16.07.2026, 14:13
Hey,
ich wollte eigentlich mein Leben lang in die Justiz, nun sieht die Einstellungssituation in meinem BL nicht so rosig aus. Ich wollte daher als Übergangslösung promovieren (ein LLM kommt für mich nicht in Betracht). Nun haben mir Freunde gerate, die bereits als Anwälte arbeiten, dass ich mir genau überlegen sollte, ob ich nicht lieber direkt den Berufseinstieg wähle. Die Stellenlage würde nach ihrer Ansicht tendenziell schlechter werden, da so viele Aufgabenbereiche langfristig von KI übernommen werden könnten.
Darüber, dass sich die Stellensituation noch weiter zuspitzen könnte, habe ich ehrlicherweise weniger nachgedacht. Wie seht ihr das? Wäre es cleverer möglichst schnell auf den Jobmarkt zu kommen? Habt ihr Erfahrungen aus eigenen Bereichen? Welche Prognosen schlagt ihr vllt an, wenn ihr schon länger fest im Beruf steht?
Freue mich über jede Rückmeldung!
LG
ich wollte eigentlich mein Leben lang in die Justiz, nun sieht die Einstellungssituation in meinem BL nicht so rosig aus. Ich wollte daher als Übergangslösung promovieren (ein LLM kommt für mich nicht in Betracht). Nun haben mir Freunde gerate, die bereits als Anwälte arbeiten, dass ich mir genau überlegen sollte, ob ich nicht lieber direkt den Berufseinstieg wähle. Die Stellenlage würde nach ihrer Ansicht tendenziell schlechter werden, da so viele Aufgabenbereiche langfristig von KI übernommen werden könnten.
Darüber, dass sich die Stellensituation noch weiter zuspitzen könnte, habe ich ehrlicherweise weniger nachgedacht. Wie seht ihr das? Wäre es cleverer möglichst schnell auf den Jobmarkt zu kommen? Habt ihr Erfahrungen aus eigenen Bereichen? Welche Prognosen schlagt ihr vllt an, wenn ihr schon länger fest im Beruf steht?
Freue mich über jede Rückmeldung!
LG
16.07.2026, 14:42
Eine seriöse Prognose kann weder ich noch sonst jemand Dir geben. Inwiefern KI, sein es einfache oder komplexe Tätigkeiten, Juristen ersetze kann, kann keiner verlässlich abschätzen.
Aber einige Worte zur Promotion und zur Stellenlage: ich empfehle jedem in meinem Freundeskreis ein Jobangebot sofort zu nehmen und nicht zu zögern, wenn die Rahmenbedingungen (Gehalt, Kanzlei, Tätigkeitsgebiet etc.) passen. Eine Promotion bringt den Leuten genau nichts, bis auf den Titel.
Ich komme aus der mittelständischen Beratung. Dort ist es entscheidend, eine fundierte rechtliche Einschätzung abgeben zu können und diese auch umsetzen zu können. Insofern hilft dir in erster Linie Berufserfahrung, kein LLM, keine Promotion. Du musst den Mandanten beraten und vertreten können. Das lernst Du im Job, sonst nirgendwo.
Die Promotion verschafft weder einen fachlichen noch einen (nennenswerten) gehaltlichen Vorsprung.
Wenn Du keinen konkreten Job als RA/Richter usw. hast, dann bietet sich die Promotion sicherlich an, um die Zeit zu überbrücken. Ansonsten würde ich diesen Weg derzeit nicht beschreiten.
Aber einige Worte zur Promotion und zur Stellenlage: ich empfehle jedem in meinem Freundeskreis ein Jobangebot sofort zu nehmen und nicht zu zögern, wenn die Rahmenbedingungen (Gehalt, Kanzlei, Tätigkeitsgebiet etc.) passen. Eine Promotion bringt den Leuten genau nichts, bis auf den Titel.
Ich komme aus der mittelständischen Beratung. Dort ist es entscheidend, eine fundierte rechtliche Einschätzung abgeben zu können und diese auch umsetzen zu können. Insofern hilft dir in erster Linie Berufserfahrung, kein LLM, keine Promotion. Du musst den Mandanten beraten und vertreten können. Das lernst Du im Job, sonst nirgendwo.
Die Promotion verschafft weder einen fachlichen noch einen (nennenswerten) gehaltlichen Vorsprung.
Wenn Du keinen konkreten Job als RA/Richter usw. hast, dann bietet sich die Promotion sicherlich an, um die Zeit zu überbrücken. Ansonsten würde ich diesen Weg derzeit nicht beschreiten.
16.07.2026, 14:57
Sehe es wie deine Freunde.
KI ist noch weitestgehend unbrauchbar, jedenfalls im textgenerativen Bereich. Aber man weiß nicht, wie es in zwei, drei Jahren aussehen wird. Und falls die KI dann wirklich menschliche Arbeitsleistung ersetzen kann, sollte man lieber Berufserfahrung als keine Berufserfahrung haben. Promovieren kannst du dann auch noch.
KI ist noch weitestgehend unbrauchbar, jedenfalls im textgenerativen Bereich. Aber man weiß nicht, wie es in zwei, drei Jahren aussehen wird. Und falls die KI dann wirklich menschliche Arbeitsleistung ersetzen kann, sollte man lieber Berufserfahrung als keine Berufserfahrung haben. Promovieren kannst du dann auch noch.
