07.02.2022, 14:59
An dieser Frage verzweifle ich auch derzeit. Es gibt nichts Anderes, was ich lieber täte, als in die Strafverteidigung zu gehen. Leider hat man Ausbilder aus der RA-Station die Kanzlei verlassen und eine eigene gegründet, bei der er zunächst abwarten möchte, wie viele Mandanten noch am alten Kanzleinamen "kleben". Das ist leider also keine Option.
Bei der alten Kanzlei habe ich mich beworben, aber nichts gehört. Das finde ich tatsächlich auch ziemlich frech, weil mir da ein 1a Zeugnis (17 Punkte) ausgestellt wurde. Und nein, das war kein Gefälligkeitszeugnis, sondern ehrlich und hart erarbeitet. Zudem habe ich mich dort mit allen gut verstanden.
Ich habe seit der Mündlichen Ende November ein paar Initiativbewerbungen verschickt. Dabei tauchte das antiquierte Weltbild in dieser Sparte leider auch ab und an auf. Man "habe sich über die Bewerbung gewundert, weil die Strafverteidigung ja nichts für Frauen sei" oder man "sei sich nicht sich, ob man sich als Frau der Härte des Gebiets und mancher Mandanten aussetzen solle".
Willkommen im 21. Jahrhundert. Da wollte ich natürlich dann nicht mehr arbeiten.
Bei der alten Kanzlei habe ich mich beworben, aber nichts gehört. Das finde ich tatsächlich auch ziemlich frech, weil mir da ein 1a Zeugnis (17 Punkte) ausgestellt wurde. Und nein, das war kein Gefälligkeitszeugnis, sondern ehrlich und hart erarbeitet. Zudem habe ich mich dort mit allen gut verstanden.
Ich habe seit der Mündlichen Ende November ein paar Initiativbewerbungen verschickt. Dabei tauchte das antiquierte Weltbild in dieser Sparte leider auch ab und an auf. Man "habe sich über die Bewerbung gewundert, weil die Strafverteidigung ja nichts für Frauen sei" oder man "sei sich nicht sich, ob man sich als Frau der Härte des Gebiets und mancher Mandanten aussetzen solle".
Willkommen im 21. Jahrhundert. Da wollte ich natürlich dann nicht mehr arbeiten.
07.02.2022, 20:17
AGG-Klage. Als Strafverteidiger kämpft man mit harten Bandagen :D
07.02.2022, 20:28
Wenn die Noten stimmen, kannst es ja in einer Boutique versuchen.
Da ist das Weltbild ungefähr auf Stand von DAX-Vorständen: eine Quotenfrau sollte man in der Kanzlei haben.
Da ist das Weltbild ungefähr auf Stand von DAX-Vorständen: eine Quotenfrau sollte man in der Kanzlei haben.
07.02.2022, 22:23
(07.02.2022, 20:28)DonJuansohn schrieb: Wenn die Noten stimmen, kannst es ja in einer Boutique versuchen.
Da ist das Weltbild ungefähr auf Stand von DAX-Vorständen: eine Quotenfrau sollte man in der Kanzlei haben.
Das ist natürlich recht zweifelhaft. Nicht nur mit Blick darauf, dass es in quasi jeder renommierten Boutique eine weibliche (Gründungs-)partnerin gibt. Überhaupt scheint die Strafverteidigung weder in der Breite noch in der Spitze auffallend männerdominiert zu sein.
Dass man insbesondere bei Verteidigung im "klassischen" Strafrecht und mit Mandanten aus der JVA etc. durchaus hart gesotten sein sollte, dürfte klar sein. Ich würde auch entschieden annehmen, dass mehr Männder diese Eigenschaften mitbringen als Frauen. Und dennoch sind Männer meinem Eindruck nach in der Strafrechtszene nicht krass überrepräsentiert. Und wie man leicht sehen kann, ist auch für Frauen, welche diese Eigenschaften und das notwendige Interesse mitbringen, der Weg nicht gerade versperrt.
Was ich so gehört habe: Im Strafrecht ist (außerhalb von GKs und Boutiquen) nicht Einstellungsbereitschaft nicht gerade besonders hoch. Vielleicht auch weil die einfachen Mandate aus diesem Bereich nicht gerade besonders lukrativ sind, man diese aufwändig einwerben muss und/oder Anfänger sowieso noch eine gewisse Lernzeit benötigen. Strafverteidiger dürften besonders oft selbstständig sein.
07.02.2022, 22:34
(07.02.2022, 14:59)Gast 18 schrieb: An dieser Frage verzweifle ich auch derzeit. Es gibt nichts Anderes, was ich lieber täte, als in die Strafverteidigung zu gehen. Leider hat man Ausbilder aus der RA-Station die Kanzlei verlassen und eine eigene gegründet, bei der er zunächst abwarten möchte, wie viele Mandanten noch am alten Kanzleinamen "kleben". Das ist leider also keine Option.
Bei der alten Kanzlei habe ich mich beworben, aber nichts gehört. Das finde ich tatsächlich auch ziemlich frech, weil mir da ein 1a Zeugnis (17 Punkte) ausgestellt wurde. Und nein, das war kein Gefälligkeitszeugnis, sondern ehrlich und hart erarbeitet. Zudem habe ich mich dort mit allen gut verstanden.
