30.01.2026, 16:03
(30.01.2026, 13:21)Tess T. Culls schrieb: Richtiges Vermögen (netto) im Sinne von bspw. 100 Mio aufwärts....aus meiner Sicht grundsätzlich nicht möglich mit bloßer Hände / Geistes Arbeit. Ausnahmen gab und gibt es, die mit der richtigen Idee und / oder zur richtigen Zeit das richtige gemacht haben (Aldi-Brüder, Drogeriekönige, etc.), wobei auch diese Persönlichkeiten irgendwann Arbeit delegiert haben, was letztendlich der Grundstein des Unternehmens- bzw. Vermögenswachtsums war.
Darüberhinaus bezweifle ich stark, dass Menschen Multimillionäre per Gehaltsscheck werden. Insofern ist Arbeitnehmerschaft aus meiner Sicht bereits schon der falsche Weg und die falsche Denkweise in Richtung "richtiges Vermögen". Auch für Juristen.
Das habe ich auch nicht geschrieben. Ich habe gesagt, die Juristerei kann einem den Grundstock dafür geben, dass man mit dem Kapital arbeiten kann. Außer Profisportlern und wenigen CEOs wird niemand durch Gehaltsscheck ein Multimillionär.
Aber als Anwalt/Selbstständiger kannst du schnell einen guten Kapitalgrundstock ansparen, um dann in Immobilien einzusteigen. Oder ein Unternehmen zu gründen. Ich habe das Gefühl, einige hier wollen ein Unternehmen erben, oder mehrere Mehrfamilienhäuser erben, aber selbst gründen oder kaufen, das wollen sie nicht... und natürlich ist das mit Extra-Arbeit verbunden und mittelfristig arbeitet man nicht mehr als Jurist, sondern als Unternehmer. Aber das gehört dann dazu und ist eigentlich in jedem Land der Welt so.
30.01.2026, 16:42
Um mal zur Ausgangsfrage zurück zu kommen:
Ich finde, es ist eine wirklich gute und komplizierte Frage. Während des Studiums/Diss/Ref habe ich versucht, soweit wie möglich einen Mittelweg zu gehen. Ich habe einerseits schon sehr viel Zeit und Energie reingesteckt, andererseits aber auch darauf geachtet, abends noch Sport zu machen, mit den Jungs Fußball zu gucken oder am Wochenende feiern zu gehen. In den ersten Jahren im Beruf habe ich ebenfalls sehr viel gearbeitet. Es hat sich auch gelohnt, weil ich sehr schnell zur Erprobung konnte und sehr schnell befördert worden bin. Nun bin ich Mitte vierzig und merke schon länger, dass sich die Prioritäten immer mehr verschieben. Das liegt einerseits daran, dass die Luft beruflich natürlich immer dünner und die weiteren Aufstiegschancen immer geringer werden. Andererseits aber natürlich auch an einer gewissen Saturiertheit, weil mehr Geld für mich persönlich kein besonders großer Antrieb mehr ist. Auch die "gesundheitlichen Einschläge" kommen durchaus näher, wenn im Umfeld ältere Familienmitglied, Freunde oder Kollegen krank werden oder sterben.
Ich würde daher raten, mal einen Schritt zurückzutreten, dich soweit wie möglich von vermeintlichen gesellschaftlichen Vorstellungen freizumachen und dich selbst offen und ehrlich zu fragen, was du persönlich von deinem Leben erwartest. Wenn es die große Karriere ist, würde ich keine Zeit verschwenden und jetzt reinhauen. Wenn es das aber nicht sein sollte und dir andere Dinge wichtiger sind, dann kümmere dich lieber darum.
Ich finde, es ist eine wirklich gute und komplizierte Frage. Während des Studiums/Diss/Ref habe ich versucht, soweit wie möglich einen Mittelweg zu gehen. Ich habe einerseits schon sehr viel Zeit und Energie reingesteckt, andererseits aber auch darauf geachtet, abends noch Sport zu machen, mit den Jungs Fußball zu gucken oder am Wochenende feiern zu gehen. In den ersten Jahren im Beruf habe ich ebenfalls sehr viel gearbeitet. Es hat sich auch gelohnt, weil ich sehr schnell zur Erprobung konnte und sehr schnell befördert worden bin. Nun bin ich Mitte vierzig und merke schon länger, dass sich die Prioritäten immer mehr verschieben. Das liegt einerseits daran, dass die Luft beruflich natürlich immer dünner und die weiteren Aufstiegschancen immer geringer werden. Andererseits aber natürlich auch an einer gewissen Saturiertheit, weil mehr Geld für mich persönlich kein besonders großer Antrieb mehr ist. Auch die "gesundheitlichen Einschläge" kommen durchaus näher, wenn im Umfeld ältere Familienmitglied, Freunde oder Kollegen krank werden oder sterben.
