24.01.2026, 17:16
Hallo Zusammen,
ich stehe aktuell vor einer wohl richtungsweisenden beruflichen Entscheidung und würde mich über Eure Einschätzungen und Input jeglicher Art freuen.
Ich bin seit 1,5 Jahren Anwalt in einer kleinen Boutique. Arbeitszeiten 9-19 Uhr inkl. sehr großzügiger Mittagsppause. Selten länger, niemals am Wochenende. Es gibt keine billable-Vorgaben und diesbezüglich auch keinen Druck. Die meisten Kollegen sind sehr nett und das Büro liegt in bester Innenstadtlage zudem ich 10 Minuten mit dem Fahrrad fahre. Dafür gibts 115.000€. Also eine Stelle, die viele wahrscheinlich als Glücksgriff bezeichnen würden.
Mein Problem ist allerdings, dass mir die Arbeit inhaltlich keinen Spaß macht. Ich interessiere mich nicht für mein Rechtsgebiet und finde die Branche langweilig. Das führt wohl auch dazu, dass ich nicht besonders gut bin, in dem was ich tue. So klar wurde das zwar nicht kommuniziert. Die Feedback-Kultur ist aber ohnehin nicht besonders ausgeprägt und ich führe die moderate Arbeitsbelastung auch darauf zurück. Daher mache ich mir vorallem mittel- und langfristig Gedanken. Eine Partnerperspektive scheint unter diesen Vorzeichen unwahrscheinlich und ein Inhouse-Wechsel würde mein Problem der für mich uninteressanten Thematik nicht beheben.
Ich habe eine Zusage für den öD in einer obersten Bundesbehörde. Verbeamtung, A13, klassische Referatsleitungsstelle. Inhaltlich interressiert mich das Thema seit dem Studium sehr und ich beschäftige mich auch privat damit. Der für mich spannende Inhalt ist also das Hauptargument für einen möglichen Wechsel. Allerdings habe ich Sorge, dass ich wegen der Personal- und Organisationsaufgaben gar nicht so viel mitbekommen werde.
Nun bin ich hin- und hergerissen. Natürlich kann mir hier niemand sagen, ob ich damit klar kommen werde ohne Not auf 1.600€ netto zu verzichten. Interessieren würden mich Eure generellen Gedanken dazu und vorallem zu den Entwicklungsmöglichkeiten im öD. Ist es resalisitsch bei motivierten und thematisch interessiertem Einstieg in einer Bundesoberbehörde zeitnah in der A-Besoldung aufzusteigen und perspektivisch sogar in der B-Besoldung zu landen.
Gerade weiß ich wirklich nicht, wie ich mich entscheiden soll und bin daher über jegliche Meinung oder Denkanstoß dankbar.
Vielen Dank vorab und Euch ein schönes Wochenende
ich stehe aktuell vor einer wohl richtungsweisenden beruflichen Entscheidung und würde mich über Eure Einschätzungen und Input jeglicher Art freuen.
Ich bin seit 1,5 Jahren Anwalt in einer kleinen Boutique. Arbeitszeiten 9-19 Uhr inkl. sehr großzügiger Mittagsppause. Selten länger, niemals am Wochenende. Es gibt keine billable-Vorgaben und diesbezüglich auch keinen Druck. Die meisten Kollegen sind sehr nett und das Büro liegt in bester Innenstadtlage zudem ich 10 Minuten mit dem Fahrrad fahre. Dafür gibts 115.000€. Also eine Stelle, die viele wahrscheinlich als Glücksgriff bezeichnen würden.
