22.12.2020, 10:06
Hi liebe Kolleginnen und Kollegen,
Liebe Mitleser,
kurz zu mir: Ich bin seit 2 Jahren als Anwalt tätig. Gleichwohl mein Wunsch schon immer die Selbstständigkeit (mit allen Vor- aber vor allem auch Nachteilen) gewesen ist.
Ich habe nun in einer kleinen Gemeinde das Angebot bekommen eine dort etablierte Einzel-Kanzlei zu übernehmen, da die vormalige Kanzleiinhaberin in den Ruhestand geht. Der Reiz wäre natürlich, dass man nicht komplett bei 0 anfängt.
Die Kanzlei verfügt über schön eingerichtete Kanzleiräume auf ca. 130 m², 3 langjährige Mitarbeiter. Die Inhaberin generiert Umsätze von ca. 180-200k. Die laufenden Kosten belaufen sich wohl nach meiner überschlägigen Rechnung auf ca. 70-90k (Details fehlen mir hier noch).
Natürlich wäre das ganze verbunden mit einer noch auszuhandelnden Summe für den good will (was allerdings auch eine 5-6 stellige Summe werden dürfte entsprechend des Umsatzes und der Kanzleiausstattung).
Gleichwohl es mich extrem reizen würde, ist mir gestern bei der Zusammenfassung der Kosten schon etwas mulmig geworden, da man hier aus dem Stand Kosten von ca. 8000 € monatlich erst mal stemmen muss (plus Gründungskredit). Andererseits ist natürlich die Überlegung, dass einem früher oder später ohnehin nichts übrig bleibt als sich einzukaufen, wenn man nicht für immer angestellt bleiben möchte.
Auch mit einem Start von 0 hatte ich mich länger beschäftigt. Das wäre zwar deutlich "billiger" man hat aber natürlich nicht den Mandantenstamm und auch nicht die Mitarbeiter.
Ich bin zwar kein kompletter Berufsanfänger, aber weitem auch noch kein Profi. Die Inhaberin hatte mir angeboten, eine gewisse Zeit in Bürogemeinschaft zu arbeiten, bevor man die Kanzlei übernimmt um auch in die Mandate eingeführt zu werden.
Leider sind meine Ersparnisse aufgrund einer Tätigkeit anfangs als FWW Anwalt bei knapp 3k brutto sehr, sagen wir überschaubar.
Da mir diese Chance aber seit Wochen im Kopf geistert, wollte ich mich einfach mal umhören, ob es hier Kollegen oder Kolleginnen gibt die einen gleichen Schritt gewagt haben und die evtl. von Ihren Erfahrungen berichten könnten.
Würde mich über einen konstruktiven Austausch freuen.
Liebe Mitleser,
kurz zu mir: Ich bin seit 2 Jahren als Anwalt tätig. Gleichwohl mein Wunsch schon immer die Selbstständigkeit (mit allen Vor- aber vor allem auch Nachteilen) gewesen ist.
Ich habe nun in einer kleinen Gemeinde das Angebot bekommen eine dort etablierte Einzel-Kanzlei zu übernehmen, da die vormalige Kanzleiinhaberin in den Ruhestand geht. Der Reiz wäre natürlich, dass man nicht komplett bei 0 anfängt.
Die Kanzlei verfügt über schön eingerichtete Kanzleiräume auf ca. 130 m², 3 langjährige Mitarbeiter. Die Inhaberin generiert Umsätze von ca. 180-200k. Die laufenden Kosten belaufen sich wohl nach meiner überschlägigen Rechnung auf ca. 70-90k (Details fehlen mir hier noch).
Natürlich wäre das ganze verbunden mit einer noch auszuhandelnden Summe für den good will (was allerdings auch eine 5-6 stellige Summe werden dürfte entsprechend des Umsatzes und der Kanzleiausstattung).
Gleichwohl es mich extrem reizen würde, ist mir gestern bei der Zusammenfassung der Kosten schon etwas mulmig geworden, da man hier aus dem Stand Kosten von ca. 8000 € monatlich erst mal stemmen muss (plus Gründungskredit). Andererseits ist natürlich die Überlegung, dass einem früher oder später ohnehin nichts übrig bleibt als sich einzukaufen, wenn man nicht für immer angestellt bleiben möchte.
Auch mit einem Start von 0 hatte ich mich länger beschäftigt. Das wäre zwar deutlich "billiger" man hat aber natürlich nicht den Mandantenstamm und auch nicht die Mitarbeiter.