Ich würde daher raten, mal einen Schritt zurückzutreten, dich soweit wie möglich von vermeintlichen gesellschaftlichen Vorstellungen freizumachen und dich selbst offen und ehrlich zu fragen, was du persönlich von deinem Leben erwartest. Wenn es die große Karriere ist, würde ich keine Zeit verschwenden und jetzt reinhauen. Wenn es das aber nicht sein sollte und dir andere Dinge wichtiger sind, dann kümmere dich lieber darum.
30.01.2026, 18:21
(30.01.2026, 16:42)Pontifex Maximus schrieb: Um mal zur Ausgangsfrage zurück zu kommen:
Ich finde, es ist eine wirklich gute und komplizierte Frage. Während des Studiums/Diss/Ref habe ich versucht, soweit wie möglich einen Mittelweg zu gehen. Ich habe einerseits schon sehr viel Zeit und Energie reingesteckt, andererseits aber auch darauf geachtet, abends noch Sport zu machen, mit den Jungs Fußball zu gucken oder am Wochenende feiern zu gehen. In den ersten Jahren im Beruf habe ich ebenfalls sehr viel gearbeitet. Es hat sich auch gelohnt, weil ich sehr schnell zur Erprobung konnte und sehr schnell befördert worden bin. Nun bin ich Mitte vierzig und merke schon länger, dass sich die Prioritäten immer mehr verschieben. Das liegt einerseits daran, dass die Luft beruflich natürlich immer dünner und die weiteren Aufstiegschancen immer geringer werden. Andererseits aber natürlich auch an einer gewissen Saturiertheit, weil mehr Geld für mich persönlich kein besonders großer Antrieb mehr ist. Auch die "gesundheitlichen Einschläge" kommen durchaus näher, wenn im Umfeld ältere Familienmitglied, Freunde oder Kollegen krank werden oder sterben.
Ich würde daher raten, mal einen Schritt zurückzutreten, dich soweit wie möglich von vermeintlichen gesellschaftlichen Vorstellungen freizumachen und dich selbst offen und ehrlich zu fragen, was du persönlich von deinem Leben erwartest. Wenn es die große Karriere ist, würde ich keine Zeit verschwenden und jetzt reinhauen. Wenn es das aber nicht sein sollte und dir andere Dinge wichtiger sind, dann kümmere dich lieber darum.
wichtiger und schwiergier als man denkt. Volle Zustimmung.
31.01.2026, 13:02
Man plant da halt auch mit vielen Unbekannten. Wird man später eine große Familie haben und ein Haus bauen wollen? Dann kann vier Jahre Großkanzlei vorher zum Eigenkapital aufbauen den Unterschied machen. Vielleicht geht aber daran die Beziehung kaputt bzw. man lernt keinen passenden Partner kennen - dann hätte man in der Zeit besser Musik oder Sport oder sonstige Hobbys betrieben...
