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Richtiges Einlesen
Leseratte
Unregistered
 
#21
25.05.2021, 22:32
Hi, ich bin der TE.

Ich danke Euch für Eure Antworten und möchte vielleicht noch ein paar Beispiele geben. Mein Arbeitgeber schert sich nicht darum, ob ich das kann oder nicht. Er geht davon aus, ich mache das schon irgendwie, ich habe ja zwei befriedigend (er ist Notar und dreifacher Fachanwalt und ziemlich erfolgreich - die anderen Partner sind ähnlich erfolgreich). Hilfe kann ich keine Erwarten, da mein Arbeitgeber von IT etc. keine Ahnung und darauf zählt, dass ich als Generation Y top Ahnung habe, weil ich 10 Finger Schreiben von Kindauf gelernt habe...

Beispiel 1:

Mandantschaft ist ein Flugsportverein. Damit die Mitglieder fliegen können, müssen Sie entsprechende Lizenzen vorweisen. Der Dachverband fordert, dass zur Mitgliederverwaltung und den entsprechenden Lizenzen + Gesundheitszeugnissen eine bestimmte Software genutzt wird. Mehrere Mitglieder des lokalen Vereins, den ich betreuen soll, weigern sich, mit dem Argument, dass sei ja nicht datenschutzkonform und wollen den ganzen Papierkram tatsächlich auf Papier erledigen (das füllt pro Pilot 3 Aktenordner - hätte ich auch nicht gedacht). Die Software ermöglicht Zugriff des Vereinsvorstandes auf die Mitgliederkartei einschließlich aller Zeugnisse zur Prüfung, ob der Verein Start - und Landeerlaubnis für das vereinseigene Flugfeld erteilt und die Mitglieder können in ihren persönlichen Bereichen selbst ihre Zeugnisse und Lizenzen hochladen und persönliche Angaben ändern, die dann der Vereinsvorstand einsehen kann.

Frage des lokalen Vereins an mich: Was soll der Verein jetzt datenschutzrechtlich machen? Muss ggf. sogar die Satzung geändert werden oder soll der Datenschutz im Verein in einer Vereinsordnung umgesetzt werden, anstelle der Satzung? Was kostet die Änderung einer Satzung?

Ich habe keine Ahnung, mein Chef will aber, dass ich das Mandat bearbeite. Ich recherchiere natürlich brav und viel, aber so richtig wissen, wie und womit ich mich zielführend (!) einlesen soll, weiss ich nicht... Ich erarbeite mir hier ein Flickwerk ohne wirklichen Fahrplan...

Beispiel 2:

Ein anderer Mandant will eine Datenbank mit Unternehmensdaten aufbauen. Hierzu setzt er eine Software ein, die automatisch das Internet nach entsprechenden INformationen durchsucht und zusammenfasst (sog. Webcrawler/Scraper). Die Daten sollen dabei ausschließlich aus sozialen Netzwerken entnommen werden, in denen die Unternehmen Ihre Informationen preisgeben. Zudem soll der Webcrawler das Internet automatisch nach Zeitungsartikeln durchsuchen und diese automatisch zusammenfassen und diese sodann automatisiert mit entsprechendem Link zur Volltextquelle in der Datenbank zur Verfügung stellen (Stichwort: perlentaucher und Paperboy-Entscheidung, die ich nach ewig langer Suche mal gefunden habe...)
Mandant will wissen: Ist das rechtlich zulässig? In Betracht kommen wohl Urheberrecht, Wettbewerbsrecht und Datenschutzrecht. Ich habe von keiner Materie Ahnung, jetzt aber ewig und drei Tage Lehrbücher lesen halte ich nicht für sinnvoll. Wie würdet ihr hier vorgehen?

Beispiel 3:

Mein Chef knallt mir eine Mail von einem großen Wohnungsbauunternehmen hin. Dieses will einmal das KOmplettpaket an aktuellen Vertragsmustern für das private Baurecht (VOB - Verträge; Bürgschaftsformulare; Vergabeverhandlungsprotokolle; Abnahmeprotokolle; Generalunternehmerverträge; Generalübernehmerverträge; Nachunternehmerverträge usw.). Ich weiss, wie das Werkvertragsrecht so in etwa funktioniert und auf welche Formularbücher ich zugreifen kann. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob das ausreicht... Ich habe noch nie was gebaut oder bauen lassen und kenne die Abläufe nicht. Ich weiß nicht, was man alles braucht und was ggf. in den Formularbüchern fehlen könnte. Ich muss mich daher blind auf die Bücher verlassen. Mein Chef interessiert sich auch hierfür nicht, da er schon zu lange aus dem Baurecht raus sei, da er eigentlich nur noch Notariat macht. Andere Kollegen können mir auch nicht helfen, da die anderen Partner Arbeitsrechtler sind.
Tja, ich bin auch hier allein auf weiter Flur. Wie würdet ihr hier rangehen? Ein "das kann ich nicht" lässt der Chef nicht gelten, da es sich auch hier um einen Stammmandanten handelt.