Ich bin zwar kein kompletter Berufsanfänger, aber weitem auch noch kein Profi. Die Inhaberin hatte mir angeboten, eine gewisse Zeit in Bürogemeinschaft zu arbeiten, bevor man die Kanzlei übernimmt um auch in die Mandate eingeführt zu werden.
Leider sind meine Ersparnisse aufgrund einer Tätigkeit anfangs als FWW Anwalt bei knapp 3k brutto sehr, sagen wir überschaubar.
Da mir diese Chance aber seit Wochen im Kopf geistert, wollte ich mich einfach mal umhören, ob es hier Kollegen oder Kolleginnen gibt die einen gleichen Schritt gewagt haben und die evtl. von Ihren Erfahrungen berichten könnten.
Würde mich über einen konstruktiven Austausch freuen.
22.12.2020, 12:22
Hallo,
danke für deinen interessanten Beitrag. Die wichtigste Frage für mich: woher stammt die Mandantschaft? Sind dies vorwiegend alte Bekanntschaften aus dem Kegelverein und Chor (jetzt überspitzt formuliert) oder akquiriert die Kanzlei auch regelmäßig neue Mandate (Rechtsschutzversicherung?!) ?? Man darf den persönlichen Kontakt zwischen Anwalt und Mandant, insb. in ländlich geprägten Kommunen und insb. wenn dieser sich sukzessiv über Jahre entwickelt und etabliert hat, nicht unterschätzen. Es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass diese Art von Mandant eher zurückhaltend ist, was einen jungen Nachfolger angeht.
Bzgl des Umsatzes: 200k bei 70k Kosten hört sich sehr gut an! 180k bei 90k schon eher weniger!
Ich würde mir wirklich alles sehr sorgfältig durchrechnen und eine Prognose erstellen der vllt nächsten 5 Jahre.
danke für deinen interessanten Beitrag. Die wichtigste Frage für mich: woher stammt die Mandantschaft? Sind dies vorwiegend alte Bekanntschaften aus dem Kegelverein und Chor (jetzt überspitzt formuliert) oder akquiriert die Kanzlei auch regelmäßig neue Mandate (Rechtsschutzversicherung?!) ?? Man darf den persönlichen Kontakt zwischen Anwalt und Mandant, insb. in ländlich geprägten Kommunen und insb. wenn dieser sich sukzessiv über Jahre entwickelt und etabliert hat, nicht unterschätzen. Es ist zumindest nicht unwahrscheinlich, dass diese Art von Mandant eher zurückhaltend ist, was einen jungen Nachfolger angeht.
Bzgl des Umsatzes: 200k bei 70k Kosten hört sich sehr gut an! 180k bei 90k schon eher weniger!
Ich würde mir wirklich alles sehr sorgfältig durchrechnen und eine Prognose erstellen der vllt nächsten 5 Jahre.
22.12.2020, 12:41
(22.12.2020, 10:06)Scoopdiedoo schrieb: Hi liebe Kolleginnen und Kollegen,Du darfst nicht vergessen, dass Du am längeren Hebel sitzt. Es wird sicher nicht so sein, dass bei ihm junge Anwälte Schlange stehen...selbst Ärzte haben auf dem Land Probleme Nachfolger zu finden.
Liebe Mitleser,
kurz zu mir: Ich bin seit 2 Jahren als Anwalt tätig. Gleichwohl mein Wunsch schon immer die Selbstständigkeit (mit allen Vor- aber vor allem auch Nachteilen) gewesen ist.
Ich habe nun in einer kleinen Gemeinde das Angebot bekommen eine dort etablierte Einzel-Kanzlei zu übernehmen, da die vormalige Kanzleiinhaberin in den Ruhestand geht. Der Reiz wäre natürlich, dass man nicht komplett bei 0 anfängt.
Die Kanzlei verfügt über schön eingerichtete Kanzleiräume auf ca. 130 m², 3 langjährige Mitarbeiter. Die Inhaberin generiert Umsätze von ca. 180-200k. Die laufenden Kosten belaufen sich wohl nach meiner überschlägigen Rechnung auf ca. 70-90k (Details fehlen mir hier noch).
Natürlich wäre das ganze verbunden mit einer noch auszuhandelnden Summe für den good will (was allerdings auch eine 5-6 stellige Summe werden dürfte entsprechend des Umsatzes und der Kanzleiausstattung).
