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Ausstieg Justiz nach wenigen Tagen
Gast_16
Junior Member
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Themen: 3
Registriert seit: Apr 2023
#1
06.06.2023, 10:45
Hallo, wie man der Überschrift entnehmen kann bin ich seit wenigen Tagen Richterin auf Probe. Ich wollte dies auch immer machen, allerdings in einer Fachgerichtsbarkeit. 
Da dies nicht möglich war, habe ich es in der ordentlichen Gerichtsbarkeit versucht. Was soll ich sagen, ich finde es ganz furchtbar. Ich habe zum einen gemerkt, dass mir die richterliche Tätigkeit überhaupt nicht gefällt und liegt, zum anderen sind die Rechtsgebiete einfach nur furchtbar. Die Akten dick und langweilig. Ich schlafe nicht mehr wirklich und essen kann ich auch nichts, weil mir bei den Gedanken an die Arbeit einfach nur schlecht wird. 
Ich weiß gar nicht was ich mir von dem Post erhoffe, aber vielleicht ging es ja anderen auch schon so. 
Ich überlege tatsächlich bereits nach so kurzer Zeit die Reiseleine zu ziehen und zu gehen. Kann mir vielleicht jemand sagen wie das in der Regel so abläuft? Müsste mich dann ja auch um einen neuen Job kümmern. 

Vielen Dank im Voraus!
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Wer Richter auf Probe bzw. Staatsanwalt werden möchte, sollte sich mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Das Karriere-Dossier ist als Print-Buch sowie als E-Book für alle 16 Bundesländer erhältlich:

https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php

Und zur Vorbereitung auf das alles entscheidende Vorstellungsgespräch sollte man auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben.
 
juraistschön
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Beiträge: 171
Themen: 0
Registriert seit: Dec 2022
#2
06.06.2023, 10:59
(06.06.2023, 10:45)Gast_16 schrieb:  Hallo, wie man der Überschrift entnehmen kann bin ich seit wenigen Tagen Richterin auf Probe. Ich wollte dies auch immer machen, allerdings in einer Fachgerichtsbarkeit. 
Da dies nicht möglich war, habe ich es in der ordentlichen Gerichtsbarkeit versucht. Was soll ich sagen, ich finde es ganz furchtbar. Ich habe zum einen gemerkt, dass mir die richterliche Tätigkeit überhaupt nicht gefällt und liegt, zum anderen sind die Rechtsgebiete einfach nur furchtbar. Die Akten dick und langweilig. Ich schlafe nicht mehr wirklich und essen kann ich auch nichts, weil mir bei den Gedanken an die Arbeit einfach nur schlecht wird. 
Ich weiß gar nicht was ich mir von dem Post erhoffe, aber vielleicht ging es ja anderen auch schon so. 
Ich überlege tatsächlich bereits nach so kurzer Zeit die Reiseleine zu ziehen und zu gehen. Kann mir vielleicht jemand sagen wie das in der Regel so abläuft? Müsste mich dann ja auch um einen neuen Job kümmern. 

Vielen Dank im Voraus!

Das ist natürlich schade, wenn es von Anfang an so gar nicht passt. Ich würde ja grundsätzlich dazu raten, erstmal zu schauen, ob es besser wird und dann ggf. erst zu einem späteren Zeitpunkt (während der Probezeit) die "Reißleine ziehen", auch wegen der Außenwirkung eines so schnellen Wechsels.

Andererseits solltest Du bei den psychosomatischen Auswirkungen, die Du beschreibst, vorsichtig sein und ggf. nicht zu lang warten.

Vom Ablauf her wird es so sein, dass Du Deine Entlassung aus dem Richterverhältnis auf Probe beantragst, die dann in der Regel auch zu dem von Dir gewünschten Zeitpunkt ausgesprochen wird. Das würde ich aber erst machen, wenn Du eine (konkrete) Aussicht auf eine Folgebeschäftigung hast. Je nachdem, ob diese im Beamtenverhältnis (z.B. in der Verwaltung) ist oder nicht, ergeben sich unterschiedliche Rechtsfolgen (z.B. Versetzung statt Entlassung, Nachversicherung, etc.)

Ich wünsche Dir auf jeden Fall alles Gute!
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Praktiker
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Beiträge: 2.301
Themen: 0
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#3
06.06.2023, 13:53
Das ist natürlich extrem. So schlimm, wie Du es beschreibst, kann ich mir schwer vorstellen, dass es in der Fachgerichtsbarkeit viel besser wäre.

