13.10.2025, 00:03
An alle Richter: Ist der Beruf aus eurer Sicht auch etwas für Introvertierte? Welche Gerichtsbarkeit würde sich hier am ehesten eignen? (zb mit eher wenig Verhandlungstagen und mehr schriftlicher Erledigung wie am Sozialgericht )?
Erste Infos zum Bewerbungsverfahren für den Justizdienst findest Du auf den Richter-Infoseiten von Juristenkoffer.de:
https://www.juristenkoffer.de/richter/
Darüber hinaus sollte man sich dann mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Optional besteht zudem die Möglichkeit, auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zuzugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben:
https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
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Darüber hinaus sollte man sich dann mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Optional besteht zudem die Möglichkeit, auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zuzugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben:
https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
13.10.2025, 05:33
Es gibt nicht "die" Richterpersönlichkeit, sondern viele Varianten, die Rolle auszuüben. Man muss also nicht zwingend extrovertiert sein. Was man allerdings haben sollte, ist Interesse an Menschen und eine gewisse Zugewandtheit. Mir hat das Verhandeln immer viel Freude gemacht, obwohl ich jetzt auch nicht gerade im Mittelpunkt jeder Party stehe. Im Zivilprozess kann man theoretisch die Anträge stellen lassen und gut ist. Das wäre mir aber zu wenig, obwohl es solche Kollegen natürlich auch gibt. Solltest Du regelrecht Angst vor Menschen haben, wäre etwas mit wenig Beweisaufnahme (Verwaltungsgericht?) vielleicht besser. Oder Du wirst Beisitzer in der Großen Strafkammer, da musst Du gar nichts sagen...
13.10.2025, 09:09
Wer Angst vor Menschen hat, wird bitte NICHT Verwaltungsrichter. Da hat man es nämlich gerade im Asyl dank der hohen Fallzahl mit vielen von ihnen zu tun und hat in den meisten Fällen schlechte Nachrichten zu überbringen.
Das gilt im Übrigen auch für viele andere Bereiche, in denen Privatpersonen sich gegen staatliches Handeln wehren. Da würde ich mir Kollegen mit einer gewissen Empathie und einem über die verhandelten Paragrafen hinausreichenden Interesse wünschen.
Das gilt im Übrigen auch für viele andere Bereiche, in denen Privatpersonen sich gegen staatliches Handeln wehren. Da würde ich mir Kollegen mit einer gewissen Empathie und einem über die verhandelten Paragrafen hinausreichenden Interesse wünschen.
13.10.2025, 09:26
(13.10.2025, 09:09)Spencer schrieb: Wer Angst vor Menschen hat, wird bitte NICHT Verwaltungsrichter. Da hat man es nämlich gerade im Asyl dank der hohen Fallzahl mit vielen von ihnen zu tun und hat in den meisten Fällen schlechte Nachrichten zu überbringen.Introvertiertheit geht weder (automatisch) mit einer Angst von Menschen noch mit weniger Empathie einher.
Das gilt im Übrigen auch für viele andere Bereiche, in denen Privatpersonen sich gegen staatliches Handeln wehren. Da würde ich mir Kollegen mit einer gewissen Empathie und einem über die verhandelten Paragrafen hinausreichenden Interesse wünschen.
Ich bin introvertiert - und (sehr gerne) Zivilrichterin. In den Anfangsmonaten waren die Verhandlungen für mich sicher eine Herausforderung. Aber mit ausreichend Erfahrung (und vor allem Selbstsicherheit) sehr schnell gut machbar. Inzwischen führe ich sehr gern und häufig erfolgreich Vergleichsgespräche. Eine gewisse Zurückhaltung kann da auch hilfreich sein.
13.10.2025, 09:43
(13.10.2025, 09:26)Anka schrieb:Das habe ich auch nicht behauptet. Ich würde mich selbst eher als introvertiert beschreiben und habe gerade die Verhandlungsführung an diesem Beruf am meisten geliebt. Eben weil einem dort Menschen gegenüber saßen und der Fall jenseits der Aktenlage „ein Gesicht bekam“.(13.10.2025, 09:09)Spencer schrieb: Wer Angst vor Menschen hat, wird bitte NICHT Verwaltungsrichter. Da hat man es nämlich gerade im Asyl dank der hohen Fallzahl mit vielen von ihnen zu tun und hat in den meisten Fällen schlechte Nachrichten zu überbringen.Introvertiertheit geht weder (automatisch) mit einer Angst von Menschen noch mit weniger Empathie einher.
Das gilt im Übrigen auch für viele andere Bereiche, in denen Privatpersonen sich gegen staatliches Handeln wehren. Da würde ich mir Kollegen mit einer gewissen Empathie und einem über die verhandelten Paragrafen hinausreichenden Interesse wünschen.