Mein Problem ist allerdings, dass mir die Arbeit inhaltlich keinen Spaß macht. Ich interessiere mich nicht für mein Rechtsgebiet und finde die Branche langweilig. Das führt wohl auch dazu, dass ich nicht besonders gut bin, in dem was ich tue. So klar wurde das zwar nicht kommuniziert. Die Feedback-Kultur ist aber ohnehin nicht besonders ausgeprägt und ich führe die moderate Arbeitsbelastung auch darauf zurück. Daher mache ich mir vorallem mittel- und langfristig Gedanken. Eine Partnerperspektive scheint unter diesen Vorzeichen unwahrscheinlich und ein Inhouse-Wechsel würde mein Problem der für mich uninteressanten Thematik nicht beheben.
Ich habe eine Zusage für den öD in einer obersten Bundesbehörde. Verbeamtung, A13, klassische Referatsleitungsstelle. Inhaltlich interressiert mich das Thema seit dem Studium sehr und ich beschäftige mich auch privat damit. Der für mich spannende Inhalt ist also das Hauptargument für einen möglichen Wechsel. Allerdings habe ich Sorge, dass ich wegen der Personal- und Organisationsaufgaben gar nicht so viel mitbekommen werde.
Nun bin ich hin- und hergerissen. Natürlich kann mir hier niemand sagen, ob ich damit klar kommen werde ohne Not auf 1.600€ netto zu verzichten. Interessieren würden mich Eure generellen Gedanken dazu und vorallem zu den Entwicklungsmöglichkeiten im öD. Ist es resalisitsch bei motivierten und thematisch interessiertem Einstieg in einer Bundesoberbehörde zeitnah in der A-Besoldung aufzusteigen und perspektivisch sogar in der B-Besoldung zu landen.
Gerade weiß ich wirklich nicht, wie ich mich entscheiden soll und bin daher über jegliche Meinung oder Denkanstoß dankbar.
Vielen Dank vorab und Euch ein schönes Wochenende
24.01.2026, 17:35
Das wichtigste im Berufsleben ist der Spaß an der Arbeit. Das können 1600 EUR netto im Monat nicht aufwiegen.
Zum ÖD kann ich nicht viel sagen. Wovon ich in diesem Kontext aber überzeugt bin, dass dort auch ein Job ohne Spaß angenehmer ist als in der Anwaltschaft. Einfach nur, weil man keine Billables aufschreiben muss. Klar, du hast keine Vorgaben. Aber mit 2 Billables am Tag fühlt man sich ja trotzdem nicht wohl.
Was ist denn mit einem Rechtsgebietswechsel innerhalb der Anwaltschaft.
Zum ÖD kann ich nicht viel sagen. Wovon ich in diesem Kontext aber überzeugt bin, dass dort auch ein Job ohne Spaß angenehmer ist als in der Anwaltschaft. Einfach nur, weil man keine Billables aufschreiben muss. Klar, du hast keine Vorgaben. Aber mit 2 Billables am Tag fühlt man sich ja trotzdem nicht wohl.
Was ist denn mit einem Rechtsgebietswechsel innerhalb der Anwaltschaft.
24.01.2026, 21:20
Ja, zum Thema Spaß bei der Arbeit hast du sicherlich Recht. Daher frage ich mich, wie sehr man mit den fachlichen Themen überhaupt in Kontakt kommt.
Anwaltschaft ist in dem Bereich lukrativ und dauerhaft kaum möglich, soweit ich weiß. Es geht um innere Sicherheit im weitesten Sinne.
Anwaltschaft ist in dem Bereich lukrativ und dauerhaft kaum möglich, soweit ich weiß. Es geht um innere Sicherheit im weitesten Sinne.
24.01.2026, 21:26
(24.01.2026, 21:20)Jarome schrieb: Ja, zum Thema Spaß bei der Arbeit hast du sicherlich Recht. Daher frage ich mich, wie sehr man mit den fachlichen Themen überhaupt in Kontakt kommt.
Anwaltschaft ist in dem Bereich lukrativ und dauerhaft kaum möglich, soweit ich weiß. Es geht um innere Sicherheit im weitesten Sinne.
