20.10.2026, 17:46
20.10.2026, 18:26
Ich muss ehrlich sagen, obwohl die Anforderungen ans Richteramt ja nicht gerade gering sind, gibt es auch unter den Proberichtern teils noch erhebliche Unterschiede, was die Arbeitsqualität angeht. Meiner (natürlich nicht statistisch belegbaren) Erfahrung nach produzieren diejenigen mit höheren Noten meist auch bessere Urteile als diejenigen, die es im Verbesserungsversuch in der mündlichen Prüfung gerade so über die Notengrenze geschafft haben. Wobei es da sicherlich auch in beiderlei Richtung Ausnahmen gibt. Ich weiß, es ist eher eine unpopular opinion...
Ich hatte so einen Fall in der unmittelbaren Kollegschaft, da hab ich ein paar Entscheidungen und generell die Arbeitsmethode mitbekommen und mir auch manchmal "o je" gedacht. Mittlerweile ist die Person quasi freiwillig gegangen, weil die Beurteilung (nach Probezeitverlängerung) eben auch nicht gut ausgefallen wäre.
Ich hatte so einen Fall in der unmittelbaren Kollegschaft, da hab ich ein paar Entscheidungen und generell die Arbeitsmethode mitbekommen und mir auch manchmal "o je" gedacht. Mittlerweile ist die Person quasi freiwillig gegangen, weil die Beurteilung (nach Probezeitverlängerung) eben auch nicht gut ausgefallen wäre.
20.10.2026, 18:42
„gibt es auch unter den Proberichtern teils noch erhebliche Unterschiede, was die Arbeitsqualität angeht“
Klar gibts das. Aber das liegt ja auch daran, dass jeder seine Stärken und Schwächen hat. Und einen guten Richter macht eben nicht nur aus, dass er gute (also rechtlich zutreffende aber auch verständlich und prägnant formulierte) Urteile schreibt. Es geht auch um die eigene Organisation, um die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle, um Verhandlungsführung, Entscheidungsfreude. Jura am Hochreck macht man in erster Instanz doch sowieso selten.
Klar gibts das. Aber das liegt ja auch daran, dass jeder seine Stärken und Schwächen hat. Und einen guten Richter macht eben nicht nur aus, dass er gute (also rechtlich zutreffende aber auch verständlich und prägnant formulierte) Urteile schreibt. Es geht auch um die eigene Organisation, um die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle, um Verhandlungsführung, Entscheidungsfreude. Jura am Hochreck macht man in erster Instanz doch sowieso selten.
20.10.2026, 19:15
(20.10.2026, 18:42)VerzweifelterJurist schrieb: „gibt es auch unter den Proberichtern teils noch erhebliche Unterschiede, was die Arbeitsqualität angeht“
Klar gibts das. Aber das liegt ja auch daran, dass jeder seine Stärken und Schwächen hat. Und einen guten Richter macht eben nicht nur aus, dass er gute (also rechtlich zutreffende aber auch verständlich und prägnant formulierte) Urteile schreibt. Es geht auch um die eigene Organisation, um die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle, um Verhandlungsführung, Entscheidungsfreude. Jura am Hochreck macht man in erster Instanz doch sowieso selten.
Es geht nicht um "Jura am Hochreck", sondern schlichtweg um eine gewisse Sorgfalt bei der Arbeit und ein gutes Ausdrucksvermögen. Zum Beispiel wurde mir letztens im Gespräch mit Kolleg:innen klar, dass ich in diesem Kreis die Einzige bin, die die Klage bei VU-Lage umfassend, auch hinsichtlich der begehrten Zinsen auf Schlüssigkeit prüft und nicht einfach nur den Entwurf von der Geschäftsstelle signiert. Und ich habe auch schon Entscheidungen von Kolleg:innen gesehen (ob nun Proberichter:in oder ernannt), wo ich ehrlich gesagt das Gruseln bekommen habe, ohne dass ich Perfektion erwarte (oder selbst erreiche).
Es ist nicht so, wie es manchmal dargestellt wird, dass nur Leute rausfliegen, die sozial inkompetente Juragenies sind. Es fliegen eben auch, wenn nicht sogar vornehmlich Leute raus, die fachlich einfach nicht so gut sind. Und das muss auch so sein dürfen, weil zumindest mein Anspruch an meinen Beruf nicht ist "Ach naja, ich bin erste Instanz, ist ja eh kein Jura am Hochreck".
Verhandlungsführung ist auch so ein Ding, das 1. kein Hexenwerk ist und 2. ohnehin Learning by Doing ist, weil man es im Ref praktisch nicht lernt. Heißt auch, solange die Person keine Totalkatastrophe ist, kann sie bessere Verhandlungsführung noch in der Probezeit lernen. Aber jemand, der nach dem zweiten Staatsexamen noch Urteile auf dem sprachlichen Niveau einer WhatsApp-Nachricht schreibt, lernt es in der Regel nicht mehr wesentlich besser.
