15.09.2026, 13:55
@Patenter Gast ggfs. bist du auch einfach in einem Rechtsgebiet unterwegs, das nicht besonders reizvoll ist. Wir beobachten bei uns im Unternehmen schon eine deutliche Zunahme an Initiativbewerbungen.
Letztlich zeigt die Diskussion hier nach meinem Empfinden aber sehr deutlich, dass sich die Leute mit Berufserfahrung nicht in die Sorgen der Berufsanfänger hineinversetzen können. Meines Erachtens hat der juristische Arbeitsmarkt seinen Zenit dauerhaft überschritten. Wer jetzt mit den 2000er argumentiert, hat einfach nicht begriffen, was für ein Umbruch unserer Branche durch KI widerfährt.
Die Leistungsfähigkeit von KI wächst exponentiell und bereits jetzt vereinfacht KI die juristische Arbeit immens. Man muss sich nur die juristischen KI-Benchmarks anschauen und weiß, dass es zukünftig deutlich weniger Volljuristen braucht.
Wer sich dieser Entwicklung bewusst ist, kann auch nur den Kopf darüber schütteln, was einem in der öffentlichen Verwaltung teilweise für Bedienungen geboten werden. Da hat man Jobsicherheit und eine gute Bezahlung bei angenehmer Belastung. Und nach der juristischen Ausbildung ist man nun mal Generalist und der Einstieg in die Verwaltung ist daher für viele auch nicht so schmerzhaft, wie von einigen hier dargestellt.
Letztlich zeigt die Diskussion hier nach meinem Empfinden aber sehr deutlich, dass sich die Leute mit Berufserfahrung nicht in die Sorgen der Berufsanfänger hineinversetzen können. Meines Erachtens hat der juristische Arbeitsmarkt seinen Zenit dauerhaft überschritten. Wer jetzt mit den 2000er argumentiert, hat einfach nicht begriffen, was für ein Umbruch unserer Branche durch KI widerfährt.
Die Leistungsfähigkeit von KI wächst exponentiell und bereits jetzt vereinfacht KI die juristische Arbeit immens. Man muss sich nur die juristischen KI-Benchmarks anschauen und weiß, dass es zukünftig deutlich weniger Volljuristen braucht.
Wer sich dieser Entwicklung bewusst ist, kann auch nur den Kopf darüber schütteln, was einem in der öffentlichen Verwaltung teilweise für Bedienungen geboten werden. Da hat man Jobsicherheit und eine gute Bezahlung bei angenehmer Belastung. Und nach der juristischen Ausbildung ist man nun mal Generalist und der Einstieg in die Verwaltung ist daher für viele auch nicht so schmerzhaft, wie von einigen hier dargestellt.
15.09.2026, 14:04
(15.09.2026, 13:55)advocatus diaboli schrieb: @Patenter Gast ggfs. bist du auch einfach in einem Rechtsgebiet unterwegs, das nicht besonders reizvoll ist. Wir beobachten bei uns im Unternehmen schon eine deutliche Zunahme an Initiativbewerbungen.
Mein Kollege aus dem selben Rechtsgebiet in der GK meint, dass sie mit Bewerbungen überflutet werden. Aber bis zu uns scheint die Suche der Bewerber dann nicht zu reichen und, wie gesagt, wir stehen in jedem Fachranking drin.
Und diese KI-Gebashe ist mir auch zu eindimensional. Legoras Founder hat gerade gesagt (ich poste es einfach mal rein):
According to Max, Legora's customers are hiring more lawyers.
This flips the entire narrative.
An independent study across AmLaw 200, Magic Circle, and top international firms found: — 42% said Legora helped them win new work
— 45% used it to expand existing client relationships
— 39% took on matters that would have previously required a no
One firm reviewed an entire corporate client's tech supply chain, every contract, in 4-5 days. A human team would have needed weeks.
The cost would have killed the project before it started.
The work wasn't economical before. So no one did it. Now it gets done.
That's Jevons Paradox applied to law. Better tools don't shrink the market. They expand it.
Who gets hurt most if this model holds across every professional services industry?
15.09.2026, 14:08
(15.09.2026, 13:55)advocatus diaboli schrieb: @Patenter Gast ggfs. bist du auch einfach in einem Rechtsgebiet unterwegs, das nicht besonders reizvoll ist. Wir beobachten bei uns im Unternehmen schon eine deutliche Zunahme an Initiativbewerbungen.
