05.02.2026, 21:13
(05.02.2026, 20:12)NRW556 schrieb:(05.02.2026, 19:58)Sonnenschein schrieb:(05.02.2026, 12:04)Buffo schrieb: Scheint mir eher ein systemisches Problem zu sein, welches in den Richtlinien der Kanzlei angelegt ist. Das Problem ist doch ganz einfach zu lösen, in dem man zum Beispiel keine RVG Mandate unter 5000 € Streitwert annimmt oder einfach jedes Mandat auf Stundenhonorar setzt. Wenn der Mandant dann meint, einen mit kleinen Fragen zu malträtieren, soll er eben dafür bezahlen.
Im Umfeld höre ich leider oft, dass die Dezernate aus 150+ Mandaten bestehen Und von der Kanzleileitung die Vorgabe bekommt, dass alles angenommen werden soll. Völlig unsinnig und unwirtschaftlich.
Eher 300+, 150 sind Rookie Numbers in solchen Kanzleien. Nicht wenige meiner Kollegen haben deshalb den Job gewechselt, weil sie sich nicht dem Berufsrecht entsprechend ausreichend auf Verfahren vorbereiten konnten. Saßen zum Teil im Gerichtssahl und hatten keine Ahnung worum es ging mangels Zeit. Wenn du eben nicht in einer sehr spezialisierten Kanzlein landest und auf solche Mandate angewiesen bist, dann macht das einfach keinen Spaß auf Dauer und noch dazu lohnt es sich nicht. Und die Aussagen von wegen "unter 5.000€" nehmen wir nichts an... das können sich nur gutlaufende Kanzleien leisten mit einem gewissen Mandantenstamm und Auswahl. Scheint aber hier nicht der Fall zu sein. Und das traurigste an der Geschichte ist ja, in den seltensten Fällen kommt diese Art von Mandantschaft dann später an und will plötzlich das Familenhaus verkaufen oder sonst was lukratives. Weil diese Mandanten es nicht nötig hätten um 300€ zu streiten. Die würden es schlicht selbst regeln oder einfach neu kaufen. Ist eben ein andere Klientel. Man muss sich auch wirklich fragen wer für solche Beträge ernsthaft einen Anwalt beauftragt, wo heute ohnehin so viel über Kulanz usw. läuft...
Sowas machen Leute, die rechtsschutzversichert sind. Oft dann auch so teuer, dass die ohne oder mit nur wenig SB dabei wegkommen.
Ja, tatsächlich sind es auch häufig Mandanten, die rechtsschutzversichert sind. Bei mir beschweren sie sich dann aber teilweise auch noch, wenn sie die SB zahlen müssen, weil sie dachten, die RSV übernimmt alles.
08.02.2026, 15:15
(05.02.2026, 00:31)Venividibibi schrieb: Hallo, ich möchte gern meine Erfahrung mit euch teilen und hoffe auf einige Tipps:
Ich arbeite seit fast einem Jahr angestellt in einer kleinen Kanzlei und bin gerade ziemlich frustriert. Eigentlich gefällt es mir wegen des Arbeitsklimas wirklich gut, aber es gibt einige Dinge in der Kanzlei, die mich richtig nerven. Mein Hauptthema: Mandatsannahme/Filterung
Ich habe in der Kanzlei angefangen, weil ich Notar werden möchte und mich aufs Familienrecht spezialisieren möchte und mir beides ausdrücklich zugesagt wurde. Die Realität sieht aber anders aus: Ich darf mich täglich mit ätzenden Mandaten und Kleinkram beschäftigen. Das Familienrecht macht 10 % meiner Tätigkeit aus. Ich darf mich zB damit beschäftigen, ausführliche Korrespondenz mit der Gegenseite zu führen, weil unser Mandant eine Waschmaschine für 300 Euro austauschen möchte. Der Mandant beschwert sich dann bei mir, weil er einen Tag keine Antwort von mir erhält und lässt seinen Frust an mir aus.
Häufig frage ich mich, wenn ich in meinen Kalender schaue, wie derjenige überhaupt einen Termin erhalten hat. Einmal habe ich durch Zufall kurz vor einem Beratungsgespräch herausgefunden, dass einer bereits Mandant in einer anderen Sache war und wir in der Sache das Mahnverfahren wegen unserer Rechnung einleiten mussten, weil der nicht zahlen wollte. Wie bekommt so jemand unreflektiert einen Termin für eine neue Angelegenheit? Ich habe meinen Chef bei sehr absurden und schwierigen Mandanten auch gesagt, dass ich das jeweilige Mandat ungern übernehmen möchte, vor allem weil es sich wirtschaftlich überhaupt nicht lohnt und der ganze Kanzleibetrieb aufgehalten wird. Mein Chef meinte, sowas muss man wegen der Mischkalkulation in Kauf nehmen.