Von außen wird wahrscheinlich auch unterschätzt, wie viel des Richterberufs aus Entscheidungen schreiben besteht. Ich verbringe den Großteil meines Arbeitstages damit, schicke pro Woche dutzende Schriftstücke mit juristischen Arbeitsergebnissen jedweder Form hinaus. Verhandlungen hab ich nur 1x die Woche und habe bei ~5 der 8 Verhandlungen am Ende ein Diktat von je weniger als 2 Minuten.
Bei den Strafrichtern mag es wichtiger sein. Aber es gibt ja auch genügend Gerichte, wo noch viel weniger verhandelt wird und der Job fast nur aus "Sachen schreiben" besteht.
20.10.2026, 19:34
(20.10.2026, 18:42)VerzweifelterJurist schrieb: „gibt es auch unter den Proberichtern teils noch erhebliche Unterschiede, was die Arbeitsqualität angeht“
Klar gibts das. Aber das liegt ja auch daran, dass jeder seine Stärken und Schwächen hat. Und einen guten Richter macht eben nicht nur aus, dass er gute (also rechtlich zutreffende aber auch verständlich und prägnant formulierte) Urteile schreibt. Es geht auch um die eigene Organisation, um die Zusammenarbeit mit der Geschäftsstelle, um Verhandlungsführung, Entscheidungsfreude. Jura am Hochreck macht man in erster Instanz doch sowieso selten.
Gerade auf die Arbeitsorganisation und den Umgang mit den Geschäftsstellen wird mir persönlich ohnehin viel zu wenig geachtet. Es gibt Leute, die reden (auch als Proberichter) in einem unmöglichen Ton mit den Kollegen aus dem „nicht-richterlichen Bereich“. Da schreitet für meinen Geschmack viel zu selten mal jemand ein.
20.10.2026, 20:14
Der Artikel von LTO scheint tatsächlich der Fall des TE zu sein. Habe mir nochmal den Thread durchgelesen und es passt alles. Der TE war auch in Baden-Württemberg.
Natürlich hart, wenn nunmehr der Berufstraum ein Ende hat. Aber als Jurist gibt es tolle Möglichkeiten um sich zu verwirklichen!
Natürlich hart, wenn nunmehr der Berufstraum ein Ende hat. Aber als Jurist gibt es tolle Möglichkeiten um sich zu verwirklichen!
20.10.2026, 22:21
Ja, mit ziemlicher Sicherheit ist das der Fall des ursprünglichen TE, wenn man den LTO Artikel und die Antworten des TE vergleicht.
@NDS: es ist halt schwer, von außen etwas zu raten, weil wir die konkreten Vorwürfe nicht kennen und auch nicht wissen, ob sie zutreffen. Der ursprüngliche TE hat sich offenbar nicht bzw. erst zu spät zur Wehr gesetzt.
Ich selbst bin nicht in der Justiz, bin aber 2024 von meiner damaligen Chefin in einem Unternehmen "geext" worden, d.h. man hat mir einen Aufhebungsvertrag vorgelegt. Ich kann definitiv sagen, dass es persönliche Gründe zwischen uns waren und nicht meine vermeintliche schlechte Arbeitsweise, denn weder mehrere Chefs/Kanzleipartner davor, noch mein jetziger Chef haben jemals inhaltlich meine Arbeit kritisiert. Auch meine Nachfolgerin hatte die gleichen Probleme wie ich und ist noch in der Probezeit "einvernehmlich" gegangen.
Ich weiß zudem von jemanden hier im Forum, der in einem anderen Unternehmen die Stelle meiner damaligen Chefin inne hat, dass er ganz anders bei der Einarbeitung neuer Kollegen vorgeht. Also eine fachliche Nicht-Eignung kann ich ausschließen.
Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich viel früher hätte eingreifen müssen. Statt die Kritik nur entgegen zu nehmen, hätte ich darauf drängen müssen, dass wir im Detail darüber sprechen und aufarbeiten, was ich angeblich falsch gemacht habe. Auch hätte ich sehr viel früher meine Sicht dazu einbringen müssen. So aber zog sich das Ganze über ca. ein Jahr hin, eskalierte immer weiter, während ich das Gefühl hatte, mir entgleitet mein Leben, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Ich habe versucht, es meiner Chefin recht zu machen, viele Überstunden gemacht und gefühlt nur noch gearbeitet und trotzdem passte es ihr nicht, was ich ausgearbeitet habe. Bis wir irgendwann an dem Punkt waren, wo nichts mehr ging, aber da war es dann zu spät, noch irgendwas zu reparieren.
