05.07.2026, 12:16
Hallo zusammen,
ich wollte mal nach euren Erfahrungen fragen, wie ihr mit der Situation umgeht, wenn das zweite Staatsexamen nicht bestanden wurde und man das Referendariat zwar abgeschlossen hat, aber eben ohne zweiten Abschluss.
Bei mir ist es so, dass ich mich inzwischen auf Stellen bewerbe, die teilweise sogar geringere Anforderungen haben, als ich eigentlich erfüllt habe. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass man direkt kritisch angeschaut wird, sobald das Thema im Gespräch offen angesprochen wird.
Ich habe mittlerweile zwar einen Wiederholungsversuch geschrieben, möchte das aber eigentlich auch nicht mehr aktiv kommunizieren, weil ich das Gefühl habe, dass man dann direkt wieder in eine Schublade gesteckt wird. Gleichzeitig weiß ich selbst nicht einmal, ob es diesmal gereicht hat ... dieses ständige Warten und die Ungewissheit sind nur noch belastend
Mich würde interessieren, wie ihr das im Bewerbungsprozess gehandhabt habt und was ihr in der Wartezeit gemacht habt?
Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann berichten, wie er oder sie damit umgegangen ist. Danke
ich wollte mal nach euren Erfahrungen fragen, wie ihr mit der Situation umgeht, wenn das zweite Staatsexamen nicht bestanden wurde und man das Referendariat zwar abgeschlossen hat, aber eben ohne zweiten Abschluss.
Bei mir ist es so, dass ich mich inzwischen auf Stellen bewerbe, die teilweise sogar geringere Anforderungen haben, als ich eigentlich erfüllt habe. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass man direkt kritisch angeschaut wird, sobald das Thema im Gespräch offen angesprochen wird.
Ich habe mittlerweile zwar einen Wiederholungsversuch geschrieben, möchte das aber eigentlich auch nicht mehr aktiv kommunizieren, weil ich das Gefühl habe, dass man dann direkt wieder in eine Schublade gesteckt wird. Gleichzeitig weiß ich selbst nicht einmal, ob es diesmal gereicht hat ... dieses ständige Warten und die Ungewissheit sind nur noch belastend
Mich würde interessieren, wie ihr das im Bewerbungsprozess gehandhabt habt und was ihr in der Wartezeit gemacht habt?
Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann berichten, wie er oder sie damit umgegangen ist. Danke
06.07.2026, 09:12
Du bist ja noch Referendar, oder? Ich habe das damals einfach gar nicht kommuniziert, sondern so etwas geschrieben wie "mein Referendariat endet am ..." oder so ähnlich. Ich habe also den EVD komplett unter den Tisch fallen lassen und es ist bis heute, 12 Jahre später, in sämtlichen Bewerbungen noch nie jemandem aufgefallen, dass mein Referendariat drei Jahre statt zwei dauerte. Ich habe also beide Staatsexamen und du wirst das sicherlich auch schaffen! Mehr interessiert nachher keinen.
06.07.2026, 10:37
Auch wenn du es vermutlich schon von anderen gehört hast, noch ein paar allgemeine Gedanken, weil bei dir natürlich auch gewisse Selbstzweifel anklingen - verständlicherweise.
Du bist nicht dein Zweites Examen. Du bist nicht das Jurastudium. Das Leben besteht aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen - Beruf, Familie, Freunde, Hobbies, Beziehung, Sport, Haustier usw. - und jeder Bereich ist genauso wichtig und wertvoll wie der andere. Die Gewichtung nimmst allein du vor.
Nur weil wir uns in bestimmten Phasen unseres Lebens in Umgebungen bewegen, in denen alle den jeweiligen Lebensabschnitt für sehr wichtig halten, heißt das nicht, dass das die Wahrheit wäre und das dieser Abschnitt über Erfolg oder Verderben entscheiden würde. Es gäbe im Zweifelsfall auch genug Berufe für Leute die nur das erste haben. Und profitiert hast du von den Erfahrungen so oder so.
