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Von der Zulassung in den Kanzleialltag
Fran1980
Junior Member
**
Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Jun 2026
#1
17.06.2026, 01:08
Liebe Referendarinnen und Referendare, liebe Berufseinsteiger,
nach über 26 Jahren Tätigkeit als Rechtsanwaltsfachangestellte und vielen Jahren der Zusammenarbeit mit Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälten ist mir immer wieder aufgefallen, dass zwischen juristischer Ausbildung und Kanzleialltag oft eine große Lücke besteht.
Viele junge Anwältinnen und Anwälte verfügen über hervorragendes juristisches Fachwissen, stehen aber bei praktischen Fragen zunächst vor Herausforderungen:
  • Wie läuft die Mandatsannahme in der Praxis ab?
  • Was muss bei der Aktenanlage und Mandatsführung beachtet werden?
  • Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Rechtsschutzversicherungen?
  • Wie rechne ich korrekt nach RVG ab?
  • Wann sind Vergütungsvereinbarungen sinnvoll und worauf ist praktisch zu achten?
  • Wie läuft die Abrechnung bei PKH und Beratungshilfe?
  • Wie fordere ich Vorschüsse an?
  • Wie komme ich an mein Honorar?
  • Wie läuft ein Kostenfestsetzungsverfahren ab?
  • Wie funktioniert die Zwangsvollstreckung in der Praxis?
  • Welche Besonderheiten gibt es in der Strafverteidigung (Pflichtverteidigung, Gebühren, Abläufe)?
  • Welche typischen Abläufe begegnen mir im Verkehrsrecht?
  • Welche organisatorischen und abrechnungstechnischen Besonderheiten gibt es im Mietrecht?
  • Welche organisatorischen Abläufe sollte ich von Anfang an beherrschen?
Da ich aktuell überlege, praxisorientierte Unterstützungsangebote für Berufseinsteiger zu entwickeln, interessiert mich Ihre Meinung:
Welche Themen hätten Sie sich im Referendariat oder zu Beginn Ihrer anwaltlichen Tätigkeit näher erklärt gewünscht?
Gerne auch per Direktnachricht, falls Sie Ihre Erfahrungen nicht öffentlich teilen möchten.
Ich freue mich auf Ihre Rückmeldungen und einen offenen Austausch.
Viele Grüße
Francisca Becker
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Egal_
Posting Freak
*****
Beiträge: 1.467
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2022
#2
17.06.2026, 20:21
Fast alle von dir genannten  Cheese

Allerdings denke ich, dass einige der Themen nicht mit einer externen Fortbildung machbar sind und intern erklärt werden müssen, da du die internen Abläufe anderer Kanzleien nicht kennst. Ich ziehe nachfolgend mal die Themen raus, die ich für sinnvoll halte:

Wie funktioniert die Zusammenarbeit mit Rechtsschutzversicherungen?

Wie rechne ich korrekt nach RVG ab? (Nur evtl., denn die Basics lernen wir im Ref und Details sind nur für den kleinen selbständigen RA relevant)

Wann sind Vergütungsvereinbarungen sinnvoll und worauf ist praktisch zu achten? (Nein, da ich mir nicht sicher bin, ob du die Rechtsprechung dazu kennst)

Wie läuft die Abrechnung bei PKH und Beratungshilfe?

Wie fordere ich Vorschüsse an?

Wie komme ich an mein Honorar?

Wie läuft ein Kostenfestsetzungsverfahren ab?

Wie funktioniert die Zwangsvollstreckung in der Praxis? (Unbedingt!!!)

Welche Besonderheiten gibt es in der Strafverteidigung (Pflichtverteidigung, Gebühren, Abläufe)? (Je nach Kanzlei)

Welche typischen Abläufe begegnen mir im Verkehrsrecht? ( Evtl. Je nach Kanzlei)

Welche organisatorischen und abrechnungstechnischen Besonderheiten gibt es im Mietrecht? (Je nach Kanzlei)

Welche organisatorischen Abläufe sollte ich von Anfang an beherrschen?


