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In GK gescheitert, nun krank (depressiv?) - welche Möglichkeiten danach
Gast
Unregistered
 
#81
11.10.2022, 08:24
(10.10.2022, 21:23)Desperados schrieb:  
(10.10.2022, 15:21)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 14:37)Desperados schrieb:  Gut, das waren jetzt einige gute (und auch ohne Stolpersteine im Stream - think of: Wartezeit beim Therapeuten) wie zeitnah umsetzbare Vorschläge, meine Situation zu verbessern. 

Ich bin nicht daran interessiert, Richtern und Verwaltungsjuristen ungewollt blöd zu kommen, insofern danke ich für den Input von Eurer Seite und werde mich an die Umsetzung der Vorschläge, die ich mir schon rausgeschrieben und priorisiert habe, machen. 

Ich gebe Euch in einiger Zeit Rückmeldung. Danke.

Dann stehst Du irgendwann vor der Wahl, vor der viele overachiever (insb. in GKen) irgendwann stehen: Nimm Dir die Zeit für Dich (kannst ja parallel mal einen Arzt/Coach suchen, um mit Dir ins Reine zu kommen), ansonsten tut es irgendwann Dein Körper selbst und das ist unschön. Musst Du selbst wissen, ob Du weiterhin so leistungs-/erfolgsgetrieben arbeiten willst, klingt aber eher danach, als lebst Du aktuell für die vermeintlichen Erwartungen anderer (die wirst Du eh nie erfüllen können, falls Dir Deine Eltern überhaupt jemals klipp und klar eine bestimmte "Erwartung" kommuniziert haben (bei overachievern ist das regelmäßig nicht der Fall, die Eltern geben einem abstrakte Erwartungen mit, aber nichts Konkretes wie - Du musst Chefarzt in Krankenhaus xy werden in z Bereich - wie sollst du nicht wirklich existente Erwartungen erfüllen?). Naja, das geht jetzt zu weit hier, das waren nur mal so ein paar Punkte, die mir mal auf den Weg gegeben wurden und mir geht es inzwischen extrem viel besser in meinem (was ich früher auch eher als "Abstieg" gesehen habe) nicht-mehr-GK-Job, in dem ich nicht weniger beruflich erfolgreich bin.

Es freut mich zu hören, dass Du eine zunächst schwierige Situation ("was ich früher auch eher als 'Abstieg' gesehen habe") für Dich ins Positive gewendet hast.

Wie war denn da (grob zusammengefasst) der Prozess? Du hast die GK verlassen, hast irgendwas anderes gemacht und das anfangs als Abstieg gesehen. Wann war denn der Moment, in dem du dies als positive Wendung wahrgenommen hast? Wer/was hat das Erkennen des Wendepunktes beeinflusst / hervorgerufen? Erfolge in der Post-GK-Tätigkeit? Privatleben umgekrempelt? 

Klar, ich muss scheinbar davon "runterkommen", mich als Persönlichkeit über meinen CV zu definieren. Aber das ist ja ein (längerer) Prozess, ich kann ja nicht morgen aufstehen, mich vor den Spiegel stellen und sagen: "Du bist als Mensch auch ohne T1-Partnertrack okay."

Danke Dir. Der Prozess fing etwa 1,5 Jahre vor dem Exit an, ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe im Laufe der Zeit schon körperliche und mentale Veränderungen gemerkt. Ich hab es aber eine ganze Zeit lang komplett ignoriert und einfach weiter funktioniert, weil man ja nicht einfach "aufgeben" kann und ja in der GK auch oft die Linie ist "wer Inhouse/in die Verwaltung/zum Staat aus der geilen GK geht, schafft entweder das Pensum nicht oder will diese work-life balance, von der die faulen Millenials immer reden". Für mich war es tatsächlich eine Entscheidung im Sinne von "entweder, du änderst deine Einstellung und zwingst dich, woanders hinzugehen" oder "du bleibst und landest im Krankenhaus". 

Ich habe das Glück, sehr viel Rückhalt in meinem privaten Umfeld zu haben und auch viele andere aus GKen zu kennen, die richtig ins Burnout (mit monatelanger Krankschreibung etc) geraten sind. Ich habe eine Therapeutin in meinem privaten Umfeld, die mir sehr geholfen hat, mir über mich klar zu werden und wie ich wieder anfangen kann, zu mir zu finden und mit mir zufrieden zu sein. Ich bin jetzt Inhouse und muss sagen, dass natürlich nicht alles geil ist, aber dass ich jetzt wenigstens weiß, wann ich abends nach Hause komme und am Wochenende wirklich Zeit für mich habe, hat sich voll gelohnt. Aber ja, ich gehe parallel zum Job auch noch zu einem Coach, der mir hilft, besser mit dem selbst gemachten Druck klar zu kommen. Ich hab schon mehrmals hier gesagt, dass Dir professionelle Hilfe wirklich zu Gute kommen könnte und das meine ich ernst. Ich kann mir vorstellen, dass auch das für dich etwas ist, dass nur "Loser" und "Schwache" machen, aber das ist Quatsch. Ich kann Dir leider keine besseren Tips geben, weil es meiner Meinung nach wirklich ein Selbstfindungsprozess ist, bei dem nur du dir helfen kannst (natürlich mit Hilfe). Da gibt es kein Blueprint - Du musst lernen, Dich zu mögen und Dich nicht mehr nur über Leistung zu definieren. Es ist nicht einfach, aber gib Dir lieber JETZT Mühe, es kann sonst unaufhaltsam sein. Ich habe es leider schon ein paar Mal bei recht jungen Anwälten wie uns gesehen - das ist alles kein Scheitern, aber Du setzt Dich selbst krass unter Druck, obwohl Du das gar nicht brauchst. Ich drück Dir die Daumen, vergiss nicht, dass Du eine Person bist, die viel mehr zu bieten hat, als dein CV.

