: obersatz, Definition aus Kommentar abschreiben, dann Definition weiter zuschneiden auf den speziellen Fall, Argumente aus dem Sachverhalt verwenden (deswegen Seitenangaben bei Problem), dann Ergebnis ("So auch hier") und dann Sachverhalt mir Definition abgleichen (sollte dann genau passen)
- Wenn man argumentiert: Wortlaut, Systematik, Telos, Umkehrschluss etc. ist viel überzeugender als "BGH sagt so"
- Alles andere kurz feststellen, keine Definition, Argumente etc.
- Ohne solide Rechtskenntnisse geht es natürlich nicht, aber ich habe z.b. nie Rechtsprechung gelesen/gelernt, nur Dogmatik und Form
- Bestimmte Formulierungen sollte man auswendig draufhaben
- Mutig sein, nicht grübeln, man muss halt irgendwie die Klausur kohärent zu ende bringen. Ob dann alles stimmt, ist zweitrangig.
Hey! Vielen Dank für Deine ausführliche Darstellung. Klingt für mich sehr sinnig.
Kannst Du vllt kurz noch erklären, was Du außerhalb der SP mit “unechten” Urteilsstil meinst?
Im übrigen: aus meinen Voten wurde in den RA und der StA Klausuren immer negativ angemerkt, dass ich den Gutachtenstil nicht durchgehend eingehalten habe. Hatte mich etwas verwundert, da ich es aus dem OLG Kurs kannte, dass es oke ist, in einen Urteilsstil/ Feststellungsstil zu gehen soweit es unproblematisch Punkte sind. Wie hast Du das gemacht?
12.02.2026, 17:56
(12.02.2026, 16:16)fragenFragen schrieb:(05.02.2026, 21:40)Fortuna schrieb: Full disclosure vorweg: ich hatte nur mit mündlicher Prüfung das Gut geschafft, schriftlich nur ein hohes vb. Vielleicht hilft es aber trotzdem:
- schnell (nach max 1 h) anfangen zu schreiben, dafür:- Beim Schreiben:
- Sachverhalt nur einmal lesen, Markierung in versch. Farben (bspw. Vortrag Kläger/Bkl., Rechtsansicht, prozessuales)
- Alle identifizierten Probleme beim Lesen nummeriert auf Zettel sammeln, immer mit Seitenangabe
- Rudimentäre Lösungsskizze: nur "kritischer Weg", alle unproblematischen TB-Merkmale auslassen o max. 1 Wort
- Skizze gliedern (I.1.a.etc)
- Alle Probleme in Lösungsskizze unterbringen (deswegen die Nummern), am Ende muss auf dem "Problemzettel" alles abgehakt sein
- Probleme nicht hier lösen, nur wenn von Entscheidung der rest des Lösungswegs abhängt kurz nachlesen (Fundstelle hinschreiben, sonst nichts)
- Alle Problemstellen in Skizze farblich markieren
- Skizze sollte auf ca. 1 seite passen (vllt 2 wenn man groß schreibt)
- im übrigen:
- Struktur bewahren, dafür Gliederungsebenen in der Skizze
- Bei "großen" Gliederungspunkten oder vielen Unterpunkten: vernünftigen Obersatz
- Was auf der Skizze farblich markiert ist (Problem!) Im gutachtenstil bzw. "Echten" Urteilstil: obersatz, Definition aus Kommentar abschreiben, dann Definition weiter zuschneiden auf den speziellen Fall, Argumente aus dem Sachverhalt verwenden (deswegen Seitenangaben bei Problem), dann Ergebnis ("So auch hier") und dann Sachverhalt mir Definition abgleichen (sollte dann genau passen)
- Wenn man argumentiert: Wortlaut, Systematik, Telos, Umkehrschluss etc. ist viel überzeugender als "BGH sagt so"
- Alles andere kurz feststellen, keine Definition, Argumente etc.
- Ohne solide Rechtskenntnisse geht es natürlich nicht, aber ich habe z.b. nie Rechtsprechung gelesen/gelernt, nur Dogmatik und Form
- Bestimmte Formulierungen sollte man auswendig draufhaben
- Mutig sein, nicht grübeln, man muss halt irgendwie die Klausur kohärent zu ende bringen. Ob dann alles stimmt, ist zweitrangig.
Hey! Vielen Dank für Deine ausführliche Darstellung. Klingt für mich sehr sinnig.
Kannst Du vllt kurz noch erklären, was Du außerhalb der SP mit “unechten” Urteilsstil meinst?
Im übrigen: aus meinen Voten wurde in den RA und der StA Klausuren immer negativ angemerkt, dass ich den Gutachtenstil nicht durchgehend eingehalten habe. Hatte mich etwas verwundert, da ich es aus dem OLG Kurs kannte, dass es oke ist, in einen Urteilsstil/ Feststellungsstil zu gehen soweit es unproblematisch Punkte sind. Wie hast Du das gemacht?
