05.09.2024, 08:41
(05.09.2024, 07:49)nachdenklich schrieb:Bist du eigentlich in Therapie? Es kann nicht gesund sein, wenn man sich jeden Tag nur einredet, wie unnötig und überflüssig die eigene Existenz sei...(05.09.2024, 07:30)guga schrieb:(05.09.2024, 07:14)advocatus diaboli schrieb: Für einen Vertragsschluss braucht man aber nicht unbedingt einen Juristen. Juristen tragen m.E. nicht aktiv zum Umsatz bei, da würde ich RefNds zustimmen.
Nach dieser sehr originellen Sichtweise ist ja nur der Malocher am Band umsatzsteigernd. Vertrieb reine Kostenstelle. Das Angebot schreibt der Malocher mit ChatGPT. Einkauf reine Kostenstelle. Um die Lieferanten kümmert sich der Malocher nebenbei. Daher bestehen mittlere und größere Unternehmen in Deutschland ja auch nur aus Produktionsmitarbeitern.
Glaubt ihr, die deutsche Wirtschaft besteht nur aus Bäckereien oder so?! So wie ich nicht die Arbeit des Vertriebs mache und ein Angebot herauskacke, so macht der Vertrieb auch keinen Vertragsschluss ohne mich, weil der Knebelvertrag mit seinen 50 Anlagen und weiteren Vertragsbestandteilen des Kunden uns sonst ruiniert. Das nennt sich in der modernen komplexen Wirtschaft Arbeitsteilung und Spezialisierung. Es gibt keinen Grund sich als Jurist selbst klein zu reden.
Das nicht. Aber Juristen sind natürlich ein Kostenfaktor. RIchtig ist, dass Juristen auch das Entstehen von Problemen (z.B. Katellrecht) verhindern und Lösungen antizipieren sollen. Aber im Endeffekt ist der Jurist ein reiner Kostenfaktor.
Und was du gerade umschrieben hast, nennt sich "Bullshitjobs", gerne in der Verwaltung (Behörde/Unternehmen) zu finden. Viele Jobs braucht man eigentlich gar nicht bzw lassen sich (zukünftig) stark automatisieren, sodass die selbe Arbeit von weniger Personal bewerkstelligt werden kann. Allgemeine Verwaltung, Vertrieb, Marketing, Controlling, Graphic-Design usw sind im besonderen Maße von Automatisierung betroffen. Gleiches wird auch in vielen Juristenjobs gelten. Je nachdem wie gut du dein Unternehmens-LLM mit Daten gefüttert hast, wirst du zukünftig den aktuellen Vertrag (mitsamt hundert Anlagen) in Sekunden mit Altverträgen vergleichen oder AGBs mit aktueller Rechtsprechung abgleichen können.
Gerade Behörden bzw Unternehmen unterliegen in regelmäßigen Abständen einer Katharsis, da der Verwaltungswasserkopf einfach zu groß geworden ist. Siehe DB (30.000 Verwaltungsstellen sollen abgebaut werden) oder VW (20% der Stellen in der Verwaltung sollen abgebaut werden), Continental, Vitesco, Bayer usw.
Mit den KI-Lösungen von Aleph Alpha, sollen in Behörden ca 165.000 Vollzeitstellen zukünftig nicht mehr nachbesetz werden müssen.
Ich glaube, uns ist doch allen klar, dass wir in Zukunft weniger Juristen benötigen werden. Das ist der Sinn und Zweck von Automatisierung.
05.09.2024, 09:49
(04.09.2024, 23:03)guga schrieb:(04.09.2024, 22:53)RefNdsOL schrieb:(04.09.2024, 20:24)nachdenklich schrieb:(04.09.2024, 19:46)Egal schrieb: Kommt vielleicht auf die Branche an. Während VW Stellen abbauen will, geht es uns in der Energiebranche gut, den Forderungen der BReg sei Dank. Durch den Ausbau der regenerativen Energien haben wir viel zu tun und bauen verstärkt Personal auf. Allerdings überwiegend Ingenieure, Elektroniker, ITler und ähnliche Berufe. Die anderen Abteilungen betreiben nicht das Kerngeschäft, daher brauchen wir von ihnen weniger.
Schon immer war es in Unternehmen zudem so, dass bevorzugt Berufserfahrene Juristen und keine Einsteiger gesucht werden, sodass die Chance, als Berufseinsteiger in einem Unternehmen einzusteigen, geringer sind, als in einer Kanzlei.
Man könnte ja auch annehmen, dass durch den ganzen Ausbau der EE bzw. der entsprechenden Netze und dem damit einhergehenden Auftragsvolumen, entsprechende Unternehmen deutlich mehr Juristen benötigen, um diese Aufträge juristisch bewältigen zu können. Aber dem scheint ja nicht so zu sein.