Es ist übrigens Mental Health Week - nehmt Euch eine kleine Auszeit und genießt das Wetter.
Ex-GK
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#82
11.10.2022, 09:30
(11.10.2022, 08:24)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 21:23)Desperados schrieb:  
(10.10.2022, 15:21)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 14:37)Desperados schrieb:  Gut, das waren jetzt einige gute (und auch ohne Stolpersteine im Stream - think of: Wartezeit beim Therapeuten) wie zeitnah umsetzbare Vorschläge, meine Situation zu verbessern. 

Ich bin nicht daran interessiert, Richtern und Verwaltungsjuristen ungewollt blöd zu kommen, insofern danke ich für den Input von Eurer Seite und werde mich an die Umsetzung der Vorschläge, die ich mir schon rausgeschrieben und priorisiert habe, machen. 

Ich gebe Euch in einiger Zeit Rückmeldung. Danke.

Dann stehst Du irgendwann vor der Wahl, vor der viele overachiever (insb. in GKen) irgendwann stehen: Nimm Dir die Zeit für Dich (kannst ja parallel mal einen Arzt/Coach suchen, um mit Dir ins Reine zu kommen), ansonsten tut es irgendwann Dein Körper selbst und das ist unschön. Musst Du selbst wissen, ob Du weiterhin so leistungs-/erfolgsgetrieben arbeiten willst, klingt aber eher danach, als lebst Du aktuell für die vermeintlichen Erwartungen anderer (die wirst Du eh nie erfüllen können, falls Dir Deine Eltern überhaupt jemals klipp und klar eine bestimmte "Erwartung" kommuniziert haben (bei overachievern ist das regelmäßig nicht der Fall, die Eltern geben einem abstrakte Erwartungen mit, aber nichts Konkretes wie - Du musst Chefarzt in Krankenhaus xy werden in z Bereich - wie sollst du nicht wirklich existente Erwartungen erfüllen?). Naja, das geht jetzt zu weit hier, das waren nur mal so ein paar Punkte, die mir mal auf den Weg gegeben wurden und mir geht es inzwischen extrem viel besser in meinem (was ich früher auch eher als "Abstieg" gesehen habe) nicht-mehr-GK-Job, in dem ich nicht weniger beruflich erfolgreich bin.

Es freut mich zu hören, dass Du eine zunächst schwierige Situation ("was ich früher auch eher als 'Abstieg' gesehen habe") für Dich ins Positive gewendet hast.

Wie war denn da (grob zusammengefasst) der Prozess? Du hast die GK verlassen, hast irgendwas anderes gemacht und das anfangs als Abstieg gesehen. Wann war denn der Moment, in dem du dies als positive Wendung wahrgenommen hast? Wer/was hat das Erkennen des Wendepunktes beeinflusst / hervorgerufen? Erfolge in der Post-GK-Tätigkeit? Privatleben umgekrempelt? 

Klar, ich muss scheinbar davon "runterkommen", mich als Persönlichkeit über meinen CV zu definieren. Aber das ist ja ein (längerer) Prozess, ich kann ja nicht morgen aufstehen, mich vor den Spiegel stellen und sagen: "Du bist als Mensch auch ohne T1-Partnertrack okay."

Danke Dir. Der Prozess fing etwa 1,5 Jahre vor dem Exit an, ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe im Laufe der Zeit schon körperliche und mentale Veränderungen gemerkt. Ich hab es aber eine ganze Zeit lang komplett ignoriert und einfach weiter funktioniert, weil man ja nicht einfach "aufgeben" kann und ja in der GK auch oft die Linie ist "wer Inhouse/in die Verwaltung/zum Staat aus der geilen GK geht, schafft entweder das Pensum nicht oder will diese work-life balance, von der die faulen Millenials immer reden". Für mich war es tatsächlich eine Entscheidung im Sinne von "entweder, du änderst deine Einstellung und zwingst dich, woanders hinzugehen" oder "du bleibst und landest im Krankenhaus". 

Ich habe das Glück, sehr viel Rückhalt in meinem privaten Umfeld zu haben und auch viele andere aus GKen zu kennen, die richtig ins Burnout (mit monatelanger Krankschreibung etc) geraten sind. Ich habe eine Therapeutin in meinem privaten Umfeld, die mir sehr geholfen hat, mir über mich klar zu werden und wie ich wieder anfangen kann, zu mir zu finden und mit mir zufrieden zu sein. Ich bin jetzt Inhouse und muss sagen, dass natürlich nicht alles geil ist, aber dass ich jetzt wenigstens weiß, wann ich abends nach Hause komme und am Wochenende wirklich Zeit für mich habe, hat sich voll gelohnt. Aber ja, ich gehe parallel zum Job auch noch zu einem Coach, der mir hilft, besser mit dem selbst gemachten Druck klar zu kommen. Ich hab schon mehrmals hier gesagt, dass Dir professionelle Hilfe wirklich zu Gute kommen könnte und das meine ich ernst. Ich kann mir vorstellen, dass auch das für dich etwas ist, dass nur "Loser" und "Schwache" machen, aber das ist Quatsch. Ich kann Dir leider keine besseren Tips geben, weil es meiner Meinung nach wirklich ein Selbstfindungsprozess ist, bei dem nur du dir helfen kannst (natürlich mit Hilfe). Da gibt es kein Blueprint - Du musst lernen, Dich zu mögen und Dich nicht mehr nur über Leistung zu definieren. Es ist nicht einfach, aber gib Dir lieber JETZT Mühe, es kann sonst unaufhaltsam sein. Ich habe es leider schon ein paar Mal bei recht jungen Anwälten wie uns gesehen - das ist alles kein Scheitern, aber Du setzt Dich selbst krass unter Druck, obwohl Du das gar nicht brauchst. Ich drück Dir die Daumen, vergiss nicht, dass Du eine Person bist, die viel mehr zu bieten hat, als dein CV.