Du solltest mir jedem darüber sprechen, Deinem Vorsitzenden zum Beispiel. Es ist für alle Seiten gut, wenn sich Deine Situation schnell klärt - sich also entweder etwas bessert oder Du den Beruf wechseln kannst.
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Freidenkender
Posting Freak
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Beiträge: 824
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2022
#4
06.06.2023, 17:20
ich finde es dramatisch, was du schreibst. Schade, dass dir der Job nicht gefällt. Erst einmal Kopf hoch und pass auf Dich auf!

Du musst aus deiner persönlichen Situation heraus entscheiden, wie lange das bei dir noch so gut geht, ob sich die Situation bessert. 

Wenn ich in deiner Situation wäre, dann würde ich versuchen eine Vertrauensperson zu finden, die vielleicht auch den Job kennt und auch konkrete Hinweise geben kann. Wir als AG bieten auch eine Hotline zur anonymen Mitarbeitendenberatung an, an die man sich wenden kann. Die stellen ggf. sogar den Kontakt zu weiteren Stellen und ggf auch Ärzten her. Vielleicht gibt es bei dir ja auch solche Angebote. Meine Frau arbeitet bei einer Bundesbehörde und da gibt es auch so was.

Hast Du dich schon nach anderen Jobs umgeschaut? Mit einer neuen Stelle im Hintergrund fällt die Entscheidung evtl. einfacher. Aber beim neuen Job bitte darauf achten, dass du die jetzigen Painpoints nicht wieder findest
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Exri
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Beiträge: 83
Themen: 0
Registriert seit: Dec 2022
#5
07.06.2023, 06:48
Ich kenne ähnliche Berichte von vielen die in der Justiz anfingen durch Fortbildungen mit anderen Proberichtern wobei es da eher um Stress im allgemeinen, Träumen von der Arbeit und weinende Teilnehmer bei Proberichterrunden ging. Dass du deinen Appetit verloren hast, finde ich bedenklich. Ich war anfangs auch erstmal im Praxisschock und wolte direkt weg :D. Bei eigentlich allen wird es besser, ich war nach 3 Monaten ca. gut im Dez drin und dann ging es gut und ich hatte eine gute Work Life Balance. Geträumt habe ich trotzdem regelmäßig von der Arbeit. Allerdings muss man sich die Frage gestatten, ob es einem dann wirklich gefällt, denn normal ist das eigentlich nicht. Und was du schilderst, ist ja noch drastischer. 
Ich persönlich habe gemerkt, dass ich die Tätigkeit zwar kann und hinbekomme, aber einfach keinen Spaß habe und es nicht 40 Jahre machen will. Das muss aber jeder für sich selbst rausfinden. Ich habe mich bei meinem Wechsel in die Verwaltung dann dort jedenfalls nicht so gefühlt wie am Anfang in der Justiz.

Nach wenigen Tagen würde ich das Handtuch grundsätzlich nicht werfen. Komm erstmal rein und verdaue den Praxisschock. Ein paar Monate sollte man sich mindestens geben, natürlich nur, wenn es halbwegs erträglich ist bzw. schnell besser wird.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 07.06.2023, 06:58 von Exri.)
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Gast_16
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Beiträge: 19
Themen: 3
Registriert seit: Apr 2023
#6
07.06.2023, 11:17
(07.06.2023, 06:48)ProbeRi schrieb:  Ich kenne ähnliche Berichte von vielen die in der Justiz anfingen durch Fortbildungen mit anderen Proberichtern wobei es da eher um Stress im allgemeinen, Träumen von der Arbeit und weinende Teilnehmer bei Proberichterrunden ging. Dass du deinen Appetit verloren hast, finde ich bedenklich. Ich war anfangs auch erstmal im Praxisschock und wolte direkt weg :D. Bei eigentlich allen wird es besser, ich war nach 3 Monaten ca. gut im Dez drin und dann ging es gut und ich hatte eine gute Work Life Balance. Geträumt habe ich trotzdem regelmäßig von der Arbeit. Allerdings muss man sich die Frage gestatten, ob es einem dann wirklich gefällt, denn normal ist das eigentlich nicht. Und was du schilderst, ist ja noch drastischer. 
Ich persönlich habe gemerkt, dass ich die Tätigkeit zwar kann und hinbekomme, aber einfach keinen Spaß habe und es nicht 40 Jahre machen will. Das muss aber jeder für sich selbst rausfinden. Ich habe mich bei meinem Wechsel in die Verwaltung dann dort jedenfalls nicht so gefühlt wie am Anfang in der Justiz.

