03.02.2026, 17:36
Es wurde in diesem Forum schon mehrfach von Arbeitgebervertretern berichtet, dass eben keineswegs nur der Lebenslauf zählt. Das Gegenteil ist der Fall und man möchte wissen, warum ihr euch dort bewerbt. 0815-Bewerbungen kommen nirgends gut an, außer vielleicht in der GK, in der die Bewerber beliebig austauschbar sind (da alle die gleichen Noten, alle mehr oder weniger interessiert, fast alle nach ca. 2 Jahren wieder weg).
In kleineren Einheiten interessiert man sich für euch und plant langfristig mit euch. Deswegen möchte man wissen, wen man da einstellt und ob derjenige überhaupt Lust auf den Job hat. Wenn ihr nach 6 Monaten wieder weg seit, weil ihr doch keine Lust auf diese Kanzlei habt, habt ihr diese Kanzlei viel Geld gekostet, aber wenig gebracht. Ein Bewerbungsverfahren macht sehr viel Arbeit und kostet viel Geld. Die Einarbeitung auch.
Darüber hinaus ist es in Deutschland normal, Gehälter nicht in die Stellenanzeigen zu schreiben. Leider. Aber das soll sich ja demnächst ändern. Auch ich finde nämlich, dass mehr Transparenz uns allen gut tun würde.
Ändert aber nichts an der erwähnten Tatsache, dass außerhalb der GK keiner eine 0815-Bewerbung sehen möchte. Darüber könnt ihr euch beschweren, aber offenbar ist der Arbeitsmarkt derzeit ja nicht so gut, dass alle diejenigen, die sich daran stören, in der GK unterkommen.
In kleineren Einheiten interessiert man sich für euch und plant langfristig mit euch. Deswegen möchte man wissen, wen man da einstellt und ob derjenige überhaupt Lust auf den Job hat. Wenn ihr nach 6 Monaten wieder weg seit, weil ihr doch keine Lust auf diese Kanzlei habt, habt ihr diese Kanzlei viel Geld gekostet, aber wenig gebracht. Ein Bewerbungsverfahren macht sehr viel Arbeit und kostet viel Geld. Die Einarbeitung auch.
Darüber hinaus ist es in Deutschland normal, Gehälter nicht in die Stellenanzeigen zu schreiben. Leider. Aber das soll sich ja demnächst ändern. Auch ich finde nämlich, dass mehr Transparenz uns allen gut tun würde.
Ändert aber nichts an der erwähnten Tatsache, dass außerhalb der GK keiner eine 0815-Bewerbung sehen möchte. Darüber könnt ihr euch beschweren, aber offenbar ist der Arbeitsmarkt derzeit ja nicht so gut, dass alle diejenigen, die sich daran stören, in der GK unterkommen.
03.02.2026, 18:43
Als jemand der im Prinzip fast das ganze Jahr 2025 auf Stellensuche war, an Assesment-Center, etliche Bewerbungsgesprächen teilgenommen hat, kann ich als Fazit nur sagen, mit bescheidenen Noten sieht es super beschissen aus. Da kannst du dir im Anschreiben noch so viel Mühe geben. Wenn man nicht sofot aussortiert wird, weil Kanzlei Hein-Mück im Hunsrück nicht unter Note X einstellt, oder sowieso gar kein Bedarf hat...Die Vorstellung sich initiativ zu bewerben, bei dem aktuellen Arbeitsmarkt, mit schwachen Noten UND keiner Berufserfahrung außer mal Wismit gewesen zu sein... sehr düstere Zeiten. Dann immer dieses Argument, bei wirklichem Interesse für das Fachgebiet... wie viele Chancen hat man dafür als "normaler" Volljurist dies nachweislich in seiner Ausbildung zu sammeln? 1. Schwerpunkt in der Uni (oftmals nicht das was man später mal machen wird) 2. Anwaltsstation und 3. Wahlstation. Thats it. Mal von Dr. oder LLM. abgesehen. Macht man eben mal Steuerrecht, mal Gesellschaftsrecht. Im Gespräch dann: Wie Sie haben keine Ahnung von öffentlichem Vergaberecht oder Insolvenzrecht? Nein, woher auch. Bin eben als Generalist ausgebildet worden dank deutschem System und kann mich eigentlich in jedes Thema einarbeiten? So viele Stationen hat man auch gar nicht. Im Gespräch bei einer Kanzlei für Gesellschaftsrecht hieß es dann: Wie keine Erfahrung mit Thema xy? Das ist unser Hauptgeschäft. Ja schön, war eben bei der Kanzlei aus dem Ref nicht so.