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#83
11.10.2022, 12:27
(11.10.2022, 08:24)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 21:23)Desperados schrieb:  
(10.10.2022, 15:21)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 14:37)Desperados schrieb:  Gut, das waren jetzt einige gute (und auch ohne Stolpersteine im Stream - think of: Wartezeit beim Therapeuten) wie zeitnah umsetzbare Vorschläge, meine Situation zu verbessern. 

Ich bin nicht daran interessiert, Richtern und Verwaltungsjuristen ungewollt blöd zu kommen, insofern danke ich für den Input von Eurer Seite und werde mich an die Umsetzung der Vorschläge, die ich mir schon rausgeschrieben und priorisiert habe, machen. 

Ich gebe Euch in einiger Zeit Rückmeldung. Danke.

Dann stehst Du irgendwann vor der Wahl, vor der viele overachiever (insb. in GKen) irgendwann stehen: Nimm Dir die Zeit für Dich (kannst ja parallel mal einen Arzt/Coach suchen, um mit Dir ins Reine zu kommen), ansonsten tut es irgendwann Dein Körper selbst und das ist unschön. Musst Du selbst wissen, ob Du weiterhin so leistungs-/erfolgsgetrieben arbeiten willst, klingt aber eher danach, als lebst Du aktuell für die vermeintlichen Erwartungen anderer (die wirst Du eh nie erfüllen können, falls Dir Deine Eltern überhaupt jemals klipp und klar eine bestimmte "Erwartung" kommuniziert haben (bei overachievern ist das regelmäßig nicht der Fall, die Eltern geben einem abstrakte Erwartungen mit, aber nichts Konkretes wie - Du musst Chefarzt in Krankenhaus xy werden in z Bereich - wie sollst du nicht wirklich existente Erwartungen erfüllen?). Naja, das geht jetzt zu weit hier, das waren nur mal so ein paar Punkte, die mir mal auf den Weg gegeben wurden und mir geht es inzwischen extrem viel besser in meinem (was ich früher auch eher als "Abstieg" gesehen habe) nicht-mehr-GK-Job, in dem ich nicht weniger beruflich erfolgreich bin.

Es freut mich zu hören, dass Du eine zunächst schwierige Situation ("was ich früher auch eher als 'Abstieg' gesehen habe") für Dich ins Positive gewendet hast.

Wie war denn da (grob zusammengefasst) der Prozess? Du hast die GK verlassen, hast irgendwas anderes gemacht und das anfangs als Abstieg gesehen. Wann war denn der Moment, in dem du dies als positive Wendung wahrgenommen hast? Wer/was hat das Erkennen des Wendepunktes beeinflusst / hervorgerufen? Erfolge in der Post-GK-Tätigkeit? Privatleben umgekrempelt? 

Klar, ich muss scheinbar davon "runterkommen", mich als Persönlichkeit über meinen CV zu definieren. Aber das ist ja ein (längerer) Prozess, ich kann ja nicht morgen aufstehen, mich vor den Spiegel stellen und sagen: "Du bist als Mensch auch ohne T1-Partnertrack okay."

Danke Dir. Der Prozess fing etwa 1,5 Jahre vor dem Exit an, ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe im Laufe der Zeit schon körperliche und mentale Veränderungen gemerkt. Ich hab es aber eine ganze Zeit lang komplett ignoriert und einfach weiter funktioniert, weil man ja nicht einfach "aufgeben" kann und ja in der GK auch oft die Linie ist "wer Inhouse/in die Verwaltung/zum Staat aus der geilen GK geht, schafft entweder das Pensum nicht oder will diese work-life balance, von der die faulen Millenials immer reden". Für mich war es tatsächlich eine Entscheidung im Sinne von "entweder, du änderst deine Einstellung und zwingst dich, woanders hinzugehen" oder "du bleibst und landest im Krankenhaus". 