Ich hatte das Glück, dass ich schon vorher gelegentlich mit meinem jetzigen Chef zusammen arbeitete und ihn deshalb nach einer Stelle in seinem Team gefragt habe. Hat meiner Chefin nicht gepasst und wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte es nur den Aufhebungsvertrag gegeben, aber so konnte ich mich noch in eine andere Abteilung und das Team meines jetzigen Chef retten, auch wenn ich dafür viele Nachteile in Kauf nehmen musste.
Aus dieser Erfahrung heraus rate ich dir, frühzeitig das Gespräch zu suchen und dich gut darauf vorzubereiten. Woraus besteht die Kritik? Ist sie berechtigt oder nicht? Was kannst du besser machen und ist ggf. die Kommunikation unzureichend gewesen? Nimm den Personalrat mit dazu, wenn du Unterstützung brauchst. Bei mir hat zum Beispiel der Betriebsrat in einem der Gespräche darauf hingewiesen, dass er die Kommunikation mir gegenüber als wenig wertschätzend empfindet. Im ersten Moment war ich überrascht, denn das war der normale Umgangston meiner Chefin mit mir. Im Nachhinein denke ich mir, wie krass muss die Situation gewesen sein, wenn schon anderen Leuten auffällt, dass ihr Ton unmöglich war. Ich selbst war in der Situation durch die monatelange Kritik schon so verunsichert, dass mir gar nicht mehr aufgefallen ist, dass das nicht normal ist.
Also schau, dass du jetzt noch etwas ändern kannst. Suche das Gespräch und frage, was konkret stört und du anders machen kannst. Wenn die Kritik berechtigt ist, nimm sie an. In dem Artikel der LTO klingt es schon nach deutlich mehr Fehlern als die, die der ursprüngliche TE uns hier beschrieben hat.
Edit: Richterrat statt Personalrat ist wohl richtig, sorry.
@NDS: es ist halt schwer, von außen etwas zu raten, weil wir die konkreten Vorwürfe nicht kennen und auch nicht wissen, ob sie zutreffen. Der ursprüngliche TE hat sich offenbar nicht bzw. erst zu spät zur Wehr gesetzt.
Ich selbst bin nicht in der Justiz, bin aber 2024 von meiner damaligen Chefin in einem Unternehmen "geext" worden, d.h. man hat mir einen Aufhebungsvertrag vorgelegt. Ich kann definitiv sagen, dass es persönliche Gründe zwischen uns waren und nicht meine vermeintliche schlechte Arbeitsweise, denn weder mehrere Chefs/Kanzleipartner davor, noch mein jetziger Chef haben jemals inhaltlich meine Arbeit kritisiert. Auch meine Nachfolgerin hatte die gleichen Probleme wie ich und ist noch in der Probezeit "einvernehmlich" gegangen.
Ich weiß zudem von jemanden hier im Forum, der in einem anderen Unternehmen die Stelle meiner damaligen Chefin inne hat, dass er ganz anders bei der Einarbeitung neuer Kollegen vorgeht. Also eine fachliche Nicht-Eignung kann ich ausschließen.
Im Nachhinein ist mir klar geworden, dass ich viel früher hätte eingreifen müssen. Statt die Kritik nur entgegen zu nehmen, hätte ich darauf drängen müssen, dass wir im Detail darüber sprechen und aufarbeiten, was ich angeblich falsch gemacht habe. Auch hätte ich sehr viel früher meine Sicht dazu einbringen müssen. So aber zog sich das Ganze über ca. ein Jahr hin, eskalierte immer weiter, während ich das Gefühl hatte, mir entgleitet mein Leben, ohne dass ich etwas dagegen tun kann. Ich habe versucht, es meiner Chefin recht zu machen, viele Überstunden gemacht und gefühlt nur noch gearbeitet und trotzdem passte es ihr nicht, was ich ausgearbeitet habe. Bis wir irgendwann an dem Punkt waren, wo nichts mehr ging, aber da war es dann zu spät, noch irgendwas zu reparieren.
Ich hatte das Glück, dass ich schon vorher gelegentlich mit meinem jetzigen Chef zusammen arbeitete und ihn deshalb nach einer Stelle in seinem Team gefragt habe. Hat meiner Chefin nicht gepasst und wenn es nach ihr gegangen wäre, hätte es nur den Aufhebungsvertrag gegeben, aber so konnte ich mich noch in eine andere Abteilung und das Team meines jetzigen Chef retten, auch wenn ich dafür viele Nachteile in Kauf nehmen musste.