Desto länger du ein Glas Wasser in der Hand hälst, desto schwerer wird es (ruhig mal als Selbstexperiment machen zur besseren Einprägung). Wir dürfen aber nicht vergessen: Wir können das Glas jederzeit abstellen. Sprich: Desto mehr du deinen Geist auf deine Probleme fokussierst, desto schlimmer werden sie gefühlt im eigenen Kopf. Aber du kannst den Gedanken auch einfach vertreiben.
Du bist nicht dein Zweites Examen. Du bist nicht das Jurastudium. Das Leben besteht aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen - Beruf, Familie, Freunde, Hobbies, Beziehung, Sport, Haustier usw. - und jeder Bereich ist genauso wichtig und wertvoll wie der andere. Die Gewichtung nimmst allein du vor.
Nur weil wir uns in bestimmten Phasen unseres Lebens in Umgebungen bewegen, in denen alle den jeweiligen Lebensabschnitt für sehr wichtig halten, heißt das nicht, dass das die Wahrheit wäre und das dieser Abschnitt über Erfolg oder Verderben entscheiden würde. Es gäbe im Zweifelsfall auch genug Berufe für Leute die nur das erste haben. Und profitiert hast du von den Erfahrungen so oder so.
Desto länger du ein Glas Wasser in der Hand hälst, desto schwerer wird es (ruhig mal als Selbstexperiment machen zur besseren Einprägung). Wir dürfen aber nicht vergessen: Wir können das Glas jederzeit abstellen. Sprich: Desto mehr du deinen Geist auf deine Probleme fokussierst, desto schlimmer werden sie gefühlt im eigenen Kopf. Aber du kannst den Gedanken auch einfach vertreiben.
06.07.2026, 11:17
(05.07.2026, 12:16)Planet schrieb: Hallo zusammen,
ich wollte mal nach euren Erfahrungen fragen, wie ihr mit der Situation umgeht, wenn das zweite Staatsexamen nicht bestanden wurde und man das Referendariat zwar abgeschlossen hat, aber eben ohne zweiten Abschluss.
Bei mir ist es so, dass ich mich inzwischen auf Stellen bewerbe, die teilweise sogar geringere Anforderungen haben, als ich eigentlich erfüllt habe. Trotzdem habe ich oft das Gefühl, dass man direkt kritisch angeschaut wird, sobald das Thema im Gespräch offen angesprochen wird.
Ich habe mittlerweile zwar einen Wiederholungsversuch geschrieben, möchte das aber eigentlich auch nicht mehr aktiv kommunizieren, weil ich das Gefühl habe, dass man dann direkt wieder in eine Schublade gesteckt wird. Gleichzeitig weiß ich selbst nicht einmal, ob es diesmal gereicht hat ... dieses ständige Warten und die Ungewissheit sind nur noch belastend
Mich würde interessieren, wie ihr das im Bewerbungsprozess gehandhabt habt und was ihr in der Wartezeit gemacht habt?
Vielleicht hat ja jemand ähnliche Erfahrungen gemacht und kann berichten, wie er oder sie damit umgegangen ist. Danke
wie ein Vorredner sagte schreib einfach die Ref Zeit in deinen Lebenslauf. Kann natürlich sein, dass manche nachfragen, aber dann dazu stehen und ehrlich antworten. Und ganz ehrlich: Willst du für Menschen arbeiten, die sowas als kritisch sehen, dass du es auch noch ein 2. Mal versucht hast statt aufzugeben o.ä.? Ich hatte so viele Vorstellungsgespräche und es gab tatsächlich auch 3 Vorstellungsgespräche die trotz zwei befriedigende Examina nachfragten, warum ich so lange studiert hatte und einer hat das sogar auf eine derart arrogante Art und Weise gefragr und meine Antwort, die ehrlich war, war ihm nicht gut genug. Das einzige, was ich hier bereue, dass ich das Gespräch an dieser Stelle nicht abgebrochen hatte und einfach gegangen bin, weil ich so schlecht und von oben herab behandelt wurde.