Ich habe das Glück, sehr viel Rückhalt in meinem privaten Umfeld zu haben und auch viele andere aus GKen zu kennen, die richtig ins Burnout (mit monatelanger Krankschreibung etc) geraten sind. Ich habe eine Therapeutin in meinem privaten Umfeld, die mir sehr geholfen hat, mir über mich klar zu werden und wie ich wieder anfangen kann, zu mir zu finden und mit mir zufrieden zu sein. Ich bin jetzt Inhouse und muss sagen, dass natürlich nicht alles geil ist, aber dass ich jetzt wenigstens weiß, wann ich abends nach Hause komme und am Wochenende wirklich Zeit für mich habe, hat sich voll gelohnt. Aber ja, ich gehe parallel zum Job auch noch zu einem Coach, der mir hilft, besser mit dem selbst gemachten Druck klar zu kommen. Ich hab schon mehrmals hier gesagt, dass Dir professionelle Hilfe wirklich zu Gute kommen könnte und das meine ich ernst. Ich kann mir vorstellen, dass auch das für dich etwas ist, dass nur "Loser" und "Schwache" machen, aber das ist Quatsch. Ich kann Dir leider keine besseren Tips geben, weil es meiner Meinung nach wirklich ein Selbstfindungsprozess ist, bei dem nur du dir helfen kannst (natürlich mit Hilfe). Da gibt es kein Blueprint - Du musst lernen, Dich zu mögen und Dich nicht mehr nur über Leistung zu definieren. Es ist nicht einfach, aber gib Dir lieber JETZT Mühe, es kann sonst unaufhaltsam sein. Ich habe es leider schon ein paar Mal bei recht jungen Anwälten wie uns gesehen - das ist alles kein Scheitern, aber Du setzt Dich selbst krass unter Druck, obwohl Du das gar nicht brauchst. Ich drück Dir die Daumen, vergiss nicht, dass Du eine Person bist, die viel mehr zu bieten hat, als dein CV.

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Geiler Typ, find den Beitrag echt stark!
Desperados
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#84
11.10.2022, 14:53
(11.10.2022, 08:24)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 21:23)Desperados schrieb:  
(10.10.2022, 15:21)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 14:37)Desperados schrieb:  Gut, das waren jetzt einige gute (und auch ohne Stolpersteine im Stream - think of: Wartezeit beim Therapeuten) wie zeitnah umsetzbare Vorschläge, meine Situation zu verbessern. 

Ich bin nicht daran interessiert, Richtern und Verwaltungsjuristen ungewollt blöd zu kommen, insofern danke ich für den Input von Eurer Seite und werde mich an die Umsetzung der Vorschläge, die ich mir schon rausgeschrieben und priorisiert habe, machen. 

Ich gebe Euch in einiger Zeit Rückmeldung. Danke.

Dann stehst Du irgendwann vor der Wahl, vor der viele overachiever (insb. in GKen) irgendwann stehen: Nimm Dir die Zeit für Dich (kannst ja parallel mal einen Arzt/Coach suchen, um mit Dir ins Reine zu kommen), ansonsten tut es irgendwann Dein Körper selbst und das ist unschön. Musst Du selbst wissen, ob Du weiterhin so leistungs-/erfolgsgetrieben arbeiten willst, klingt aber eher danach, als lebst Du aktuell für die vermeintlichen Erwartungen anderer (die wirst Du eh nie erfüllen können, falls Dir Deine Eltern überhaupt jemals klipp und klar eine bestimmte "Erwartung" kommuniziert haben (bei overachievern ist das regelmäßig nicht der Fall, die Eltern geben einem abstrakte Erwartungen mit, aber nichts Konkretes wie - Du musst Chefarzt in Krankenhaus xy werden in z Bereich - wie sollst du nicht wirklich existente Erwartungen erfüllen?). Naja, das geht jetzt zu weit hier, das waren nur mal so ein paar Punkte, die mir mal auf den Weg gegeben wurden und mir geht es inzwischen extrem viel besser in meinem (was ich früher auch eher als "Abstieg" gesehen habe) nicht-mehr-GK-Job, in dem ich nicht weniger beruflich erfolgreich bin.

Es freut mich zu hören, dass Du eine zunächst schwierige Situation ("was ich früher auch eher als 'Abstieg' gesehen habe") für Dich ins Positive gewendet hast.

Wie war denn da (grob zusammengefasst) der Prozess? Du hast die GK verlassen, hast irgendwas anderes gemacht und das anfangs als Abstieg gesehen. Wann war denn der Moment, in dem du dies als positive Wendung wahrgenommen hast? Wer/was hat das Erkennen des Wendepunktes beeinflusst / hervorgerufen? Erfolge in der Post-GK-Tätigkeit? Privatleben umgekrempelt? 

Klar, ich muss scheinbar davon "runterkommen", mich als Persönlichkeit über meinen CV zu definieren. Aber das ist ja ein (längerer) Prozess, ich kann ja nicht morgen aufstehen, mich vor den Spiegel stellen und sagen: "Du bist als Mensch auch ohne T1-Partnertrack okay."

Danke Dir. Der Prozess fing etwa 1,5 Jahre vor dem Exit an, ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe im Laufe der Zeit schon körperliche und mentale Veränderungen gemerkt. Ich hab es aber eine ganze Zeit lang komplett ignoriert und einfach weiter funktioniert, weil man ja nicht einfach "aufgeben" kann und ja in der GK auch oft die Linie ist "wer Inhouse/in die Verwaltung/zum Staat aus der geilen GK geht, schafft entweder das Pensum nicht oder will diese work-life balance, von der die faulen Millenials immer reden". Für mich war es tatsächlich eine Entscheidung im Sinne von "entweder, du änderst deine Einstellung und zwingst dich, woanders hinzugehen" oder "du bleibst und landest im Krankenhaus". 