Was bedeutet richtiges Einlesen für euch bei diesen drei Beispielen?

Ich freue mich auf Eure Rückmeldung!
Zitieren
Gast
Unregistered
 
#22
25.05.2021, 22:49
(25.05.2021, 22:32)Leseratte schrieb:  Was bedeutet richtiges Einlesen für euch bei diesen drei Beispielen?

Die nächstbeste Jobsuchmaschine anzuschmeißen....

Keinen der drei Fälle wird man wirtschaftlich abbilden können, wenn man nicht über entsprechendes Vorwissen verfügt - und selbst dann ist insbesondere Fall drei unglaublich umfangreich und haftungsträchtig. Da ist nichts mit nur mal eben einlesen, wenn der Fall fertig ist, kannst du unter deinem Namen ein Formularbuch auf den Markt bringen.
Zitieren
Gast
Unregistered
 
#23
25.05.2021, 23:01
(25.05.2021, 22:57)ichentsprechewiderschieden schrieb:  
(25.05.2021, 22:32)Leseratte schrieb:  Hi, ich bin der TE.

Ich danke Euch für Eure Antworten und möchte vielleicht noch ein paar Beispiele geben. Mein Arbeitgeber schert sich nicht darum, ob ich das kann oder nicht. Er geht davon aus, ich mache das schon irgendwie, ich habe ja zwei befriedigend (er ist Notar und dreifacher Fachanwalt und ziemlich erfolgreich - die anderen Partner sind ähnlich erfolgreich). Hilfe kann ich keine Erwarten, da mein Arbeitgeber von IT etc. keine Ahnung und darauf zählt, dass ich als Generation Y top Ahnung habe, weil ich 10 Finger Schreiben von Kindauf gelernt habe...

Beispiel 1:

Mandantschaft ist ein Flugsportverein. Damit die Mitglieder fliegen können, müssen Sie entsprechende Lizenzen vorweisen. Der Dachverband fordert, dass zur Mitgliederverwaltung und den entsprechenden Lizenzen + Gesundheitszeugnissen eine bestimmte Software genutzt wird. Mehrere Mitglieder des lokalen Vereins, den ich betreuen soll, weigern sich, mit dem Argument, dass sei ja nicht datenschutzkonform und wollen den ganzen Papierkram tatsächlich auf Papier erledigen (das füllt pro Pilot 3 Aktenordner - hätte ich auch nicht gedacht). Die Software ermöglicht Zugriff des Vereinsvorstandes auf die Mitgliederkartei einschließlich aller Zeugnisse zur Prüfung, ob der Verein Start - und Landeerlaubnis für das vereinseigene Flugfeld erteilt und die Mitglieder können in ihren persönlichen Bereichen selbst ihre Zeugnisse und Lizenzen hochladen und persönliche Angaben ändern, die dann der Vereinsvorstand einsehen kann.

Frage des lokalen Vereins an mich: Was soll der Verein jetzt datenschutzrechtlich machen? Muss ggf. sogar die Satzung geändert werden oder soll der Datenschutz im Verein in einer Vereinsordnung umgesetzt werden, anstelle der Satzung? Was kostet die Änderung einer Satzung?

Ich habe keine Ahnung, mein Chef will aber, dass ich das Mandat bearbeite. Ich recherchiere natürlich brav und viel, aber so richtig wissen, wie und womit ich mich zielführend (!) einlesen soll, weiss ich nicht... Ich erarbeite mir hier ein Flickwerk ohne wirklichen Fahrplan...

Beispiel 2:

Ein anderer Mandant will eine Datenbank mit Unternehmensdaten aufbauen. Hierzu setzt er eine Software ein, die automatisch das Internet nach entsprechenden INformationen durchsucht und zusammenfasst (sog. Webcrawler/Scraper). Die Daten sollen dabei ausschließlich aus sozialen Netzwerken entnommen werden, in denen die Unternehmen Ihre Informationen preisgeben. Zudem soll der Webcrawler das Internet automatisch nach Zeitungsartikeln durchsuchen und diese automatisch zusammenfassen und diese sodann automatisiert mit entsprechendem Link zur Volltextquelle in der Datenbank zur Verfügung stellen (Stichwort: perlentaucher und Paperboy-Entscheidung, die ich nach ewig langer Suche mal gefunden habe...)
Mandant will wissen: Ist das rechtlich zulässig? In Betracht kommen wohl Urheberrecht, Wettbewerbsrecht und Datenschutzrecht. Ich habe von keiner Materie Ahnung, jetzt aber ewig und drei Tage Lehrbücher lesen halte ich nicht für sinnvoll. Wie würdet ihr hier vorgehen?