04.02.2026, 09:56
(02.02.2026, 19:17)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(02.02.2026, 13:58)Patenter Gast schrieb:(02.02.2026, 12:27)Die Spitze der Sozialkompetenz schrieb:(02.02.2026, 12:21)Patenter Gast schrieb: Würden die uns dadurch auf einmal finden? Ich wundere mich eben, weil hier im Forum der große Weltuntergang heraufbeschworen wird, vermeintlich >10.000 Bewerbungen pro Jahr bei einer mid-GK, ohne doppel-gut keine Chancen mehr, stattdessen 50k bei irgendeinem kleinen Laden im nirgendwo. Aber bei uns bewirbt sich dann keiner, weil auf der Homepage nicht fett das Einstiegsgehalt steht?
Das dürfte schon ziemlich viel ausmachen. Viele Bewerber machen sich nicht die Mühe, sich auf eine Blackbox zu bewerben. Und das Gehalt ist mit der wichtigste Faktor bei der Jobwahl.
Na dann kann der Markt auch nicht so schlimm für Bewerber sein, wenn man sich deswegen nicht bei uns bewirbt, sondern lieber die x-te Bewerbung an eine GK abschickt. Abgesehen davon dreht sich der ganze Thread doch darum, was man in kleineren Einheiten verdient, die ihre Gehälter nicht offenlegen... und irgendeine Mid-GK soll >10.000 Bewerbungen pro Jahr erhalten, aber wir gerade mal 10, weil unser Gehalt nicht auf Azur steht?
Ich verstehe den Punkt, dass man als Bewerber gerne vorab das Gehalt schon wissen würde, aber so ganz wirkt es auf mich inkonsistent. Wenn einerseits rumgejammert wird, dass es keine Jobs mehr gibt und dann andererseits keine Bewerbungen verschickt werden, wenn die Gehälter nicht offenliegen (was am Rande vollkommen normal ist, ganz viele legen ihre Gehälter nicht offen).
PS: Wenn du eine Bewerbung fertig hast, ist der Aufwand für die Anpassung auf andere Kanzleien vielleicht 30 Minuten pro Bewerbung.
Also eine Bewerbung sind schon mehr als nur 30 Minuten Aufwand. An meinem letzten Anschreiben saß ich ca. 90 Minuten. Hinzu kommen das Vorstellungsgespräch und die ggf. mehrstündige Anreise zu diesem. Es können deutlich mehr als 5 Stunden werden. Und dann um am Ende eine Zahl zu hören, die fernab der eigenen Vorstellungen liegt? Das schreckt viele Bewerber ab, ob du es glaubst oder nicht.
Von fast allen bekannten Arbeitgebern kursiert das Gehalt irgendwo im Internet. Dann gehen Bewerber doch lieber dort hin, als sich so viel Mühe zu machen, die man sich bei Vorkenntnis hätte sparen können.
Zumal 100.000 EUR eine Zahl sind, die viele Bewerber anziehen wird. Wenn das Gehalt für jeden Bewerber und insbesondere Berufseinsteiger klar vorgegeben ist, kann ich die Geheimniskrämerei nicht nachvollziehen.
Es ging ja nicht darum eine völlig neue Bewerbung zu schreiben, sondern eine bereits vorliegende anzupassen. Ferner führt (darum gehts ja gerade) nicht jede Bewerbung zum Gespräch und dann zu den "mehr als 5 Stunden".
Und selbst wenn man unterstellt, dem wäre so. Was ist denn die Alternative? Irgendwo für 60.000 anfangen, weil man sich zu Schade ist, mittels einer Bewerbung herauszufinden, dass eine spezialisierte Boutique eventuell doch 100.000 Euro zahlt?