Ich bin introvertiert - und (sehr gerne) Zivilrichterin. In den Anfangsmonaten waren die Verhandlungen für mich sicher eine Herausforderung. Aber mit ausreichend Erfahrung (und vor allem Selbstsicherheit) sehr schnell gut machbar. Inzwischen führe ich sehr gern und häufig erfolgreich Vergleichsgespräche. Eine gewisse Zurückhaltung kann da auch hilfreich sein.
Ich bin allerdings leider wiederholt auf Kollegen gestoßen, die eine regelrechte Unlust gegenüber diesem menschlichen „Annex“ an ihren sauberen juristischen Fällen verspürt haben und dies sogar unumwunden zugaben. Leider bestätigen und verstärken solche Kollegen mit einer entsprechenden Verhandlungsführung von oben herab bzw über die Köpfe hinweg das Bild einer nerdigen, lebensfremden und wenig sympathischen Gerichtsbarkeit, das viele immer noch von der Verwaltungsgerichtsbarkeit haben.
13.10.2025, 13:12
(13.10.2025, 00:03)Therizinosaurus schrieb: An alle Richter: Ist der Beruf aus eurer Sicht auch etwas für Introvertierte? Welche Gerichtsbarkeit würde sich hier am ehesten eignen? (zb mit eher wenig Verhandlungstagen und mehr schriftlicher Erledigung wie am Sozialgericht )?
wie wäre es denn mit staatsanwalt? das ist definitiv etwas für introvertierte. kannst dich einfach in die verhandlung setzen und immer "keine weitere fragen" sagen. das geht auch in totschlags- und vergewaltigungsfällen, habe ich selbst erlebt.
13.10.2025, 13:47
(13.10.2025, 13:12)kumpelanton schrieb:(13.10.2025, 00:03)Therizinosaurus schrieb: An alle Richter: Ist der Beruf aus eurer Sicht auch etwas für Introvertierte? Welche Gerichtsbarkeit würde sich hier am ehesten eignen? (zb mit eher wenig Verhandlungstagen und mehr schriftlicher Erledigung wie am Sozialgericht )?
wie wäre es denn mit staatsanwalt? das ist definitiv etwas für introvertierte. kannst dich einfach in die verhandlung setzen und immer "keine weitere fragen" sagen. das geht auch in totschlags- und vergewaltigungsfällen, habe ich selbst erlebt.
aber wird das der Sache gerecht? Da sollte man doch einen anderen Anspruch an sich haben.
Kenne auch Kollegen, die recht introvertiert sind und ihren Job als Richter gerne machen. Kenne jedoch auch einen Ex-Referendar, der bei mir seine Station absolviert hat, der daran gefühlt gescheitert ist. Ein brillanter Jurist, der aber nicht nur introvertiert war, sondern insgesamt Probleme im Kontakt mit Menschen und dazu kommunikative Schwächen. Er ist dann in die Verwaltung. Er sagt, dass ihm das besser behagt. Sicher auch eine Frage, wo man da sitzt
13.10.2025, 14:03
Wenn er halt keine Fragen hat? Was das für eine seltsame Story.
Am Ende wollen die Parteien einen kompetenten Richter. Von mir aus darf er auch empathisch sein. Empathie und Nettigkeit gleichen Inkompetenz jedenfalls nicht aus.
Am Ende wollen die Parteien einen kompetenten Richter. Von mir aus darf er auch empathisch sein. Empathie und Nettigkeit gleichen Inkompetenz jedenfalls nicht aus.
13.10.2025, 14:07
(13.10.2025, 13:47)Freidenkender schrieb:(13.10.2025, 13:12)kumpelanton schrieb:(13.10.2025, 00:03)Therizinosaurus schrieb: An alle Richter: Ist der Beruf aus eurer Sicht auch etwas für Introvertierte? Welche Gerichtsbarkeit würde sich hier am ehesten eignen? (zb mit eher wenig Verhandlungstagen und mehr schriftlicher Erledigung wie am Sozialgericht )?
wie wäre es denn mit staatsanwalt? das ist definitiv etwas für introvertierte. kannst dich einfach in die verhandlung setzen und immer "keine weitere fragen" sagen. das geht auch in totschlags- und vergewaltigungsfällen, habe ich selbst erlebt.
aber wird das der Sache gerecht? Da sollte man doch einen anderen Anspruch an sich haben.
finde ich auch. gibt aber trotzdem einige, die das durchziehen
13.10.2025, 22:58
(13.10.2025, 14:03)guga schrieb: Wenn er halt keine Fragen hat? Was das für eine seltsame Story.
Am Ende wollen die Parteien einen kompetenten Richter. Von mir aus darf er auch empathisch sein. Empathie und Nettigkeit gleichen Inkompetenz jedenfalls nicht aus.
Würde ich unterschreiben, mir ist die Persönlichkeit des Richters grundsätzlich egal. Wenn ich es mir aussuchen kann, dann am liebsten diejenigen, die es kurz und knackig halten, selber nicht unnötig viel reden und nervige Anwälte im Zaum halten. Etwas wohldosierte Empathie wenn es nötig ist










