22.12.2022, 22:29
Hallo zusammen,
ich bin fast 27, habe bisher nur Abi und Führerschein und überlege, nach 5 Jahren Pause nochmal von vorne mit Jura anzufangen.
Nach dem Abi 2 Semester BWL studiert, dann 2016 im Alter von 20,5 zu Jura gewechselt.
Erste 2 Semester noch einigermaßen normal studiert, aber auch da schon anderes im Kopf gehabt. Im dritten Semester dann die letzten Klausuren geschrieben. Noten waren für den Lernaufwand recht gut.
Dann von April 2018 bis Anfang 2021 absolut gar nichts mehr mit Jura zu tun gehabt.
In dieser Zeit immer mindestens 20 Stunden pro Woche in verschiedenen Startups gearbeitet. Mehrmals ernsthaft überlegt, Medizin zu studieren. Da auch viele Praktika gemacht. Eigentliches, sehr vage formuliertes Ziel war aber, mir irgendwann mal was Eigenes aufzubauen – hab jedoch auch damit nie begonnen.
Anfang 2021 wieder kurz über Jura nachgedacht und eine Klausur geschrieben, die Überlegungen dann aber wieder verworfen und gearbeitet.
Nun mit fast 27 Jahren endgültig realisiert, dass ich doch noch „ganz normal“ studieren will und dass Jura mit Abstand mein Favorit ist. Vor 2 Monaten Hausarbeit geschrieben und angefangen, ordentlich zu lernen, was mich in diesem Vorhaben bisher bestärkt.
Von den Scheinen her bin ich mit dem 3. Semester fertig + Fremdsprachenschein + Schlüsselqualifikation + sämtliche anwesenheitspflichtigen Veranstaltungen abgehakt. Das bringt mir allerdings kaum was, da ich ja sowieso den ganzen Stoff wiederholen muss. Eventuell spare ich so ein Semester bei der Wiederholung des Stoffes – macht den Braten nun auch nicht mager. Dass ich jetzt einfach im 3. Semester einsteigen und dann in 6 Semestern das 1. Stex schreiben kann, denke ich eher nicht.
Habe mich bereits sehr ausgiebig (eher exzessiv) mit Jura beschäftigt und hier in den letzten Wochen auch sämtliche Beiträge zum Thema „Jura im hohen Alter“ gelesen.
Meine Bedenken:
1. Alter
2. Ungewissheit, ob ich am Ende ausreichende Noten bekomme
Zu 1.: Ich habe viel darüber nachgedacht und mit Freunden und Eltern darüber geredet, ob es „ok“ ist, mit 27-34 Jahren noch zu studieren. Ergebnis: Kann jetzt nicht sagen, ob ich es irgendwann bereuen werde. Aktuell macht mir das Jurastudentenleben noch (am meisten) Spaß, aber mit 30-34?
Zu 2.: Das ist das eigentliche Problem und im Moment denke ich eher, dass mein Vorhaben hieran scheitert. Diese Ungewissheit, ob man am Ende ausreichend gute Noten bekommt, war für mich auch schon vor Beginn des Jurastudiums das größte Contra-Argument. Jetzt habe ich allerdings die Kombination Alter + Ungewissheit, was nochmal ne ganz andere Nummer ist. Selbst wenn ich nicht erst im 2., sondern bereits im 1. Stex eine schlechte Note bekäme, wäre ich schon mindestens 30. Die Vorstellung, dann nochmal was anderes anzufangen, ist schon ziemlich gruselig. Der absolute Worst Case wäre ein Scheitern im 2. Stex (= nicht nur Durchfallen, sondern auch zu schlechte Note). Dann wäre ich 34 und hätte lediglich Abi und ein schlechtes 2. Stex. Und zusätzlich mindestens 8.000-15.000€ Schulden. Habe die finanzielle Lage bereits mit verschiedenen Szenarien durchkalkuliert. Klar, das bekäme ich schon irgendwann irgendwie abbezahlt, aber trotzdem hätte ich in diesem Szenario ja langfristig finanziell absolut versagt. Ich werde auch nicht viel erben o.Ä.
Ich brauche keinen großen Luxus, aber hätte wohl schon irgendwann gerne ein Kind und eine einigermaßen nette Wohnung. Ständig finanzielle Sorgen will ich aber auch nicht haben.
Bei uns bekommt man den LLB ohne jegliche Zusatzleistungen nach dem 6. Semester – der wäre mit meinem Lebenslauf wohl erst recht nutzlos. Vielleicht würde ich dann im Worst Case einen LLM machen und über das StB-Examen nachdenken – aber ob das noch vernünftig ist, nachdem man in einem juristischen Stex schlecht war, ist zu bezweifeln.
Ich weiß gar nicht, was ich dann tun würde. Dann käme wohl wirklich nur noch ein duales Studium in Frage. Oder ich würde programmieren lernen und mir da nen Job suchen.
Ich habe ausgiebig darüber nachgedacht, ob man nicht nebenbei irgendwas tun kann, was einem zumindest eine kleine Absicherung geben würde. Ergebnis: nein. Klar, ich könnte noch diverse Praktika machen und meine Ref-Stationen klug wählen, aber dass ich darüber Kontakte bekäme, die mir auch bei mittelmäßigen Noten nen Job verschaffen könnten, ist nicht zu erwarten. Für LLM oder Promotion bin ich dann wohl wirklich zu alt.
Könnte man mir versichern, dass man auch in 7 Jahren noch mit 2x befriedigend gute Chancen hat, wäre das schon ein starkes Pro-Argument für mich.
Ich würde es natürlich von vornherein als Vollzeitjob betrachten und habe mich schon ausführlich damit beschäftigt, wie man ordentlich lernt. Ich könnte von Anfang an mit Fokus aufs Stex lernen. Und Motivationsprobleme hätte ich definitiv nicht. Aber ich denke, das sieht bei genug anderen ähnlich aus.