Aus dieser Erfahrung heraus rate ich dir, frühzeitig das Gespräch zu suchen und dich gut darauf vorzubereiten. Woraus besteht die Kritik? Ist sie berechtigt oder nicht? Was kannst du besser machen und ist ggf. die Kommunikation unzureichend gewesen? Nimm den Personalrat mit dazu, wenn du Unterstützung brauchst. Bei mir hat zum Beispiel der Betriebsrat in einem der Gespräche darauf hingewiesen, dass er die Kommunikation mir gegenüber als wenig wertschätzend empfindet. Im ersten Moment war ich überrascht, denn das war der normale Umgangston meiner Chefin mit mir. Im Nachhinein denke ich mir, wie krass muss die Situation gewesen sein, wenn schon anderen Leuten auffällt, dass ihr Ton unmöglich war. Ich selbst war in der Situation durch die monatelange Kritik schon so verunsichert, dass mir gar nicht mehr aufgefallen ist, dass das nicht normal ist.
Also schau, dass du jetzt noch etwas ändern kannst. Suche das Gespräch und frage, was konkret stört und du anders machen kannst. Wenn die Kritik berechtigt ist, nimm sie an. In dem Artikel der LTO klingt es schon nach deutlich mehr Fehlern als die, die der ursprüngliche TE uns hier beschrieben hat.
Edit: Richterrat statt Personalrat ist wohl richtig, sorry.
20.10.2026, 22:36
Ich würde wirklich gerne wissen, ob der TE "spinnt" oder vielleicht doch eher die Vorsitzende... In seinen Ausführungen wirkt das alles ganz anders, sein schriftlicher Ausdruck auch absolut passabel. Man würde wirklich nicht meinen, dass sich dahinter eine derart mies arbeitende Person verbirgt. Sollte einem vielleicht auch zu denken geben, wie stark sich Perspektiven und Wahrnehmungen unterscheiden können.
21.10.2026, 06:51
Man muss auch sehen, dass sich bei Richtern nach der Lebenszeiternennnung nahezu nichts mehr machen lässt: kein Weisungsrecht, richterliche Unabhängigkeit, keine Entlassung, letztlich kann man bis zur Rechtsbeugung tun was man will. Umso wichtiger ist es, dass bei Zweifeln vorher durchgegriffen wird. Aus Nettigkeit oder Feigheit jemanden behalten, kann für Kollegen und Rechtssuchende jahrzehntelang üble Folgen haben. Das ist halt das Dilemma. Im Zweifelsfall würde ich daher drauf drängen, mich an anderer Stelle nochmal beweisen zu dürfen. Umgekehrt: Wenn es nirgendwo harmoniert, sind die Zweifel eben zu groß und die Justiz kann die Lebenszeiternennnung nicht riskieren.
21.10.2026, 09:29
(20.10.2026, 22:36)lex carbonara schrieb: Ich würde wirklich gerne wissen, ob der TE "spinnt" oder vielleicht doch eher die Vorsitzende... In seinen Ausführungen wirkt das alles ganz anders, sein schriftlicher Ausdruck auch absolut passabel. Man würde wirklich nicht meinen, dass sich dahinter eine derart mies arbeitende Person verbirgt. Sollte einem vielleicht auch zu denken geben, wie stark sich Perspektiven und Wahrnehmungen unterscheiden können.
Es gibt immer zwei Seiten einer Geschichte und manchmal bewegen sich auch beide im Graubereich.
Bei uns geht es zwar um Beamte auf Probe, aber wenn einmal der Punkt überschritten wurde, an dem die Eignung in Frage gestellt wird, dann war es das quasi für dich. Es braucht einiges, um an diesen Punkt zu kommen, aber wenn dir nahegelegt wird, dir eine andere Tätigkeit zu suchen, ist es schon zu spät.
Gehst du dann nicht freiwillig, wird die Beurteilung negativ sein. Du bekommst dann formal noch die Gelegenheit zur Besserung, aber an sich ist es ausgemacht, dass die nächste Beurteilung stark negativ ausfallen wird, sodass du dann gehen musst. Die daraus resultierenden Beurteilungen sind dann nicht immer objektiv und überzogen hart, weil man auf Nummer sicher gehen möchte, dass du hier nicht mehr auf Lebenszeit ernannt wirst. Trotzdem lagen reale Probleme zugrunde.
Ich kann aus der Sicht nur empfehlen, dem Wink mit dem Zaunpfahl zu folgen. Wenn man dir während der Erprobung nahelegt, freiwillig zu gehen, dann nimm das an und halte deine Personalakte sauber. Manchmal passt es einfach nicht und so stehen dir weiterhin andere Optionen im öffentlichen Dienst offen.