Letztlich zeigt die Diskussion hier nach meinem Empfinden aber sehr deutlich, dass sich die Leute mit Berufserfahrung nicht in die Sorgen der Berufsanfänger hineinversetzen können. Meines Erachtens hat der juristische Arbeitsmarkt seinen Zenit dauerhaft überschritten. Wer jetzt mit den 2000er argumentiert, hat einfach nicht begriffen, was für ein Umbruch unserer Branche durch KI widerfährt.
Die Leistungsfähigkeit von KI wächst exponentiell und bereits jetzt vereinfacht KI die juristische Arbeit immens. Man muss sich nur die juristischen KI-Benchmarks anschauen und weiß, dass es zukünftig deutlich weniger Volljuristen braucht.
Wer sich dieser Entwicklung bewusst ist, kann auch nur den Kopf darüber schütteln, was einem in der öffentlichen Verwaltung teilweise für Bedienungen geboten werden. Da hat man Jobsicherheit und eine gute Bezahlung bei angenehmer Belastung. Und nach der juristischen Ausbildung ist man nun mal Generalist und der Einstieg in die Verwaltung ist daher für viele auch nicht so schmerzhaft, wie von einigen hier dargestellt.
Es herrscht- man liest es auch hier im Forum - teilweise allerdings auch eine etwas verquere Erwartungshaltung bei Berufseinsteigern mit mittelmäßigen bis schlechten Noten. Wenn ich mir meine Studienkollegen oder die Kolleginnen und Kollegen aus der Referendar-AG von vor zwölf Jahren ansehe, sind die deutschlandweit verteilt, obwohl Studium und Ref in einer attraktiven Großstadt waren. Auch die Kolleginnen und Kollegen am Gericht kommen von überall her. Warum? Weil sie bereit waren, dort hinzuziehen, wo die Arbeitsplätze sind. Wenn ich dann mit 2x ausreichend die Erwartungshaltung habe, in meinem Heimatdorf bleiben zu können, weil ich montags und mittwochs mein Meerschweinchen zum Tanztraining fahren muss, dann wird das halt alles auch nichts.
15.09.2026, 14:10
(15.09.2026, 13:29)Patenter Gast schrieb:(15.09.2026, 13:17)Träumchen schrieb:(15.09.2026, 13:00)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 12:35)Träumchen schrieb:Aber genau dieses Risiko, dass man hinterher einen Job machen muss den man vielleicht nicht anfangs wollte ist ein großes Stück weit selbstverschuldet aufgrund dieser Einstellung.(15.09.2026, 10:25)Patenter Gast schrieb: Ja. Bei Medizinern und anderen medizinischen Studiengängen ist das Berufsbild sehr klar vorgegeben. Ebenso bei Lehramt. BWLer haben hingegen oftmals ein großes Ego und mehr Selbstvertrauen. Jedenfalls habe ich noch von keinem BWLer gehört, dass der Kündigungsschutz ein entscheidendes Kriterium bei der Jobwahl sei... da geht's eher darum, wo am meisten verdient wird, man schnell aufsteigen kann und/oder gut wegwechseln kann.
Geisteswissenschaftler wissen oft um ihre problematische Ausgangsposition bei der Jobsuche.
Einzig bei Naturwissenschaftlern bekomme ich hin und wieder diese lebenspraktischer Phantasielosigkeit (übrigens ein schönes Wort) mit; da höre ich hin und wieder nach Abschluss des Physikstudiums die Frage, wieso wartet denn jetzt kein Unternehmen auf mich? Mein Studium war doch so schwer.
Bei Juristen merke ich vor allem, dass dieser starke Drang nach Ordnung, Planbarkeit und Struktur besteht - wahrscheinlich passt das Studium deswegen so gut. Entsprechend oftmals die Fragen hier "ich habe X Punkte und Y Punkte in meinen Examen, welche Kanzlei nimmt mich?". Das Studium wird gar nicht als "Befähiger" gesehen, wonach man danach ganz viele verschiedene Dinge machen könnte. Lieber würde man auf Grund seiner Examensergebnisse einen Job zugeteilt bekommt, der eben das Maximum aus dem rausholt, was man notentechnisch abgeliefert hat, und gut ist.