Pro:
· Interesse: Keine der Alternativen finde ich annähernd so interessant bzw es bereitet mir kein Fach so viel Freude. Was ich bisher interessanter fand, war halt mein „restliches Leben“.
Habe nach dem 3. Semester quasi als letzte Amtshandlung ein Praktikum gemacht, was mir eigentlich auch gut gefiel.
· Eignung: Ich bin mir sicher, dass ich „eigentlich“ ein Talent für Jura habe/hatte. Das wurde mir von Kommilitonen, aber auch durch Noten bestätigt, wenn ich denn mal ordentlich gelernt hatte (ich weiß, nicht vergleichbar mit Examen).
· Bereue nicht, es nicht versucht zu haben. Ich bin mir relativ sicher, dass ich das mal mehr, mal weniger bereuen würde, wenn ich jetzt eine meiner Alternativen (s. u.) wähle. Das könnten allerdings auch normale „Grass is greener“-Gedanken sein, die ich ignorieren müsste.
Würde ich mich aber für eine dieser Alternativen entscheiden, wäre jedem meiner ehemaligen Kollegen und Kommilitonen klar, dass ich das nur tun würde, weil ich damit zu 99% nicht komplett scheitern könnte.
· Berufliche Perspektiven: Auch hier gilt das zu Interesse und Eignung geschriebene, soweit ich das jetzt beurteilen kann.
· Verdienstmöglichkeiten, wenn es einigermaßen gut läuft: Es müssen nicht >100k sein, aber zB 2x befriedigend zu erreichen und dann langfristig vielleicht 80k zu verdienen klingt für mich schon attraktiv.
Die Kehrseite der Jura-Medaille ist ja eben auch, dass 2x gute Noten meinen bisherigen Lebenslauf fast ungeschehen machen würden.
Verdienstausfall habe ich in den 7 Jahren gar nicht bis kaum: würde bei meinen Alternativen während den 3 Jahren Studium kaum mehr arbeiten können und danach zwar früher, aber weniger verdienen.
· Arbeitsmarktprognose: Ich würde wohl genau zum Zeitpunkt des Boomer-Renteneintritts fertig werden. Ich weiß, man kann kaum vorhersagen, was das dann tatsächlich für Auswirkungen hat und ob das nicht durch irgendwelche negativen Entwicklungen ausgeglichen wird. Außerdem werden die Einstellungen wohl schon in den Jahren davor erhöht.
Würden einigermaßen planbare Noten aber reichen, würde das meine Überlegungen schon stark beeinflussen.
Contra:
· Ungewissheit bzgl Noten: Worst Case: mit 34 mit nichts bzw. schlechtem 2. Stex dazustehen + 15.000€ Schulden)
· Alter allgemein iVm Dauer: Werde ich es bereuen,
a) in meinen 30gern immer noch zu studieren,
b) erst mit 34 richtig Geld zu verdienen und vorher nur 520€ bzw dann Refgehalt,
c) bis ganz zum Ende nicht zu wissen, ob ich in dem einen Leben, das ich habe, finanziell endgültig versagt habe?
· Eignung jetzt und in Zukunft: Wie gesagt, bin ich mir sicher, mal gut für Jura geeignet gewesen zu sein. Ich muss mir aber auch eingestehen, dass meine Kognition nach der Erkenntnis, in welche Situation ich mich gebracht hab, ziemlich gelitten hat. Ich könnte mir vorstellen, dass das nachlässt, wenn ich mich endlich festlege und einem Ziel entgegenarbeite. Es könnte aber auch so bleiben. Dann wären normale Semesterklausuren, die man abhaken und vergessen kann, deutlich machbarer als zwei Staatsexamen.
Was mir mit meiner aktuellen mentalen Verfassung am schwersten fällt, sind wohl genau die Klausurenschreib-Skills, die man im Examen braucht. Sieht man glaube ich auch an der „Struktur“ dieses Beitrags. Sehr viel Stoff auswendig zu lernen und dann am besten Multiple Choice funktioniert noch gut – hatte bei einem Medizin-Aufnahmetest nen guten Rang.
Aber mir 5h richtig einzuteilen und richtige Schwerpunkte zu setzen? Fraglich, ob ich das (wieder) lernen kann. Ich fürchte auch, dass diese Art von Klausur deutlich eher Blackouts begünstigt als mehrere kurze Aufgaben.
· Lebenslauf + Alter: Ist bei guten Noten ja eher unwichtig, aber
a) mir geht es ja um das Szenario, bei dem ich keine guten Noten bekomme
b) mein Lebenslauf sieht halt schon anders aus als „mal 1-2 Jahre Pause gemacht“.
Da stehen dann bis zum 1. Stex 20 Semester. Und dass ich Jura einfach mal 5 Jahre pausiert hab, dürfte auch nen schlechteren Eindruck machen als mit 27 Jahren wirklich erst damit anzufangen. Ich habe für diese Lücken auch keine Erklärung und zwar die meiste Zeit 20h gearbeitet, aber nicht immer.
Und selbst, dass mein Lebenslauf mir bei guten Noten nicht schaden würde, ist mMn nicht ganz sicher: Als ich mit Jura anfing, hab ich gehofft, dass bald nicht mehr nur die Noten zählen, sondern man auch mit nem gutem Lebenslauf punkten kann. Jetzt hoffe ich eher, dass diese (zu nem gewissen Maß sinnvolle) Entwicklung nicht eintritt. Könnte mir aber vorstellen, dass zu meinem Berufseinstieg den Noten etwas weniger Gewicht zukommt.
Klar, ab jetzt könnte ich bzgl Lebenslauf alles „richtig“ machen, aber bisher lief eben alles falsch.
· Vielleicht mehr Versagensangst wegen Alter + Schulden
· Psyche: Seit ich realisiert hab, was ich angerichtet hab, bin ich allgemein in ner suboptimalen mentalen Verfassung. Auch hier weiß ich nicht, ob sich das ändern wird. Denn die Situation ist nun mal verkorkst und Jura kann mir ja bis nach dem 1. Stex gar keine echten Erfolgserlebnisse verschaffen.
