24.08.2026, 10:32
Hallo zusammen,
ich war am Wochenende auf einem Geburtstag, bei dem ich viele ehemalige Kommilitonen getroffen habe. Im Laufe des Gesprächs hat sich herausgestellt, dass erstaunlich viele entweder schon relativ früh als Rechtsanwälte aufgehört haben und mittlerweile in Unternehmen, der Verwaltung oder Justiz tätig sind. Und auch diejenigen, die noch als Anwälte arbeiten, hatten erstaunlich wenig Positives zu berichten: lange Arbeitszeiten, hohe Belastung, Dauerstress und kaum WLB.
Diejenigen in mittelständischen Kanzleien arbeiten zwar offenbar etwas weniger als in Großkanzleien, sitzen aber teilweise trotzdem 50–60 Stunden pro Woche für 60–70k im Büro, was ich ehrlich gesagt für einen ziemlich schlechten Deal halte.
Die Großkanzlei-Leute waren teilweise gar nicht erst auf dem Geburtstag, weil sie am Wochenende arbeiten mussten. Und diejenigen, die da waren, hatten teilweise das Gefühl, eigentlich gar nicht mehr wirklich etwas vom Leben zu haben.
Deshalb frage ich mich inzwischen ernsthaft: Gibt es hier jemanden, der auf Dauer als Rechtsanwalt glücklich ist? 😄
Falls ja: Wie erlebt ihr das mit der Work-Life-Balance? Stören euch die Arbeitszeiten und die Belastung nicht, oder habt ihr für euch ein Modell gefunden, bei dem das gut funktioniert?
Würde mich wirklich interessieren, auch mal positive Erfahrungen zu hören!
ich war am Wochenende auf einem Geburtstag, bei dem ich viele ehemalige Kommilitonen getroffen habe. Im Laufe des Gesprächs hat sich herausgestellt, dass erstaunlich viele entweder schon relativ früh als Rechtsanwälte aufgehört haben und mittlerweile in Unternehmen, der Verwaltung oder Justiz tätig sind. Und auch diejenigen, die noch als Anwälte arbeiten, hatten erstaunlich wenig Positives zu berichten: lange Arbeitszeiten, hohe Belastung, Dauerstress und kaum WLB.
Diejenigen in mittelständischen Kanzleien arbeiten zwar offenbar etwas weniger als in Großkanzleien, sitzen aber teilweise trotzdem 50–60 Stunden pro Woche für 60–70k im Büro, was ich ehrlich gesagt für einen ziemlich schlechten Deal halte.
Die Großkanzlei-Leute waren teilweise gar nicht erst auf dem Geburtstag, weil sie am Wochenende arbeiten mussten. Und diejenigen, die da waren, hatten teilweise das Gefühl, eigentlich gar nicht mehr wirklich etwas vom Leben zu haben.
Deshalb frage ich mich inzwischen ernsthaft: Gibt es hier jemanden, der auf Dauer als Rechtsanwalt glücklich ist? 😄
Falls ja: Wie erlebt ihr das mit der Work-Life-Balance? Stören euch die Arbeitszeiten und die Belastung nicht, oder habt ihr für euch ein Modell gefunden, bei dem das gut funktioniert?
Würde mich wirklich interessieren, auch mal positive Erfahrungen zu hören!
24.08.2026, 12:02
Ich bin definitiv glücklich mit meinem Job als Anwalt. Allerdings kann mir als Partner auch keiner Reinreden, wie und wann ich meine Arbeit zu erledigen habe. Insgesamt arbeite ich mehr als in einem Inhouse-Job aber dafür sehr flexibel. Und 60 Wochenstunden mache ich auch nicht 
Viele können als Anwälte auch keine Grenzen setzen (vor allem gegenüber sich selbst). Dann sitzen sie ewig an Problemen, die man auch in einem Drittel der Zeit beantwortet bekäme, weil sie die letzten Unsicherheiten beiseite schaffen wollen, nur verbleibt immer eine kleine Restunsicherheit. Oder es wird exzessiv zu Nebenproblemen recherchiert und ausgeführt, was die Mandanten aber gar nicht interessiert. Im Anwaltsberuf bremst einen keiner ein, das muss man selbst machen.