Ich bin selber Berufseinsteiger und teile viele hier genannte Aspekte. Ich möchte ebenfalls in den Staatsdienst und finde das Gesamtpaket natürlich ebenfalls attraktiv, auch wenn es nicht mein primärer Beweggrund (eher die Tätigkeiten und die Sinnhaftigkeit) ist. Es gibt unter Juristen schon die typische "Preußische Beamtenmentalität". Mancher geht wirklich davon aus, dass ihm mit den passenden Noten Job, Frau und Haus zugeteilt wird.
Ich glaube es hat aber auch mit der aktuellen Situation zu tun, was Leute mit Berufserfahrung so vielleicht nicht (mehr) nachvollziehen können. "Uns" (ich habe lustigerweise fast identische Noten mit dem Poster) wurde immer gesagt, dass uns eine Vielfalt an juristischen Möglichkeiten offen steht. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Gerade mit den kombinierten Wirtschaftskrisen und der "Mainstream"-Verfügbarkeit von KI im juristischen Alltag sind viele Arbeitgeber (Unternehmen, öD und Kanzleien) zurückhaltender geworden. Dazu kommt die zunehmend ungewisse Zukunft. Für Juristen mit Berufserfahrung ist der Arbeitsmarkt unverändert gut, für Berufseinsteiger ist er jedoch (soweit ein Ausblick möglich ist) schlecht.
Die Möglichkeit, einfach nichts zu finden oder dauerhaft in Jobs zu landen, die man bei Studienbeginn nicht machen wollte, ist real. Dies erzeugt Frustration und gewisse Tendenzen "aufzugeben". Viele Leute sehen die ambitionslose, aber sichere, Beamtenstelle plötzlich als sehr attraktiv an. Viele sind mittlerweile auch einfach verzweifelt. Die machen dann lieber einen (für sie) langweiligen oder sogar unliebsamen Job, nehmen die genannten Vorteile aber mit (obwohl solche Leute ja gerade durch das Assessment Center aussortiert werden sollten).
Da kann man sich als jemand, der schon im sicheren Boot sitzt und seinen Wunschberuf gefunden hat, natürlich gut drüber lustig machen.
Wenn ich Jura anfange und meinen Erwartungshorizont auf
A. GK Anwalt mit 120k + als First year
B. Richter, StA oder andere xy - fancy Stellen mit Prestige und Sicherheit
verenge, obwohl von vornherein klar ist, dass
1. die Anforderungen verdammt hoch sind UND
2. die gewünschten Stellen rar gesät sind.
ist eine solche Einstellung einfach nur absurd und zwar mit Ansage.
Das kann man natürlich so sehen, aber wer hat Jura (in den letzten 20 Jahren) bewusst mit dem Risiko studiert, dass er keinen Job finden oder nur (bald durch KI-ersetzter und ums Überleben kämpfender) FWW-Anwalt wird? Es sind ja nicht nur die Stellen an der Spitze enger geworden, sondern das zieht sich immer weiter runter. Teilweise fordert der öD teils für e12/13 Stellen mindestens ein VB, FWW Kanzleien mindestens zwei B.
Es geht ja auch garnicht darum, dass alle zu Freshfields oder zur Berliner Justiz wollten und nichts anderes in Betracht käme. Es sind in kurzer Zeit viele "mittelgute" Stellen weggefallen, die früher von den "mittelguten" Absolventen besetzt wurden (Syndikusanwälte/MK/gehobene FWW/Verbände/hD). Auf die verbleibenden Junior-Stellen bewerben sich jetzt diejenigen, die früher in der GK/Justiz oder den Ministerien eingestiegen wären. Gerade die typischen 2x7-8 Kandidaten müssen jetzt kämpfen und nehmen, was sie kriegen können. Die 2x7 Kandidaten müssen wirklich schauen, dass sie unterkommen. Wenn denen dann ihr ganzes Studium gesagt wurde, dass sie "super Aussichten" hätten (was man als Anfang 20-jähriger glaubt, wenn Herr Prof. das sagt), sind die frustriert.
Im Arbeitsmarkt gibt es einen Schweinezyklus. Vor 20 Jahren hieß es auch schon, dass es das war mit den goldenen Zeiten der Juristen und man unter doppel-vb direkt Taxi fahren darf. Hier ein Text aus 2006!
