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Besoldung Justiz - wirklich so kacke?
Gast
Unregistered
 
#11
29.09.2021, 15:56
(29.09.2021, 14:08)Gasto schrieb:  
(29.09.2021, 13:49)Gast schrieb:  Hallo,

denke drüber nach in die Justiz zu gehen, mich schreckt aber das Gehalt irgendwie ab. In NRW bleiben nach Abzug PKV nur noch irgendwie 3200 EUR übrig, das ist nicht wirklich üppig. Ob sich das dann langfristig ausgleicht, wage ich irgendwie zu bezweifeln..


Wie steht ihr dazu? Insbesondere die Leute aus der Justiz?

Wenn du mit R1 alleine eine Familie in einer Großstadt finanzieren willst, hast du ein Problem.

Wenn du dich hingegen in einer normalen Kleinstadt niederlässt, deine Frau/Mann ähnlich arbeitet, sieht die Welt ganz anders aus. Dann habt ihr nach ein paar Jahren so 6-8k netto Haushaltseinkommen (abhängig von Teilzeit wegen Kindern), keinen Stress mit Altersvorsorge wegen Pension, eine am Ende doch halbwegs entspannte Tätigkeit und könnt euch ein schönes Häuschen leisten.

So ist es. Meine Frau verdient in etwa genauso viel wie ich als Richter. Das Netto-Haushaltseinkommen dürfte derzeit bei etwa 7.000 €/Monat liegen und auf Dauer natürlich weiter steigen. Wir sind kinderlos und leben in einer Großstadt mit gehobenen, aber nicht zu hohen Preisen. Wir werden natürlich niemals stinkreich sein, führen aber derzeit (und werden es wohl auch zukünftig immer tun) ein sehr, sehr angenehmes Leben. Bei nur einem Gehalt und zwei kleinen Kindern sähe die Welt aber wohl anders aus.
Gast
Unregistered
 
#12
29.09.2021, 15:57
Hier scheinen Leute echt zu vergessen, dass es Familien gibt, wo beide Elternteile arbeiten und insgesamt nicht mehr bei rum kommt als einmal R1..
Gast
Unregistered
 
#13
29.09.2021, 16:07
(29.09.2021, 15:57)Gast schrieb:  Hier scheinen Leute echt zu vergessen, dass es Familien gibt, wo beide Elternteile arbeiten und insgesamt nicht mehr bei rum kommt als einmal R1..



Vor allem ist es doch ein Witz zu behaupten, dass man als Single mit 3200 netto (!) nicht hinkommt. Das reicht selbst in München. Dann muss man halt etwas weniger qm zum leben nutzen, aber damit lässt es sich nun wirklich aushalten, ohne irgendwelche Abstriche zu machen. Man lebt, je nach Stadt, halt nicht in Saus und Braus.
Gast
Unregistered
 
#14
29.09.2021, 16:18
Natürlich kann man von 3.200 netto in der Regel gut leben. Die Frage ist halt nur, ob man nicht trotzdem vor dem Einstieg als Richter ein paar Jahre GK für 5.000 - 6.000 netto monatlich macht um sich ein Polster zuzulegen. Wobei der finanzielle Rückschritt beim Wechsel dann gefühlt vielleicht um so mehr weh tut  Cheese
Gasto
Unregistered
 
#15
29.09.2021, 16:57
(29.09.2021, 15:53)HerrKules schrieb:  Tja, schwierig. Bei 2 Kindern hätte man ja gerne auch 2 Kinderzimmer, also mindestens 4-Zimmer-Wohnung - und das ohne home office. 4 Zimmer kriegst du im Süden auch in kleineren Großstädten nicht unter 1,7-2,2k warm. Mit Kita und ner alten Schrottgurke vor der Tür bleibt da nicht viel für Luxus übrig. Verdient die PartnerIn auch R1, ist es sehr angenehm. Verdient die nur 1000€, wird es echt knapp.

Die Behauptung, dass neben GK eben nur ein sehr geringes und sonst ein volles Gehalt möglich sei, teile ich nicht. Ob einer jetzt um 18 oder um 20 Uhr abends heimkommt, spielt für die mögliche Arbeitszeit des anderen doch keine Rolle. Zwei volle Jobs mit Kindern gehen sowieso kaum, auch wenn es A13 ist. Hat man bspw. 1x A13 voll und einmal halb, liegt man vernutlich eher unter Großkanzlei+kleinerer Teilzeitjob. Insbesondere kriegt man den Kinderzuschlag nur einmal.