Gleichwohl es mich extrem reizen würde, ist mir gestern bei der Zusammenfassung der Kosten schon etwas mulmig geworden, da man hier aus dem Stand Kosten von ca. 8000 € monatlich erst mal stemmen muss (plus Gründungskredit). Andererseits ist natürlich die Überlegung, dass einem früher oder später ohnehin nichts übrig bleibt als sich einzukaufen, wenn man nicht für immer angestellt bleiben möchte.
Auch mit einem Start von 0 hatte ich mich länger beschäftigt. Das wäre zwar deutlich "billiger" man hat aber natürlich nicht den Mandantenstamm und auch nicht die Mitarbeiter.
Ich bin zwar kein kompletter Berufsanfänger, aber weitem auch noch kein Profi. Die Inhaberin hatte mir angeboten, eine gewisse Zeit in Bürogemeinschaft zu arbeiten, bevor man die Kanzlei übernimmt um auch in die Mandate eingeführt zu werden.
Leider sind meine Ersparnisse aufgrund einer Tätigkeit anfangs als FWW Anwalt bei knapp 3k brutto sehr, sagen wir überschaubar.
Da mir diese Chance aber seit Wochen im Kopf geistert, wollte ich mich einfach mal umhören, ob es hier Kollegen oder Kolleginnen gibt die einen gleichen Schritt gewagt haben und die evtl. von Ihren Erfahrungen berichten könnten.
Würde mich über einen konstruktiven Austausch freuen.
Frag ihn mal was er sich vorstellt...also 100K und mehr finde ich nicht angemessen. Danach kannst Du das ganze mal durchrechnen. Kanzleiinhaber überschätzen oft den Wert ihrer Kanzlei. Es hängt einfach sehr davon wie die Mandantenstruktur ist. Wenn es lokale Unternehmen sind, die immer wieder kommen, ist das mehr wert als Privatleute, die alle 10 Jahre mal kommen.
Aber deinen Ansatz kann ich gut verstehen! Es kostet unglaublich viel Kraft eine Kanzlei von Null aufzubauen. Wenn der Preis stimmt, ist eine Übernahme ein guter Weg. Evtl will er ja auch nur den Preis für die Ausstattung und einen kleinen Bonus.
22.12.2020, 13:10
das ist halt ein riesen Bruch für die Mandanten. Von der 60 jährigen bekannten Anwältin zum 30 jährigen Jungspund*
22.12.2020, 14:19
Eben. Deswegen ist es eine Bewertungsmethode für eine (ländliche FWW) Kanzlei zu finden schwieriger, als es das für Unternehmen ohnehin schon ist.
Der Punkt, dass es auf die Mandantenstruktur ankommt ist schonmal gut. Sonst jemand ne Idee, wie man das heutzutage berechnet? Ne Formel gibt es da sicherlich eher nicht, ohne dass die im Einzelfall massiv angepasst werden muss. Ist dann im Endeffekt doch einfach ein Kuhhandel mit ein paar Argumenten und einem Gefühl aus dem Bauch heraus was den Preis angeht, oder?
Der Punkt, dass es auf die Mandantenstruktur ankommt ist schonmal gut. Sonst jemand ne Idee, wie man das heutzutage berechnet? Ne Formel gibt es da sicherlich eher nicht, ohne dass die im Einzelfall massiv angepasst werden muss. Ist dann im Endeffekt doch einfach ein Kuhhandel mit ein paar Argumenten und einem Gefühl aus dem Bauch heraus was den Preis angeht, oder?
22.12.2020, 14:47
Du sitzt definitiv am längeren Hebel! Nutze das!
22.12.2020, 14:51
Naja, so ewig lang scheint mir der Hebel jetzt auch nicht zu sein?
Habe keine Erfahrung, aber das System mit der Mitarbeit scheint mir doch anzuraten. So wirst du auch langsam an die Mandanten rangeführt, damit nicht alle abhauen, sobald die Umstellung kommt. Wenn das die einzige Kanzlei am Ort ist, dürften einige Mandate auch schlicht daran hängen, also weniger an der Person der VorgängerIn.. Müsstest du gleich kaufen oder könntest du erstmal so dort einsteigen?
Habe keine Erfahrung, aber das System mit der Mitarbeit scheint mir doch anzuraten. So wirst du auch langsam an die Mandanten rangeführt, damit nicht alle abhauen, sobald die Umstellung kommt. Wenn das die einzige Kanzlei am Ort ist, dürften einige Mandate auch schlicht daran hängen, also weniger an der Person der VorgängerIn.. Müsstest du gleich kaufen oder könntest du erstmal so dort einsteigen?