Abgesehen davon muss man auch wirtschaftlich denken. Ich habe auch schon Mandate abgelehnt, weil das Verhältnis Vergütung-Aufwand/Stress in keinem Verhältnis gestanden hätte. Andere nehmen alles an und reiben sich dann in 20% Stressmandaten auf, die ihnen jetzt nicht den Umsatz-Push bringen.
So zum Beispiel auch mit Urlauben. Ich hatte als angestellter Anwalt nie meinen Laptop mit im Urlaub, weder während meiner GK-Zeit noch danach. Es hat immer geklappt. Andere schreiben natürlich in ihre Urlaubsankündigung schon rein, dass sie natürlich erreichbar sind und springen auf jede E-Mail auf... ich denke mir hingegen, wenn ich morgen vom Bus überfahren werde, läuft der Laden auch weiter. Da kann mein Urlaub also nicht das Ende der Welt für die Fälle bedeuten.

Viele können als Anwälte auch keine Grenzen setzen (vor allem gegenüber sich selbst). Dann sitzen sie ewig an Problemen, die man auch in einem Drittel der Zeit beantwortet bekäme, weil sie die letzten Unsicherheiten beiseite schaffen wollen, nur verbleibt immer eine kleine Restunsicherheit. Oder es wird exzessiv zu Nebenproblemen recherchiert und ausgeführt, was die Mandanten aber gar nicht interessiert. Im Anwaltsberuf bremst einen keiner ein, das muss man selbst machen.
Abgesehen davon muss man auch wirtschaftlich denken. Ich habe auch schon Mandate abgelehnt, weil das Verhältnis Vergütung-Aufwand/Stress in keinem Verhältnis gestanden hätte. Andere nehmen alles an und reiben sich dann in 20% Stressmandaten auf, die ihnen jetzt nicht den Umsatz-Push bringen.
So zum Beispiel auch mit Urlauben. Ich hatte als angestellter Anwalt nie meinen Laptop mit im Urlaub, weder während meiner GK-Zeit noch danach. Es hat immer geklappt. Andere schreiben natürlich in ihre Urlaubsankündigung schon rein, dass sie natürlich erreichbar sind und springen auf jede E-Mail auf... ich denke mir hingegen, wenn ich morgen vom Bus überfahren werde, läuft der Laden auch weiter. Da kann mein Urlaub also nicht das Ende der Welt für die Fälle bedeuten.
24.08.2026, 12:40
Ich war zufrieden als Anwältin in der mittelständischen WPG, zumindest fast. WLB, interessante Mandate alles super. Keine Erreichbarkeit im Urlaub und mein Chef redete mir auch nicht in meine Mandante rein. Nur das Gehalt stimmte irgendwann nicht mehr und eine Chance, nennenswert mehr zu bekommen, gab es dort nicht. Wenn das zu geringe Gehalt und die fehlende Home Office Möglichkeit nicht gewesen wären, wäre ich dort nicht weg. Im Unternehmen ist aber auch nicht nur eitel Sonnenschein, sondern es kommt sehr auf den Vorgesetzten an. A*löcher gibt es überall.
24.08.2026, 13:11
Ich finde das Anwaltsein an sich ziemlich cool. Die Belastung ist manchmal hoch, das stimmt, aber wie der Kollege schon anklingen lässt - da muss man sich selbst Grenzen setzen. Seit der Selbstständigkeit habei ich es tatsächlich immer wieder, dass ich eigentlich Feierabend machen will, aber denke "ach komm, das noch schnell und das noch schnell" und plötzlich sind zwei Stunden rum. Dafür konnte ich vorhin eine große Runde mit dem Kinderwagen spazieren gehen ohne Stress. 60h mache ich auch nicht, vllt mal 50, wenn die Belastung besonders hoch ist.