· Schlechteres soziales Netzwerk. Kenne natürlich noch niemanden, der dann mit mir Examen schreibt. Für die Examensvorbereitung könnte man dann sicher eine Lerngruppe gründen, aber es dürfte schon schwerer sein, Anschluss zu finden.
Zusammengefasst ist die Ungewissheit das mit Abstand größte Problem. Wäre es ausreichend sicher, dass man mit harter Arbeit über viele Jahre auch Erfolg haben wird (wie bei Medizin), würde ich es wagen.
Alternativen:
· Duales Studium im öffentlichen Dienst, v.a. Finanzwirt, eventuell auch Rechtspfleger oder Verwaltung
· Wirtschaftsinformatik an FH
Mein vorläufiger Plan ist wohl, Jura nochmal ne Zeit lang zu probieren und vor allem in 2 Monaten 2 Klausuren zu schreiben, um Feedback zu bekommen. Wenn ich mir dann nicht zutraue, mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit einigermaßen gute Noten zu bekommen, würde ich eben zu einer meiner Alternativen wechseln. Habe mich für die genannten dualen Studiengänge beworben und könnte damit ja ohnehin erst zum Wintersemester beginnen.
Ich fürchte aber, dass der Erkenntnisgewinn in den paar Monaten begrenzt sein wird. Jura ist ja nichts komplett neues für mich. Wirklich interessant wird es doch eh erst, wenn es auf das Examen zugeht. Andererseits will ich mir eigentlich nicht mehr Zeit geben.
Meine Situation macht mich gerade ziemlich fertig und ich kann kaum klar denken. Ich wechsle normalerweise auch nicht in jedem zweiten Satz die Zeitform und kann meine Gedanken strukturierter ausdrücken als ich es hier wohl getan habe. :D
Sollte ich es wagen oder ist es zu spät?
ich bin fast 27, habe bisher nur Abi und Führerschein und überlege, nach 5 Jahren Pause nochmal von vorne mit Jura anzufangen.
Nach dem Abi 2 Semester BWL studiert, dann 2016 im Alter von 20,5 zu Jura gewechselt.
Erste 2 Semester noch einigermaßen normal studiert, aber auch da schon anderes im Kopf gehabt. Im dritten Semester dann die letzten Klausuren geschrieben. Noten waren für den Lernaufwand recht gut.
Dann von April 2018 bis Anfang 2021 absolut gar nichts mehr mit Jura zu tun gehabt.
In dieser Zeit immer mindestens 20 Stunden pro Woche in verschiedenen Startups gearbeitet. Mehrmals ernsthaft überlegt, Medizin zu studieren. Da auch viele Praktika gemacht. Eigentliches, sehr vage formuliertes Ziel war aber, mir irgendwann mal was Eigenes aufzubauen – hab jedoch auch damit nie begonnen.
Anfang 2021 wieder kurz über Jura nachgedacht und eine Klausur geschrieben, die Überlegungen dann aber wieder verworfen und gearbeitet.
Nun mit fast 27 Jahren endgültig realisiert, dass ich doch noch „ganz normal“ studieren will und dass Jura mit Abstand mein Favorit ist. Vor 2 Monaten Hausarbeit geschrieben und angefangen, ordentlich zu lernen, was mich in diesem Vorhaben bisher bestärkt.
Von den Scheinen her bin ich mit dem 3. Semester fertig + Fremdsprachenschein + Schlüsselqualifikation + sämtliche anwesenheitspflichtigen Veranstaltungen abgehakt. Das bringt mir allerdings kaum was, da ich ja sowieso den ganzen Stoff wiederholen muss. Eventuell spare ich so ein Semester bei der Wiederholung des Stoffes – macht den Braten nun auch nicht mager. Dass ich jetzt einfach im 3. Semester einsteigen und dann in 6 Semestern das 1. Stex schreiben kann, denke ich eher nicht.
Habe mich bereits sehr ausgiebig (eher exzessiv) mit Jura beschäftigt und hier in den letzten Wochen auch sämtliche Beiträge zum Thema „Jura im hohen Alter“ gelesen.
Meine Bedenken:
1. Alter
2. Ungewissheit, ob ich am Ende ausreichende Noten bekomme
Zu 1.: Ich habe viel darüber nachgedacht und mit Freunden und Eltern darüber geredet, ob es „ok“ ist, mit 27-34 Jahren noch zu studieren. Ergebnis: Kann jetzt nicht sagen, ob ich es irgendwann bereuen werde. Aktuell macht mir das Jurastudentenleben noch (am meisten) Spaß, aber mit 30-34?
Zu 2.: Das ist das eigentliche Problem und im Moment denke ich eher, dass mein Vorhaben hieran scheitert. Diese Ungewissheit, ob man am Ende ausreichend gute Noten bekommt, war für mich auch schon vor Beginn des Jurastudiums das größte Contra-Argument. Jetzt habe ich allerdings die Kombination Alter + Ungewissheit, was nochmal ne ganz andere Nummer ist. Selbst wenn ich nicht erst im 2., sondern bereits im 1. Stex eine schlechte Note bekäme, wäre ich schon mindestens 30. Die Vorstellung, dann nochmal was anderes anzufangen, ist schon ziemlich gruselig. Der absolute Worst Case wäre ein Scheitern im 2. Stex (= nicht nur Durchfallen, sondern auch zu schlechte Note). Dann wäre ich 34 und hätte lediglich Abi und ein schlechtes 2. Stex. Und zusätzlich mindestens 8.000-15.000€ Schulden. Habe die finanzielle Lage bereits mit verschiedenen Szenarien durchkalkuliert. Klar, das bekäme ich schon irgendwann irgendwie abbezahlt, aber trotzdem hätte ich in diesem Szenario ja langfristig finanziell absolut versagt. Ich werde auch nicht viel erben o.Ä.
Ich brauche keinen großen Luxus, aber hätte wohl schon irgendwann gerne ein Kind und eine einigermaßen nette Wohnung. Ständig finanzielle Sorgen will ich aber auch nicht haben.
