07.10.2020, 12:25
Hallo an alle,
Ich denke darüber nach mich auf eine Stelle als Jurist bei einer Stadt (ca 100k Einwohner) zu bewerben. Gibts hier jemanden, der als Jurist bei einer Stadt egal welcher Größe arbeitet und ein paar Einblicke geben kann?
Ich denke darüber nach mich auf eine Stelle als Jurist bei einer Stadt (ca 100k Einwohner) zu bewerben. Gibts hier jemanden, der als Jurist bei einer Stadt egal welcher Größe arbeitet und ein paar Einblicke geben kann?
07.10.2020, 13:19
(07.10.2020, 12:25)Gastnrw243 schrieb: Hallo an alle,
Ich denke darüber nach mich auf eine Stelle als Jurist bei einer Stadt (ca 100k Einwohner) zu bewerben. Gibts hier jemanden, der als Jurist bei einer Stadt egal welcher Größe arbeitet und ein paar Einblicke geben kann?
Ich war in der Verwaltungsstation im Ref im Rechtsamt einer Stadt mit 250k Einwohnern und die Erfahrungen haben mich ausreichend abgeschreckt, das als Berufsoption zu verwerfen.
Welche Einblicke interessieren dich denn konkret?
07.10.2020, 13:25
Hallo zusammen,
ich kann aus einem Rechtsamt im Kreis Wesel berichten, bei dem ich damals mein Praktikum gemacht habe. Sehr nette Leute und einige gute Juristen, die leider aber alles machen mussten. Da muss man sich vor allem in den kleineren Rechtsämtern wohl drauf einstellen. Arbeitsbelastung ging dafür natürlich, aber das hängt sicher auch am eigenen Perfektionismus.
Wenn du also ehrlich mit dem Gedanken spielst, solltest du dir die Frage stellen: 1. Wie groß ist das Rechtsamt? 2. Welche Rechtsgebiete mache ich da und interessiert mich das? 3. Komme ich damit klar, dass ich ggf. halt alles erledigen muss?
Wenn du danach immer noch dafür bist, ist das sicherlich ein guter Job, der (gemessen an sonstigen Positionen in der Justiz) auch eine sehr gute Work-Life-Balance hat.
ich kann aus einem Rechtsamt im Kreis Wesel berichten, bei dem ich damals mein Praktikum gemacht habe. Sehr nette Leute und einige gute Juristen, die leider aber alles machen mussten. Da muss man sich vor allem in den kleineren Rechtsämtern wohl drauf einstellen. Arbeitsbelastung ging dafür natürlich, aber das hängt sicher auch am eigenen Perfektionismus.
Wenn du also ehrlich mit dem Gedanken spielst, solltest du dir die Frage stellen: 1. Wie groß ist das Rechtsamt? 2. Welche Rechtsgebiete mache ich da und interessiert mich das? 3. Komme ich damit klar, dass ich ggf. halt alles erledigen muss?
Wenn du danach immer noch dafür bist, ist das sicherlich ein guter Job, der (gemessen an sonstigen Positionen in der Justiz) auch eine sehr gute Work-Life-Balance hat.
07.10.2020, 15:12
Hey,
Ich arbeite in der Stadtverwaltung einer größeren Stadt (>1 mio Einwohner). Mir gefällt die Tätigkeit total gut, bin aber auf Grund der Größe der Verwaltung relativ spezialisiert unterwegs. Hier arbeiten um die 700 Juristen, sodass jeder eigentlich schon sein Fachgebiet hat und keiner der Jurist für alle Rechtsfragen ist.
Ich arbeite in der Stadtverwaltung einer größeren Stadt (>1 mio Einwohner). Mir gefällt die Tätigkeit total gut, bin aber auf Grund der Größe der Verwaltung relativ spezialisiert unterwegs. Hier arbeiten um die 700 Juristen, sodass jeder eigentlich schon sein Fachgebiet hat und keiner der Jurist für alle Rechtsfragen ist.