Nach wenigen Tagen würde ich das Handtuch grundsätzlich nicht werfen. Komm erstmal rein und verdaue den Praxisschock. Ein paar Monate sollte man sich mindestens geben, natürlich nur, wenn es halbwegs erträglich ist bzw. schnell besser wird.

Vielen Dank für deinen Erfahrungsbericht. Das Problem ist glaube, dass ich den Beruf im Vorfeld sehr idealisiert habe und immer wieder gesagt habe ich will das unbedingt, auch aufgrund der sich bietenden Unabhängigkeit. Daher habe ich auch viele Red Flags einfach nicht beachtet. Dies sind genau die, die mich jetzt auch tatsächlich schon stören. Insbesondere die hohe Arbeitsbelastung, dass man regelmäßig mehr arbeitet ohne dafür bezahlt zu werden (inkl. Wochenende) und die fehlende Spezialisierung. 
Die andere Sache ist aber eigentlich für mich die viel schwerwiegendere Sache. Ich wollte eigentlich unbedingt ans Arbeitsgericht und nie in die ordentliche Gerichtsbarkeit, weil ich die Inhalte eigentlich nicht mag. Da ersteres nicht ging, wollte ich dem ganzen eine Chance geben und dachte so schlimm wird es nicht. Aber bereits am ersten Tag fand ich es inhaltlich so furchtbar. Ich habe schon gar keine Lust die Akten aufzumachen, weil mich das ganze so gar nicht interessiert. Glaube auch nicht, dass es im Strafrecht besser wird. Ich denke schon, dass ich den Job mit etwas Routine hin bekommen würde. Ich bin mir aber nicht sicher, ob ich das wirklich will oder ob ich nicht eher in der freien Wirtschaft im Arbeitsrecht besser aufgehoben bin.
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JuraLiebhaber
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Beiträge: 233
Themen: 5
Registriert seit: Jun 2023
#7
07.06.2023, 11:26
Wenn dich die ordentliche Gerichtsbarkeit so gar nicht interessiert und du für das Arbeitsrecht brennst, hättest du vermutlich nie in der ordentlichen Gerichtsbarkeit anfangen sollen. Es wird sich dann ja auch kaum bessern, wenn das Interesse einfach null vorhanden ist.
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Gasthörer
Junior Member
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Beiträge: 10
Themen: 2
Registriert seit: Apr 2023
#8
07.06.2023, 11:58
Aus der Erfahrung heraus: Wechsel, bevor Du Dich daran gewöhnst.

In welchem Bundesland bist Du? Jedenfalls in NRW reißen es die Proberichterrunden nicht raus,  sondern machen es meist nur schlimmer.

Im Übrigen: Siehe den aktuellen Artikel in LTO zu den Problemen der Justiz. Warum willst Du in einem Bereich arbeiten, mit dem Du nichts verbindest. Da kommt dann auch noch Familienrecht, Inso und BTM. Einfach schnell wechseln und abhaken.
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Law.NRW
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Beiträge: 118
Themen: 8
Registriert seit: Jan 2021
#9
07.06.2023, 12:17
Ich würde die Sozialgerichtsbarkeit empfehlen. Komme auch aus dem Arbeitsrecht und habe am SG angefangen. Es gibt viele Rechtsgebiete mit Schnittmengen (Rente (Statusfeststellung) und Arbeitslosengeld). Ich würde nicht mehr weg wollen.
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Gast_16
Junior Member
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Beiträge: 19
Themen: 3
Registriert seit: Apr 2023
#10
07.06.2023, 12:55
(07.06.2023, 12:17)Law.NRW schrieb:  Ich würde die Sozialgerichtsbarkeit empfehlen. Komme auch aus dem Arbeitsrecht und habe am SG angefangen. Es gibt viele Rechtsgebiete mit Schnittmengen (Rente (Statusfeststellung) und Arbeitslosengeld). Ich würde nicht mehr weg wollen.


Hat man da aber nicht auch viel Grundsicherungssachen etc.? Das hat mich bisher ehrlich gesagt eher abgeschreckt. Und die Arbeitsbelastung dürfte doch bestimmt auch nicht weniger sein?
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