Bei uns bekommt man den LLB ohne jegliche Zusatzleistungen nach dem 6. Semester – der wäre mit meinem Lebenslauf wohl erst recht nutzlos. Vielleicht würde ich dann im Worst Case einen LLM machen und über das StB-Examen nachdenken – aber ob das noch vernünftig ist, nachdem man in einem juristischen Stex schlecht war, ist zu bezweifeln.
Ich weiß gar nicht, was ich dann tun würde. Dann käme wohl wirklich nur noch ein duales Studium in Frage. Oder ich würde programmieren lernen und mir da nen Job suchen.
Ich habe ausgiebig darüber nachgedacht, ob man nicht nebenbei irgendwas tun kann, was einem zumindest eine kleine Absicherung geben würde. Ergebnis: nein. Klar, ich könnte noch diverse Praktika machen und meine Ref-Stationen klug wählen, aber dass ich darüber Kontakte bekäme, die mir auch bei mittelmäßigen Noten nen Job verschaffen könnten, ist nicht zu erwarten. Für LLM oder Promotion bin ich dann wohl wirklich zu alt.
Könnte man mir versichern, dass man auch in 7 Jahren noch mit 2x befriedigend gute Chancen hat, wäre das schon ein starkes Pro-Argument für mich.
Ich würde es natürlich von vornherein als Vollzeitjob betrachten und habe mich schon ausführlich damit beschäftigt, wie man ordentlich lernt. Ich könnte von Anfang an mit Fokus aufs Stex lernen. Und Motivationsprobleme hätte ich definitiv nicht. Aber ich denke, das sieht bei genug anderen ähnlich aus.
Pro:
· Interesse: Keine der Alternativen finde ich annähernd so interessant bzw es bereitet mir kein Fach so viel Freude. Was ich bisher interessanter fand, war halt mein „restliches Leben“.
Habe nach dem 3. Semester quasi als letzte Amtshandlung ein Praktikum gemacht, was mir eigentlich auch gut gefiel.
· Eignung: Ich bin mir sicher, dass ich „eigentlich“ ein Talent für Jura habe/hatte. Das wurde mir von Kommilitonen, aber auch durch Noten bestätigt, wenn ich denn mal ordentlich gelernt hatte (ich weiß, nicht vergleichbar mit Examen).
· Bereue nicht, es nicht versucht zu haben. Ich bin mir relativ sicher, dass ich das mal mehr, mal weniger bereuen würde, wenn ich jetzt eine meiner Alternativen (s. u.) wähle. Das könnten allerdings auch normale „Grass is greener“-Gedanken sein, die ich ignorieren müsste.
Würde ich mich aber für eine dieser Alternativen entscheiden, wäre jedem meiner ehemaligen Kollegen und Kommilitonen klar, dass ich das nur tun würde, weil ich damit zu 99% nicht komplett scheitern könnte.
· Berufliche Perspektiven: Auch hier gilt das zu Interesse und Eignung geschriebene, soweit ich das jetzt beurteilen kann.
· Verdienstmöglichkeiten, wenn es einigermaßen gut läuft: Es müssen nicht >100k sein, aber zB 2x befriedigend zu erreichen und dann langfristig vielleicht 80k zu verdienen klingt für mich schon attraktiv.
Die Kehrseite der Jura-Medaille ist ja eben auch, dass 2x gute Noten meinen bisherigen Lebenslauf fast ungeschehen machen würden.
Verdienstausfall habe ich in den 7 Jahren gar nicht bis kaum: würde bei meinen Alternativen während den 3 Jahren Studium kaum mehr arbeiten können und danach zwar früher, aber weniger verdienen.
· Arbeitsmarktprognose: Ich würde wohl genau zum Zeitpunkt des Boomer-Renteneintritts fertig werden. Ich weiß, man kann kaum vorhersagen, was das dann tatsächlich für Auswirkungen hat und ob das nicht durch irgendwelche negativen Entwicklungen ausgeglichen wird. Außerdem werden die Einstellungen wohl schon in den Jahren davor erhöht.
Würden einigermaßen planbare Noten aber reichen, würde das meine Überlegungen schon stark beeinflussen.
Contra:
· Ungewissheit bzgl Noten: Worst Case: mit 34 mit nichts bzw. schlechtem 2. Stex dazustehen + 15.000€ Schulden)
· Alter allgemein iVm Dauer: Werde ich es bereuen,
a) in meinen 30gern immer noch zu studieren,
b) erst mit 34 richtig Geld zu verdienen und vorher nur 520€ bzw dann Refgehalt,
c) bis ganz zum Ende nicht zu wissen, ob ich in dem einen Leben, das ich habe, finanziell endgültig versagt habe?
· Eignung jetzt und in Zukunft: Wie gesagt, bin ich mir sicher, mal gut für Jura geeignet gewesen zu sein. Ich muss mir aber auch eingestehen, dass meine Kognition nach der Erkenntnis, in welche Situation ich mich gebracht hab, ziemlich gelitten hat. Ich könnte mir vorstellen, dass das nachlässt, wenn ich mich endlich festlege und einem Ziel entgegenarbeite. Es könnte aber auch so bleiben. Dann wären normale Semesterklausuren, die man abhaken und vergessen kann, deutlich machbarer als zwei Staatsexamen.
Was mir mit meiner aktuellen mentalen Verfassung am schwersten fällt, sind wohl genau die Klausurenschreib-Skills, die man im Examen braucht. Sieht man glaube ich auch an der „Struktur“ dieses Beitrags. Sehr viel Stoff auswendig zu lernen und dann am besten Multiple Choice funktioniert noch gut – hatte bei einem Medizin-Aufnahmetest nen guten Rang.
Aber mir 5h richtig einzuteilen und richtige Schwerpunkte zu setzen? Fraglich, ob ich das (wieder) lernen kann. Ich fürchte auch, dass diese Art von Klausur deutlich eher Blackouts begünstigt als mehrere kurze Aufgaben.