04.02.2026, 10:01
(03.02.2026, 18:43)ForumBenutzer schrieb: Als jemand der im Prinzip fast das ganze Jahr 2025 auf Stellensuche war, an Assesment-Center, etliche Bewerbungsgesprächen teilgenommen hat, kann ich als Fazit nur sagen, mit bescheidenen Noten sieht es super beschissen aus. Da kannst du dir im Anschreiben noch so viel Mühe geben. Wenn man nicht sofot aussortiert wird, weil Kanzlei Hein-Mück im Hunsrück nicht unter Note X einstellt, oder sowieso gar kein Bedarf hat...Die Vorstellung sich initiativ zu bewerben, bei dem aktuellen Arbeitsmarkt, mit schwachen Noten UND keiner Berufserfahrung außer mal Wismit gewesen zu sein... sehr düstere Zeiten. Dann immer dieses Argument, bei wirklichem Interesse für das Fachgebiet... wie viele Chancen hat man dafür als "normaler" Volljurist dies nachweislich in seiner Ausbildung zu sammeln? 1. Schwerpunkt in der Uni (oftmals nicht das was man später mal machen wird) 2. Anwaltsstation und 3. Wahlstation. Thats it. Mal von Dr. oder LLM. abgesehen. Macht man eben mal Steuerrecht, mal Gesellschaftsrecht. Im Gespräch dann: Wie Sie haben keine Ahnung von öffentlichem Vergaberecht oder Insolvenzrecht? Nein, woher auch. Bin eben als Generalist ausgebildet worden dank deutschem System und kann mich eigentlich in jedes Thema einarbeiten? So viele Stationen hat man auch gar nicht. Im Gespräch bei einer Kanzlei für Gesellschaftsrecht hieß es dann: Wie keine Erfahrung mit Thema xy? Das ist unser Hauptgeschäft. Ja schön, war eben bei der Kanzlei aus dem Ref nicht so.
Wenn du wirklich darauf aus bist einen Schwerpunkt in deinem Lebenslauf zu setzen, dann geht da noch einiges mehr als von dir aufgezählt.
Im Studium kann man sich mittels der Schwerpunktswahl spezialisieren, dann im Anschluss – noch immer als Student – ein erstes Praktikum in dem Bereich absolvieren. Zwischen Studium und Referendariat besteht die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Mitarbeit in diesem Bereich, einer Promotion, eines LL.M. oder bereits das Absolvieren des Fachanwaltslehrgang. Im Referendariat kann man die von dir genannte Anwalts- und Wahlstation, darüberhinaus in einigen Fällen aber auch die Verwaltungsstation nutzen, um den Schwerpunkt auszubauen.
Edit: Das soll nicht so klingen, als wäre mir das irgendwie gelungen, nur wer bald sein Referendariat beginnt, sollte unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes noch mehr darauf achten seinen roten Faden auszubauen, als man es bisher schon sollte.
04.02.2026, 10:52
@JuraHassliebe:
Volle Zustimmung.
Den mE wichtigsten Ratschlag meines Studiums gab uns mal ein Prof. während einer Vorlesung.
