09.06.2022, 19:33
Hi,
160.000 EUR p.a. Einstiegsgehalt aufwärts in den US-Transaktionsbuden klingen natürlich für jeden äußerst verlockend.
Was spricht aber gegen die Entscheidung, dort zu arbeiten? Könnt Ihr ein paar Argumente aufzählen und mich überzeugen, der finanziellen Verlockung erfolgreich zu widerstehen?
160.000 EUR p.a. Einstiegsgehalt aufwärts in den US-Transaktionsbuden klingen natürlich für jeden äußerst verlockend.
Was spricht aber gegen die Entscheidung, dort zu arbeiten? Könnt Ihr ein paar Argumente aufzählen und mich überzeugen, der finanziellen Verlockung erfolgreich zu widerstehen?
09.06.2022, 19:45
Dagegen spricht, dass man schon ein sehr spezieller Typ sein muss, un die dortige Arbeitsbelastung mit all ihren Spitzen dauerhaft auszuhalten. Geht man hingegen in eine full-service-GK und dort nicht unbedingt ins M&A-Geschäft, arbeitet man zwar auch "viel", aber man hat eher eine Chance, in dem Job alt zu werden. So jedenfalls dachte ich vor 6 Jahren und ging zu einer deutschen GK. Bin immer noch da, verdiene gut (aber weniger als ein 1rst-year beim Gehalts-Marltführer - das ist einfach LOL) und halte den Job aus (bzw. mag ihn).
Kurz gesagt: Wenn es auf Dauer GK sein soll, würde ich mir gut überlegen, ob M&A bei Ami-Buden echt ein lifestyle ist, den ich aushalte. Wenn man nur 3 Jahre lang Geld machen will, dann ist die Ami-Bude hingegen der place to be. Wenn man ein krasser workaholic ist, dann vielleicht auch.
Kurz gesagt: Wenn es auf Dauer GK sein soll, würde ich mir gut überlegen, ob M&A bei Ami-Buden echt ein lifestyle ist, den ich aushalte. Wenn man nur 3 Jahre lang Geld machen will, dann ist die Ami-Bude hingegen der place to be. Wenn man ein krasser workaholic ist, dann vielleicht auch.
09.06.2022, 19:55
Sehr berechtigte Frage. Unterstellt, M&A/PE ist tatsächlich der Fachbereich deiner Wahl und du möchtest an einem der Standorte arbeiten, an denen die US-Kanzleien vertreten sind, gibt es wirklich nicht viele Gründe, warum man nicht dort arbeiten sollte (sofern man die Leute dort auch sympathisch findet).
Ein maßgeblicher Grund wäre für mich der Unterschied in den Arbeitszeiten sowie die Anforderungen an ständige Erreichbarkeit. Versteh mich nicht falsch, im M&A/PE arbeitest du auch bei T1-Kanzleien wie Freshfields und Hengeler sicherlich mehr als genug. Dennoch glaube ich, dass bei den US-Kanzleien nochmal eine Schippe oben drauf kommt und zwar insbesondere was die Wochenendarbeit sowie die ständige Erreichbarkeit anbelangt. Zumindest aus meiner Erfahrung, haben bei deutschen und britischen Kanzleien Wochenende und Urlaub noch einen gewissen Stellenwert – die Hemmschwelle bei US-Buden liegt da tendenziell deutlich niedriger (wobei auch das Team/Parter-abhängig ist).
Ob dieser mehr oder weniger geringfügige Unterschied in den Arbeitszeiten durch das deutlich höhere Gehalt (insbesondere ab dem 5./6. Jahr kann das ein Unterschied von 100k sein) kompensiert wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man merkt gerade vor allem im Londoner Kanzleimarkt wie die MC-Kanzleien gegen ihre amerikanische Konkurrenz ankämpfen, da vor allem sehr viele Midlevel-Associates sowie Partner gerade zu den Amis wechseln.
Ein maßgeblicher Grund wäre für mich der Unterschied in den Arbeitszeiten sowie die Anforderungen an ständige Erreichbarkeit. Versteh mich nicht falsch, im M&A/PE arbeitest du auch bei T1-Kanzleien wie Freshfields und Hengeler sicherlich mehr als genug. Dennoch glaube ich, dass bei den US-Kanzleien nochmal eine Schippe oben drauf kommt und zwar insbesondere was die Wochenendarbeit sowie die ständige Erreichbarkeit anbelangt. Zumindest aus meiner Erfahrung, haben bei deutschen und britischen Kanzleien Wochenende und Urlaub noch einen gewissen Stellenwert – die Hemmschwelle bei US-Buden liegt da tendenziell deutlich niedriger (wobei auch das Team/Parter-abhängig ist).