Bitte versteht mich nicht falsch, ich übernehme gern auch mal aus persönlicher Überzeugung kleine Sachen, aber meine Grenze ist echt, wenn die Mandanten mir gegenüber auch noch frech werden und ich schon so ein Bauchgefühl habe. Es kostet mich immer Zeit und Nerven, wenn ich in meinem Postkorb wieder nervige Anfragen der Mandanten sehe. Manchmal denke ich auch, dass ich dem Mandanten die 300 Euro gern aus eigener Tasche zahlen würde, damit er mich in Ruhe lässt. Dass man als Anwalt zur Zielscheibe von den Mandanten wird, die frustriert sind, gehört dazu. Aber auf diese Art und Weise, wenn es sich wirklich 0 wirtschaftlich lohnt, weil man vielleicht 95 Euro netto verdient?!
Ich bin wegen des Kleinkrams generell total überlastet, was dazu führt, dass ich die wirtschaftlich wichtigen Mandate nicht ausreichend bearbeiten kann.
Welche Erfahrungen habt ihr? Ich habe ehrlich gesagt Angst, dass ich für immer diese ätzenden Mandate zugewiesen bekomme. Ich bearbeite Sachen, von denen ich mir immer geschworen habe, sie nicht zu bearbeiten. Ich hätte auch nicht gedacht, dass eine Kanzlei so arbeitet. Ich verstehe auch, dass man als Anwalt mal nicht wirtschaftliche Mandate annimmt, das Problem ist dann aber, dass diese Leute immer wieder mit Kleinkram kommen. Habt ihr Tipps, wie ich besser damit umgehen kann?
Hallo
,also als ich damals noch als Anwältin im Erb-und Familienrecht tätig war, hatte ich auch ab und an solche Fälle "übernehmen sollen". Wenn ich einen Streitwert von 300€ las, sagte ich, alles gaaaar kein Problem, mein (damaliger) Stundensatz beträgt 250€ zzgl. Mehrwertsteuer bla bla bla. 99% der Anfragen hatten sich damit erledigt. Und wenn ich wirklich ein ganz schlechtes Bauchgefühl hatte, gerade im Familienrecht, das müsstest du vielleicht schon kennengelernt haben, wenn Frauen (bin ja selbst eine) nach einer Trennung meinen, sie müssten bei ihren Kindern nun auf die Missbrauchsschine gehen, um dem KV so richtig eins reinzudrücken, dann habe ich diese Mandate rigoros abgelehnt. Gerne dann mit dem Hinweis, es wäre für den Fortgang des Verfahrens angemessen, sich jemanden zu suchen, der Familien- und Strafrecht betreibt. Sprich, lehn die Mandanten einfach ab. Soll sie dein Chef eben selbst bearbeiten. Er kann dich nicht verpflichten, das Mandat anzunehmen. Du musst dich eben auch trauen. Du bist nun Anwalt, also wirst du doch in der Lage sein, gute Argumente für die Ablehnung des Mandats gegenüber deinem Chef zu finden.
08.02.2026, 15:40
(08.02.2026, 15:15)Registriert schrieb:(05.02.2026, 00:31)Venividibibi schrieb: Hallo, ich möchte gern meine Erfahrung mit euch teilen und hoffe auf einige Tipps:
Ich arbeite seit fast einem Jahr angestellt in einer kleinen Kanzlei und bin gerade ziemlich frustriert. Eigentlich gefällt es mir wegen des Arbeitsklimas wirklich gut, aber es gibt einige Dinge in der Kanzlei, die mich richtig nerven. Mein Hauptthema: Mandatsannahme/Filterung
Ich habe in der Kanzlei angefangen, weil ich Notar werden möchte und mich aufs Familienrecht spezialisieren möchte und mir beides ausdrücklich zugesagt wurde. Die Realität sieht aber anders aus: Ich darf mich täglich mit ätzenden Mandaten und Kleinkram beschäftigen. Das Familienrecht macht 10 % meiner Tätigkeit aus. Ich darf mich zB damit beschäftigen, ausführliche Korrespondenz mit der Gegenseite zu führen, weil unser Mandant eine Waschmaschine für 300 Euro austauschen möchte. Der Mandant beschwert sich dann bei mir, weil er einen Tag keine Antwort von mir erhält und lässt seinen Frust an mir aus.