· Lebenslauf + Alter: Ist bei guten Noten ja eher unwichtig, aber
a) mir geht es ja um das Szenario, bei dem ich keine guten Noten bekomme
b) mein Lebenslauf sieht halt schon anders aus als „mal 1-2 Jahre Pause gemacht“.
Da stehen dann bis zum 1. Stex 20 Semester. Und dass ich Jura einfach mal 5 Jahre pausiert hab, dürfte auch nen schlechteren Eindruck machen als mit 27 Jahren wirklich erst damit anzufangen. Ich habe für diese Lücken auch keine Erklärung und zwar die meiste Zeit 20h gearbeitet, aber nicht immer.
Und selbst, dass mein Lebenslauf mir bei guten Noten nicht schaden würde, ist mMn nicht ganz sicher: Als ich mit Jura anfing, hab ich gehofft, dass bald nicht mehr nur die Noten zählen, sondern man auch mit nem gutem Lebenslauf punkten kann. Jetzt hoffe ich eher, dass diese (zu nem gewissen Maß sinnvolle) Entwicklung nicht eintritt. Könnte mir aber vorstellen, dass zu meinem Berufseinstieg den Noten etwas weniger Gewicht zukommt.
Klar, ab jetzt könnte ich bzgl Lebenslauf alles „richtig“ machen, aber bisher lief eben alles falsch.
· Vielleicht mehr Versagensangst wegen Alter + Schulden
· Psyche: Seit ich realisiert hab, was ich angerichtet hab, bin ich allgemein in ner suboptimalen mentalen Verfassung. Auch hier weiß ich nicht, ob sich das ändern wird. Denn die Situation ist nun mal verkorkst und Jura kann mir ja bis nach dem 1. Stex gar keine echten Erfolgserlebnisse verschaffen.
· Schlechteres soziales Netzwerk. Kenne natürlich noch niemanden, der dann mit mir Examen schreibt. Für die Examensvorbereitung könnte man dann sicher eine Lerngruppe gründen, aber es dürfte schon schwerer sein, Anschluss zu finden.
Zusammengefasst ist die Ungewissheit das mit Abstand größte Problem. Wäre es ausreichend sicher, dass man mit harter Arbeit über viele Jahre auch Erfolg haben wird (wie bei Medizin), würde ich es wagen.
Alternativen:
· Duales Studium im öffentlichen Dienst, v.a. Finanzwirt, eventuell auch Rechtspfleger oder Verwaltung
· Wirtschaftsinformatik an FH
Mein vorläufiger Plan ist wohl, Jura nochmal ne Zeit lang zu probieren und vor allem in 2 Monaten 2 Klausuren zu schreiben, um Feedback zu bekommen. Wenn ich mir dann nicht zutraue, mit ausreichend hoher Wahrscheinlichkeit einigermaßen gute Noten zu bekommen, würde ich eben zu einer meiner Alternativen wechseln. Habe mich für die genannten dualen Studiengänge beworben und könnte damit ja ohnehin erst zum Wintersemester beginnen.
Ich fürchte aber, dass der Erkenntnisgewinn in den paar Monaten begrenzt sein wird. Jura ist ja nichts komplett neues für mich. Wirklich interessant wird es doch eh erst, wenn es auf das Examen zugeht. Andererseits will ich mir eigentlich nicht mehr Zeit geben.
Meine Situation macht mich gerade ziemlich fertig und ich kann kaum klar denken. Ich wechsle normalerweise auch nicht in jedem zweiten Satz die Zeitform und kann meine Gedanken strukturierter ausdrücken als ich es hier wohl getan habe. :D
Sollte ich es wagen oder ist es zu spät?
22.12.2022, 23:47
Der durchschnittliche Absolvent ist nach dem 2. Staatsexamen fast 30 Jahre alt. So viel drüber würdest du mit 34 Jahren auch nicht drüber liegen. Aber ob das in dem Zeitraum überhaupt klappt ist eine andere Frage. Das kann dann schnell auch mal ein paar Jahre länger werden, wenn du dich nicht fit genug fürs Examen fühlst oder gar beim Erstversuch durchfällst.
Ich glaube nicht, dass der Trend wirklich so ist, wie du ihn dir vorstellst. Dass Noten weniger wichtig werden liegt ja nicht daran, dass die Kanzleien und der Staat weniger Wert darauf legen, sondern daran, dass es weniger Absolventen gibt. Wenn du zwei 10-Punkte-Examina hast, stichst du auch bei deinem Lebenslauf noch gegenüber einem Kandidate mit 2x6 heraus.
In der Tat ist es aber wichtiger, sich damit zu beschäftigen, welche Jobaussichten man mit eher nicht so tollen Noten hat. Und da spielt dir dann eben doch wieder der demographische Wandel in die Karten. Mancher Arbeitgeber hat dann vielleicht noch die Wahl, entweder dich mit im Worst Case 2x4 Punkten einzustellen, oder niemanden.
Im Allgemeinen sind deine Jobaussichten natürlich kaum seriös zu beantworten. Ich denke aber nicht, dass du Angst haben musst, mit schlechten Noten nichts zu finden. Du wirst dir deinen Job dann wohl nicht aussuchen können, das wär aber auch heute nicht anders.
Empfehlen würde ich dir daher, früh zu networken und auf einen stringenten Jura-Lebenslauf zu achten. Versuch irgendwo einen Job als SHK in einer Kanzlei zu finden und wähle einen Schwerpunktbereich, in dem du dir auch vorstellen kannst, später zu arbeiten. Im Ref hast du dann mit der Anwalts- und Wahlstation zwei Möglichkeiten, dir eine Station zu suchen, die auch als Arbeitgeber in Betracht kommt und die mit deinem Schwerpunktbereich aus der Uni harmoniert.
Den integrierten LLB würde ich auch nicht unterschätzen. Gerade wenn es mit dem Staatsexamen am Ende scheitert hast du damit einen formalen Abschluss. Das mag für manche E9-Stellen in der Verwaltung reichen und die schauen sicher noch weniger aufs Alter als private Arbeitgeber.