Na, jetzt mal nicht übertreiben. 4 ZKD bekommst du für unter 1,7k warm oder gar 2k warm, wenn du nicht gerade das teuerste Immoscout Angebot nimmst. Außerdem mietest du als Beamter nicht, du kaufst. Und das ist in der Regel in den kleineren Städten günstiger als nun in MUC, FFM, DUS oder HH. Außer es geht jetzt um Heidelberg o.ä.

Abgesehen davon reden wir nicht von 18 vs 20 Uhr. Wir reden ja eher von 17 Uhr vs 20 Uhr. Die GKs mit ihren oft späten Startzeiten harmonieren auch nicht so gut mit den Kita- und Schulzeiten. Wenn du als Richter um 8 Uhr anfängst, nachdem du deine Kinder wie jeder normale Mensch um kurz vor 8 bei Kita/Schule abgesetzt hast (oder sie losgefahren sind), machst du auch gerne mal um 16 Uhr Feierabend und da kannst du deinen Partner eben wesentlich besser unterstützen wie bei einer Arbeitszeit bis 20 Uhr... 

Und als Richter hat man sogar die Freiheit, dass man Nachmittags Zeit für die Kinder haben kann und dann eben zum Abend hin nochmal in die Akten schaut. Wir reden jetzt ja nicht von einem Anfänger, der ein total abgesoffenes Dezernat übernimmt, sondern von einem Richter mit etwas Erfahrung, der sein AG-Dezernat hat und das ganz normal wuppt. 

Das sage ich selbst als Anwalt.
HerrKules
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Registriert seit: Mar 2021
#16
29.09.2021, 17:24
Naja, Anwälte sind doch aber auch nicht dafür bekannt, früh anzufangen. Grade in GK geht es doch eher um 9:30 los, bringen also kein Problem. Abholen kann man die Kinder auch mit "normaler" Stelle nicht.
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Erste Infos zum Bewerbungsverfahren für den Justizdienst findest Du auf den Richter-Infoseiten von Juristenkoffer.de:
https://www.juristenkoffer.de/richter/

Darüber hinaus sollte man sich dann mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Optional besteht zudem die Möglichkeit, auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zuzugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben:

https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
 
Gast
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#17
29.09.2021, 17:38
Ich finde 3200 netto gut, nur arbeite ich halt echt viel dafür auch wegen der Verantwortung, während meine Freundin auf A13 das Gleiche bekommt und feste Arbeitszeiten hat, Überstunden abfeiern kann(man hat da auch einfach eine andere Art der Verantwortung und ein Team, wird nicht so allein gelassen). 
Das wusste ich alles vorher, aber jetzt so in der Praxis, ist es schon doof und das "Prestige" oder die paar Euro auf R1 vs A15 mehr in zig Jahren wiegen es jetzt noch nicht so auf für mich.
Gasto
Unregistered
 
#18
29.09.2021, 17:59
(29.09.2021, 17:24)HerrKules schrieb:  Naja, Anwälte sind doch aber auch nicht dafür bekannt, früh anzufangen. Grade in GK geht es doch eher um 9:30 los, bringen also kein Problem. Abholen kann man die Kinder auch mit "normaler" Stelle nicht.

Bei einer offenen Ganztagsschule oder auch normalen Kita um 16-16:30 Uhr kein Problem. 

Mag sich für viele Anwälte verrückt anhören, aber zahlreiche Menschen machen um 16 Uhr Feierabend. Auch Richter. 

Erlebt man gerne auch auf den Autobahnen vor Corona. Die Feierabend Rushour ging da so ab 15:30 Uhr los...
Gast
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#19
29.09.2021, 18:31
Für die 25-30 Stunden die ich in der Woche im Schnitt arbeite, gehe ich gerne für R1 arbeiten.

Mehr bin ich (außerhalb von Ausnahmen) für den Hungerlohn und die nicht vorhandenen Karrierechancen (500 Euro mehr bei R2) nicht bereit zu leisten.
Gast
Unregistered
 
#20
29.09.2021, 20:40
(29.09.2021, 13:49)Gast schrieb:  Hallo,

denke drüber nach in die Justiz zu gehen, mich schreckt aber das Gehalt irgendwie ab. In NRW bleiben nach Abzug PKV nur noch irgendwie 3200 EUR übrig, das ist nicht wirklich üppig. Ob sich das dann langfristig ausgleicht, wage ich irgendwie zu bezweifeln..


Wie steht ihr dazu? Insbesondere die Leute aus der Justiz?

Du weißt die Antwort doch selbst. Das Gehalt ist alles andere als gut. Justiz kannst du nur machen, wenn du davon zu 100% überzeugt bist.
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