Sinngemäß: “Viele von Ihnen verschlechtern ohne Not Ihre Berufschancen, indem Sie nur die Pflichtveranstaltungen besuchen. Statt für Farbtupfer in Ihrem Lebenslauf durch Spezialisierung zu sorgen, studieren Sie mausgrau nebeneinander her alle dasselbe. Sie machen nur die erforderlichen Scheine. Im Extremfall gehen Sie auch noch in X in den Kindergarten, besuchen in X die Schule, studieren in X und machen in X ihr Referendariat. Wenn Sie heute schon wüssten, dass Sie ihre Examina mit 2x 9 P. machen, würden Sie trotzdem einen guten Job finden. Aber die Statistik kennen Sie alle, das gelingt nur 15% von Ihnen. Und der Rest von Ihnen verschlechtert mit Ihren mausgrauen Lebensläufen systematisch die eigenen Jobchancen und die der Kollegen. Wenn Sie für keine Farbtupfer in Ihren Lebensläufen sorgen, die sie von anderen unterscheiden, reduzieren Sie ihre Aussichten am Arbeitsmarkt auf das Zehntel hinter dem Komma der Examensnote. Ein Bekannter aus einem großen Pharmaunternehmen [vermutlich Bayer] versuchte zB seit über 1 Jahr, eine hochdotierte Stelle mit einem auf Arbeits- und Sozialrecht spezialisierten Juristen zu besetzen. Ich konnte ihm keinen einzigen Absolventen mit dieser Kombination nennen. So weit ich weiß, ist die Stelle noch heute unbesetzt.“
Das ist jetzt über 20 Jahre her und trotzdem habe ich fast noch den genauen Wortlaut im Ohr. Für mich war das damals im 4. Semester ein Weckruf. Ich habe deshalb meinen Schwerpunkt (damals noch Wahlfachprüfung) gezielt ausgesucht und danach meine Praktika und Stationen in der Verwaltung, beim RA, der Wahlstation und als WissMit in einer GK ausgerichtet. Dieser rote Faden hat mir bis heute schon mehrere berufliche Türen geöffnet.
Volle Zustimmung.
Den mE wichtigsten Ratschlag meines Studiums gab uns mal ein Prof. während einer Vorlesung.
Sinngemäß: “Viele von Ihnen verschlechtern ohne Not Ihre Berufschancen, indem Sie nur die Pflichtveranstaltungen besuchen. Statt für Farbtupfer in Ihrem Lebenslauf durch Spezialisierung zu sorgen, studieren Sie mausgrau nebeneinander her alle dasselbe. Sie machen nur die erforderlichen Scheine. Im Extremfall gehen Sie auch noch in X in den Kindergarten, besuchen in X die Schule, studieren in X und machen in X ihr Referendariat. Wenn Sie heute schon wüssten, dass Sie ihre Examina mit 2x 9 P. machen, würden Sie trotzdem einen guten Job finden. Aber die Statistik kennen Sie alle, das gelingt nur 15% von Ihnen. Und der Rest von Ihnen verschlechtert mit Ihren mausgrauen Lebensläufen systematisch die eigenen Jobchancen und die der Kollegen. Wenn Sie für keine Farbtupfer in Ihren Lebensläufen sorgen, die sie von anderen unterscheiden, reduzieren Sie ihre Aussichten am Arbeitsmarkt auf das Zehntel hinter dem Komma der Examensnote. Ein Bekannter aus einem großen Pharmaunternehmen [vermutlich Bayer] versuchte zB seit über 1 Jahr, eine hochdotierte Stelle mit einem auf Arbeits- und Sozialrecht spezialisierten Juristen zu besetzen. Ich konnte ihm keinen einzigen Absolventen mit dieser Kombination nennen. So weit ich weiß, ist die Stelle noch heute unbesetzt.“
Das ist jetzt über 20 Jahre her und trotzdem habe ich fast noch den genauen Wortlaut im Ohr. Für mich war das damals im 4. Semester ein Weckruf. Ich habe deshalb meinen Schwerpunkt (damals noch Wahlfachprüfung) gezielt ausgesucht und danach meine Praktika und Stationen in der Verwaltung, beim RA, der Wahlstation und als WissMit in einer GK ausgerichtet. Dieser rote Faden hat mir bis heute schon mehrere berufliche Türen geöffnet.
04.02.2026, 11:52
Ergänzen möchte ich die Institute, die es zu vielen Rechtgebieten in den Unistädten gibt und die Veranstaltungen anbieten, die für Studenten und Referendare meist kostenlos sind. Neben den Kontakten, die man dort knüpfen kann, ist das ein guter Punkt, den man in der Bewerbung erwähnen kann. Vermutlich bieten viele dieser Institute auch Stellen für studentische Hilfskräfte an.
In der Stadt, in der ich studiert habe, gibt es z.B. das Institut für Arbeitsrecht, in dem die Kanzleipartnerin einer der größten Kanzleien der Stadt die Geschäftsführung inne hat. Die Veranstaltungen waren für uns Studis kostenlos, wurden uns auf dem Silbertablett serviert und bis auf eine Freundin und mich, hat keiner diese Chance wahrgenommen. Was soll man dazu sagen? Chance vertan.