07.10.2020, 15:17
(07.10.2020, 13:25)Erfahrung Kreis Wesel schrieb: Hallo zusammen,
ich kann aus einem Rechtsamt im Kreis Wesel berichten, bei dem ich damals mein Praktikum gemacht habe. Sehr nette Leute und einige gute Juristen, die leider aber alles machen mussten. Da muss man sich vor allem in den kleineren Rechtsämtern wohl drauf einstellen. Arbeitsbelastung ging dafür natürlich, aber das hängt sicher auch am eigenen Perfektionismus.
Wenn du also ehrlich mit dem Gedanken spielst, solltest du dir die Frage stellen: 1. Wie groß ist das Rechtsamt? 2. Welche Rechtsgebiete mache ich da und interessiert mich das? 3. Komme ich damit klar, dass ich ggf. halt alles erledigen muss?
Wenn du danach immer noch dafür bist, ist das sicherlich ein guter Job, der (gemessen an sonstigen Positionen in der Justiz) auch eine sehr gute Work-Life-Balance hat.
Was bedeutet alles machen? Kopieren und Kaffee kochen?
07.10.2020, 21:20
(07.10.2020, 15:17)Gast schrieb:(07.10.2020, 13:25)Erfahrung Kreis Wesel schrieb: Hallo zusammen,
ich kann aus einem Rechtsamt im Kreis Wesel berichten, bei dem ich damals mein Praktikum gemacht habe. Sehr nette Leute und einige gute Juristen, die leider aber alles machen mussten. Da muss man sich vor allem in den kleineren Rechtsämtern wohl drauf einstellen. Arbeitsbelastung ging dafür natürlich, aber das hängt sicher auch am eigenen Perfektionismus.
Wenn du also ehrlich mit dem Gedanken spielst, solltest du dir die Frage stellen: 1. Wie groß ist das Rechtsamt? 2. Welche Rechtsgebiete mache ich da und interessiert mich das? 3. Komme ich damit klar, dass ich ggf. halt alles erledigen muss?
Wenn du danach immer noch dafür bist, ist das sicherlich ein guter Job, der (gemessen an sonstigen Positionen in der Justiz) auch eine sehr gute Work-Life-Balance hat.
Was bedeutet alles machen? Kopieren und Kaffee kochen?
Alles außer Klo putzen - das macht der Referendar.
07.10.2020, 21:23
(07.10.2020, 21:20)Gast schrieb:(07.10.2020, 15:17)Gast schrieb:(07.10.2020, 13:25)Erfahrung Kreis Wesel schrieb: Hallo zusammen,
ich kann aus einem Rechtsamt im Kreis Wesel berichten, bei dem ich damals mein Praktikum gemacht habe. Sehr nette Leute und einige gute Juristen, die leider aber alles machen mussten. Da muss man sich vor allem in den kleineren Rechtsämtern wohl drauf einstellen. Arbeitsbelastung ging dafür natürlich, aber das hängt sicher auch am eigenen Perfektionismus.
Wenn du also ehrlich mit dem Gedanken spielst, solltest du dir die Frage stellen: 1. Wie groß ist das Rechtsamt? 2. Welche Rechtsgebiete mache ich da und interessiert mich das? 3. Komme ich damit klar, dass ich ggf. halt alles erledigen muss?
Wenn du danach immer noch dafür bist, ist das sicherlich ein guter Job, der (gemessen an sonstigen Positionen in der Justiz) auch eine sehr gute Work-Life-Balance hat.
Was bedeutet alles machen? Kopieren und Kaffee kochen?
Alles außer Klo putzen - das macht der Referendar.
Deshalb war es auch viel leichter eine unbezahlte Referendarsstation zu finden als eine bezahlte Arbeit.Ich hatte mehrere Zusagen für jede Station und konnte mich vor Auslandsangeboten in Kanzleien nicht retten...