22.12.2020, 14:58
Ich glaube tatsächlich auch, dass es schwierig wird den Wert objektiv festzustellen, weil ich auch die üblichen Modelle (Umsatzmodell etc) für Einzelkanzleien sehr schwierig finde. Um vllt. einen Anhaltspunkt zu geben, ich bin letztes Jahr in eine "normale" Kanzlei auf dem Land eingestiegen in der wir mit inklusive meiner Person 6 Anwälten knapp 1,2 Mio Bruttogewinn machen und den Gewinn im wesentlichen umsatzbezogen verteilen. Kostenpunkt für "good-will" war da bei mir ein Betrag von 120.000 € (habe in der Kanzlei aber vorher auch fast 5 Jahre angestellt gearbeitet).
Jeder Fall ist anders aber bei dir würde ich meinen, dass ein "fairer" (was ist fair? :P ) Kaufpreis vielleicht bei 40-50k liegen könnte. Kannst du mit deiner Kollegin vielleicht ein Gewinnverzichtsmodell machen (Gewinn von x Prozent fließt in den nächsten Jahren an die Kollegin bis Betrag Y erreicht ist? Wäre für deine Bauchschmerzen sicherlich besser als das ganze finanzieren zu müssen, weil du nur zahlen musst, wenn auch Gewinn reinkommt ;-).
Ich halte deine Verhandlungsposition für gut, wir haben auch Probleme Nachwuchs zu finden obwohl wir alle richtig gutes Geld verdienen, aber FWW-Anwalt auf dem Land schreckt die meisten Berufsanfänger (warum auch immer) doch eher ab. Ich glaube also auch nicht, dass bei deiner Kollegin die Kandidaten Schlange stehen.
Die Option das in einer Übergangszeit zusammen zu machen würde ich auf jeden Fall machen, viele Mandanten sind zwar faul und bleiben, ohne geordnete und langsame Übergabe werden aber sicherlich mehr gehen als mit :)
Beste Grüße...
Jeder Fall ist anders aber bei dir würde ich meinen, dass ein "fairer" (was ist fair? :P ) Kaufpreis vielleicht bei 40-50k liegen könnte. Kannst du mit deiner Kollegin vielleicht ein Gewinnverzichtsmodell machen (Gewinn von x Prozent fließt in den nächsten Jahren an die Kollegin bis Betrag Y erreicht ist? Wäre für deine Bauchschmerzen sicherlich besser als das ganze finanzieren zu müssen, weil du nur zahlen musst, wenn auch Gewinn reinkommt ;-).
Ich halte deine Verhandlungsposition für gut, wir haben auch Probleme Nachwuchs zu finden obwohl wir alle richtig gutes Geld verdienen, aber FWW-Anwalt auf dem Land schreckt die meisten Berufsanfänger (warum auch immer) doch eher ab. Ich glaube also auch nicht, dass bei deiner Kollegin die Kandidaten Schlange stehen.
Die Option das in einer Übergangszeit zusammen zu machen würde ich auf jeden Fall machen, viele Mandanten sind zwar faul und bleiben, ohne geordnete und langsame Übergabe werden aber sicherlich mehr gehen als mit :)
Beste Grüße...
22.12.2020, 16:15
Um das Risiko nicht alleine zu tragen, wäre eine Option auch Festbetrag + Gewinnbeteiligung in den nächsten Jahren; oder sogar ausschließlich eine Gewinnbeteiligung.
22.12.2020, 16:22
Würde den goodwill auch nicht zu hoch ansetzen. Rechtsdienstleistungen sind doch sehr personenbezogen und keine garantiert, dass Stammmandanten bei dir bleiben.
Ich würde auch eine Vereinbarung treffen, wonach du den Großteil des Kaufpreises aus den laufenden Einkünften abzahlst und auch nur dann, wenn gewisse Grenzen gerissen werden.
Lass dich auf keinen Fall übern Tisch ziehen. Die Alternative für den alten Anwalt wäre es vermutlich, einfach seine Kanzlei zuzusperren. Du bist definitiv am längeren Hebel.
Ich würde auch eine Vereinbarung treffen, wonach du den Großteil des Kaufpreises aus den laufenden Einkünften abzahlst und auch nur dann, wenn gewisse Grenzen gerissen werden.
Lass dich auf keinen Fall übern Tisch ziehen. Die Alternative für den alten Anwalt wäre es vermutlich, einfach seine Kanzlei zuzusperren. Du bist definitiv am längeren Hebel.