"Leugnen ist daher zwecklos: Die Lage für junge Juristen ist ernst. Viele Berufseinsteiger haben es schwer." und auch "Besonders heftig beutelt die Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen Berufseinsteiger am unteren Ende der Skala: Sie erhalten keine Festeinstellung, sondern freie Mitarbeit und müssen dann für die soziale Absicherung selbst aufkommen. Hohe Arbeitsbelastung bei niedriger Vergütung - mitunter müssen gleich zwei Jobs für das Auskommen sorgen."
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/jo...12423.html
Euch steht weiterhin eine Vielfalt an Jobmöglichkeiten offen, man muss sich dafür aber auch entsprechend breit bewerben und suchen.
Und Profs erzählen natürlich gerne, dass alles wunderbar ist. Das tun sie in den MINT-Berufen auch. Aber als Jurastudent sollte man sich schon klar sein, dass man als leicht überdurchschnittlicher Absolvent eines Massenstudiengangs nun nicht händeringend gesucht wird. Da bringt es auch wenig, auf ein kurzes Zeitfenster nach Corona zu schauen und zu sagen, da war es viel besser.
Außerdem, wie ich hier immer wieder schreibe, wir sind eine Tier 1/2 Spezialkanzlei und bekommen ca. eine Bewerbung pro Monat (oder weniger). Und da rede ich nicht von doppel-vb, sondern wirklich eine Bewerbung pro Monat. Es kann mir keiner erzählen, dass man sich überall bewirbt und alles abklappert, wenn ich das praktische Gegenbeispiel bei mir im Alltag sehe. Über 100.000 zum Einstieg zahlen wir auch...
Danke! Ich unterschreibe jedes Wort!
Es gab wirklich schon immer das Auf und Ab. Als ich bei der Studienberatung war, hat man mir damals explizit wegen der schlechten Berufsaussichten von Jura abgeraten. Der Studienberater hat original gesagt: "noch so einer der Pflasterstein studieren möchte. Juristen haben nur gute Berufsaussichten mit absoluten Top-Noten und damit meine ich die oberen 5%. Da liegt ihr Abi auch nicht, also warum wollen sie sich das antun?" Als ich fertig war, war der Arbeitsmarkt wirklich noch Mist und der Staatsdienst war sehr attraktiv mit entsprechender Notengrenze. Meine Noten waren nicht gut, dazu noch die falsche Staatsbürgerschaft, so dass ich meinen Weg gehen musste. Daher: die Situation heute ist nicht neu. Viele Juristen im Berufsleben kennen sie. Es ist aber gerade dieser Hype vorbei, den wir vor einiger Zeit hatten
Es gibt aber weiterhin Jobs. Ich selbst habe vor ein paar Wochen gesucht und die Bewerbungslage war recht dünn. Offenbar war die Stelle als Syndikus nicht so interessant. Konnten trotzdem gut besetzen. Es ist eine Berufseinsteigerin mit einem guten Schwerpunkt im Lebenslauf
15.09.2026, 19:28
(15.09.2026, 14:10)Freidenkender schrieb:(15.09.2026, 13:29)Patenter Gast schrieb:(15.09.2026, 13:17)Träumchen schrieb:(15.09.2026, 13:00)NRW556 schrieb:(15.09.2026, 12:35)Träumchen schrieb: Ich bin selber Berufseinsteiger und teile viele hier genannte Aspekte. Ich möchte ebenfalls in den Staatsdienst und finde das Gesamtpaket natürlich ebenfalls attraktiv, auch wenn es nicht mein primärer Beweggrund (eher die Tätigkeiten und die Sinnhaftigkeit) ist. Es gibt unter Juristen schon die typische "Preußische Beamtenmentalität". Mancher geht wirklich davon aus, dass ihm mit den passenden Noten Job, Frau und Haus zugeteilt wird.Aber genau dieses Risiko, dass man hinterher einen Job machen muss den man vielleicht nicht anfangs wollte ist ein großes Stück weit selbstverschuldet aufgrund dieser Einstellung.