Ob es sich am Ende lohnt wird man jetzt nicht sagen können. Wenn du es nicht probierst wirst du dich sicher immer nach dem "was wäre wenn" fragen. Auch bei deinen angedachten Alternativen kannst du dir nicht sicher sein, ob du es schaffst oder ob du nach ein paar Jahren ohne Abschluss darstehst.
Zitat:Als ich mit Jura anfing, hab ich gehofft, dass bald nicht mehr nur die Noten zählen, sondern man auch mit nem gutem Lebenslauf punkten kann. Jetzt hoffe ich eher, dass diese (zu nem gewissen Maß sinnvolle) Entwicklung nicht eintritt. Könnte mir aber vorstellen, dass zu meinem Berufseinstieg den Noten etwas weniger Gewicht zukommt.
Ich glaube nicht, dass der Trend wirklich so ist, wie du ihn dir vorstellst. Dass Noten weniger wichtig werden liegt ja nicht daran, dass die Kanzleien und der Staat weniger Wert darauf legen, sondern daran, dass es weniger Absolventen gibt. Wenn du zwei 10-Punkte-Examina hast, stichst du auch bei deinem Lebenslauf noch gegenüber einem Kandidate mit 2x6 heraus.
In der Tat ist es aber wichtiger, sich damit zu beschäftigen, welche Jobaussichten man mit eher nicht so tollen Noten hat. Und da spielt dir dann eben doch wieder der demographische Wandel in die Karten. Mancher Arbeitgeber hat dann vielleicht noch die Wahl, entweder dich mit im Worst Case 2x4 Punkten einzustellen, oder niemanden.
Im Allgemeinen sind deine Jobaussichten natürlich kaum seriös zu beantworten. Ich denke aber nicht, dass du Angst haben musst, mit schlechten Noten nichts zu finden. Du wirst dir deinen Job dann wohl nicht aussuchen können, das wär aber auch heute nicht anders.
Empfehlen würde ich dir daher, früh zu networken und auf einen stringenten Jura-Lebenslauf zu achten. Versuch irgendwo einen Job als SHK in einer Kanzlei zu finden und wähle einen Schwerpunktbereich, in dem du dir auch vorstellen kannst, später zu arbeiten. Im Ref hast du dann mit der Anwalts- und Wahlstation zwei Möglichkeiten, dir eine Station zu suchen, die auch als Arbeitgeber in Betracht kommt und die mit deinem Schwerpunktbereich aus der Uni harmoniert.
Den integrierten LLB würde ich auch nicht unterschätzen. Gerade wenn es mit dem Staatsexamen am Ende scheitert hast du damit einen formalen Abschluss. Das mag für manche E9-Stellen in der Verwaltung reichen und die schauen sicher noch weniger aufs Alter als private Arbeitgeber.
Ob es sich am Ende lohnt wird man jetzt nicht sagen können. Wenn du es nicht probierst wirst du dich sicher immer nach dem "was wäre wenn" fragen. Auch bei deinen angedachten Alternativen kannst du dir nicht sicher sein, ob du es schaffst oder ob du nach ein paar Jahren ohne Abschluss darstehst.
23.12.2022, 00:00
naja, zu spät ist es nicht. Du kannst ja dann der nächste Thomas Fischer werden :-D.
Sicherheit gibt es nicht. Wenn du es willst, mach es. Es gibt keinen Grund, warum du bei Spaß daran und Fleiß kein solides Examen schreiben kannst.
Das mit den 2 Monaten probieren und dann entscheiden klingt ok, aber mir zu unentschlossen. Ich hab gerade bei deiner Fragestellung den Eindruck, das würde dich nur zum Verschieben der Entscheidung einladen.
Auch die anderen Optionen sind ok - ist halt die Frage, was du willst und die kannst nur du beantworten.
Sicherheit gibt es nicht. Wenn du es willst, mach es. Es gibt keinen Grund, warum du bei Spaß daran und Fleiß kein solides Examen schreiben kannst.
Das mit den 2 Monaten probieren und dann entscheiden klingt ok, aber mir zu unentschlossen. Ich hab gerade bei deiner Fragestellung den Eindruck, das würde dich nur zum Verschieben der Entscheidung einladen.
Auch die anderen Optionen sind ok - ist halt die Frage, was du willst und die kannst nur du beantworten.
23.12.2022, 09:50
Das Alter sollte für dich wirklich nicht der Ausschlussgrund sein! Da ich zunächst etwas anderes studiert hab, war ich auch so alt als ich mit dem Studium begonnen habe. Nach dem zweiten Examen war es in den Bewerbungsverfahren nach meinem Eindruck immer eher ein Vorteil. Gerade im öD! Am Ende hab ich mich doch für die GK entschieden und auch hier nie etwas negatives gehört.
Wie das Ganze ausgeht, das kann dir natürlich niemand sagen. Aber wenn es wirklich das ist, was du machen willst, dann musst du es doch wenigstens probieren?!
Wie das Ganze ausgeht, das kann dir natürlich niemand sagen. Aber wenn es wirklich das ist, was du machen willst, dann musst du es doch wenigstens probieren?!
23.12.2022, 10:57
(23.12.2022, 09:50)Diesdasananas schrieb: Das Alter sollte für dich wirklich nicht der Ausschlussgrund sein! Da ich zunächst etwas anderes studiert hab, war ich auch so alt als ich mit dem Studium begonnen habe. Nach dem zweiten Examen war es in den Bewerbungsverfahren nach meinem Eindruck immer eher ein Vorteil. Gerade im öD! Am Ende hab ich mich doch für die GK entschieden und auch hier nie etwas negatives gehört.