Juristen bringen dem Unternehmen aber keinen Umsatz und tragen damit auch nicht zum Gewinn bei. Sie können womöglich Risiken reduzieren, das ist aber im Verhältnis weniger gewichtig. (Industrie-)Unternehmen fördern Umsatz durch mehr Aufträge, die durch die produzierenden Mitarbeiter bearbeitet werden, die entsprechend bei größerer Auftragslage in größerer Anzahl vorhanden sein müssen.
Natürlich tragen Juristen zum Umsatz bei. Kannst ja keinen einzigen Auftrag bearbeiten ohne Vertragsschluss.
Die Juristen erbringen aber nicht die Leistung weswegen der Vertrag eigentlich geschlossen wird, sondern tragen nur zur Risikominimierung durch eine günstige Vertragsgestaltung bei.
Man kann es drehen und wenden, in Kanzleien erwirtschaften Juristen den Umsatz, in Unternehmen nicht.
05.09.2024, 09:56
Bullshit-Jobs sind wohl mit das beste Beispiel, in welchem Unternehmen Menschen Vollzeit zahlen, selbst wenn sie die Arbeitskraft nur sehr punktuell brauchen. Woran mag das liegen? ;)
Ich denke ebenfalls nicht, dass du hier belächelt wirst, @nachdenklich. Es fällt eben nur auf, dass es hier kaum ein Gegengewicht gibt, welches KI positiv darstellt, und dass du, der sich offensichtlich durchaus intensiv mit dem Thema beschäftigt und viel Zeit in die Darstellungen hier investiert, nicht auch selbst Gegengewicht in deine für mich grundsätzlich interessante Berichterstattung mit einbringst. Das lässt mich zum Teil daran zweifeln, wie ernst du das alles wirklich meinst, und vielleicht gab es hier auch nur eine gewisse Spirale, weil du dich nicht ernst genommen fühlst. Allerdings, dich dafür zu belächeln sehe ich keinen guten Grund.
Ich denke ebenfalls nicht, dass du hier belächelt wirst, @nachdenklich. Es fällt eben nur auf, dass es hier kaum ein Gegengewicht gibt, welches KI positiv darstellt, und dass du, der sich offensichtlich durchaus intensiv mit dem Thema beschäftigt und viel Zeit in die Darstellungen hier investiert, nicht auch selbst Gegengewicht in deine für mich grundsätzlich interessante Berichterstattung mit einbringst. Das lässt mich zum Teil daran zweifeln, wie ernst du das alles wirklich meinst, und vielleicht gab es hier auch nur eine gewisse Spirale, weil du dich nicht ernst genommen fühlst. Allerdings, dich dafür zu belächeln sehe ich keinen guten Grund.
05.09.2024, 10:14
(05.09.2024, 09:49)BW2024 schrieb: Die Juristen erbringen aber nicht die Leistung weswegen der Vertrag eigentlich geschlossen wird, sondern tragen nur zur Risikominimierung durch eine günstige Vertragsgestaltung bei.
Man kann es drehen und wenden, in Kanzleien erwirtschaften Juristen den Umsatz, in Unternehmen nicht.
So sieht's aus. In einem Unternehmen tragen Juristen einfach nicht unmittelbar zur Wertschöpfung bei. Das bedeutet aber auch nicht, dass Juristen vollkommen sinnlos sind. Auf z.B. den Gewinn haben ihre Tätigkeiten dann deutlich mehr Einfluss.
05.09.2024, 10:25
Um mal zum Thema zurück zu kommen, der Bewerbermarkt ist gut aber eben abhängig von Region und Branche. Vor zwei Jahren gab es die Corona-Nachwirkungen - während Corona war vieles on hold, danach musste nachgeholt werden, d.h. viele Leute wurden gebraucht. Jetzt hat es sich wieder auf ein normales Niveau eingependelt.
Viele Jura-Absolventen scheinen aber ein sehr überhöhtes Verständnis vom Arbeitsmarkt zu haben. Das betrifft sowohl dessen Mechanismen (wenn ich 16 Punkte in Summe habe, dann muss mich Kanzlei XY einstellen), wie auch die Anzahl an Bewerbungen. So läuft das aber nicht. Der Arbeitsmarkt ist kein Prüfungsschema, was man einfach subsumiert. Schreibt einfach mal ein paar Bewerbungen und nicht entmutigen lassen, wenn es bei den ersten fünf nicht sofort klappt.
Und wer nach ein paar Jahren in-house wechseln will. Sowas braucht Zeit. Da sucht man schnell mal ein Jahr oder länger, bis die passende neue Stelle kommt. Das trifft BWLer und Ingenieure aber genauso.
Viele Jura-Absolventen scheinen aber ein sehr überhöhtes Verständnis vom Arbeitsmarkt zu haben. Das betrifft sowohl dessen Mechanismen (wenn ich 16 Punkte in Summe habe, dann muss mich Kanzlei XY einstellen), wie auch die Anzahl an Bewerbungen. So läuft das aber nicht. Der Arbeitsmarkt ist kein Prüfungsschema, was man einfach subsumiert. Schreibt einfach mal ein paar Bewerbungen und nicht entmutigen lassen, wenn es bei den ersten fünf nicht sofort klappt.