Ich glaube es hat aber auch mit der aktuellen Situation zu tun, was Leute mit Berufserfahrung so vielleicht nicht (mehr) nachvollziehen können. "Uns" (ich habe lustigerweise fast identische Noten mit dem Poster) wurde immer gesagt, dass uns eine Vielfalt an juristischen Möglichkeiten offen steht. Dies ist aber nicht (mehr) der Fall. Gerade mit den kombinierten Wirtschaftskrisen und der "Mainstream"-Verfügbarkeit von KI im juristischen Alltag sind viele Arbeitgeber (Unternehmen, öD und Kanzleien) zurückhaltender geworden. Dazu kommt die zunehmend ungewisse Zukunft. Für Juristen mit Berufserfahrung ist der Arbeitsmarkt unverändert gut, für Berufseinsteiger ist er jedoch (soweit ein Ausblick möglich ist) schlecht.
Die Möglichkeit, einfach nichts zu finden oder dauerhaft in Jobs zu landen, die man bei Studienbeginn nicht machen wollte, ist real. Dies erzeugt Frustration und gewisse Tendenzen "aufzugeben". Viele Leute sehen die ambitionslose, aber sichere, Beamtenstelle plötzlich als sehr attraktiv an. Viele sind mittlerweile auch einfach verzweifelt. Die machen dann lieber einen (für sie) langweiligen oder sogar unliebsamen Job, nehmen die genannten Vorteile aber mit (obwohl solche Leute ja gerade durch das Assessment Center aussortiert werden sollten).
Da kann man sich als jemand, der schon im sicheren Boot sitzt und seinen Wunschberuf gefunden hat, natürlich gut drüber lustig machen.
Wenn ich Jura anfange und meinen Erwartungshorizont auf
A. GK Anwalt mit 120k + als First year
B. Richter, StA oder andere xy - fancy Stellen mit Prestige und Sicherheit
verenge, obwohl von vornherein klar ist, dass
1. die Anforderungen verdammt hoch sind UND
2. die gewünschten Stellen rar gesät sind.
ist eine solche Einstellung einfach nur absurd und zwar mit Ansage.
Das kann man natürlich so sehen, aber wer hat Jura (in den letzten 20 Jahren) bewusst mit dem Risiko studiert, dass er keinen Job finden oder nur (bald durch KI-ersetzter und ums Überleben kämpfender) FWW-Anwalt wird? Es sind ja nicht nur die Stellen an der Spitze enger geworden, sondern das zieht sich immer weiter runter. Teilweise fordert der öD teils für e12/13 Stellen mindestens ein VB, FWW Kanzleien mindestens zwei B.
Es geht ja auch garnicht darum, dass alle zu Freshfields oder zur Berliner Justiz wollten und nichts anderes in Betracht käme. Es sind in kurzer Zeit viele "mittelgute" Stellen weggefallen, die früher von den "mittelguten" Absolventen besetzt wurden (Syndikusanwälte/MK/gehobene FWW/Verbände/hD). Auf die verbleibenden Junior-Stellen bewerben sich jetzt diejenigen, die früher in der GK/Justiz oder den Ministerien eingestiegen wären. Gerade die typischen 2x7-8 Kandidaten müssen jetzt kämpfen und nehmen, was sie kriegen können. Die 2x7 Kandidaten müssen wirklich schauen, dass sie unterkommen. Wenn denen dann ihr ganzes Studium gesagt wurde, dass sie "super Aussichten" hätten (was man als Anfang 20-jähriger glaubt, wenn Herr Prof. das sagt), sind die frustriert.
Im Arbeitsmarkt gibt es einen Schweinezyklus. Vor 20 Jahren hieß es auch schon, dass es das war mit den goldenen Zeiten der Juristen und man unter doppel-vb direkt Taxi fahren darf. Hier ein Text aus 2006!
"Leugnen ist daher zwecklos: Die Lage für junge Juristen ist ernst. Viele Berufseinsteiger haben es schwer." und auch "Besonders heftig beutelt die Flexibilisierung von Arbeitsverhältnissen Berufseinsteiger am unteren Ende der Skala: Sie erhalten keine Festeinstellung, sondern freie Mitarbeit und müssen dann für die soziale Absicherung selbst aufkommen. Hohe Arbeitsbelastung bei niedriger Vergütung - mitunter müssen gleich zwei Jobs für das Auskommen sorgen."
https://www.spiegel.de/lebenundlernen/jo...12423.html
Euch steht weiterhin eine Vielfalt an Jobmöglichkeiten offen, man muss sich dafür aber auch entsprechend breit bewerben und suchen.