Ich habe das Glück, sehr viel Rückhalt in meinem privaten Umfeld zu haben und auch viele andere aus GKen zu kennen, die richtig ins Burnout (mit monatelanger Krankschreibung etc) geraten sind. Ich habe eine Therapeutin in meinem privaten Umfeld, die mir sehr geholfen hat, mir über mich klar zu werden und wie ich wieder anfangen kann, zu mir zu finden und mit mir zufrieden zu sein. Ich bin jetzt Inhouse und muss sagen, dass natürlich nicht alles geil ist, aber dass ich jetzt wenigstens weiß, wann ich abends nach Hause komme und am Wochenende wirklich Zeit für mich habe, hat sich voll gelohnt. Aber ja, ich gehe parallel zum Job auch noch zu einem Coach, der mir hilft, besser mit dem selbst gemachten Druck klar zu kommen. Ich hab schon mehrmals hier gesagt, dass Dir professionelle Hilfe wirklich zu Gute kommen könnte und das meine ich ernst. Ich kann mir vorstellen, dass auch das für dich etwas ist, dass nur "Loser" und "Schwache" machen, aber das ist Quatsch. Ich kann Dir leider keine besseren Tips geben, weil es meiner Meinung nach wirklich ein Selbstfindungsprozess ist, bei dem nur du dir helfen kannst (natürlich mit Hilfe). Da gibt es kein Blueprint - Du musst lernen, Dich zu mögen und Dich nicht mehr nur über Leistung zu definieren. Es ist nicht einfach, aber gib Dir lieber JETZT Mühe, es kann sonst unaufhaltsam sein. Ich habe es leider schon ein paar Mal bei recht jungen Anwälten wie uns gesehen - das ist alles kein Scheitern, aber Du setzt Dich selbst krass unter Druck, obwohl Du das gar nicht brauchst. Ich drück Dir die Daumen, vergiss nicht, dass Du eine Person bist, die viel mehr zu bieten hat, als dein CV.

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Danke für die mega ausführliche Rückmeldung. Sie hat mir geholfen, die Dinge zumindest etwas klarer zu sehen.
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Desperados
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#85
11.10.2022, 14:55
(11.10.2022, 07:29)Gast schrieb:  Was mich wundert: Wenn du in der GK gar nichts reißt und alle unzufrieden mit dir sind, wie hast du dann die Probezeit überstanden?

Das Witzige ist ja: Ich war schon im Ref bei mir in der Kanzlei im Team. Die Associates, mit denen ich am meisten zusammengearbeitet habe, haben richtig Werbung für mich gemacht (sind beide nicht mehr da, haben einen hochwertigen Exit hingelegt, Partner in Boutique und hochdotierte Stelle im Konzern). Na ja, ist vergossene Milch, wie man so schön sagt.
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Ex-GK
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#86
11.10.2022, 16:29
(11.10.2022, 14:53)Desperados schrieb:  
(11.10.2022, 08:24)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 21:23)Desperados schrieb:  
(10.10.2022, 15:21)Gast schrieb:  
(10.10.2022, 14:37)Desperados schrieb:  Gut, das waren jetzt einige gute (und auch ohne Stolpersteine im Stream - think of: Wartezeit beim Therapeuten) wie zeitnah umsetzbare Vorschläge, meine Situation zu verbessern. 

Ich bin nicht daran interessiert, Richtern und Verwaltungsjuristen ungewollt blöd zu kommen, insofern danke ich für den Input von Eurer Seite und werde mich an die Umsetzung der Vorschläge, die ich mir schon rausgeschrieben und priorisiert habe, machen. 

Ich gebe Euch in einiger Zeit Rückmeldung. Danke.

Dann stehst Du irgendwann vor der Wahl, vor der viele overachiever (insb. in GKen) irgendwann stehen: Nimm Dir die Zeit für Dich (kannst ja parallel mal einen Arzt/Coach suchen, um mit Dir ins Reine zu kommen), ansonsten tut es irgendwann Dein Körper selbst und das ist unschön. Musst Du selbst wissen, ob Du weiterhin so leistungs-/erfolgsgetrieben arbeiten willst, klingt aber eher danach, als lebst Du aktuell für die vermeintlichen Erwartungen anderer (die wirst Du eh nie erfüllen können, falls Dir Deine Eltern überhaupt jemals klipp und klar eine bestimmte "Erwartung" kommuniziert haben (bei overachievern ist das regelmäßig nicht der Fall, die Eltern geben einem abstrakte Erwartungen mit, aber nichts Konkretes wie - Du musst Chefarzt in Krankenhaus xy werden in z Bereich - wie sollst du nicht wirklich existente Erwartungen erfüllen?). Naja, das geht jetzt zu weit hier, das waren nur mal so ein paar Punkte, die mir mal auf den Weg gegeben wurden und mir geht es inzwischen extrem viel besser in meinem (was ich früher auch eher als "Abstieg" gesehen habe) nicht-mehr-GK-Job, in dem ich nicht weniger beruflich erfolgreich bin.

Es freut mich zu hören, dass Du eine zunächst schwierige Situation ("was ich früher auch eher als 'Abstieg' gesehen habe") für Dich ins Positive gewendet hast.

Wie war denn da (grob zusammengefasst) der Prozess? Du hast die GK verlassen, hast irgendwas anderes gemacht und das anfangs als Abstieg gesehen. Wann war denn der Moment, in dem du dies als positive Wendung wahrgenommen hast? Wer/was hat das Erkennen des Wendepunktes beeinflusst / hervorgerufen? Erfolge in der Post-GK-Tätigkeit? Privatleben umgekrempelt? 

Klar, ich muss scheinbar davon "runterkommen", mich als Persönlichkeit über meinen CV zu definieren. Aber das ist ja ein (längerer) Prozess, ich kann ja nicht morgen aufstehen, mich vor den Spiegel stellen und sagen: "Du bist als Mensch auch ohne T1-Partnertrack okay."