Wie das Ganze ausgeht, das kann dir natürlich niemand sagen. Aber wenn es wirklich das ist, was du machen willst, dann musst du es doch wenigstens probieren?!
echt? Ich dachte, gerade im öD wollen sie eher junge Absolventen
23.12.2022, 11:59
(23.12.2022, 10:57)Neuling schrieb:(23.12.2022, 09:50)Diesdasananas schrieb: Das Alter sollte für dich wirklich nicht der Ausschlussgrund sein! Da ich zunächst etwas anderes studiert hab, war ich auch so alt als ich mit dem Studium begonnen habe. Nach dem zweiten Examen war es in den Bewerbungsverfahren nach meinem Eindruck immer eher ein Vorteil. Gerade im öD! Am Ende hab ich mich doch für die GK entschieden und auch hier nie etwas negatives gehört.
Wie das Ganze ausgeht, das kann dir natürlich niemand sagen. Aber wenn es wirklich das ist, was du machen willst, dann musst du es doch wenigstens probieren?!
echt? Ich dachte, gerade im öD wollen sie eher junge Absolventen
Das war jedenfalls nicht mein Eindruck. Hab mich bei bei insgesamt vier Ministerien (Land und Bund) beworben und bei der Justiz - überall Zusagen bekommen. Im AC bzw den Gesprächen hab ich fast immer „Bewunderung“ dafür bekommen, dass ich so „spät“ nochmal von vorn angefangen habe. Und das erste Studium hatte wirklich exakt nichts mit Jura zu tun.
Und ganz ehrlich - man ist mit 35 immer noch jung und wird mindestens noch 30 Jahre arbeiten. Die fünf Jahre mehr oder weniger machen den Bock nicht fett.
23.12.2022, 14:34
Es gab schon mal einen sehr ähnlichen Thread vor ein paar Monaten. Kannst ja mal suchen.
Das Alter ist nicht relevant. Wir hatten an der Uni ein paar Leute, die mit 30/40/Ü60 angefangen haben Jura zu studieren. Da stellt sich keiner quer und sagt zu denen: "Lohnt sich nicht".
Zu den anderen habe ich keinen Kontakt mehr, aber der 30jährige ist heute Anwalt wie jeder andere Anwalt. Es steht ihm nicht auf der Stirn geschrieben, dass ihm rund 10 Jahre Berufserfahrung fehlen. Im Gegenteil hatte er den Vorteil, dass er von den Mandanten von Anfang an für voll genommen wurde, während manch anderer "Grünschnabel" von den Mandanten schräg angeschaut wird.
Wenn dich Jura jetzt definitiv interessiert, dann los.
Das Alter ist nicht relevant. Wir hatten an der Uni ein paar Leute, die mit 30/40/Ü60 angefangen haben Jura zu studieren. Da stellt sich keiner quer und sagt zu denen: "Lohnt sich nicht".
Zu den anderen habe ich keinen Kontakt mehr, aber der 30jährige ist heute Anwalt wie jeder andere Anwalt. Es steht ihm nicht auf der Stirn geschrieben, dass ihm rund 10 Jahre Berufserfahrung fehlen. Im Gegenteil hatte er den Vorteil, dass er von den Mandanten von Anfang an für voll genommen wurde, während manch anderer "Grünschnabel" von den Mandanten schräg angeschaut wird.
Wenn dich Jura jetzt definitiv interessiert, dann los.
23.12.2022, 19:57
Würde es machen.
Ist denn dein Plan langfristig immer noch, was eigenes aufzubauen? Grade dann finde ich, eignet sich Jura sehr gut. Eine Eigene Kanzlei geht mit allen Noten und die Mandanten kennen die nicht.
Auch in 6 Semestern Examen zu schreiben halte ich für nicht gerade gewagt, wenn du die Scheine etc. schon hast. Meine eigene Examensvorbereitung zumindest war eigentlich nur das Repetitorium, das ging ein Jahr und dann noch drei Monate wiederholen. Alles vor dem Rep war ohnehin irrelevant, da habe ich zum ersten Mal gelernt, wie Jura geht.
Erst mit Mitte 30 Geld zu verdienen und dann noch kein Vermögen zu haben, also jeden Monat noch entsprechend sparen müssen, gleichzeitig ein paar Käufe, die man als Student nicht machen konnte usw (also den Lebensstandard erhöhen), ist schon ein bisschen nervig. Das zieht sich dann etwas, aber so ist das eben. Kinder dann eben mit Ende 30. Gibt aber schlimmeres. Du wirst wahrscheinlich noch 50-70 Jahre leben, was interessieren dich da die drei Jahre, die du später im Job bist.
Die einzige Frage, die ich mir stellen würde, ist, ob ich das tatsächlich als Vollzeitjob sehen und entsprechend durchziehen könnte. Falls du das mit "ja" beantworten kannst, wovon ich mit 27 ausgehe, sehe ich keine Probleme. Falls du aber deiner Erfahrung nach in ein Rumpimmeln verfallen würdest, würde ich dir evtl abraten.
Ist denn dein Plan langfristig immer noch, was eigenes aufzubauen? Grade dann finde ich, eignet sich Jura sehr gut. Eine Eigene Kanzlei geht mit allen Noten und die Mandanten kennen die nicht.
Auch in 6 Semestern Examen zu schreiben halte ich für nicht gerade gewagt, wenn du die Scheine etc. schon hast. Meine eigene Examensvorbereitung zumindest war eigentlich nur das Repetitorium, das ging ein Jahr und dann noch drei Monate wiederholen. Alles vor dem Rep war ohnehin irrelevant, da habe ich zum ersten Mal gelernt, wie Jura geht.
Erst mit Mitte 30 Geld zu verdienen und dann noch kein Vermögen zu haben, also jeden Monat noch entsprechend sparen müssen, gleichzeitig ein paar Käufe, die man als Student nicht machen konnte usw (also den Lebensstandard erhöhen), ist schon ein bisschen nervig. Das zieht sich dann etwas, aber so ist das eben. Kinder dann eben mit Ende 30. Gibt aber schlimmeres. Du wirst wahrscheinlich noch 50-70 Jahre leben, was interessieren dich da die drei Jahre, die du später im Job bist.