Übrigens noch als kleiner Hinweis. Ich kenne genug, die erst jm 2. Versuch bestanden haben. Da musst du warten, vlt hats gereicht und selbst wenn nicht: In meiner Studienzeit habe ich in einer Kanzlei gearbeitet in der auch ein Diplom Jurist gearbeitet hat. Er ist auch 2x leider durchgefallen, aber er hat seinen Weg gefunden und arbeitet seitdem in dieser Kanzlei und ich finde nicht, dass ihm irgendwas peinlich sein müsste. Er ist zwar kein Rechtsanwalt natürlich, aber er arbeitet sehr juristisch und macht seine Arbeit gut. Mach dir nicht so einen Kopf. Du hast das 1. Examen geschafft, was schon mal klasse ist und wirklich viel wert. Du wirst also im Worst Case immer noch als Diplom Juristin rausgehen. Den Abschluss kann dir niemand wegnehmen. Und wenn du dich für Stellen, bei denen Diplom Juristen reichen bewirbst, wird das wohl kaum am fehlenden 2. Staatsexamen scheitern. Schließlich hast du dich ja auch als Diplom-Jurist beworben😃
PS: Und je nach BL gibt es noch einen Gnadenversuch als 3. Versuch auf Antrag.
06.07.2026, 11:52
Danke JurisRef für deine Ausführungen. Ich möchte ergänzen, dass es in anderen Studiengängen ganz normal ist, dass manche Leute zwei Versuche brauchen, um die Prüfung zu bestehen und da interessiert es niemanden. Nur wir Juristen machen so ein riesen Ding draus und brandmarken die Leute als potentiell "zu dumm zum Bestehen".
Also es ist völlig normal, dass man Prüfungen, sei es mitten im Studium oder am Ende oder wie bei uns das Ref am Schluss nicht gleich beim ersten Mal besteht. Deswegen ist keiner dumm oder ein Looser. Bis auf eine, die zweimal im 2. StEx durchgefallen ist und keinen Gandenversuch mehr wollte, kenne ich niemanden, der seitdem nicht erfolgreich(!) als Volljurist tätig ist und auch die eine wird ihren Weg gegangen sein. Einer ist sogar mit dann 12 Punkten Richter geworden. Von daher brauchst du dich nicht zu verstecken oder selbst kleiner zu machen als du bist.
Also es ist völlig normal, dass man Prüfungen, sei es mitten im Studium oder am Ende oder wie bei uns das Ref am Schluss nicht gleich beim ersten Mal besteht. Deswegen ist keiner dumm oder ein Looser. Bis auf eine, die zweimal im 2. StEx durchgefallen ist und keinen Gandenversuch mehr wollte, kenne ich niemanden, der seitdem nicht erfolgreich(!) als Volljurist tätig ist und auch die eine wird ihren Weg gegangen sein. Einer ist sogar mit dann 12 Punkten Richter geworden. Von daher brauchst du dich nicht zu verstecken oder selbst kleiner zu machen als du bist.
07.07.2026, 08:30
Ich kenne mehrere Leute, die erst im zweiten oder sogar dritten Versuch bestanden haben. Ich würde das nie als Nachteil sehen, im Gegenteil: Wer das schafft, zeigt, dass er die Kraft und die Nerven hat, in so einer Extremsituation durchzuhalten und das Ruder nochmal herumzureißen. Das ist bewundernswert und unbedingt positiv, vor allem wenn es dann noch eine ordentliche Note geworden ist.
13.07.2026, 14:06
Vielen Dank für alle eure Nachrichten - das hilft mir schon sehr.
Ich bin nach Ablauf des EVD entlassen worden (sieht die Prüfungsordnung in meinem BLD so vor) und seitdem auf der Suche nach einem Job..
Also meint ihr, dass es am besten wäre die Refzeit ohne EVD reinzuschreiben und zu kommunizieren, dass ich das 2. Examen nicht bestanden habe und den Wiederholungsversuch gar nicht erst anzusprechen?
Denke, anders wird das wohl auch nichts mit einem Job … danke nochmal
Ich bin nach Ablauf des EVD entlassen worden (sieht die Prüfungsordnung in meinem BLD so vor) und seitdem auf der Suche nach einem Job..
Also meint ihr, dass es am besten wäre die Refzeit ohne EVD reinzuschreiben und zu kommunizieren, dass ich das 2. Examen nicht bestanden habe und den Wiederholungsversuch gar nicht erst anzusprechen?
Denke, anders wird das wohl auch nichts mit einem Job … danke nochmal