Und Profs erzählen natürlich gerne, dass alles wunderbar ist. Das tun sie in den MINT-Berufen auch. Aber als Jurastudent sollte man sich schon klar sein, dass man als leicht überdurchschnittlicher Absolvent eines Massenstudiengangs nun nicht händeringend gesucht wird. Da bringt es auch wenig, auf ein kurzes Zeitfenster nach Corona zu schauen und zu sagen, da war es viel besser.
Außerdem, wie ich hier immer wieder schreibe, wir sind eine Tier 1/2 Spezialkanzlei und bekommen ca. eine Bewerbung pro Monat (oder weniger). Und da rede ich nicht von doppel-vb, sondern wirklich eine Bewerbung pro Monat. Es kann mir keiner erzählen, dass man sich überall bewirbt und alles abklappert, wenn ich das praktische Gegenbeispiel bei mir im Alltag sehe. Über 100.000 zum Einstieg zahlen wir auch...
Danke! Ich unterschreibe jedes Wort!
Es gab wirklich schon immer das Auf und Ab. Als ich bei der Studienberatung war, hat man mir damals explizit wegen der schlechten Berufsaussichten von Jura abgeraten. Der Studienberater hat original gesagt: "noch so einer der Pflasterstein studieren möchte. Juristen haben nur gute Berufsaussichten mit absoluten Top-Noten und damit meine ich die oberen 5%. Da liegt ihr Abi auch nicht, also warum wollen sie sich das antun?" Als ich fertig war, war der Arbeitsmarkt wirklich noch Mist und der Staatsdienst war sehr attraktiv mit entsprechender Notengrenze. Meine Noten waren nicht gut, dazu noch die falsche Staatsbürgerschaft, so dass ich meinen Weg gehen musste. Daher: die Situation heute ist nicht neu. Viele Juristen im Berufsleben kennen sie. Es ist aber gerade dieser Hype vorbei, den wir vor einiger Zeit hatten
Es gibt aber weiterhin Jobs. Ich selbst habe vor ein paar Wochen gesucht und die Bewerbungslage war recht dünn. Offenbar war die Stelle als Syndikus nicht so interessant. Konnten trotzdem gut besetzen. Es ist eine Berufseinsteigerin mit einem guten Schwerpunkt im Lebenslauf
Auf die Stelle, auf der Anfang September bei uns die neue Kollegin angefangen hat, hatten wir ebenfalls nicht viele Bewerbungen. Ja, die Stelle ist befristet, da bewerben sich nicht unbedingt die Top-Leute, aber ein paar mehr Bewerbungen hatte unsere AL wohl doch erwartet. Wie ich in einem anderen Thread schrieb, ist der Job nicht schlecht und die Perspektive ist insgesamt noch offen. War dann aber offenbar nicht interessant genug für viele Leute. Achja, und die Stelle ist nicht direkt in Hamburg, sondern im Speckgürtel, das scheint für einige offenbar auch ein Ausschlusskriterium zu sein. Viele haben kein Auto, wenn sie in der Großstadt wohnen. Das verstehe ich, aber als ich vor vier Jahren ins Unternehmen eintrat, habe ich mir innerhalb von zwei Wochen einen günstigen Gebrauchtwagen geholt. So richtig verstehen, warum kaum jemand die Stelle wollte, obwohl der Markt so schlecht sein soll, kann ich nicht. Wie ich im anderen Thread schrieb, hat eine Berufseinsteigerin den Job bekommen. Fehlende Berufserfahrung war daher kein Ausschlusskriterium.
17.09.2026, 20:47
Angebot und Nachfrage, auch VB gibt einem kein Anrecht auf den Traumjob. Der Wirtschaft geht’s miserabel wie lange nicht mehr und auch der Staat steht vor erheblichen Einsparungen. Und ich dachte damals es wäre schwer gewesen 2021 mitten in Corona einen Job zu finden, aber auch heute geht noch etwas wenn man‘s schlau anstellt. Die Jobanzeigen auf den großen Portalen und Assessmentcenter sind halt oft nicht die vielversprechendsten Angebote.
17.09.2026, 22:58
Als Anwalt dreht sich das Leben oft halt nur noch um den Job. Im öD hat man noch Zeit für ein Privatleben. Denke das ist der größte Benefit und ist auch mehr Wert als (eventuell) mehr Geld in der freien Wirtschaft/Großlanzleien