Die einzige Frage, die ich mir stellen würde, ist, ob ich das tatsächlich als Vollzeitjob sehen und entsprechend durchziehen könnte. Falls du das mit "ja" beantworten kannst, wovon ich mit 27 ausgehe, sehe ich keine Probleme. Falls du aber deiner Erfahrung nach in ein Rumpimmeln verfallen würdest, würde ich dir evtl abraten.
26.12.2022, 11:32
Die einzige Frage ist, ob Du nach allem noch bereit dazu bist, Dich durchzubeißen. Wenn Du bei der ersten Schwierigkeit denkst: "Hab ich das in meinem Alter und mit meiner Erfahrung noch nötig?", dann hast Du schon verloren.
Du schreibst: "allgemein in ner suboptimalen mentalen Verfassung" - das ist daher ungünstig. Du musst Dir klarmachen, dass bislang nichts Schlimmes passiert ist, Du hast Erfahrung gesammelt und gut ist. Wenn Du es so sehen kannst, zieh es durch.
Du schreibst: "allgemein in ner suboptimalen mentalen Verfassung" - das ist daher ungünstig. Du musst Dir klarmachen, dass bislang nichts Schlimmes passiert ist, Du hast Erfahrung gesammelt und gut ist. Wenn Du es so sehen kannst, zieh es durch.
28.12.2022, 11:33
(22.12.2022, 23:47)sl4442 schrieb:Zitat:Als ich mit Jura anfing, hab ich gehofft, dass bald nicht mehr nur die Noten zählen, sondern man auch mit nem gutem Lebenslauf punkten kann. Jetzt hoffe ich eher, dass diese (zu nem gewissen Maß sinnvolle) Entwicklung nicht eintritt. Könnte mir aber vorstellen, dass zu meinem Berufseinstieg den Noten etwas weniger Gewicht zukommt.
Ich glaube nicht, dass der Trend wirklich so ist, wie du ihn dir vorstellst. Dass Noten weniger wichtig werden liegt ja nicht daran, dass die Kanzleien und der Staat weniger Wert darauf legen, sondern daran, dass es weniger Absolventen gibt. Wenn du zwei 10-Punkte-Examina hast, stichst du auch bei deinem Lebenslauf noch gegenüber einem Kandidate mit 2x6 heraus.
In der Tat ist es aber wichtiger, sich damit zu beschäftigen, welche Jobaussichten man mit eher nicht so tollen Noten hat. Und da spielt dir dann eben doch wieder der demographische Wandel in die Karten. Mancher Arbeitgeber hat dann vielleicht noch die Wahl, entweder dich mit im Worst Case 2x4 Punkten einzustellen, oder niemanden.
Im Allgemeinen sind deine Jobaussichten natürlich kaum seriös zu beantworten. Ich denke aber nicht, dass du Angst haben musst, mit schlechten Noten nichts zu finden. Du wirst dir deinen Job dann wohl nicht aussuchen können, das wär aber auch heute nicht anders.
Empfehlen würde ich dir daher, früh zu networken und auf einen stringenten Jura-Lebenslauf zu achten. Versuch irgendwo einen Job als SHK in einer Kanzlei zu finden und wähle einen Schwerpunktbereich, in dem du dir auch vorstellen kannst, später zu arbeiten. Im Ref hast du dann mit der Anwalts- und Wahlstation zwei Möglichkeiten, dir eine Station zu suchen, die auch als Arbeitgeber in Betracht kommt und die mit deinem Schwerpunktbereich aus der Uni harmoniert.
Den integrierten LLB würde ich auch nicht unterschätzen. Gerade wenn es mit dem Staatsexamen am Ende scheitert hast du damit einen formalen Abschluss. Das mag für manche E9-Stellen in der Verwaltung reichen und die schauen sicher noch weniger aufs Alter als private Arbeitgeber.
Ob es sich am Ende lohnt wird man jetzt nicht sagen können. Wenn du es nicht probierst wirst du dich sicher immer nach dem "was wäre wenn" fragen. Auch bei deinen angedachten Alternativen kannst du dir nicht sicher sein, ob du es schaffst oder ob du nach ein paar Jahren ohne Abschluss darstehst.
Ich meinte eher, dass diese Entwicklung jetzt noch beginnen könnte und dann eben in 7 Jahren (wenn ich fertig bin) Alter und Lebenslauf relevanter sein könnten.
Dass der Arbeitsmarkt in 7 Jahren mit wohl nicht so geringer Wahrscheinlichkeit noch ähnlich gut wie heute aussehen könnte, ist für mich ein ziemlich starkes Pro-Argument. Oder andersrum: Wenn man jetzt schon relativ sicher sagen könnte, dass die Jobaussichten in 7 Jahren so sein werden, wie sie in den schlimmsten Zeiten waren (= wirklich 2x VB als Vss.), dann würde ich es höchstwahrscheinlich lassen.
Als SPB hab ich aus genau diesem Grund Gesellschaftsrecht gewählt (besuche gerade nur die VL und schreibe die Klausur erst nächstes Jahr).
Dass Praktika, Ref-Stationen, SPB etc geholfen haben, hab ich bisher fast nur bei Leuten mit wirklich unterdurchschnittlichen Noten gelesen, die dadurch dann mit vielleicht 40.000€ eingestiegen sind. Deswegen hat mir das bisher eher weniger Mut gemacht.
Die Alternativen, die ich hier genannt hab, sind schon absichtlich wirklich "sicher" gewählt. Zumindest einen Abschluss würde ich da zu 99% bekommen. Das schwerste wäre vielleicht der Diplom-Finanzwirt - aber da sind die Noten dann wiederum auch nicht so wichtig.
Die Ungewissheit bei Wirtschaftsinformatik o.ä. wäre eine andere: ob ich in dem Bereich mit meinem Lebenslauf wirklich noch was reißen kann. Hier läge der Fokus deutlich weniger auf dem Studium und dafür mehr auf Praktika etc, was mir denke ich eher weniger zusagt.