07.10.2020, 23:47
(07.10.2020, 15:12)GastStadt schrieb: Hey,
Ich arbeite in der Stadtverwaltung einer größeren Stadt (>1 mio Einwohner). Mir gefällt die Tätigkeit total gut, bin aber auf Grund der Größe der Verwaltung relativ spezialisiert unterwegs. Hier arbeiten um die 700 Juristen, sodass jeder eigentlich schon sein Fachgebiet hat und keiner der Jurist für alle Rechtsfragen ist.
700? Das sind ja irre viele.
Danke für die bisherigen Infos.
Mich interessieren tatsächlich einfach so Pro/Cons und persönliche Erfahrungen.
Habe ein ganz knappes VB im Zweiten und ein oberes befriedigend im Ersten und will mich jetzt auch nicht langweilen.
08.10.2020, 10:54
(07.10.2020, 23:47)Gast schrieb:(07.10.2020, 15:12)GastStadt schrieb: Hey,
Ich arbeite in der Stadtverwaltung einer größeren Stadt (>1 mio Einwohner). Mir gefällt die Tätigkeit total gut, bin aber auf Grund der Größe der Verwaltung relativ spezialisiert unterwegs. Hier arbeiten um die 700 Juristen, sodass jeder eigentlich schon sein Fachgebiet hat und keiner der Jurist für alle Rechtsfragen ist.
700? Das sind ja irre viele.
Danke für die bisherigen Infos.
Mich interessieren tatsächlich einfach so Pro/Cons und persönliche Erfahrungen.
Habe ein ganz knappes VB im Zweiten und ein oberes befriedigend im Ersten und will mich jetzt auch nicht langweilen.
Ich bin Posterin #2 (Ref im Rechtsamt der 250k Stadt)
Dort arbeiten ca. 10 Vollzeit beschäftigte Jurist*innen, teilweise mit spezialisierten Aufgabenbereiche. Einer ist zB für Baurecht zuständig, eine für Schulrecht, etc pp. Dazwischen immer allgemeine Rechtsfragen.
Die Akten kamen immer dann ins Rechtsamt, wenn die sonstigen Fachbereiche nicht weiterkamen. Sei es wegen rechtlicher Komplexität oder wenn es ins gerichtliche Verfahren ging. Häufig musste man ausbaden, was die Verwaltung vorher versäumt hat (zB falsche/fehlende Begründungen von VAen).
Der Alltag besteht aus Aktenbearbeitung (Schriftsätze, Stellungnahmen) und Gerichtsterminen als Vertreter*innen der Stadt in Verwaltungsrechtlichen Verfahren.
Was mich abgeschreckt hat, war die Arbeitsatmosphäre und generelle Einstellung.
Ich hatte seit dem Studium schon in einer Kanzlei gearbeitet und war ein entsprechendes arbeitstempo gewöhnt. Nach 10 Tagen im Rechtsamt wurde ich von meiner praktischen Ausbilderin gerüffelt, dass meine Aktenbearbeitung zu schnell und "oberflächlich" wäre. Ab da hab ich dann nur noch den halben Tag rumgebummelt und die Sachen halt später abgegeben - dann waren sie auf einmal viel besser beurteilt (obwohl ich die gleiche Zeit investiert hatte und nur zusätzlich gebummelt).
Außerdem: viele verpflichtende gemeinsame Kaffeepausen, sehr legere Bürokleidung (Hausschuhe! ) - nur für Gerichtstermine würde der Anzug aus dem Büroschrank geholt, Zuständigkeitsgerangel, Gelästere über krank"feierende" Koleg*innen etc. - not my cup of tea.
Ich glaube, für (Stadt)Verwaltung ist man der Typ oder halt nicht. Ich bins nicht.