Die Partnerin war da, wir haben mit ihr und den anderen Anwälten geredet. Welche bessere Möglichkeit gibt es, als Referendar für sich zu werben?
In der Stadt, in der ich studiert habe, gibt es z.B. das Institut für Arbeitsrecht, in dem die Kanzleipartnerin einer der größten Kanzleien der Stadt die Geschäftsführung inne hat. Die Veranstaltungen waren für uns Studis kostenlos, wurden uns auf dem Silbertablett serviert und bis auf eine Freundin und mich, hat keiner diese Chance wahrgenommen. Was soll man dazu sagen? Chance vertan.
Die Partnerin war da, wir haben mit ihr und den anderen Anwälten geredet. Welche bessere Möglichkeit gibt es, als Referendar für sich zu werben?
04.02.2026, 18:45
(04.02.2026, 10:52)Spencer schrieb: @JuraHassliebe:
Volle Zustimmung.
Den mE wichtigsten Ratschlag meines Studiums gab uns mal ein Prof. während einer Vorlesung.
Sinngemäß: “Viele von Ihnen verschlechtern ohne Not Ihre Berufschancen, indem Sie nur die Pflichtveranstaltungen besuchen. Statt für Farbtupfer in Ihrem Lebenslauf durch Spezialisierung zu sorgen, studieren Sie mausgrau nebeneinander her alle dasselbe. Sie machen nur die erforderlichen Scheine. Im Extremfall gehen Sie auch noch in X in den Kindergarten, besuchen in X die Schule, studieren in X und machen in X ihr Referendariat. Wenn Sie heute schon wüssten, dass Sie ihre Examina mit 2x 9 P. machen, würden Sie trotzdem einen guten Job finden. Aber die Statistik kennen Sie alle, das gelingt nur 15% von Ihnen. Und der Rest von Ihnen verschlechtert mit Ihren mausgrauen Lebensläufen systematisch die eigenen Jobchancen und die der Kollegen. Wenn Sie für keine Farbtupfer in Ihren Lebensläufen sorgen, die sie von anderen unterscheiden, reduzieren Sie ihre Aussichten am Arbeitsmarkt auf das Zehntel hinter dem Komma der Examensnote. Ein Bekannter aus einem großen Pharmaunternehmen [vermutlich Bayer] versuchte zB seit über 1 Jahr, eine hochdotierte Stelle mit einem auf Arbeits- und Sozialrecht spezialisierten Juristen zu besetzen. Ich konnte ihm keinen einzigen Absolventen mit dieser Kombination nennen. So weit ich weiß, ist die Stelle noch heute unbesetzt.“
Das ist jetzt über 20 Jahre her und trotzdem habe ich fast noch den genauen Wortlaut im Ohr. Für mich war das damals im 4. Semester ein Weckruf. Ich habe deshalb meinen Schwerpunkt (damals noch Wahlfachprüfung) gezielt ausgesucht und danach meine Praktika und Stationen in der Verwaltung, beim RA, der Wahlstation und als WissMit in einer GK ausgerichtet. Dieser rote Faden hat mir bis heute schon mehrere berufliche Türen geöffnet.