Ob dieser mehr oder weniger geringfügige Unterschied in den Arbeitszeiten durch das deutlich höhere Gehalt (insbesondere ab dem 5./6. Jahr kann das ein Unterschied von 100k sein) kompensiert wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man merkt gerade vor allem im Londoner Kanzleimarkt wie die MC-Kanzleien gegen ihre amerikanische Konkurrenz ankämpfen, da vor allem sehr viele Midlevel-Associates sowie Partner gerade zu den Amis wechseln.
10.06.2022, 00:59
(09.06.2022, 19:55)whoiselijah schrieb: Sehr berechtigte Frage. Unterstellt, M&A/PE ist tatsächlich der Fachbereich deiner Wahl und du möchtest an einem der Standorte arbeiten, an denen die US-Kanzleien vertreten sind, gibt es wirklich nicht viele Gründe, warum man nicht dort arbeiten sollte (sofern man die Leute dort auch sympathisch findet).Alles richtig. Noch ein paar Punkte:
Ein maßgeblicher Grund wäre für mich der Unterschied in den Arbeitszeiten sowie die Anforderungen an ständige Erreichbarkeit. Versteh mich nicht falsch, im M&A/PE arbeitest du auch bei T1-Kanzleien wie Freshfields und Hengeler sicherlich mehr als genug. Dennoch glaube ich, dass bei den US-Kanzleien nochmal eine Schippe oben drauf kommt und zwar insbesondere was die Wochenendarbeit sowie die ständige Erreichbarkeit anbelangt. Zumindest aus meiner Erfahrung, haben bei deutschen und britischen Kanzleien Wochenende und Urlaub noch einen gewissen Stellenwert – die Hemmschwelle bei US-Buden liegt da tendenziell deutlich niedriger (wobei auch das Team/Parter-abhängig ist).
Ob dieser mehr oder weniger geringfügige Unterschied in den Arbeitszeiten durch das deutlich höhere Gehalt (insbesondere ab dem 5./6. Jahr kann das ein Unterschied von 100k sein) kompensiert wird, muss jeder für sich selbst entscheiden. Man merkt gerade vor allem im Londoner Kanzleimarkt wie die MC-Kanzleien gegen ihre amerikanische Konkurrenz ankämpfen, da vor allem sehr viele Midlevel-Associates sowie Partner gerade zu den Amis wechseln.
1. Die Mandanten von US-Kanzleien sind typischerweise andere als von Hengeler und Linklaters. Letztere sind häufig an der Seite der Dax-Unternehmen zu sehen. Das heißt nicht, dass man bei Linklaters keine US-Mandanten beraten kann oder dass US-Kanzleien keine deutschen Mandanten haben (vgl nur S&C). Wohl aber ist eine Tendenz zu beobachten.
2. Die europäischen T1-Corporate-Kanzleien sind personell und inhaltlich deutlich breiter aufgestellt. Wer eine breite Ausbildung will, bekommt diese eher dort und nicht bei den US-Transaktionskanzleien.
3. Wer Partner werden will, hat nach meinem Eindruck bei Hengeler, Freshfields und Co bessere Karten als bei den Amis. Bei US-Kanzleien (Ausnahme Kirkland) ist selbst die Salary-Partnerschaft kaum erreichbar. Da ernennen die europäischen Kanzleien deutlich häufiger Partner und Counsel. Bevor der Einwand kommt: Ja, gemessen an den jährlichen Neueinstellungen sind drei Partner und acht Counsel nicht viel (Linklaters 2022). Allerdings wollen viele Berufseinsteiger gar nicht langfristig in der Kanzlei bleiben. Bei einer Jahrgangsgröße von 50 sind ca 10 Partner/Counsel kein schlechter Schnitt.
Mit Blick auf den ungewöhnlich kurzen Partnertrack bei Hengeler relativiert sich übrigens die Gehaltsdifferenz zu US-Associates.
10.06.2022, 15:39
Zitat:Was spricht aber gegen die Entscheidung, dort zu arbeiten?
- Rechtsgebiet (GesellR)
- Mandate (kein klassisches GesellR)
- Belegschaft zu homogen
- Klima im Team passt nicht
- Arbeitszeiten nur für Soziophobe geeignet
- Arbeitsalltag ohne sinnstiftenden Inhalt
- Prozesserfahrung minus
- Angestellter statt Selbstständigkeit
- Aufstiegschancen nicht vorhanden
- Weiterbildung könnte besser sein
- Standort kann Umzug erfordern
- Standort mit perversem Wohnungsmarkt
- Obstkorb nicht vorhanden
- Kanzlei zu groß (Vergleich zu FWW/Boutique)
- Kanzlei zu klein (Vergleich zu echter GK)
- Büro ohne Geschmack
- Dachterrasse gibt es nicht
- Kanzleievents sind cringe
- Burnout will nicht jeder haben
Dem gegenüber stehen viele andere, erstklassige Optionen. Von dem gebotenen Gehalt bleibt netto nicht sooo viel mehr als bei der Konkurrenz, als dass es in diesen Größenordnungen noch einen krassen Unterschied machen könnte. Je nach Standort (Umzug erforderlich?) bleibt vielleicht sogar weniger. Und auf die Stunde sollte man besser gar nicht erst rechnen.