Beispiel 3:

Mein Chef knallt mir eine Mail von einem großen Wohnungsbauunternehmen hin. Dieses will einmal das KOmplettpaket an aktuellen Vertragsmustern für das private Baurecht (VOB - Verträge; Bürgschaftsformulare; Vergabeverhandlungsprotokolle; Abnahmeprotokolle; Generalunternehmerverträge; Generalübernehmerverträge; Nachunternehmerverträge usw.). Ich weiss, wie das Werkvertragsrecht so in etwa funktioniert und auf welche Formularbücher ich zugreifen kann. Allerdings habe ich keine Ahnung, ob das ausreicht... Ich habe noch nie was gebaut oder bauen lassen und kenne die Abläufe nicht. Ich weiß nicht, was man alles braucht und was ggf. in den Formularbüchern fehlen könnte. Ich muss mich daher blind auf die Bücher verlassen. Mein Chef interessiert sich auch hierfür nicht, da er schon zu lange aus dem Baurecht raus sei, da er eigentlich nur noch Notariat macht. Andere Kollegen können mir auch nicht helfen, da die anderen Partner Arbeitsrechtler sind.
Tja, ich bin auch hier allein auf weiter Flur. Wie würdet ihr hier rangehen? Ein "das kann ich nicht" lässt der Chef nicht gelten, da es sich auch hier um einen Stammmandanten handelt.

Was bedeutet richtiges Einlesen für euch bei diesen drei Beispielen?

Ich freue mich auf Eure Rückmeldung!


Es ist schlicht unmöglich hier eine perfekte Arbeit in kurzer Zeit abzuliefern, wenn man keine Erfahrung hat. Wenn es so leicht wäre, bräuchte man ja keine Juristen. 

Du wirst mit dem Unwissen und dem "hinschummeln" leben müssen. Man wirft mit Scheiße und hofft, dass ein paar Spritzer treffen. Wie das richtige Einlesen funktionieren soll, weiß ich auch nicht. Systematisch habe ich es nie hinbekommen. Meistens sah es so aus: Angefangen mit dem spartanischen lösen von Problemen aus dem Gebiet, erkennt man langsam die Grundprinzipien des Gebiets und kann die dann vertiefen, indem man Fachaufsätze, Entscheidungen und Kommentare quer liest. 

Ich durfte (haha) mal auf einmal ein größeres Mandat aus dem Bankrecht bearbeiten. Mit google, beck und juris habe ich die Dinge irgendwie zusammenkopiert und letztlich ist es gut gelaufen. Die Richter und Anwälte der Gegenseite verstehen es im Zweifel ja auch nicht. 
Sieh es als Möglichkeit was zu lernen.

Diese sportliche Herangehensweise "ich kann was lernen" kommt für TE wohl nicht in Betracht, es scheint ein symptomatisches Problem zu sein. Er kriegt Aufgaben von einem Chef, der auf dieses Gebiet keine Lust hat, und dann noch in einem Umfang, dass er als Berufsanfänger logischerweise gar nicht meistern kann. Da könnte ich auch nicht locker an die Sache rangehen, wenn ich jeden Tag mit dem Gedanken zur Arbeit fahre, dass diese unerledigten und unerledigbaren Aufgaben sich ja nicht einfach in Luft auflösen.

Ich würde an TEs Stelle tatsächlich einen Wechsel des Arbeitgebers in Betracht ziehen, wenn er denn merkt, dass diesbezüglich keine Besserung in Sicht ist und man nur mit Dreck zugemüllt wird.
Zitieren
Gast
Unregistered
 
#24
25.05.2021, 23:20
(25.05.2021, 22:57)ichentsprechewiderschieden schrieb:  ...
Ich durfte (haha) mal auf einmal ein größeres Mandat aus dem Bankrecht bearbeiten. Mit google, beck und juris habe ich die Dinge irgendwie zusammenkopiert und letztlich ist es gut gelaufen. Die Richter und Anwälte der Gegenseite verstehen es im Zweifel ja auch nicht. 
Sieh es als Möglichkeit was zu lernen.

Dein Bankrechtsbeispiel ist wohl ein einzelner Rechtsstreit gewesen. Da mag man noch so vorgehen können, wie du es beschreibst. Das Risiko ist auf den einen Fall beschränkt. Die Fälle des TE sind hingegen Rechts-/Vertragsgestaltung, für die man zunächst einmal wissen muss, welche Sachverhalte unter die künftige Gestaltung fallen können. Auch die Zahl der Beteiligten ist viel größer als in einem einzelnen Prozess. Das Risiko, in den geschilderten Fällen haftungsträchtige Fehler zu machen ist wesentlich höher. Ein Zusammengooglen reicht da keinesfalls aus.

Ich würde mich (heimlich) nach etwas Neuem umsehen und für die Zeit bis zum Wechsel (kann sich ja hinziehen) eine Klärung mit dem Chef herbeiführen.
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