Ehrlicherweise habe ich aber gerade die Werbekampagne ausgesetzt und verfügt, dass max. 5 Termine mit Neumandanten pro Woche gemacht werden, weil die Arbeit gerade wesentlich zu viel war/ist.
Als Angestellter RA (~10 Anwälte / davon 4 Partner) habe ich von 8-17/1730 Uhr gearbeitet und bin mittags 45min trainieren gegangen. War 80% der Zeit auch angenehm, aber ging irgendwann finanziell nicht mehr weiter. Und HO war auch nicht gern gesehen, was bei meiner damaligen Tätigkeit absolut schwachsinnig war.
Ehrlicherweise habe ich aber gerade die Werbekampagne ausgesetzt und verfügt, dass max. 5 Termine mit Neumandanten pro Woche gemacht werden, weil die Arbeit gerade wesentlich zu viel war/ist.
Als Angestellter RA (~10 Anwälte / davon 4 Partner) habe ich von 8-17/1730 Uhr gearbeitet und bin mittags 45min trainieren gegangen. War 80% der Zeit auch angenehm, aber ging irgendwann finanziell nicht mehr weiter. Und HO war auch nicht gern gesehen, was bei meiner damaligen Tätigkeit absolut schwachsinnig war.
24.08.2026, 13:50
Klar.
Angestellt als Syndikus mit 2-3 effektiven Arbeitsstunden pro Tag, HO.
Selbständig als Anwalt, hochspezialisiert und mit GK-Stundensätzen bei 2-4 Std Arbeit pro Tag.
Ergebnis: Partnereinkommen ohne jedes Risiko bei weniger als 8 Std pro Tag.
Angestellt als Syndikus mit 2-3 effektiven Arbeitsstunden pro Tag, HO.
Selbständig als Anwalt, hochspezialisiert und mit GK-Stundensätzen bei 2-4 Std Arbeit pro Tag.
Ergebnis: Partnereinkommen ohne jedes Risiko bei weniger als 8 Std pro Tag.
25.08.2026, 13:12
Auch wenn ich erst seit Januar Anwalt bin, versuche ich in die Justiz oder ins Ministerium zu wechseln. Die Interessenvertretung und das wirtschaftliche Denken sagt mir überhaupt nicht zu bzw. finde ich nicht sinnstiftend. Von meinen ehemaligen Referendarskollegen sind die beim Staat (im Schnitt) scheinbar auch am zufriedensten.
Gestern, 09:33
(24.08.2026, 13:50)ÖffR123 schrieb: Klar.
Angestellt als Syndikus mit 2-3 effektiven Arbeitsstunden pro Tag, HO.
Selbständig als Anwalt, hochspezialisiert und mit GK-Stundensätzen bei 2-4 Std Arbeit pro Tag.
Ergebnis: Partnereinkommen ohne jedes Risiko bei weniger als 8 Std pro Tag.
Kenne auch ein zwei Leute, die diese Schiene fahren. Teilzeitsyndikusstelle (oder Vollzeit mit wenig Workload) und nebenbei einige ausgewählte Mandate. Kann der Sweet Spot sein.
Vor 1 Stunde
(24.08.2026, 13:50)ÖffR123 schrieb: Klar.
Angestellt als Syndikus mit 2-3 effektiven Arbeitsstunden pro Tag, HO.
Selbständig als Anwalt, hochspezialisiert und mit GK-Stundensätzen bei 2-4 Std Arbeit pro Tag.
Ergebnis: Partnereinkommen ohne jedes Risiko bei weniger als 8 Std pro Tag.
Glückwunsch das dürfte tatsächlich die Ausnahme sein.
Hast du dir die Spezialisierung selbst gesucht oder schon in dem Bereich vorher praktisch gearbeitet?
Die Syndikusstelle so zu finden ist aber auch einfach Glück, das kann man vorher nicht wissen