Danke Dir. Der Prozess fing etwa 1,5 Jahre vor dem Exit an, ich möchte hier jetzt nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich habe im Laufe der Zeit schon körperliche und mentale Veränderungen gemerkt. Ich hab es aber eine ganze Zeit lang komplett ignoriert und einfach weiter funktioniert, weil man ja nicht einfach "aufgeben" kann und ja in der GK auch oft die Linie ist "wer Inhouse/in die Verwaltung/zum Staat aus der geilen GK geht, schafft entweder das Pensum nicht oder will diese work-life balance, von der die faulen Millenials immer reden". Für mich war es tatsächlich eine Entscheidung im Sinne von "entweder, du änderst deine Einstellung und zwingst dich, woanders hinzugehen" oder "du bleibst und landest im Krankenhaus". 

Ich habe das Glück, sehr viel Rückhalt in meinem privaten Umfeld zu haben und auch viele andere aus GKen zu kennen, die richtig ins Burnout (mit monatelanger Krankschreibung etc) geraten sind. Ich habe eine Therapeutin in meinem privaten Umfeld, die mir sehr geholfen hat, mir über mich klar zu werden und wie ich wieder anfangen kann, zu mir zu finden und mit mir zufrieden zu sein. Ich bin jetzt Inhouse und muss sagen, dass natürlich nicht alles geil ist, aber dass ich jetzt wenigstens weiß, wann ich abends nach Hause komme und am Wochenende wirklich Zeit für mich habe, hat sich voll gelohnt. Aber ja, ich gehe parallel zum Job auch noch zu einem Coach, der mir hilft, besser mit dem selbst gemachten Druck klar zu kommen. Ich hab schon mehrmals hier gesagt, dass Dir professionelle Hilfe wirklich zu Gute kommen könnte und das meine ich ernst. Ich kann mir vorstellen, dass auch das für dich etwas ist, dass nur "Loser" und "Schwache" machen, aber das ist Quatsch. Ich kann Dir leider keine besseren Tips geben, weil es meiner Meinung nach wirklich ein Selbstfindungsprozess ist, bei dem nur du dir helfen kannst (natürlich mit Hilfe). Da gibt es kein Blueprint - Du musst lernen, Dich zu mögen und Dich nicht mehr nur über Leistung zu definieren. Es ist nicht einfach, aber gib Dir lieber JETZT Mühe, es kann sonst unaufhaltsam sein. Ich habe es leider schon ein paar Mal bei recht jungen Anwälten wie uns gesehen - das ist alles kein Scheitern, aber Du setzt Dich selbst krass unter Druck, obwohl Du das gar nicht brauchst. Ich drück Dir die Daumen, vergiss nicht, dass Du eine Person bist, die viel mehr zu bieten hat, als dein CV.

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Danke für die mega ausführliche Rückmeldung. Sie hat mir geholfen, die Dinge zumindest etwas klarer zu sehen.

Gerne, wenn was ist, melde Dich gerne. Ich drück Dir die Daumen, ich bin sicher, Du wirst (früher als später) Deinen wahren Wert, der nichts mit Deiner Jobbezeichnung zusammenhängt, erkennen.
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theopenmind
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Registriert seit: Oct 2022
#87
11.10.2022, 17:32
Denke der Beitrag von Ex-GK trifft es sehr gut.

Ex-GK hat von "funktionieren" gesprochen. Ich selbst habe lange Zeit nur "funktioniert". Solange das "klappt", macht man vielleicht einfach weiter, auch wenn "funktionieren" nicht erfüllend ist. Wenn es dann nicht mehr funktioniert, stürzt es einen, weil man sich darüber ja definiert hat, in eine (Identitäts-) Krise. Krise ist aber auch Chance.

Gerade Männern wird in der Kindheit von der Familie, dem Umfeld oder der Gesellschaft ausdrücklich oder unterschwellig signalisiert, dass sie zu funktionieren haben. Sei ein Mann und keiner von den Hippstern, die über ihre Gefühle reden während sie ihren Soja-Joghurt löffeln. Gerade Männer haben als Kind häufig gelernt, Gefühle wie Trauer und Hilflosigkeit zu unterdrücken (Gefühle wie Wut sind hingegen erlaubt). Für unsere Väter und Großväter galt das erst recht, weswegen sie uns diesbezüglich teils schlechte Vorbilder waren. Da wurde dann häufig alles im wahrsten Sinne des Wortes (mit Alkohol) runtergespült oder Hilflosigkeit nur in Form von Aggressionen ausgedrückt. 

Ist  fast schon ein Tabu-Thema und in der Leistungsgesellschaft-Bubble "Jura" wird man mit solchen Beiträgen auch gerne belächelt. Wobei man allerdings bei genauerem Hinsehen feststellt, dass sich einiges tut. Auch in der bekannten Serie Suits ist es ja so, dass der Charakter Harvey Specter sich irgendwann mal mit seinen Gefühlen auseinandersetzen muss. Wie auch immer: jeder (Erwachsene) ist für sich selbst verantwortlich.