31.01.2026, 14:06
(28.01.2026, 22:30)EinJurist schrieb:(28.01.2026, 21:21)Riecko schrieb: Also ich habe mich aktiv dazu entschieden, nochmal WiMi in einer GK und an einem Lehrstuhl zu sein (zum promovieren). Hat was für den "Grind" gebracht, aber auch perfekt zum Zeit enjoyen, weil ich echt viel Freizeit hatte und ich dennoch was für die Zukunft getan habeKlingt nach einer sehr guten Balance. Weißt du schon wie du die Balance beim Berufseinstieg angehen willst. Könntest du dir vorstellen in deiner/einer anderen GK (für eine gewisse Teit) einzusteigen
Ich würde gerne einen "entspannten" Job haben der mir Spaß macht, aber genug Freizeit bietet für wissenschaftliche Veröffentlichungen und Sport. Dabei würde ich gerne auf Sicht ca. 60-80k verdienen (natürlich nicht direkt zum Anfang, wenn das nicht geht). Endziel bezüglich des Gehalts sind bisher so 80K. Also wenn ich mit 60 Jahren 80K verdiene, bin ich super zufrieden
02.02.2026, 01:50
Ich finde es erstaunlich, über was man sich alles so Gedanken macht. Das hätte mich in meinen zwanzigern unheimlich gestresst. Ich bin in meinen zwanzigern meinen Verpflichtungen nachgegangen (Abi nachgeholt und mit Mitte 20 Studium begonnen) und ansonsten war ich mehr auf Partys als irgendwo anders. Jetzt bin ich fast 40, Beamtin, 2 Kinder (hoffentlich bald noch das 3
) und denke mir, alles richtig gemacht.
Wenn ich teilweise hier so lese, über was sich alles Gedanken gemacht wird, tut einem das schon richtig leid. Lebe einfach dein Leben. Es wird sich schon alles so fügen, wie es soll.
Eine meiner besten Freundinnen war sehr sehr fleißig im Studium, wollte Richterin werden. Sie hat so unglaublich viel gelernt, dafür viel vom Leben verpasst. Nun, sie wurde Richterin, hat es aber nicht mal bis zur Lebenszeitverbeamtung geschafft, weil sie dann verstarb. Trauriger Einzelfall könnte man denken; krank können wir aber alle werden.
Daher kann ich dir nur raten, spring nur so hoch, wie du musst und lebe dein Leben. In meinem Fall hat 2 x ausreichend für A14 und Verbeamtung gereicht.
) und denke mir, alles richtig gemacht. Wenn ich teilweise hier so lese, über was sich alles Gedanken gemacht wird, tut einem das schon richtig leid. Lebe einfach dein Leben. Es wird sich schon alles so fügen, wie es soll.
Eine meiner besten Freundinnen war sehr sehr fleißig im Studium, wollte Richterin werden. Sie hat so unglaublich viel gelernt, dafür viel vom Leben verpasst. Nun, sie wurde Richterin, hat es aber nicht mal bis zur Lebenszeitverbeamtung geschafft, weil sie dann verstarb. Trauriger Einzelfall könnte man denken; krank können wir aber alle werden.
Daher kann ich dir nur raten, spring nur so hoch, wie du musst und lebe dein Leben. In meinem Fall hat 2 x ausreichend für A14 und Verbeamtung gereicht.
02.02.2026, 23:48
(28.01.2026, 20:14)EinJurist schrieb: Es gibt ja viele die sagen, man sollte seine 20er genießen. Es sei die wertvollste Zeit weil man jung ist und als junger Mensch ganz andere Erlebnisse kreieren kann als wenn man alt ist oder in seinen 30ern mit Familie usw. viele Verpflichtungen hat (auch wenn das auch schön ist aber halt auf eine andere Weise)
Andererseits gibt es viele die sagen dass man in seinen 20ern grinden und alles geben soll und Freizeit usw hinten anstellen soll.
Wie sehr ihr das Ganze? Sowohl Erfahrungen von Leute in ihren 20ern als auch älteren wären hier sicher für alle sehr wertvoll (auch ganz allgemein für Nuchtjuristen)
Vor dem Hintergrund frage ich mich auch, ob ich mit 24/25 in eine andere Stadt zum Arbeiten in eine GK ziehen soll (Hustle in your 20s) oder ob ich in der Heimat bleiben soll bei einem Job wo ich deutlich weniger verdiene (unter 80k) dafür aber mehr Freizeit habe (Enjoy your 20s)
Gratuliere.
Meiner Meinung nach werden zwei Fragen angesprochen. Erstens ob man (iSV jeder) als junger Mensch zugunsten von Beruf/Ausbildung auf Freizeit verzichten sollte. Zweitens ob TE in seiner speziellen Situation nach der Ausbildung in der fernen Stadt bei GK viel arbeiten oder in der ländlichen Heimat bei Platzhirsch mit moderaten Arbeitszeiten arbeiten soll.