Ich tippe leider auf dem Handy, deswegen kann ich nicht richtig formatieren, aber ich hoffe, du siehst, welche ich rausgegriffen habe. Die Abrechnung nach RVG wird in der Regel die Refa machen, daher für Anwälte nur relevant, wenn sie selbständig sind. Entsprechende Fortbildungen gibt es bereits. Besser ausgekannt hätte ich mich aber vor allem in den Dingen, die nach dem Urteil passieren. Also wie komme ich an mein Geld und wie funktioniert in der Praxis die Zwangsvollstreckung?

Ich würde die Fortbildungen jedoch nicht selbst vermarkten, sondern mich an die gängigen Anbieter von Fortbildungen und und die Rechtsanwaltskammern wenden. Dort schauen wir Anwälte in der Regel, wenn wir eine Fortbildung suchen.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.06.2026, 20:26 von Egal_.)
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Egal_
Posting Freak
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Beiträge: 1.467
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2022
#3
17.06.2026, 20:41
Bei der Zwangsvollstreckung dann bitte nicht nur die Basics, sondern die Problemfälle. U.a.:

- was mache ich wenn der Mandant/Gegner untergetaucht ist?
- was mache ich, wenn er seine Klingel abmontiert hat oder die Post aus anderen Gründen nicht zustellen kann/will
- welche Pfändungsmöglichkeiten habe ich? Wie komme ich an die Daten dazu?

- welche Möglichkeiten habe ich, wenn er die eV abgegeben hat?

- was mache ich, wenn er Insolvenz angemeldet hat? Wie melde ich die Forderung korrekt an?

Dies fällt mir spontan ein, wo mir Schuldner schon zu leicht auf der Nase herumtanzen konnten. Es gibt aber bestimmt noch weiteres.
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Gast112351235
Member
***
Beiträge: 73
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2024
#4
17.06.2026, 21:51
Ich kann nur bestätigen, dass auch aus meiner Sicht exakt  die Themen gefunden wurden, vor denen ich als Frischling stand. Sicherlich ist was dran, wie Egal_ sagt, dass manches ohnehin von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich ist, und in dem Zusammenhang auch, dass man die Dinge normalerweise in der Kanzlei lernt. Aber genug wird es auch geben, die allein den Schritt in die Selbständigkeit wagen oder einfach wissen wollen, wie es geht, um Mandanten nicht immer darauf verweisen zu müssen, dass man davon keine Ahnung hat, weil sich darum "das Büro" kümmert ... Außerdem sind das in meinen Augen auch wirklich spannende Dinge; wahrscheinlich sogar genau die Dinge, die die meisten Laien eigentlich für selbstverständlich und das Kernwissen der Juristen halten :D Welch Ironie.
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 17.06.2026, 21:52 von Gast112351235.)
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Egal_
Posting Freak
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Beiträge: 1.467
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2022
#5
18.06.2026, 10:32
(17.06.2026, 21:51)Gast112351235 schrieb:  Ich kann nur bestätigen, dass auch aus meiner Sicht exakt  die Themen gefunden wurden, vor denen ich als Frischling stand. Sicherlich ist was dran, wie Egal_ sagt, dass manches ohnehin von Kanzlei zu Kanzlei unterschiedlich ist, und in dem Zusammenhang auch, dass man die Dinge normalerweise in der Kanzlei lernt. Aber genug wird es auch geben, die allein den Schritt in die Selbständigkeit wagen oder einfach wissen wollen, wie es geht, um Mandanten nicht immer darauf verweisen zu müssen, dass man davon keine Ahnung hat, weil sich darum "das Büro" kümmert ... Außerdem sind das in meinen Augen auch wirklich spannende Dinge; wahrscheinlich sogar genau die Dinge, die die meisten Laien eigentlich für selbstverständlich und das Kernwissen der Juristen halten :D Welch Ironie.

