06.07.2023, 18:36
Hallo zusammen,
hat jemand Erfahrungen oder kennt jemand jemanden, der seine Wahlstation in einer JVA in Hessen absolviert hat? Besonders würden mich die JVAs in Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden interessieren.
Leider finde ich nur wenige bis keine Informationen, wie genau man vor Ort eingebunden wird und wie die Arbeitsatmosphäre dort ist.
Vielen Dank schon einmal!
hat jemand Erfahrungen oder kennt jemand jemanden, der seine Wahlstation in einer JVA in Hessen absolviert hat? Besonders würden mich die JVAs in Frankfurt, Darmstadt oder Wiesbaden interessieren.
Leider finde ich nur wenige bis keine Informationen, wie genau man vor Ort eingebunden wird und wie die Arbeitsatmosphäre dort ist.
Vielen Dank schon einmal!
20.01.2026, 17:42
Hey,
ich stelle mir aktuell dieselbe Frage und würde daher das Thema gerne noch mal aufgreifen.
Gibt es hier Leute die diesbezüglich Erfahrungen gemacht haben? Würde mich über jegliche Antwort freuen :). Muss auch nicht explizit ein Erfahrungsbericht bzgl. einer hessischen JVA sein.
ich stelle mir aktuell dieselbe Frage und würde daher das Thema gerne noch mal aufgreifen.
Gibt es hier Leute die diesbezüglich Erfahrungen gemacht haben? Würde mich über jegliche Antwort freuen :). Muss auch nicht explizit ein Erfahrungsbericht bzgl. einer hessischen JVA sein.
24.01.2026, 18:09
(20.01.2026, 17:42)Jege schrieb: Hey,
ich stelle mir aktuell dieselbe Frage und würde daher das Thema gerne noch mal aufgreifen.
Gibt es hier Leute die diesbezüglich Erfahrungen gemacht haben? Würde mich über jegliche Antwort freuen :). Muss auch nicht explizit ein Erfahrungsbericht bzgl. einer hessischen JVA sein.
Ich kann von meiner Station in einer JVA in Hamburg berichten. Ich wusste nicht genau was auf mich zukommen wird und ging, da der Kontakt über die Rechtsabteilung lief anfangs davon aus, auch in dieser eingesetzt zu werden. Am ersten Tag stellte sich dann raus, dass dies nicht so ist, sondern ich direkt in einem Hafthaus Aufgaben der Abteilungsleiter übernehmen werde. Das bedeutet von Tag 1 an hatte ich Kontakt zu den Insassen. Ich musste zum Beispiel Zugangsgespräche führen, Resozialisierungspläne schreiben und fortschreiben, Stellungnahmen bei Anträgen auf vorzeitige Entlassung erstellen, habe an Disziplinarkonferenzen teilgenommen usw. Das ging meistens damit einher, dass ich mir die Insassen aus Ihren Hafträumen geholt habe und alleine mit denen gesprochen habe. Ein paar Mal habe ich natürlich bei solchen Gesprächen anfangs zugeschaut, allerdings bereits ab der zweiten Woche habe ich alleine mit den Insassen gesprochen. Da ich einen eigenen Schlüssel hatte war ich dahingehend relativ selbstständig. Das war anfangs auch schon herausfordernd, aber rückblickend war genau dieser persönliche Kontakt zu den Insassen, was mir am meisten Freude bereitet hat. Die Arbeit mit den Justizvollzugsbeamten und auch den sonstigen Abteilungs- und Vollzugsleitern empfand ich oft eher als anstrengend, da dort viele langjährige Mitarbeiter aufgrund knapper Ressourcen sehr abgestumpft waren und man das Gefühl hatte, dass für die meisten Insassen, insbesondere, die welche besonders viel Unterstützung bräuchten, kaum Zeit ist und diese nur die Zeit dort absitzen. Auch eine richtige Einarbeitung in die Aufgaben fand nicht statt, es war oftmals eher Learning-by-Doing. Die Einblicke in der Zeit waren schon einzigartig und ich bereue es nicht diese Station gewählt zu haben. Insbesondere im Vergleich zu vielen anderen Verwaltungsstationen macht man dort wirklich Erfahrungen für das Leben. Allerdings muss man auch sagen, dass ich zumindest dort für das Examen eigentlich nichts gelernt habe. Bescheide oder ähnliches wird man dort voraussichtlich nicht schreiben.