Ich habe seit der Mündlichen Ende November ein paar Initiativbewerbungen verschickt. Dabei tauchte das antiquierte Weltbild in dieser Sparte leider auch ab und an auf. Man "habe sich über die Bewerbung gewundert, weil die Strafverteidigung ja nichts für Frauen sei" oder man "sei sich nicht sich, ob man sich als Frau der Härte des Gebiets und mancher Mandanten aussetzen solle".Willkommen im 21. Jahrhundert. Da wollte ich natürlich dann nicht mehr arbeiten.
Es sind einige e.V. die nur aus Kolleginnen bestehen und genau dieses Problem bekämpfen wollen.
Ich bin Strafverteidiger und was man braucht, ist: Feuer. Immer und überall. Außerdem exzellente Kenntnisse und halt Talent.
Es muss eigentlich alles sitzen. Auch am Anfang. Fehler sind drin, ja, aber bitte keine machen. Man muss alles bis zum Ende durchdenken. Strategisch halt. Da Strafrecht besonders ist, kommt da viel Psychologie rein. Wie sage ich was, wann und warum. Es sind Bücher voll damit…
Als Einstieg bieten sich uU größere Kanzleien an, die wenig prozessbelastet sind. Also Richtung GK/Wirtschaftsstrafrecht. So schafft man sich einen Marktwert. Boutiquen sind am Anfang ohne Qualis Fehlanzeige. Da herrscht Bestenauslese. Kleinere Kanzleien sind dann gut, wenn die grd einstellen, sonst wird es schwierig.
Nie aufgeben!
07.02.2022, 23:08
Wäre dann vielleicht Staatsanwältin was für dich? Da hättest du auch ausschließlich mit Strafrecht zu tun und würdest die Rechtsordnung verteidigen. Des Weiteren wärst du eine Bedienstete der objektivsten Behörde der Welt. Die Wahrheit ist ja bekanntlich das wichtigste
08.02.2022, 00:27
Zitat:Des Weiteren wärst du eine Bedienstete der objektivsten Behörde der Welt.
Scherzkeks.
Zitat:Als Einstieg bieten sich uU größere Kanzleien an, die wenig prozessbelastet sind. Also Richtung GK/Wirtschaftsstrafrecht. So schafft man sich einen Marktwert. Boutiquen sind am Anfang ohne Qualis Fehlanzeige. Da herrscht Bestenauslese.
Wird das allgemein so gesehen? Wegn in die Strafverteidigung (insbesondere in einer Boutique) über den Umweg einer GK? Meinem Eindruck nach gibt es in vielen Boutiquen "Direkteinsteiger". Und Strafrecht in der GK scheint mir nicht in jedem Fall nennenswert viel mit "richtiger" Strafverteidigung zu tun zu haben, insbesondere ist es anscheiennd viel Investigations, Compliance und Geschädigtenvertretung.
08.02.2022, 09:31
(08.02.2022, 00:27)Gast schrieb:Zitat:Des Weiteren wärst du eine Bedienstete der objektivsten Behörde der Welt.
Scherzkeks.
Zitat:Als Einstieg bieten sich uU größere Kanzleien an, die wenig prozessbelastet sind. Also Richtung GK/Wirtschaftsstrafrecht. So schafft man sich einen Marktwert. Boutiquen sind am Anfang ohne Qualis Fehlanzeige. Da herrscht Bestenauslese.
Wird das allgemein so gesehen? Wegn in die Strafverteidigung (insbesondere in einer Boutique) über den Umweg einer GK? Meinem Eindruck nach gibt es in vielen Boutiquen "Direkteinsteiger". Und Strafrecht in der GK scheint mir nicht in jedem Fall nennenswert viel mit "richtiger" Strafverteidigung zu tun zu haben, insbesondere ist es anscheiennd viel Investigations, Compliance und Geschädigtenvertretung.
Man kann es nicht verallgemeinern. Deswegen schrieb ich es so, dass ohne Qualis bzw. Zusatzqualis ein Einstieg schwierig sein kann. Es hängt ja auch von der Konkurrenz ab. Im Westdeutschen-Raum gibt es Kanzleien ohne Ende. Da findet man vllt so Direkteinstieg. Dann ist nur noch Networking gefragt, sollte man später springen wollen.
Man muss so viel Erfahrung gewinnen, wie es nur möglich ist. Aber aufpassen, wie man geprägt wird. Zu viel GK ist für später uU zu prägend und erschwert die Tätigkeit als echter Strafverteidiger.
08.02.2022, 10:33
Eine längere GK-Tätigkeit erschwert vor allem die Bereitschaft zu einem finanziellen Abstieg in eine Boutique.
Von 150k auf 100k tut schon weh.
Von 150k auf 100k tut schon weh.
08.02.2022, 11:14
Denke auch, dass es zum Umsatteln nie zu spät ist. Wenn einem Strafverteidigung liegt dann los! Man ist schließlich ein Leben lang tätig. Selbst Jura bindet einen nicht. Wenn man 3 Jahre Diesel gemacht hat, kann man ebenfalls noch umsatteln.