Das wundert mich. In einer Kautelarklausur wurde ich mal dafür gelobt, dass ich weiß wann ich Gutachtenstil und wann Urteilsstil anweden muss. Ich habe es auch immer so gehandhabt dass ich die unproblematischen Punkte im Urteilsstil abhake, insbesondere die Zweckmäßigkeit ist bei mir, außer es gibt da ein Problem Urteilsstil. In der StA ist z.B. mein Gutachten i.d.R. bis auf die Probleme im Urteilsstil und mein Gutachtenstil wurde nie kritisiert.
aber man kanns leider nicht jedem Korrektor recht machen. Die einen sagen es so, die anderen so
12.02.2026, 19:24
Vielen Dank für eure Antworten! Das klingt sehr nach dem, was man für ein erfolgreiches erstes StEx ja auch macht/machen sollte
Zum Klausurenschreiben muss ich mich wohl dann wohl oder übel mal durchringen. Im ersten hat es noch ohne geklappt, aber da kannte man die Klausurenform ja auch schon aus den Jahren zuvor...
Habt ihr noch einen Tipp, wie man die ganze Arbeit neben Station und Nebenjob noch unterbekommt? Ich hatte schon so viele gute Vorsätze, was das abstrakte Wiederholen und Klausuren lösen angeht, aber irgendwie wird das jede Woche aufs neue nichts.
Zum Klausurenschreiben muss ich mich wohl dann wohl oder übel mal durchringen. Im ersten hat es noch ohne geklappt, aber da kannte man die Klausurenform ja auch schon aus den Jahren zuvor...
Habt ihr noch einen Tipp, wie man die ganze Arbeit neben Station und Nebenjob noch unterbekommt? Ich hatte schon so viele gute Vorsätze, was das abstrakte Wiederholen und Klausuren lösen angeht, aber irgendwie wird das jede Woche aufs neue nichts.
13.02.2026, 17:34
(12.02.2026, 19:24)cml schrieb: Vielen Dank für eure Antworten! Das klingt sehr nach dem, was man für ein erfolgreiches erstes StEx ja auch macht/machen sollte![]()
Zum Klausurenschreiben muss ich mich wohl dann wohl oder übel mal durchringen. Im ersten hat es noch ohne geklappt, aber da kannte man die Klausurenform ja auch schon aus den Jahren zuvor...
Habt ihr noch einen Tipp, wie man die ganze Arbeit neben Station und Nebenjob noch unterbekommt? Ich hatte schon so viele gute Vorsätze, was das abstrakte Wiederholen und Klausuren lösen angeht, aber irgendwie wird das jede Woche aufs neue nichts.
Erstmal vorab: Ich bin schon durch, hab aber nur ein hohes b und gehe deswegen nochmal in die Verbesserung (da im Ersten ein knappes gut).
Ich verstehe den Struggle bzgl lernen parallel zur Station gut. Hab mich (leider) relativ lang sehr verrückt gemacht deswegen. Ab der RA Station dann aber mehr den Fokus darauf gelegt bei der Stationsarbeit möglichst viel zu erleben, mitzunehmen und aus der Praxis zu lernen und sich abends Zeit für Freunde und Sport zu nehmen. Bei uns gab’s leider keine wöchentliche AG (+ maximal unhilfreiche Block-AGs am Anfang), deswegen war Tag 5 der Woche immer ein freier Studientag. Da habe ich meistens den halben Tag nichts lerntechnisches gemacht und die andere Hälfte abstrakt gelernt. Samstag hab ich meistens eine Klausur geschrieben und danach wiederholt bzw nachgearbeitet, was ich während der Klausur nicht kapiert habe, mir die Lösungen dazu angeschaut und ggfl schon Fragen für die Besprechung aufgeschrieben.
Ich fand im Nachhinein, dass es vollkommen ausreicht während der Stationen einfach viel in den AGs mitzumachen (soweit vorhanden), bei den Gerichtsstationen und StA möglichst viel mit dem Ausbilder zu lernen (auch Nachfragen für AVs, lehrreiche Akten usw). Ansonsten irgendwie die Basics durchgehen, ohne es schon tief zu lernen. Eher um einfach mal alles gehört und gesehen zu haben und einfach möglichst früh mit Klausuren zu üben. Anfangs auch gern noch mit Hilfestellung. Die Tauchphase (bei mir 4 M.) war dann absolut ausreichend um alles tiefer zu verstehen. Bei mir persönlich sind die Klausuren dann leider verunglückt, war wohl eine Mischung aus merkwürdiger Durchgang + persönlichen Drama. Mein größtes Learning war aber: solange die Basics sitzen und man gut mit den Kommentaren zurecht kommt, kann man eine sehr gute Lösung zaubern. Die äußere Hülle (Formalia, sauberer Aufbau, stringente und konsequente Lösung) macht nach meiner Erfahrung schon echt viel aus. Hab mich im Nachhinein am meisten geärgert, dass es alles echt machbar ist und ich mich im Vorhinein so hab verunsichern lassen.
Finde aber auch - da interessiert mich aber sehr wie andere das sehen (!) - dass es im 2. Deutlich schwieriger ist an Notenpunkte ü12 Punkten zu kommen als noch im Ersten. Weiß aber nicht genau, woran das liegt oder ob ich mir das tatsächlich nur einbilde