Arbeits- und Sozialrecht haben doch recht viele Leute als Schwerpunkt in der Uni gemacht und Arbeitsrecht ist jetzt auch relativ groß und beliebt als Rechtsgebiet. Vermutlich waren die Anforderungen von Bayer aber mehr als nur ein Schwerpunkt, sondern mal wieder Note vb und bitte 3 Jahre einschlägige GK Erfahrung :D
04.02.2026, 18:48
(04.02.2026, 10:01)JuraHassLiebe schrieb:Es ist für viele Leute aber grade der Grund Jura zu studieren, weil man sich mehrere Optionen offen lassen will. Kann ja nicht sein, dass nur weil man eben im 3. Semester Strafrecht toll fand und den Schwerpunkt wählt, später aber nicht zur Justiz geht oder Strafverteidiger werden will, dann keine tollen Noten macht, plötzlich gefangen ist und alle werfen einem dann vor: Wieso hast du vor 6 Jahren nicht den SP Arbeitsrecht gemacht? Ja, war eben jung und dumm :D Aber ja, Möglichkeiten gibt es. Wobei ein Dr. oder LLM. für die Leute die es nötig haben, dann wegen der Note kaum möglich ist, oder eben der LLM sehr teuer im Ausland..(03.02.2026, 18:43)ForumBenutzer schrieb: Als jemand der im Prinzip fast das ganze Jahr 2025 auf Stellensuche war, an Assesment-Center, etliche Bewerbungsgesprächen teilgenommen hat, kann ich als Fazit nur sagen, mit bescheidenen Noten sieht es super beschissen aus. Da kannst du dir im Anschreiben noch so viel Mühe geben. Wenn man nicht sofot aussortiert wird, weil Kanzlei Hein-Mück im Hunsrück nicht unter Note X einstellt, oder sowieso gar kein Bedarf hat...Die Vorstellung sich initiativ zu bewerben, bei dem aktuellen Arbeitsmarkt, mit schwachen Noten UND keiner Berufserfahrung außer mal Wismit gewesen zu sein... sehr düstere Zeiten. Dann immer dieses Argument, bei wirklichem Interesse für das Fachgebiet... wie viele Chancen hat man dafür als "normaler" Volljurist dies nachweislich in seiner Ausbildung zu sammeln? 1. Schwerpunkt in der Uni (oftmals nicht das was man später mal machen wird) 2. Anwaltsstation und 3. Wahlstation. Thats it. Mal von Dr. oder LLM. abgesehen. Macht man eben mal Steuerrecht, mal Gesellschaftsrecht. Im Gespräch dann: Wie Sie haben keine Ahnung von öffentlichem Vergaberecht oder Insolvenzrecht? Nein, woher auch. Bin eben als Generalist ausgebildet worden dank deutschem System und kann mich eigentlich in jedes Thema einarbeiten? So viele Stationen hat man auch gar nicht. Im Gespräch bei einer Kanzlei für Gesellschaftsrecht hieß es dann: Wie keine Erfahrung mit Thema xy? Das ist unser Hauptgeschäft. Ja schön, war eben bei der Kanzlei aus dem Ref nicht so.
Wenn du wirklich darauf aus bist einen Schwerpunkt in deinem Lebenslauf zu setzen, dann geht da noch einiges mehr als von dir aufgezählt.
Im Studium kann man sich mittels der Schwerpunktswahl spezialisieren, dann im Anschluss – noch immer als Student – ein erstes Praktikum in dem Bereich absolvieren. Zwischen Studium und Referendariat besteht die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Mitarbeit in diesem Bereich, einer Promotion, eines LL.M. oder bereits das Absolvieren des Fachanwaltslehrgang. Im Referendariat kann man die von dir genannte Anwalts- und Wahlstation, darüberhinaus in einigen Fällen aber auch die Verwaltungsstation nutzen, um den Schwerpunkt auszubauen.
Edit: Das soll nicht so klingen, als wäre mir das irgendwie gelungen, nur wer bald sein Referendariat beginnt, sollte unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes noch mehr darauf achten seinen roten Faden auszubauen, als man es bisher schon sollte.
04.02.2026, 20:26
In kleinen Kanzleien (und mit klein meine ich ca. 5 Anwälte +/-) liegt das Gehalt in Großstädten zwischen 55.000 € - 65.000 €. Spreche aus Erfahrung, Freundeskreis etc.