Wenn man die erste Frage so (wie ich) formuliert, lautet die Antwort in den meisten Fällen ja. Von Ausnahmen abgesehen lohnt es sich, Zeit mit Schule, Studium und Beruf zu verbringen. Mit entsprechenden Abschlüssen/Noten stehen einem nach Schule/Studium mehr Türen offen. Und auch die ersten Berufsjahre sind prägend. So steht einem Philosophie-Studium-Absolventen nach drei Jahren bei McKinsey / BCG mehrere Türen offen als dem Absolventen mit drei Jahren Erfahrung als Essens-Lieferant. Bei Jura ist es nicht anders. Wer bei Freshfields 5 Jahre Gesellschaftsrecht macht, kann danach tendenziell noch in alle andere Richtungen gehen. Wer dagegen 5 Jahre als Solo-Strafverteidiger auf dem Land gearbeitet hat, hat andere (vom jeweiligen Einzelfall abhängige) Optionen.
Fraglich ist also nicht, ob es sich lohnt, sich in jungen Jahren reinzuhängen, sondern wie viel Engagement es denn sein darf. Und diese Frage ist subjektiv und wird je nach Person und sozialem Umfeld (Familien, Freundeskreisen) unterschiedlich beantwortet. Letztlich hängt es von den eigenen Zielen (Chefjurist bei JPMorgsn oder einfacher Sachbearbeiter bei der Sparkasse, Landesbester im Examen oder 4-gewinn, Millionenvermögen mit 40 Jahren oder genug für Netflix und eine Haschischzigarette) und vorhandenen Ressourcen (Talent, Bildung, Netzwek, Vermögen) ab. Der Sohn von Donald Trump kann auch ohne großes Engagement viel erreichen, der Sohn einer alleinerziehenden Obdachlosen müsste sich für bescheidene Ziele schon sehr anstrengen müssen.
Für mich mit zwei reisesüchtigen Akademiker als Eltern und überdurchschnittlicher Lesekompetenz war Schule und Studium, Referendariat und Examina mit 2x VB und dabei die Welt bereisen ohne großes Engagement möglich. Ich habe auf nichts verzichtet, außer auf zwei Wochen für die Hausarbeiten in den Semesterferien. Ich habe selten aber fast schon gerne gelernt. Anstrengend fand ich nur mich selbst und anderen Juristen, nicht die Juristerei.
Ich hatte genug Freizeit in den 20ern. Ich war aber nicht automatisch glücklicher, wenn ich wenig zu tun hatte. Freizeit kann auch destruktiv sein (toxische Dates/Beziehungen, Rauschmittel, Videospiele, Glücksspiele, soziale Medien, Sinnsuche ohne Sinnfindung). Dies sieht man manchmal auch bei Single-Männern mittleren Alters. Ohne Frau und Kind fehlt es manchmal an „Checks and balances“.
Vor diesem - persönlichen - Hintergrund, hätte ich mit meinem heutigen Wissen versucht, meine Zeit in den 20ern anders zu nutzen. Nicht unbedingt mehr Jura, sondern andere persönliche Ziele verfolgen.
Es geht nicht um „entweder hustle oder Freizeit“, sondern um das Verfolgen von privaten und beruflichen Ziele.
06.02.2026, 14:52
Wenn man überlegen muss, ob man den typischen GK Weg gehen will, dann wird er einen sehr wahrscheinlich nicht glücklich machen. Zumindest meine Nahbereichsempirie.
"Grinden" ist übrigens zumindest aus Gamersicht das falsche Wort, es wäre wohl eher "hustlen".
Da zeigt sich aber auch das Problem des Juristen. Man jagt irgendwelchen vermeintlichen Idealen hinterher (GK Partner) ohne aber das drumherum zu beachten.
Die Juristen, die mit 40 Millionär geworden sind, sind das aber sicher in den wenigsten Fällen als angestellter Anwalt geworden
"Grinden" ist übrigens zumindest aus Gamersicht das falsche Wort, es wäre wohl eher "hustlen".
Da zeigt sich aber auch das Problem des Juristen. Man jagt irgendwelchen vermeintlichen Idealen hinterher (GK Partner) ohne aber das drumherum zu beachten.
Die Juristen, die mit 40 Millionär geworden sind, sind das aber sicher in den wenigsten Fällen als angestellter Anwalt geworden