Ich schrieb aber auch von einem Rechtsgebietswechsel. ;)
24.01.2026, 21:30
Hallo
,
also, ich hatte zwar als Anwältin nicht so viel verdient, kann dir aber sagen, dass -jedenfalls für mich- das Geld den Spaß an der Arbeit nicht aufwiegt.
Kurz erklärt, ich war erst in einer größeren MK, dort gefiel es mir gar nicht. Dann bin ich bewusst in eine kleinere Kanzlei und habe die Gehaltseinbußen in Kauf genommen. Aber auch da gefiel mir fieses nicht, bis mir dann aufging, dass die Anwaltschaft wohl nicht das ist, was ich möchte. Dann habe ich mich bei einer Kommune beworben, bin nun auf Lebenszeit verbeamtet und in A14 und muss sagen, dass war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich bin so glücklich da und freue mich immer noch darüber, dass ich Geld dafür bekomme, weil ich verheiratet bin und Kinder habe.
,also, ich hatte zwar als Anwältin nicht so viel verdient, kann dir aber sagen, dass -jedenfalls für mich- das Geld den Spaß an der Arbeit nicht aufwiegt.
Kurz erklärt, ich war erst in einer größeren MK, dort gefiel es mir gar nicht. Dann bin ich bewusst in eine kleinere Kanzlei und habe die Gehaltseinbußen in Kauf genommen. Aber auch da gefiel mir fieses nicht, bis mir dann aufging, dass die Anwaltschaft wohl nicht das ist, was ich möchte. Dann habe ich mich bei einer Kommune beworben, bin nun auf Lebenszeit verbeamtet und in A14 und muss sagen, dass war die beste Entscheidung, die ich treffen konnte. Ich bin so glücklich da und freue mich immer noch darüber, dass ich Geld dafür bekomme, weil ich verheiratet bin und Kinder habe.
25.01.2026, 11:18
Weißt Du etwas über das Team? Referatsleitung mit A13 bedeutet Chef von ziemlich vielen Sachbearbeitern, oder? Wenn die Hälfte nicht will und die andere nicht kann und sie permanent miteinander streiten, wird es unerfreulich. Wenn es dagegen ein tolles Team ist, wird es super laufen. Das ist halt schwer vorherzusagen.
25.01.2026, 11:23
(24.01.2026, 17:16)Jarome schrieb: Ich habe eine Zusage für den öD in einer obersten Bundesbehörde. Verbeamtung, A13, klassische Referatsleitungsstelle. Inhaltlich interressiert mich das Thema seit dem Studium sehr und ich beschäftige mich auch privat damit. Der für mich spannende Inhalt ist also das Hauptargument für einen möglichen Wechsel. Allerdings habe ich Sorge, dass ich wegen der Personal- und Organisationsaufgaben gar nicht so viel mitbekommen werde.
Nun bin ich hin- und hergerissen. Natürlich kann mir hier niemand sagen, ob ich damit klar kommen werde ohne Not auf 1.600€ netto zu verzichten. Interessieren würden mich Eure generellen Gedanken dazu und vorallem zu den Entwicklungsmöglichkeiten im öD. Ist es resalisitsch bei motivierten und thematisch interessiertem Einstieg in einer Bundesoberbehörde zeitnah in der A-Besoldung aufzusteigen und perspektivisch sogar in der B-Besoldung zu landen.
Gerade weiß ich wirklich nicht, wie ich mich entscheiden soll und bin daher über jegliche Meinung oder Denkanstoß dankbar.
Oberste Bundesbehörde und du steigst als Referatsleitung ein?
Ist der DP dann nicht sowieso A16 bewertet?
Oberste Bundesbehörden befördern normalerweise offensiv bis zur Bewertung des DP durch.
Dann ist eine realistische Perspektive: A13 auf Probe, A14 direkt zur Lebenszeitverbeamtung, A15 1-2 Jahre später, A16 1-2 Jahre später.
D.h. selbst konservativ bist du in 7 Jahren A16, tendenziell eher schneller.