26.01.2026, 12:57
Hey, vielen lieben Dank für dieses Feedback. Das klingt auf jeden Fall sehr ereignisreich und spannend. Dass man so krass involviert wird, hätte ich jetzt nicht gedacht. Aber wenn es am Ende lehrreich war, wenn auch nichts fürs Examen, hat es sich ja dennoch gelohnt.
Für mich käme es ohnehin nur noch für die Wahlstation in Betracht und da wären die schriftlichen Prüfungen ja schon geschrieben. Hat mir weitergeholfen, vielen Dank!
Für mich käme es ohnehin nur noch für die Wahlstation in Betracht und da wären die schriftlichen Prüfungen ja schon geschrieben. Hat mir weitergeholfen, vielen Dank!
27.01.2026, 11:10
Zu Hessen selbst kann ich leider auch nichts sagen. Sowohl in der JVA, in der ich meine Wahlstation gemacht habe, als auch in der, in der ich jetzt arbeite, läuft es aber ziemlich ähnlich und ehrlich gesagt ganz anders als hier geschildert. Auch von Kolleg:innen habe ich aus deren Wahlstationen nichts Vergleichbares gehört. Deshalb vermute ich, dass eine direkte „Verwendung“ ohne richtige Einarbeitung eher eine Ausnahme war und akutem Personalmangel geschuldet gewesen sein dürfte.
So wie ich es kenne, startet die Station mit einem mehrwöchigen Umlauf, in dem man an verschiedenen Stellen mitläuft und die unterschiedlichen Bereiche/Berufsfelder kennenlernt (Allgemeiner Vollzugsdienst, Sozialdienst, med. Dienst, psych. Dienst usw.). Wenn zwischendurch mal Leerlauf ist und am Ende der Station, ist man ganz normal beim Ausbilder bzw. bei der Ausbilderin und bekommt dort Aufgaben. Was und wie viel das ist, hängt natürlich von der jeweiligen Person ab. Inhaltlich kann es so ziemlich alles sein: Ich habe schon Aufgaben aus dem Erbrecht verteilt, Klageerwiderungen, irgendwelche arbeitsrechtlichen Fragen oder auch vertiefte Recherchen zu vollzuglichen/prozessrechtlichen Themen, für die im Alltag sonst wenig Zeit bleibt. Ich lasse außerdem gern Aktenvorträge üben und versuche, mich auch ein Stück weit daran zu orientieren, was die Referendar:innen interessiert.
Was der Ausbilder/die Ausbilderin konkret macht (und welche Aufgaben entsprechend verteilt werden können), hängt natürlich auch stark davon ab, wo Volljurist:innen im jew. BL im Vollzug eingesetzt werden. In Hessen startet man mW meist als (Vollzugs-)Abteilungsleitung, sodass dort der vollzugliche Teil der Arbeit vermutlich stärker im Vordergrund steht als in BL, in denen Jurist:innen direkt der Anstaltsleitung zugeordnet sind. Das ist dann eher klassische Behördenleitung mit vielen nicht rein vollzuglichen Themen. „Klassische“ Bescheide, wie man sie aus dem Examen kennt, dürften insgesamt eher selten sein (ich kann an einer Hand abzählen, wie viele ich bisher geschrieben habe).
Grundsätzlich würde ich immer raten, Stationen vor allem nach Interesse und möglichen späteren Berufsbildern auszuwählen und nicht nur nach Examensrelevanz. Aber: Meine Wahlstation im Vollzug war tatsächlich Aufhänger für die mündliche Prüfung im Schwerpunkt. Der Prüfer hatte das gelesen und uns dann eine vollzugliche Aufgabenstellung gestellt.
