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Großkanzlei ohne Prädikat
Gastzugang123
Junior Member
**
Beiträge: 32
Themen: 0
Registriert seit: Jun 2025
#31
Gestern, 18:59
(Gestern, 16:29)Marge schrieb:  Erstmal wünsche ich allen viel Erfolg bei der Stellensuche. Ich verstehe auch, dass einen die aktuelle Arbeitsmarktsituation belastet. Zugleich fehlt es mir etwas an Verständnis, wenn man lieber ein halbes Jahr arbeitslos ist, weil man zwingend 100k+ im Jahr verdienen möchte. Da entgeht einem doch die Möglichkeit, Berufserfahrung zu sammeln und mehr zu verdienen als ALG I. Ich bin mit Doppel-Gut + LL.M. in einer kleinen Kanzlei für 74.000€ eingestiegen (nein, nicht auf dem platten Land) - und was soll ich sagen: Die Arbeit macht Spaß und ich lerne viel.

 Würde ich manchmal gerne mehr verdienen? Klar. Ärgert es mich manchmal, dass Ref-Kollegen mit schlechteren Noten das Doppelte verdienen? Auch ja.

Aber: Geld ist auch nicht alles und ich genieße es, nicht 50-60 Stunden die Woche oder mehr schuften zu müssen. Ich bin nah dran an den Mandanten, habe bereits nach kurzer Zeit einige Mandate vollständig alleine führen dürfen und habe auch viel gerichtlich zu tun. Ich habe das Gefühl, dass das genau das ist, wofür ich ausgebildet wurde. Mir gefällts.

Daher mein Ratschlag an alle Berufseinsteiger: Schaut euch mal die Kanzleiwelt jenseits von Azur und Juve an, da geht vielleicht mehr als bei den Buden, wo alle hinwollen. Im Übrigen heißt Kleinkanzlei auch nicht automatisch niedriges juristisches Niveau. Ich habe fast täglich dogmatische oder taktische Fragen auf dem Tisch, wo ich mich für die Antwort richtig reinfuchsen muss. 

Wie gesagt: Viel Erfolg allen auf Stellensuche. Bloß nicht entmutigen lassen!
Da stimme ich zu. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man jeden Tag zuverlässig um 18:15 Uhr als letzter das Büro verlässt oder nie vor 21 Uhr. Aber als Jurist identifizieren sich viele mit ihrem Job, hat wahrscheinlich auch mit dem langen, intensiven Studium zu tun und dem Notentrauma. Die bekommen das nicht so gut hin, ihr Leben auf mehrere Säulen zu stützen. Deswegen rennen sie erstmal in die GK.
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Marge
Junior Member
**
Beiträge: 5
Themen: 0
Registriert seit: Jun 2026
#32
Gestern, 22:09
(Gestern, 18:59)Gastzugang123 schrieb:  
(Gestern, 16:29)Marge schrieb:  Erstmal wünsche ich allen viel Erfolg bei der Stellensuche. Ich verstehe auch, dass einen die aktuelle Arbeitsmarktsituation belastet. Zugleich fehlt es mir etwas an Verständnis, wenn man lieber ein halbes Jahr arbeitslos ist, weil man zwingend 100k+ im Jahr verdienen möchte. Da entgeht einem doch die Möglichkeit, Berufserfahrung zu sammeln und mehr zu verdienen als ALG I. Ich bin mit Doppel-Gut + LL.M. in einer kleinen Kanzlei für 74.000€ eingestiegen (nein, nicht auf dem platten Land) - und was soll ich sagen: Die Arbeit macht Spaß und ich lerne viel.

 Würde ich manchmal gerne mehr verdienen? Klar. Ärgert es mich manchmal, dass Ref-Kollegen mit schlechteren Noten das Doppelte verdienen? Auch ja.

Aber: Geld ist auch nicht alles und ich genieße es, nicht 50-60 Stunden die Woche oder mehr schuften zu müssen. Ich bin nah dran an den Mandanten, habe bereits nach kurzer Zeit einige Mandate vollständig alleine führen dürfen und habe auch viel gerichtlich zu tun. Ich habe das Gefühl, dass das genau das ist, wofür ich ausgebildet wurde. Mir gefällts.

Daher mein Ratschlag an alle Berufseinsteiger: Schaut euch mal die Kanzleiwelt jenseits von Azur und Juve an, da geht vielleicht mehr als bei den Buden, wo alle hinwollen. Im Übrigen heißt Kleinkanzlei auch nicht automatisch niedriges juristisches Niveau. Ich habe fast täglich dogmatische oder taktische Fragen auf dem Tisch, wo ich mich für die Antwort richtig reinfuchsen muss. 

Wie gesagt: Viel Erfolg allen auf Stellensuche. Bloß nicht entmutigen lassen!
Da stimme ich zu. Es ist ein riesiger Unterschied, ob man jeden Tag zuverlässig um 18:15 Uhr als letzter das Büro verlässt oder nie vor 21 Uhr. Aber als Jurist identifizieren sich viele mit ihrem Job, hat wahrscheinlich auch mit dem langen, intensiven Studium zu tun und dem Notentrauma. Die bekommen das nicht so gut hin, ihr Leben auf mehrere Säulen zu stützen. Deswegen rennen sie erstmal in die GK.
Wer so lange arbeiten will und kann, mag das gerne tun. Ich würde auch nie jemanden dafür kritisieren, dass er bei den Summen zum Berufseinstieg in die GK geht oder es zumindest versucht. Ich habe nur den Eindruck, dass die (anwaltlichen) Alternativen zur GK für viele gar nicht im Blickfeld zu sein scheinen. Weil man eben im Internet und auf dem Campus von morgen bis abends nur die Werbung der großen Player sieht. Ich halte das für problematisch, weil es die breite Vielfalt des anwaltlichen Berufsbilds nicht abdeckt.
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