Simmt, für diejenigen, die sich selbständig machen, wären auch diese Themen relevant. Also doch alles anbieten. Wäre dann nur die Frage, wie man das umsetzt, denn alles in eine einzige Fortbildung/Schulung zu packen, macht wahrscheinlich keinen Sinn. Vermutlich sollte man Pakte anbieten, die die Kanzleien sich individuell auswählen und zuschndeiden können. Dann wiederum würde ich wohl doch nicht pauschal über die Fortbildungsunternehmen vermarkten, sondern auf die Anwaltskammer zugehen. Meine informiert in Rundschreiben auch regelmäßig über einige Fortbildungen.
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Fran1980
Junior Member
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Beiträge: 3
Themen: 1
Registriert seit: Jun 2026
#6
19.06.2026, 01:22
Danke für die Rückmeldungen. Derzeit bin ich erst einmal auf Analysemodus! Ich habe seit 2003 einen Büroservice und habe somit Erfahrungen auf sehr vielen Rechtsgebieten und durfte sehr viele Kanzleien kennenlernen. Klar, einige Dinge sind dann kanzleiintern zu übernehmen, denn jede Kanzlei kocht ihr "eigenes" Süppchen, aber die Basics zu kennen, ist wahrscheinlich nicht verkehrt. Ich habe bereits einige "Jung-Anwälte" begleitet und für diese gearbeitet, weil, wenn man sich in die Selbständigkeit wagt, natürlich kein Geld für eine Angestellte zunächst da ist. Jetzt gerade bin ich als Büroleitung in der Verkehrsrecht-Kanzlei tätig und habe gerade wieder einen Junganwalt kennengelernt, der sich derzeit selbständig macht. Auch eine gute Freundin hat jetzt das 2. Staatsexamen fertig und ich habe mit ihr sechs Jahre lang zusammen gearbeitet und ihr viel gezeigt. Sie wird jetzt in einer Kanzlei angestellt und kann durch die Kanzleierfahrung natürlich ganz anders den Berufseinstieg erleben. Ich selbst habe ebenfalls ein paar Semester Rechtswissenschaften studiert und da ist mir auch selbst noch einmal aufgefallen, wie fern das Studium von der Praxis entfernt ist. 

Meine Idee ist es, mehrere Dinge anzubieten. Entweder verschiedene Pakete, abgestimmt auf den Bedarf (den ich gerade versuche, zu ermitteln). Diese dann als Präsent-Seminar oder als Online-Seminar (maximal 5 Teilnehmer, damit vieles geklärt werden kann) oder eine offene Frage-Runde, wo ich einfach alles gefragt werden kann. Auch ist es denkbar, Eins-zu-Eins-Vorträge/Seminare/Workshops anzubieten. Oder eben die einzelne Begleitung in die Selbständigkeit. 

Ich denke, dass diese Ideen und Angebote entweder für Jung-Anwälte interessant sind, die den Weg in die Selbständigkeit gehen wollen oder eben für Juristen, die trotz Anstellung, die Basics einfach vorab erlernen und wissen wollen, selbst bei Anstellung. Denn es kann auch immer sein, dass man mal im Werdegang sich vielleicht nicht in einer Anstellung befindet und keine ReFa oder ReNo zur Seite hat und dann ist es bestimmt nicht das Schlechteste etwaige Grundkenntnisse (vor allem, was das Erlangen der Gebühren betrifft und die Abrechnungen und Kostensachen/Buchhaltung) selbst sicher zu haben.
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ForumBenutzer
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Beiträge: 276
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Registriert seit: Feb 2023
#7
19.06.2026, 10:02
Also erstmal halte ich persönlich den Schritt in den Selbstständigkeit ohne vorher ein paar Jahre in einer Kanzlei als Anwalt gearbeitet zu haben in der heutigen Lage als etwas überhastet. Aber habe im eigenen Umfeld solche Fälle mitbekommen und grade am Anfang hat man in der Regel so wenige Mandate, dass man sich die ersten Monate ganz ausführlich einlesen kann wie man nach RVG abrechnet oder eine ZV abläuft etc. Dazu gibt es relativ gute Literatur. Ich möchte nicht sagen, dass es eine schlechte Idee oder Angebot ist, sondern nur dass nach meiner Beobachtung grade ohne Vorerfahrung (sonst bräuchte man ja diesen Service ohnehin nicht) genügend "Freizeit" gibt wo man noch nicht augelastet ist um sowas zu lernen. Da ist man eher froh über jeden Euro den man nicht auch noch ausgeben muss neben den ganzen anderen Kosten die anfangs erstmal anfallen, ohne das groß Geld reinkommmt... Ähnliches gilt bspw. auch für eine Kanzleiwebsite oder Internetauftritt. Das macht man in der Regel auch einfach selbst...
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ForumBenutzer
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Beiträge: 276
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#8
19.06.2026, 10:06
(19.06.2026, 01:22)Fran1980 schrieb:   für Juristen, die trotz Anstellung, die Basics einfach vorab erlernen und wissen wollen, selbst bei Anstellung. Denn es kann auch immer sein, dass man mal im Werdegang sich vielleicht nicht in einer Anstellung befindet und keine ReFa oder ReNo zur Seite hat und dann ist es bestimmt nicht das Schlechteste etwaige Grundkenntnisse (vor allem, was das Erlangen der Gebühren betrifft und die Abrechnungen und Kostensachen/Buchhaltung) selbst sicher zu haben.