Unterm Strich kann ich die Station im Vollzug wirklich nur empfehlen. Für mich (und auch für meine Kolleg:innen) war sie der Einstieg in unsere heutigen Jobs. Einen besseren Einblick, ob die Arbeit im Vollzug zu einem passt, bekommt man nie wieder. Ich kann für mich sagen, dass ich meinen absoluten Traumjob ausüben darf.
Und dass Mitarbeitende im Vollzug „nur ihre Zeit absitzen“, kann ich für meine Anstalt jedenfalls überhaupt nicht bestätigen. Hier arbeiten viele engagierte, kluge und motivierte Menschen, die trotz der schwierigen Rahmenbedingungen versuchen, den Vollzugsalltag sinnvoll zu gestalten und sich ihrer Verantwortung bewusst sind.
So wie ich es kenne, startet die Station mit einem mehrwöchigen Umlauf, in dem man an verschiedenen Stellen mitläuft und die unterschiedlichen Bereiche/Berufsfelder kennenlernt (Allgemeiner Vollzugsdienst, Sozialdienst, med. Dienst, psych. Dienst usw.). Wenn zwischendurch mal Leerlauf ist und am Ende der Station, ist man ganz normal beim Ausbilder bzw. bei der Ausbilderin und bekommt dort Aufgaben. Was und wie viel das ist, hängt natürlich von der jeweiligen Person ab. Inhaltlich kann es so ziemlich alles sein: Ich habe schon Aufgaben aus dem Erbrecht verteilt, Klageerwiderungen, irgendwelche arbeitsrechtlichen Fragen oder auch vertiefte Recherchen zu vollzuglichen/prozessrechtlichen Themen, für die im Alltag sonst wenig Zeit bleibt. Ich lasse außerdem gern Aktenvorträge üben und versuche, mich auch ein Stück weit daran zu orientieren, was die Referendar:innen interessiert.
Was der Ausbilder/die Ausbilderin konkret macht (und welche Aufgaben entsprechend verteilt werden können), hängt natürlich auch stark davon ab, wo Volljurist:innen im jew. BL im Vollzug eingesetzt werden. In Hessen startet man mW meist als (Vollzugs-)Abteilungsleitung, sodass dort der vollzugliche Teil der Arbeit vermutlich stärker im Vordergrund steht als in BL, in denen Jurist:innen direkt der Anstaltsleitung zugeordnet sind. Das ist dann eher klassische Behördenleitung mit vielen nicht rein vollzuglichen Themen. „Klassische“ Bescheide, wie man sie aus dem Examen kennt, dürften insgesamt eher selten sein (ich kann an einer Hand abzählen, wie viele ich bisher geschrieben habe).
Grundsätzlich würde ich immer raten, Stationen vor allem nach Interesse und möglichen späteren Berufsbildern auszuwählen und nicht nur nach Examensrelevanz. Aber: Meine Wahlstation im Vollzug war tatsächlich Aufhänger für die mündliche Prüfung im Schwerpunkt. Der Prüfer hatte das gelesen und uns dann eine vollzugliche Aufgabenstellung gestellt.
Unterm Strich kann ich die Station im Vollzug wirklich nur empfehlen. Für mich (und auch für meine Kolleg:innen) war sie der Einstieg in unsere heutigen Jobs. Einen besseren Einblick, ob die Arbeit im Vollzug zu einem passt, bekommt man nie wieder. Ich kann für mich sagen, dass ich meinen absoluten Traumjob ausüben darf.
Und dass Mitarbeitende im Vollzug „nur ihre Zeit absitzen“, kann ich für meine Anstalt jedenfalls überhaupt nicht bestätigen. Hier arbeiten viele engagierte, kluge und motivierte Menschen, die trotz der schwierigen Rahmenbedingungen versuchen, den Vollzugsalltag sinnvoll zu gestalten und sich ihrer Verantwortung bewusst sind.