Wenn dich das Rechtsgebiet mehr interessiert und du mit Führung zurechtkommst, würde ich das tun. Der Stundenlohn ist zu Beginn schlechter und langfristig sogar besser, berücksichtige: du arbeitest aktuell einfach mehr. Dazu müsste man eigentlich noch den Mehrwert der Pension im Vergleich zum Versorgungswerk betrachten.
Wenn du dir Führung absolut nicht vorstellen kannst, lass es. Sowohl du selbst als auch deine Mitarbeiter werden es dir danken.
25.01.2026, 12:35
Was du Bedenken musst: ÖD kann auch echt mies sein, z.B. wenn du auf einer Stellen landest, in der du keinen Sinn in deiner Arbeit siehst. Das kann im ÖD sehr schnell passieren. Außerdem werde da gerade die Kollegen / Untergebenen häufig eine gewisse "Arbeitsmoral" mitbringen. Muss man auch damit klarkommen, insbesondere, wenn man Karriere machen möchte.
25.01.2026, 14:05
(25.01.2026, 12:35)Bro schrieb: Was du Bedenken musst: ÖD kann auch echt mies sein, z.B. wenn du auf einer Stellen landest, in der du keinen Sinn in deiner Arbeit siehst. Das kann im ÖD sehr schnell passieren. Außerdem werde da gerade die Kollegen / Untergebenen häufig eine gewisse "Arbeitsmoral" mitbringen. Muss man auch damit klarkommen, insbesondere, wenn man Karriere machen möchte.
Dem möchte ich hier jetzt einmal deutlich widersprechen. Das kann in der Pauschalität einfach nicht gesagt werden. Bevor ich im Amt anfing, wurden wir ebenfalls die Märchen, der faulen Beamten berichtet. Übrigens immer von Leuten, die selbst gar nicht in einer Behörde arbeiten. Meine juristischen und nicht juristischen Kollegen sind unglaublich engagiert und lieben ihre Arbeit. Wir sind ein großes Amt (Landeshauptstadt) und ich habe bisher noch keinen wirklich faulen Kollegen kennengelernt. Ganz im Gegenteil viele Kollegen arbeiten sogar in ihrer Freizeit, weil sie ihre Projekte fertigstellen möchten und einfach Spaß an der Arbeit haben.
25.01.2026, 14:15
(25.01.2026, 14:05)Registriert schrieb:(25.01.2026, 12:35)Bro schrieb: Was du Bedenken musst: ÖD kann auch echt mies sein, z.B. wenn du auf einer Stellen landest, in der du keinen Sinn in deiner Arbeit siehst. Das kann im ÖD sehr schnell passieren. Außerdem werde da gerade die Kollegen / Untergebenen häufig eine gewisse "Arbeitsmoral" mitbringen. Muss man auch damit klarkommen, insbesondere, wenn man Karriere machen möchte.
Dem möchte ich hier jetzt einmal deutlich widersprechen. Das kann in der Pauschalität einfach nicht gesagt werden. Bevor ich im Amt anfing, wurden wir ebenfalls die Märchen, der faulen Beamten berichtet. Übrigens immer von Leuten, die selbst gar nicht in einer Behörde arbeiten. Meine juristischen und nicht juristischen Kollegen sind unglaublich engagiert und lieben ihre Arbeit. Wir sind ein großes Amt (Landeshauptstadt) und ich habe bisher noch keinen wirklich faulen Kollegen kennengelernt. Ganz im Gegenteil viele Kollegen arbeiten sogar in ihrer Freizeit, weil sie ihre Projekte fertigstellen möchten und einfach Spaß an der Arbeit haben.
Habe im Freundeskreis ein paar Leute, die im gehobenen Verwaltungsdienst arbeiten und die haben alle nach 2-3 Jahre im Amt resigniert. Ich mein, die Krankschreibungsstatistiken und andere Indikatoren sprechen für sich.