Und wer nach ein paar Jahren in-house wechseln will. Sowas braucht Zeit. Da sucht man schnell mal ein Jahr oder länger, bis die passende neue Stelle kommt. Das trifft BWLer und Ingenieure aber genauso.
05.09.2024, 12:23
(05.09.2024, 10:25)Patenter Gast schrieb: Um mal zum Thema zurück zu kommen, der Bewerbermarkt ist gut aber eben abhängig von Region und Branche. Vor zwei Jahren gab es die Corona-Nachwirkungen - während Corona war vieles on hold, danach musste nachgeholt werden, d.h. viele Leute wurden gebraucht. Jetzt hat es sich wieder auf ein normales Niveau eingependelt.
Viele Jura-Absolventen scheinen aber ein sehr überhöhtes Verständnis vom Arbeitsmarkt zu haben. Das betrifft sowohl dessen Mechanismen (wenn ich 16 Punkte in Summe habe, dann muss mich Kanzlei XY einstellen), wie auch die Anzahl an Bewerbungen. So läuft das aber nicht. Der Arbeitsmarkt ist kein Prüfungsschema, was man einfach subsumiert. Schreibt einfach mal ein paar Bewerbungen und nicht entmutigen lassen, wenn es bei den ersten fünf nicht sofort klappt.
Und wer nach ein paar Jahren in-house wechseln will. Sowas braucht Zeit. Da sucht man schnell mal ein Jahr oder länger, bis die passende neue Stelle kommt. Das trifft BWLer und Ingenieure aber genauso.
+1 sehr gut zusammengefasst
05.09.2024, 12:29
(05.09.2024, 10:14)advocatus diaboli schrieb:(05.09.2024, 09:49)BW2024 schrieb: Die Juristen erbringen aber nicht die Leistung weswegen der Vertrag eigentlich geschlossen wird, sondern tragen nur zur Risikominimierung durch eine günstige Vertragsgestaltung bei.
Man kann es drehen und wenden, in Kanzleien erwirtschaften Juristen den Umsatz, in Unternehmen nicht.
So sieht's aus. In einem Unternehmen tragen Juristen einfach nicht unmittelbar zur Wertschöpfung bei. Das bedeutet aber auch nicht, dass Juristen vollkommen sinnlos sind. Auf z.B. den Gewinn haben ihre Tätigkeiten dann deutlich mehr Einfluss.
Um mal ein Verhältnis zu nennen: Wir haben bei uns gut 2.000 Mitarbeiter. In der Rechtsabteilung sind es, lass mich lügen, pi mal Daumen 15, wenn es hoch kommt 20, Volljuristen und Sachbearbeiter.
Natürlich geht es nicht ganz ohne Juristen. Es geht aber auch nicht ohne die Mitarbeiter in der Buchhaltung, die Mitarbeiter im Einkauf, in der Personalabteilung usw.
Anders als an der Basis ist der Verwaltungsapparat aber um einiges dünner besetzt. Man braucht keine 2.000 Juristen um die Arbeit von 2.000 Elektronikern rechtlich zu begleiten. Wir Juristen sind nur eins von vielen Rädchen im Gesamtsystem des Unternehmens.
Vorher habe ich den Mittelstand beraten. Wie schon jemand schrieb, haben die in den seltensten Fällen einen Inhouse-Juristen. Sie kaufen sich diese Leistung extern hinzu.
Der große Bedarf an Juristen ist daher nach wie vor in Kanzleien und da ist der Markt nicht anders als sonst, jedenfalls nehme ich hier in der Großstadt keine Veränderung wahr.
05.09.2024, 16:14
Wir haben ca. 3.000 Mitarbeiter und davon sind ca. 20 Volljurist, die auch juristisch tätig sind, und mit Sachbearbeitern kommen wir wahrscheinlich auf knapp um die 35. Davon 0 Wirtschaftsjuristen.
05.09.2024, 16:25
05.09.2024, 18:35
@Nachdenklich: da die anderen dir ihre Zahlen genannt haben, scheinen wir keine Ausnahme zu sein.
Die Fachbereiche und der Vorstand agieren weitestgehend unabhängig von stetiger juristischer Unterstützung. Um ein Projekt zu leiten, Konzessionen auszuhandeln oder die Unternehmensziele festzulegen, sind zunächst andere Fachkenntnisse gefragt. Die Juristen werden punktuell dazugeholt und dafür reicht die Anzahl aus.
Die Fachbereiche und der Vorstand agieren weitestgehend unabhängig von stetiger juristischer Unterstützung. Um ein Projekt zu leiten, Konzessionen auszuhandeln oder die Unternehmensziele festzulegen, sind zunächst andere Fachkenntnisse gefragt. Die Juristen werden punktuell dazugeholt und dafür reicht die Anzahl aus.



. Das nennt sich in der modernen komplexen Wirtschaft Arbeitsteilung und Spezialisierung. Es gibt keinen Grund sich als Jurist selbst klein zu reden.