04.02.2026, 20:35
(04.02.2026, 18:48)Sonnenschein schrieb:(04.02.2026, 10:01)JuraHassLiebe schrieb:Es ist für viele Leute aber grade der Grund Jura zu studieren, weil man sich mehrere Optionen offen lassen will. Kann ja nicht sein, dass nur weil man eben im 3. Semester Strafrecht toll fand und den Schwerpunkt wählt, später aber nicht zur Justiz geht oder Strafverteidiger werden will, dann keine tollen Noten macht, plötzlich gefangen ist und alle werfen einem dann vor: Wieso hast du vor 6 Jahren nicht den SP Arbeitsrecht gemacht? Ja, war eben jung und dumm :D Aber ja, Möglichkeiten gibt es. Wobei ein Dr. oder LLM. für die Leute die es nötig haben, dann wegen der Note kaum möglich ist, oder eben der LLM sehr teuer im Ausland..(03.02.2026, 18:43)ForumBenutzer schrieb: Als jemand der im Prinzip fast das ganze Jahr 2025 auf Stellensuche war, an Assesment-Center, etliche Bewerbungsgesprächen teilgenommen hat, kann ich als Fazit nur sagen, mit bescheidenen Noten sieht es super beschissen aus. Da kannst du dir im Anschreiben noch so viel Mühe geben. Wenn man nicht sofot aussortiert wird, weil Kanzlei Hein-Mück im Hunsrück nicht unter Note X einstellt, oder sowieso gar kein Bedarf hat...Die Vorstellung sich initiativ zu bewerben, bei dem aktuellen Arbeitsmarkt, mit schwachen Noten UND keiner Berufserfahrung außer mal Wismit gewesen zu sein... sehr düstere Zeiten. Dann immer dieses Argument, bei wirklichem Interesse für das Fachgebiet... wie viele Chancen hat man dafür als "normaler" Volljurist dies nachweislich in seiner Ausbildung zu sammeln? 1. Schwerpunkt in der Uni (oftmals nicht das was man später mal machen wird) 2. Anwaltsstation und 3. Wahlstation. Thats it. Mal von Dr. oder LLM. abgesehen. Macht man eben mal Steuerrecht, mal Gesellschaftsrecht. Im Gespräch dann: Wie Sie haben keine Ahnung von öffentlichem Vergaberecht oder Insolvenzrecht? Nein, woher auch. Bin eben als Generalist ausgebildet worden dank deutschem System und kann mich eigentlich in jedes Thema einarbeiten? So viele Stationen hat man auch gar nicht. Im Gespräch bei einer Kanzlei für Gesellschaftsrecht hieß es dann: Wie keine Erfahrung mit Thema xy? Das ist unser Hauptgeschäft. Ja schön, war eben bei der Kanzlei aus dem Ref nicht so.
Wenn du wirklich darauf aus bist einen Schwerpunkt in deinem Lebenslauf zu setzen, dann geht da noch einiges mehr als von dir aufgezählt.
Im Studium kann man sich mittels der Schwerpunktswahl spezialisieren, dann im Anschluss – noch immer als Student – ein erstes Praktikum in dem Bereich absolvieren. Zwischen Studium und Referendariat besteht die Möglichkeit einer wissenschaftlichen Mitarbeit in diesem Bereich, einer Promotion, eines LL.M. oder bereits das Absolvieren des Fachanwaltslehrgang. Im Referendariat kann man die von dir genannte Anwalts- und Wahlstation, darüberhinaus in einigen Fällen aber auch die Verwaltungsstation nutzen, um den Schwerpunkt auszubauen.
Edit: Das soll nicht so klingen, als wäre mir das irgendwie gelungen, nur wer bald sein Referendariat beginnt, sollte unter Berücksichtigung des Arbeitsmarktes noch mehr darauf achten seinen roten Faden auszubauen, als man es bisher schon sollte.
Irgendeinen Tod muss man eben sterben. Ohne gute Noten und ohne Schwerpunkt/Spezialisierung wird es schwer; das gilt für fast alle Studiengänge. In Jura hat man zumindest die Chance, mit einer guten Note viele Lücken im Lebenslauf auszubügeln.
Womit man Profil zeigen kann in seinem Lebenslauf: Schwerpunkt, Praktika, Nebenjob im Studium, Lehrstuhltätigkeit, ehrenamtliches Engagement, Moot Courts, Aufsätze/wiss. Arbeiten, Auslandssemester, LL.M., Promotion, Stationen im Ref (nicht nur Anwalt- und Wahlstation, man kann auch eine passende Verwaltungsstation suchen), Nebenjob im Ref, WiMi Tätigkeit. Es gibt schon viele Möglichkeiten, wenn man denn will und sich darum bemüht.