Häufig frage ich mich, wenn ich in meinen Kalender schaue, wie derjenige überhaupt einen Termin erhalten hat. Einmal habe ich durch Zufall kurz vor einem Beratungsgespräch herausgefunden, dass einer bereits Mandant in einer anderen Sache war und wir in der Sache das Mahnverfahren wegen unserer Rechnung einleiten mussten, weil der nicht zahlen wollte. Wie bekommt so jemand unreflektiert einen Termin für eine neue Angelegenheit? Ich habe meinen Chef bei sehr absurden und schwierigen Mandanten auch gesagt, dass ich das jeweilige Mandat ungern übernehmen möchte, vor allem weil es sich wirtschaftlich überhaupt nicht lohnt und der ganze Kanzleibetrieb aufgehalten wird. Mein Chef meinte, sowas muss man wegen der Mischkalkulation in Kauf nehmen.
Bitte versteht mich nicht falsch, ich übernehme gern auch mal aus persönlicher Überzeugung kleine Sachen, aber meine Grenze ist echt, wenn die Mandanten mir gegenüber auch noch frech werden und ich schon so ein Bauchgefühl habe. Es kostet mich immer Zeit und Nerven, wenn ich in meinem Postkorb wieder nervige Anfragen der Mandanten sehe. Manchmal denke ich auch, dass ich dem Mandanten die 300 Euro gern aus eigener Tasche zahlen würde, damit er mich in Ruhe lässt. Dass man als Anwalt zur Zielscheibe von den Mandanten wird, die frustriert sind, gehört dazu. Aber auf diese Art und Weise, wenn es sich wirklich 0 wirtschaftlich lohnt, weil man vielleicht 95 Euro netto verdient?!
Ich bin wegen des Kleinkrams generell total überlastet, was dazu führt, dass ich die wirtschaftlich wichtigen Mandate nicht ausreichend bearbeiten kann.
Welche Erfahrungen habt ihr? Ich habe ehrlich gesagt Angst, dass ich für immer diese ätzenden Mandate zugewiesen bekomme. Ich bearbeite Sachen, von denen ich mir immer geschworen habe, sie nicht zu bearbeiten. Ich hätte auch nicht gedacht, dass eine Kanzlei so arbeitet. Ich verstehe auch, dass man als Anwalt mal nicht wirtschaftliche Mandate annimmt, das Problem ist dann aber, dass diese Leute immer wieder mit Kleinkram kommen. Habt ihr Tipps, wie ich besser damit umgehen kann?
Hallo,
also als ich damals noch als Anwältin im Erb-und Familienrecht tätig war, hatte ich auch ab und an solche Fälle "übernehmen sollen". Wenn ich einen Streitwert von 300€ las, sagte ich, alles gaaaar kein Problem, mein (damaliger) Stundensatz beträgt 250€ zzgl. Mehrwertsteuer bla bla bla. 99% der Anfragen hatten sich damit erledigt. Und wenn ich wirklich ein ganz schlechtes Bauchgefühl hatte, gerade im Familienrecht, das müsstest du vielleicht schon kennengelernt haben, wenn Frauen (bin ja selbst eine) nach einer Trennung meinen, sie müssten bei ihren Kindern nun auf die Missbrauchsschine gehen, um dem KV so richtig eins reinzudrücken, dann habe ich diese Mandate rigoros abgelehnt. Gerne dann mit dem Hinweis, es wäre für den Fortgang des Verfahrens angemessen, sich jemanden zu suchen, der Familien- und Strafrecht betreibt. Sprich, lehn die Mandanten einfach ab. Soll sie dein Chef eben selbst bearbeiten. Er kann dich nicht verpflichten, das Mandat anzunehmen. Du musst dich eben auch trauen. Du bist nun Anwalt, also wirst du doch in der Lage sein, gute Argumente für die Ablehnung des Mandats gegenüber deinem Chef zu finden.
Vielen Dank für die Antwort. Tatsächlich habe ich das auch schonmal machen wollen, dass ich bei niedrigen Streitwerten meinen Stundensatz von 250 Euro ansetze, um jemanden los zu werden. Es ging da wirklich um einen absurden Fall. Habe tatsächlich schon das Schreiben vorbereitet. Mein Chef meinte dann aber, ich soll das nicht machen, sondern einen Vorschuss nehmen, der das gerichtliche Verfahren abdeckt. Der Betrag war natürlich immer noch lachhaft. Zum Glück hat sich die Sache dann aber selbst erledigt.
Ich werde es in Zukunft aber einfach so machen. Anders gehe ich wirklich unter.