 Entweder der AG rechnet für mich (bspw. durch eine Reno) als angestellten Anwalt ab oder er bringt es mir eben kurz in der Einarbeitung bei. Die Konstellation ist mir so noch nicht begegnet, dass ein Angstellter RA aus eigener Tasche dafür zahlt zu lernen wie er eine Abrechnung nach RVG zu machen hat. Und der AG hat das ja auch vor meine Einstellung hinbekommen... Etwas anderes wäre nur wenn die Kanzeli also der AG sich dazu entscheidet eine solche Schulung zu sponsoren... aber das Geld würde man praktisch lieber für einen FA-Lehrgang ausgeben...
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Fran1980
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Registriert seit: Jun 2026
#9
21.06.2026, 23:07
Vielen Dank für die weiteren Rückmeldungen. Ein FA-Lehrgang kommt ja dann mal noch anderer Stelle- hier geht es um den Einstieg. 
Wie gesagt, ich habe schon viele Junganwälte begleitet über meine Selbständigkeit. Viele machen sich tatsächlich nach dem Studium selbständig, weil sie eben kein Interesse an einer Anstellung haben und schon gar nicht in einer Großkanzlei. Es gibt halt auch nicht immer vor Ort eine ReFa (gerade auch weil kaum noch welche nachkommen). Die letzten Durchgänge waren nicht viele Prüflinge am Start. Aber das ist ein anderes Thema. In den letzten Tagen hatte ich auf mehreren Ebenen Rückmeldungen und es besteht tatsächlich doch eine ziemlich große Nachfrage (gerade ja auch, weil ReFa absolut praxisorientiert sind)--- und das fehlt einfach im Studium. Mal eben alles nachlesen, was eine ReFA in 26 Jahren erlernt hat, ist nicht machbar. Da bin ich mir sicher. Jeder muss für sich entscheiden, wie er sein Geld natürlich ausgibt. Mein Gedanke dazu ist, dass ich keineswegs damit das MEGA Geld verdienen will. Ich sehe es eher als Projekt, um mein Wissen zu vermitteln, was auf vielen Ebenen vorhanden ist, damit ein Einstieg leichter fallen kann. Jedenfalls vielen Dank für das Feedback. Ich überlege mir jetzt, wie ich es am Besten aufbaue (Ich denke eine offene online Fragerunde wäre der erste Schritt). LG und nochmals Danke!!
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BavarianLawyer
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Themen: 4
Registriert seit: May 2021
#10
21.06.2026, 23:45
Schreib doch einen guten Ratgeber und köder die Leute so in deine Kurse?

Allerdings dürfte es schwer sein, dann in den Kursen noch so viel Inhalt zu haben, um hohe Gebühren zu rechtfertigen.  
Es ist nice to have, aber vieles von den Themen ist einfach auch learning by doing und heutzutage ist einfach so viel Wissen kostenlos verfügbar, dass du ein Nachfrage Problem haben wirst auf Kurz oder Lang
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