08.10.2020, 12:13
(08.10.2020, 10:54)Gast schrieb:War auch in der Station in nem Rechtsamt in einer 100k-Stadt in NRW und kann das so bestätigen. Insbesondere was den Arbeitsablauf und das "bummeln" betrifft um nicht zu schnell zu sein. Ist schon ein lockerer Job da, aber mir persönlich zu langweilig. Bin zwar gefragt worden, ob ich da anfangen will weil die gerade ausschreiben, aber auch wenn das Gehalt (A14) sehr verlockend ist, will ich nicht den halben Tag bei der Arbeit nur meine Zeit absitzen. Aber das mag in anderen Rechtsämtern auch anders sein.(07.10.2020, 23:47)Gast schrieb:(07.10.2020, 15:12)GastStadt schrieb: Hey,
Ich arbeite in der Stadtverwaltung einer größeren Stadt (>1 mio Einwohner). Mir gefällt die Tätigkeit total gut, bin aber auf Grund der Größe der Verwaltung relativ spezialisiert unterwegs. Hier arbeiten um die 700 Juristen, sodass jeder eigentlich schon sein Fachgebiet hat und keiner der Jurist für alle Rechtsfragen ist.
700? Das sind ja irre viele.
Danke für die bisherigen Infos.
Mich interessieren tatsächlich einfach so Pro/Cons und persönliche Erfahrungen.
Habe ein ganz knappes VB im Zweiten und ein oberes befriedigend im Ersten und will mich jetzt auch nicht langweilen.
Ich bin Posterin #2 (Ref im Rechtsamt der 250k Stadt)
Dort arbeiten ca. 10 Vollzeit beschäftigte Jurist*innen, teilweise mit spezialisierten Aufgabenbereiche. Einer ist zB für Baurecht zuständig, eine für Schulrecht, etc pp. Dazwischen immer allgemeine Rechtsfragen.
Die Akten kamen immer dann ins Rechtsamt, wenn die sonstigen Fachbereiche nicht weiterkamen. Sei es wegen rechtlicher Komplexität oder wenn es ins gerichtliche Verfahren ging. Häufig musste man ausbaden, was die Verwaltung vorher versäumt hat (zB falsche/fehlende Begründungen von VAen).
Der Alltag besteht aus Aktenbearbeitung (Schriftsätze, Stellungnahmen) und Gerichtsterminen als Vertreter*innen der Stadt in Verwaltungsrechtlichen Verfahren.
Was mich abgeschreckt hat, war die Arbeitsatmosphäre und generelle Einstellung.
Ich hatte seit dem Studium schon in einer Kanzlei gearbeitet und war ein entsprechendes arbeitstempo gewöhnt. Nach 10 Tagen im Rechtsamt wurde ich von meiner praktischen Ausbilderin gerüffelt, dass meine Aktenbearbeitung zu schnell und "oberflächlich" wäre. Ab da hab ich dann nur noch den halben Tag rumgebummelt und die Sachen halt später abgegeben - dann waren sie auf einmal viel besser beurteilt (obwohl ich die gleiche Zeit investiert hatte und nur zusätzlich gebummelt).
Außerdem: viele verpflichtende gemeinsame Kaffeepausen, sehr legere Bürokleidung (Hausschuhe! ) - nur für Gerichtstermine würde der Anzug aus dem Büroschrank geholt, Zuständigkeitsgerangel, Gelästere über krank"feierende" Koleg*innen etc. - not my cup of tea.
Ich glaube, für (Stadt)Verwaltung ist man der Typ oder halt nicht. Ich bins nicht.
Inhaltlich hatte man beim Rechtsamt halt wirklich alles. Wie die Posterin oben sagte: Es kommen aus allen Bereichen Akten zum Rechtsamt, wenn die Fachbereiche nicht weiter kommen. Das sind manchmal total simple Fragen (Wie kann ich einen Titel vollstrecken?), manchmal aber auch komplexe Fragen (Gutachten zu zivilrechtlichen Schadensersatzansprüchen). Je größer das Rechtsamt, desto mehr ist man natürlich spezialisiert. Auch wenn ich den Kollegen oben mit 700 Juristen für einen Troll halte. So viele Juristen braucht kein Rechtsamt. In der 100k-Einwohnerstadt gab es ganze zwei und die hatten schon keinen Streß. In der 350k-Stadt in der ich aktuell wohne und öfter mal mit dem Rechtsamt zu tun habe, gibt es vielleicht ein Dutzend Juristen, wobei von denen auch nur ein Teil beide Examina hat.