08.02.2026, 16:33
Es klingt so, als würdest du die Entscheidung über die Mandatsübernahme auch dann deinem Chef antragen, wenn du sie eigentlich innerlich schon getroffen hast. Das führt natürlich zu Frustration, wenn dein Chef dann anders entscheidet als du (womöglich auch deshalb, weil seine Entscheidungsparameter andere sind als deine).
Die Lösung ist ja sehr einfach: Du entscheidest das einfach selbst und gut ist. Oder gibt es eine klare, anderslautende Regelung im Arbeitsvertrag bzw. sonst erteilte Weisung, dass du diese Entscheidungen nicht selber treffen darfst?
Die Lösung ist ja sehr einfach: Du entscheidest das einfach selbst und gut ist. Oder gibt es eine klare, anderslautende Regelung im Arbeitsvertrag bzw. sonst erteilte Weisung, dass du diese Entscheidungen nicht selber treffen darfst?
08.02.2026, 17:14
(08.02.2026, 16:33)Greif schrieb: Es klingt so, als würdest du die Entscheidung über die Mandatsübernahme auch dann deinem Chef antragen, wenn du sie eigentlich innerlich schon getroffen hast. Das führt natürlich zu Frustration, wenn dein Chef dann anders entscheidet als du (womöglich auch deshalb, weil seine Entscheidungsparameter andere sind als deine).Genau, es ist frustrierend. Ich arbeite gegen meine innere Einstellung.
Die Lösung ist ja sehr einfach: Du entscheidest das einfach selbst und gut ist. Oder gibt es eine klare, anderslautende Regelung im Arbeitsvertrag bzw. sonst erteilte Weisung, dass du diese Entscheidungen nicht selber treffen darfst?
Es gibt im Arbeitsvertrag keine konkrete Regelung dazu und auch keine direkte Anweisung. Es ist eher so, dass jeder, der anruft oder vorbeikommt, einfach von Sekretariat einen Termin erhält und dann wird auch alles angenommen und bearbeitet, so machen es alle Anwälte hier und ich habe auch das Gefühl, die Mandanten erwarten das auch, weil sie immerhin einen Termin erhalten haben. Ganz am Anfang war ich noch bei Terminen meines Chefs dabei und selbst da dachte ich dann...ok, das nehmen wir jetzt an?!...
Ich dachte bisher auch, dass ich als Angestellter eben weisungsgebunden bin und daher auf die Annahme per se keinen Einfluss habe, anders als die inhaltliche Bearbeitung, in der ich aus standesrechtlicher Sicht frei bin.
08.02.2026, 18:55
Dass erstmal jeder durch das Sekretariat einen Termin für ein Erstgespräch erhält, kann ich grade noch nachvollziehen. Die Entscheidung darüber, was sich lohnt oder nicht, wird man nicht den ReFas (sofern dort überhaupt welche sitzen und nicht unausgebildete Quereinsteiger) überlassen.
Im bzw. nach dem Erstgespräch selbst kann du dann doch aber selber über die Mandatsübernahme entscheiden?
Im bzw. nach dem Erstgespräch selbst kann du dann doch aber selber über die Mandatsübernahme entscheiden?
08.02.2026, 22:00
(08.02.2026, 18:55)Greif schrieb: Dass erstmal jeder durch das Sekretariat einen Termin für ein Erstgespräch erhält, kann ich grade noch nachvollziehen. Die Entscheidung darüber, was sich lohnt oder nicht, wird man nicht den ReFas (sofern dort überhaupt welche sitzen und nicht unausgebildete Quereinsteiger) überlassen.
Im bzw. nach dem Erstgespräch selbst kann du dann doch aber selber über die Mandatsübernahme entscheiden?
Ja, na ja. Also es arbeiten dort ausgebildete Personen, die seit mehreren Jahren dort arbeiten. Und wenn da Leute anrufen, die sagen, es geht um eine Waschmaschine für 300 Euro, dann ist denen schon klar, dass es sich eigentlich nicht lohnt. Einmal war jemand bei mir zur Erstberatung wegen einer unberechtigten Abbuchung vom Konto in Höhe von 60 Euro. Die Person hatte nicht einmal selbst versucht, Kontakt mit der Bank aufzunehmen, sondern wollte das gleich anwaltlich regeln aus Prinzip. Das Gespräch war sehr kurz und ich habe natürlich abgelegt. Dennoch habe ich meine Arbeit für den Termin unterbrochen und habe die Person in den Besprechungsraum geholt. Das kostet Zeit. Letztlich habe ich nichts dafür abgerechnet, weil mir das blöd vorkam. Habe mich darüber geärgert, dass so ein Termin vereinbart wurde.