Ganz persönlich:
Ich bin bei meinem alkohlkranken Vater aufgewachsen, Mutter hat sich aus dem Staub gemacht. Mein Vater ist u.a. wegen dem Alkholmißbrauch zu Beginn meiner Vorbereitung auf 1. Examen gestorben. Auf dem Sterbebett meinte er zu mir, ich würde bestimmt 10 Punkte im 1. Examen bekommen. Auf der Beerdigung und auch sonst um die Zeit herum haben mich gefühlt alle nur gefragt, wann ich denn mein 1. Examen mache. Meine damalige Freundin meinte zu mir, dass ich bestimmt ein tolles Examen mache. Ich dachte mir "Scheiße, wie unempathisch seid ihr denn bitte". Ich habe aber offensichlich ausgestrahlt, dass ich funktioniere. Ich habe mitgespielt. ich dachte oft an eine Formulierung von Schiller: "Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl". Ich habe dann in den Klausuren meines 1. Examens ein paar Punkte gesammelt. Schön, toll, super. Richtig gut gefühlt habe ich mich aber nicht. Genauer gesagt, habe ich nur eine Leere gespürt. Mit meiner damaligen Freundin bin ich dann als die Klausurergebnisse eintrudelten essen gegangen. Sie meinte, ich könne vor dem Referendariat in eine GK gehen und zeigen wie belastbar ich sei. Ich habe nichts dazu gesagt und mir nur meinen Teil gedacht. Ich habe über diese Erlebnisse häufig nachgedacht: Es bringt mir nichts, meinem Vater oder meinem damaligen Umfeld die Schuld zu geben. Auch meiner damaligen Freundin, habe ich anscheinend nicht gezeigt, was mich bedrückt. Oder ich habe durch meine Art einfach die "falschen" Leute angezogen. Ich muss selbst Verantwortung für mich übernehmen. Nur ich selbst kann dafür sorgen, dass es mir nicht wie meinem Vater ergeht. Es hilft mir, mir einzugestehen, dass ich selbst ungesunde coping-Strategien entwickelt habe und diese ablegen darf. Ich verurteile mich nicht dafür, sondern ich begegne mir selbst mit Empathie. Dabei hilft mir die schon in einem Beitrag weiter oben angesprochene Strategie: Ich stelle mir den kleinen fünfjährigen theopenmind mit Pausbäckchen und T-Shirt mit Dino-Aufdruck vor...

Wer negative Gefühle unterdrückt, hat im Zweifel auch keine positiven Gefühle. Wer Gefühle unterdrückt, dem fällt es schwer zu wissen, was er eigentlich möchte. Es sind nämlich die unterdrückten Gefühle, die uns Orientierung geben könnten.

Ich hoffe, keine Frau fühlt sich davon angegriffen, dass ich meine, dass es für Männer nochmal ein Extrathema wäre (Vielleicht habe ich auch ein Problem mit Frauen, weil mich meine Mutter verlassen hat). Männer wissen es häufig gar nicht und sind sehr unreflektiert. Wer sich für solche Themen interessiert, dem empfehle ich das Buch "Männerseelen" von Björn Süfke.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 12.10.2022, 00:28 von theopenmind.)
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#88
11.10.2022, 18:26
(11.10.2022, 17:32)theopenmind schrieb:  Denke der Beitrag von Ex-GK trifft es sehr gut.

Ex-GK hat von "funktionieren" gesprochen. Ich selbst habe lange Zeit nur "funktioniert". Solange das "klappt", macht man vielleicht einfach weiter, auch wenn "funktionieren" nicht erfüllend ist. Wenn es dann nicht mehr funktioniert, stürzt es einen, weil man sich darüber ja definiert hat, in eine (Identitäts-) Krise. Krise ist aber auch Chance.

Gerade Männern wird in der Kindheit von der Familie, dem Umfeld oder der Gesellschaft ausdrücklich oder unterschwellig signalisiert, dass sie zu funktionieren haben. Sei ein Mann und keiner von den Hippstern, die über ihre Gefühle reden während sie ihren Soja-Joghurt löffeln. Gerade Männer haben als Kind häufig gelernt, Gefühle wie Trauer und Hilflosigkeit zu unterdrücken (Gefühle wie Wut sind hingegen erlaubt). Für unsere Väter und Urgroßväter galt das erst recht, weswegen sie uns diesbezüglich teils schlechte Vorbilder waren. Da wurde dann häufig alles im wahrsten Sinne des Wortes (mit Alkohol) runtergespült oder Hilflosigkeit nur in Form von Aggressionen ausgedrückt. 

Ist  fast schon ein Tabu-Thema und in der Leistungsgesellschaft-Bubble "Jura" wird man mit solchen Beiträgen auch gerne belächelt. Wobei man allerdings bei genauerem Hinsehen feststellt, dass sich einiges tut. Auch in der bekannten Serie Suits ist es ja so, dass der Charakter Harvey Specter sich irgendwann mal mit seinen Gefühlen auseinandersetzen muss. Wie auch immer: jeder ist für sich selbst verantwortlich.