Zwischen 20k und 40k ist ein großer Unterschied. Zwischen 140k und 160k schwindet dieser.
Allgemein: Wieso sollte man unbedingt dort arbeiten, wo es das höchste Bruttogehalt gibt? Da müsste man auch jeden Biologie-Erstsemestler fragen, warum er sich nicht für Jura und eine anschließende Karriere in einer Transaktionsbude entschieden hat. Vielleicht gefällt ihm Biologie einfach besser und er will lieber damit seine kostbare Lebenszeit verbringen? Und warum gibt es überhaupt Menschen, die den Beruf des Tischlers erlernen und darin ihre Erfüllung finden, obwohl sie doch mit Excelklickerei und Dokumentensichtungen so viel mehr verdienen könnten?
Dabei handelt es sich bei den "Verlockungen" nur um Einstiegsgehälter. Welche Verdienstchancen andere Karrierewege am Ende bereit halten, lässt sich kaum abschätzen. Möglicherweise mehr als wenn man mit 32 wegen Burnout aus der Transaktionsbude aussteigt und nach 2 Jahren Therapie dann in den ÖD geht.
10.06.2022, 16:36
(10.06.2022, 15:39)Gast schrieb: Allgemein: Wieso sollte man unbedingt dort arbeiten, wo es das höchste Bruttogehalt gibt? Da müsste man auch jeden Biologie-Erstsemestler fragen, warum er sich nicht für Jura und eine anschließende Karriere in einer Transaktionsbude entschieden hat.Oder den Anwalt in einer Transaktionsbude fragen, wieso er nicht BWL studiert und Investmentbanker geworden ist.
10.06.2022, 18:40
(10.06.2022, 16:36)Gast schrieb: Oder den Anwalt in einer Transaktionsbude fragen, wieso er nicht BWL studiert und Investmentbanker geworden ist.
Mache zwar kein M&A, sitze aber in solch einer „Transaktionsbude“ und habe erst heute wieder eine Nachricht von einem Headhunter bekommen, ob ich nicht Interesse hätte ins Deal Team eines Funds zu wechseln. Diesen Weg sind mehrere meiner ehem. Kollegen bereits gegangen. Will sagen, Premium-Jobs, die scheinbar eher nach BWL riechen, stehen einem aus den Transaktionsbuden heraus durchaus offen.
10.06.2022, 19:58
(10.06.2022, 18:40)Gast schrieb:(10.06.2022, 16:36)Gast schrieb: Oder den Anwalt in einer Transaktionsbude fragen, wieso er nicht BWL studiert und Investmentbanker geworden ist.
Mache zwar kein M&A, sitze aber in solch einer „Transaktionsbude“ und habe erst heute wieder eine Nachricht von einem Headhunter bekommen, ob ich nicht Interesse hätte ins Deal Team eines Funds zu wechseln. Diesen Weg sind mehrere meiner ehem. Kollegen bereits gegangen. Will sagen, Premium-Jobs, die scheinbar eher nach BWL riechen, stehen einem aus den Transaktionsbuden heraus durchaus offen.
Hätte sich dein Gehalt gesteigert? Was wären deine neuen Arbeitszeiten gewesen?
10.06.2022, 21:22
Lebenszeit die dir verloren geht.
10.06.2022, 21:55
(10.06.2022, 19:58)Joko schrieb:(10.06.2022, 18:40)Gast schrieb:(10.06.2022, 16:36)Gast schrieb: Oder den Anwalt in einer Transaktionsbude fragen, wieso er nicht BWL studiert und Investmentbanker geworden ist.
Mache zwar kein M&A, sitze aber in solch einer „Transaktionsbude“ und habe erst heute wieder eine Nachricht von einem Headhunter bekommen, ob ich nicht Interesse hätte ins Deal Team eines Funds zu wechseln. Diesen Weg sind mehrere meiner ehem. Kollegen bereits gegangen. Will sagen, Premium-Jobs, die scheinbar eher nach BWL riechen, stehen einem aus den Transaktionsbuden heraus durchaus offen.
Hätte sich dein Gehalt gesteigert? Was wären deine neuen Arbeitszeiten gewesen?
Arbeite in einer normalen brit T3 Full service Einheit. Kollegin von mir hat gerade gekündigt und geht zu genau so einem Fund. Dafür braucht man dieses US-Zeug jdf nicht