08.02.2026, 22:12
Ich möchte zu bedenken geben, dass ihr zwar fachlich weitestgehend weisungsfrei seit, aber nicht dahingehend, ob die Kanzlei ein Mandat annimmt oder kündigt. Das Mandat wird mit der Kanzlei geschlossen und nicht mit euch. So lange ihr kein Sozius seit und entsprechende Vertretungsmacht habt, dürft ihr solche Entscheidungen für die Kanzlei nicht treffen. Generiert ihr euch wie ein Sozius, haftet ihr unter Umständen auch wie ein Sozius. Also Obdacht bei dem, was ihr da tut.
Ich stimme mit euch überein, dass es Unsinn ist, solche Mandate anzunehmen, aber wenn euer Kanzleipartner die Anweisung erteilt, dass solche Mandate anzunehmen sind, könnt ihr nicht das Gegenteil machen.
Ich stimme mit euch überein, dass es Unsinn ist, solche Mandate anzunehmen, aber wenn euer Kanzleipartner die Anweisung erteilt, dass solche Mandate anzunehmen sind, könnt ihr nicht das Gegenteil machen.
08.02.2026, 22:17
(08.02.2026, 22:00)Venividibibi schrieb:(08.02.2026, 18:55)Greif schrieb: Dass erstmal jeder durch das Sekretariat einen Termin für ein Erstgespräch erhält, kann ich grade noch nachvollziehen. Die Entscheidung darüber, was sich lohnt oder nicht, wird man nicht den ReFas (sofern dort überhaupt welche sitzen und nicht unausgebildete Quereinsteiger) überlassen.
Im bzw. nach dem Erstgespräch selbst kann du dann doch aber selber über die Mandatsübernahme entscheiden?
Ja, na ja. Also es arbeiten dort ausgebildete Personen, die seit mehreren Jahren dort arbeiten. Und wenn da Leute anrufen, die sagen, es geht um eine Waschmaschine für 300 Euro, dann ist denen schon klar, dass es sich eigentlich nicht lohnt. Einmal war jemand bei mir zur Erstberatung wegen einer unberechtigten Abbuchung vom Konto in Höhe von 60 Euro. Die Person hatte nicht einmal selbst versucht, Kontakt mit der Bank aufzunehmen, sondern wollte das gleich anwaltlich regeln aus Prinzip. Das Gespräch war sehr kurz und ich habe natürlich abgelegt. Dennoch habe ich meine Arbeit für den Termin unterbrochen und habe die Person in den Besprechungsraum geholt. Das kostet Zeit. Letztlich habe ich nichts dafür abgerechnet, weil mir das blöd vorkam. Habe mich darüber geärgert, dass so ein Termin vereinbart wurde.
Dann sollte dein Chef die Refas entsprechend briefen. So schwierig ist das ja nun nicht. Anscheinend gibt es bei euch aber genau die gegenteilige Anweisung, jedes noch so kleine Mandat anzunehmen. Ich kann nachvollziehen, dass du das nicht willst und hätte in deinem Fall genauso gehandelt. Genau genommen bist du aber nicht befugt, solche Entscheidungen für die Kanzlei zu treffen. Du bist daher auch nicht derjenige, der den Refas die Anweisung gibt, ab wann sie ein Mandat durchlassen sollen oder nicht.
08.02.2026, 22:56
(08.02.2026, 22:12)Egal_ schrieb: Ich möchte zu bedenken geben, dass ihr zwar fachlich weitestgehend weisungsfrei seit, aber nicht dahingehend, ob die Kanzlei ein Mandat annimmt oder kündigt. Das Mandat wird mit der Kanzlei geschlossen und nicht mit euch. So lange ihr kein Sozius seit und entsprechende Vertretungsmacht habt, dürft ihr solche Entscheidungen für die Kanzlei nicht treffen. Generiert ihr euch wie ein Sozius, haftet ihr unter Umständen auch wie ein Sozius. Also Obdacht bei dem, was ihr da tut.
Ich stimme mit euch überein, dass es Unsinn ist, solche Mandate anzunehmen, aber wenn euer Kanzleipartner die Anweisung erteilt, dass solche Mandate anzunehmen sind, könnt ihr nicht das Gegenteil machen.
Diese Anweisung gibt es hier ja nicht, s.o. Und aus der bloßen Nichtannahme eines Mandates lässt sich - außerhalb von Pflichtmandaten, um die es hier nicht geht - mangels Kontrahierungspflicht auch kein Haftungsfall basteln.