Ganz persönlich:
Ich bin bei meinem alkohlkranken Vater aufgewachsen, Mutter hat sich aus dem Staub gemacht. Mein Vater ist u.a. wegen dem Alkholmißbrauch zu Beginn meiner Vorbereitung auf 1. Examen gestorben. Auf dem Sterbebett meinte er zu mir, ich würde bestimmt 10 Punkte im 1. Examen bekommen. Auf der Beerdigung und auch sonst um die Zeit herum haben mich gefühlt alle nur gefragt, wann ich denn mein 1. Examen mache. Meine damalige Freundin meinte zu mir, dass ich bestimmt ein tolles Examen mache. Ich dachte mir "Scheiße, wie unempathisch seid ihr denn bitte". Ich habe aber offensichlich ausgestrahlt, dass ich funktioniere. Ich habe mitgespielt. ich dachte oft an eine Formulierung von Schiller: "Wanderer, kommst du nach Sparta, verkündige dorten, du habest uns hier liegen gesehn, wie das Gesetz es befahl". Ich habe dann schon in den Klausuren meines 1. Examens die 10 Punkte geholt. Schön, toll, super. Richtig gut gefühlt habe ich mich aber nicht. Genauer gesagt, habe ich nur eine Leere gespürt. Mit meiner damaligen Freundin bin ich dann als die Klausurergebnisse eintrudelten essen gegangen. Sie meinte, ich könne vor dem Referendariat in eine GK gehen und zeigen wie belastbar ich sei. In der GK haben sie mich dann im Bewerbungsgespräch gefragt, warum ich nicht schon nach dem 8. Semester geschrieben hätte. Ich habe über diese Erlebnisse häufig nachgedacht: Es bringt mir nichts, meinem Vater oder meinem damaligen Umfeld die Schuld zu geben. Auch meiner damaligen Freundin, habe ich anscheinend nicht gezeigt, was mich bedrückt. Oder ich habe durch meine Art einfach die "falschen" Leute angezogen. Ich muss selbst Verantwortung für mich übernehmen. Nur ich selbst kann dafür sorgen, dass es mir nicht wie meinem Vater ergeht. Es hilft mir, mir einzugestehen, dass ich selbst ungesunde coping-Strategien entwickelt habe und diese ablegen darf. Ich verurteile mich nicht dafür, sondern ich begegne mir selbst mit Empathie. Dabei hilft mir die schon in einem Beitrag weiter oben angesprochene Strategie: Ich stelle mir den kleinen fünfjährigen theopenmind mit Pausbäckchen und T-Shirt mit Dino-Aufdruck vor...

Wer negative Gefühle unterdrückt, hat im Zweifel auch keine positiven Gefühle. Wer Gefühle unterdrückt, dem fällt es schwer zu wissen, was er eigentlich möchte. Es sind nämlich die unterdrückten Gefühle, die uns Orientierung geben könnten.

Ich hoffe, keine Frau fühlt sich davon angegriffen, dass ich meine, für Männer habe das Thema eine besondere Brisanz. Männer wissen es häufig gar nicht und sind sehr unreflektiert. Wer sich für solche Themen interessiert, dem empfehle ich das Buch "Männerseelen" von Björn Süfke.

Ich finde, das ist ein wirklich sehr guter Beitrag. 

Es spricht nichts dagegen, sich im Studium oder Beruf zu sehr guten Leistungen anzuspornen. Letztendlich liegt dahinter bei allen Menschen ein Stück weit gesunder "Narzissmus", also der Wunsch, etwas besonderes zu erreichen. Wichtig ist nur, dass man sich auch nach dem Warum fragt. D.h., ob man letztendlich vor allem andere Menschen damit beeindrucken möchte oder irgendein inneres Defizit ausgleichen möchte bzw. sonstige versteckte Glaubenssätze oder Erwartungen des eigenen Umfelds im Hintergrund wirken. 

Im Übrigen ist es falsch, wenn Menschen sich nur über ihre Leistungen und Erfolge definieren. Zum einen erzeugt es ein tiefe innere Leere, die nur durch das nächste Stipendium, die nächste Auszeichnung oder die nächste Beförderung kurz überbrückt wird. Zum Anderen ist der Zusammenbruch des Selbst oft nur einen Misserfolg entfernt. 

Das ist natürlich keine leichte Aufgabe in einem Beruf, der Menschen schon zu Studienzeit auf maximalen Druck, Ehrgeiz, Ellenbogenmentalität und Vergleichsdenken zwingt und darauf ausgelegt ist, später in den meisten Funktionen irgendeine Form von Macht über Andere auszuüben und dementsprechend von vornherein auch schräge Persönlichkeiten anzieht. Gruselig finde ich es, zu sehen, wenn gestandene Juristen sich selbst im fortgeschrittenen Alter nie wirklich reflektiert haben und, gerade in Führungspositionen, ihre mehr oder weniger ausgeprägte narzisstisch akzentuierte Persönlichkeit an Anderen ausleben, weil nur das Gefühl der Macht über Andere ihnen hilft, über ein falsches "Größenselbst" die tief sitzenden eigenen Ängste bzw. Gefühle der Insuffizienz zu übertünchen.
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Gast
Unregistered
 
#89
11.10.2022, 18:31
Es gibt auch für Alkoholimus immer Gründe. Manche behandeln ihre Depressionen selbst mit Alkohol oder Drogen statt sich Antidepressiva verschreiben zu lassen und eine Therapie zu machen.
Der Vater von dem einen trinkt, weil seine Frau ihn verlassen hat, der Vater vom anderen, weil er Verschickungskind in Bayern war und dort gequält wurde. Irgendeinen Grund gibt es immer.
Man muss nur aufpassen, dass sich das Muster nicht fortsetzt.
Gast
Unregistered
 
#90
11.10.2022, 18:53
(11.10.2022, 14:55)Desperados schrieb:  
(11.10.2022, 07:29)Gast schrieb:  Was mich wundert: Wenn du in der GK gar nichts reißt und alle unzufrieden mit dir sind, wie hast du dann die Probezeit überstanden?

Das Witzige ist ja: Ich war schon im Ref bei mir in der Kanzlei im Team. Die Associates, mit denen ich am meisten zusammengearbeitet habe, haben richtig Werbung für mich gemacht (sind beide nicht mehr da, haben einen hochwertigen Exit hingelegt, Partner in Boutique und hochdotierte Stelle im Konzern). Na ja, ist vergossene Milch, wie man so schön sagt.

Wäre es dann ggf. eine Option, bei dem besagten Partner der Boutique anzufragen, ob die dort an dir interessiert wären? Die Zusammenarbeit scheint ja damals funktioniert zu haben.
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