16.07.2026, 15:17
Eine Glaskugel zum reinschauen, wird hier niemand haben. Meine persönliche Meinung: Die KI wird kräftig den Markt aufräumen. Die jetzigen und speziell auf Juristen zugeschnittenen KIs sind schon vielfach beeindruckend, wenn es um das Generieren von Schriftsätzen geht wie auch um Textzusammenfassungen. Gerade die klassischen Aufgabenbereiche für Berufsanfänger fallen darunter.
16.07.2026, 15:26
Ich finde KI nicht unbrauchbar. KI kann die anwaltliche Beratung noch nicht übernehmen, allerdings ermöglicht sie mir, die Mandate schneller zu bearbeiten.
Copilot schreibt meine E-Mails in weniger als 5 Minuten und liest all meine Texte Korrektur. Copilot findet dabei mehr Fehler als ein Wiss Mit und ist schneller.
Auch Beck Noxtua ist noch nicht ganz ausgereift, allerdings jetzt schon besser als so mancher Wiss Mit (+ Beck Noxtua hat immer Kapazität).
Copilot schreibt meine E-Mails in weniger als 5 Minuten und liest all meine Texte Korrektur. Copilot findet dabei mehr Fehler als ein Wiss Mit und ist schneller.
Auch Beck Noxtua ist noch nicht ganz ausgereift, allerdings jetzt schon besser als so mancher Wiss Mit (+ Beck Noxtua hat immer Kapazität).
16.07.2026, 15:35
Vielen Dank für Eure Rückmeldungen!
Dass es nicht sicher prognostizierbar ist, ist mir schon bewusst, deswegen hatte ich das auch mit einer subjektiven Einschätzung verknüpft, wie ihr es aus Eurem Berufsalltag heraus für Euch einordnet :) finde das sind super wertvolle Erfahrungen und Denkanstöße, wenn man frisch aus der Ausbildung kommt.
Daher teilt gern mehr! Ich lese fleißig mit & werde mich dann wohl mal nach geeigneten Arbeitgebern umschauen
Dass es nicht sicher prognostizierbar ist, ist mir schon bewusst, deswegen hatte ich das auch mit einer subjektiven Einschätzung verknüpft, wie ihr es aus Eurem Berufsalltag heraus für Euch einordnet :) finde das sind super wertvolle Erfahrungen und Denkanstöße, wenn man frisch aus der Ausbildung kommt.
Daher teilt gern mehr! Ich lese fleißig mit & werde mich dann wohl mal nach geeigneten Arbeitgebern umschauen
16.07.2026, 16:09
Bei Berufseinstieg würde ich auch darauf achten, in eine Kanzlei zu gehen, die dir etwas bringt. Perspektivisch werden stupiden Arbeiten in einer Wirtschaftskanzlei ersetzt werden. Verschwende Deine Zeit nicht mit irgendwelchen Datenräumen oder NDA‘s. Ich würde immer wieder bei einer gut laufenden mittelständischen Kanzlei anfangen. Gute Arbeit, ausgewogene Arbeitszeiten und interessante Leute, die man zu beraten hat.
Vom Fachgebiet her natürlich in erster Linie das, was einen interessiert. Jedoch habe ich immer geschaut, den Markt im Blick zu haben. D.h., was wird gebraucht. Steuerrecht/Arbeitsrecht/gewisse Bereiche des Gesellschaftsrechts/InsolvR/Verkehrsrecht/ErbR und FamR sind mE recht konjunkturunabhängige Gebiete, auf die ich mich fokussieren würde. ESG und Governance Beratung würde ich eher die Finger von lassen. Das fällt für mich unter „Luxusberatung“ (einige sehr wenige Ausnahmen abgesehen, die im Wesentlichen durch Regulatorik geschaffen wurden), sprich der Staat verschafft Arbeit.
Umstrukturierungen, Scheidungen, Tod, Steuern gibt es laufend, unabhängig davon, ob die Wirtschaft draußen boomt oder nicht. Im Gegenteil, unsichere Zeiten beflügeln das Geschäft auch in den verschiedensten Bereichen.
Verschaff Dir Berufserfahrung auf einem Gebiet, was Dich interessiert und einen Mehrwert beim Mandanten bringt.
Vom Fachgebiet her natürlich in erster Linie das, was einen interessiert. Jedoch habe ich immer geschaut, den Markt im Blick zu haben. D.h., was wird gebraucht. Steuerrecht/Arbeitsrecht/gewisse Bereiche des Gesellschaftsrechts/InsolvR/Verkehrsrecht/ErbR und FamR sind mE recht konjunkturunabhängige Gebiete, auf die ich mich fokussieren würde. ESG und Governance Beratung würde ich eher die Finger von lassen. Das fällt für mich unter „Luxusberatung“ (einige sehr wenige Ausnahmen abgesehen, die im Wesentlichen durch Regulatorik geschaffen wurden), sprich der Staat verschafft Arbeit.
Umstrukturierungen, Scheidungen, Tod, Steuern gibt es laufend, unabhängig davon, ob die Wirtschaft draußen boomt oder nicht. Im Gegenteil, unsichere Zeiten beflügeln das Geschäft auch in den verschiedensten Bereichen.
Verschaff Dir Berufserfahrung auf einem Gebiet, was Dich interessiert und einen Mehrwert beim Mandanten bringt.
16.07.2026, 18:28
(16.07.2026, 14:13)Sonderzuständigkeit schrieb: Hey,
ich wollte eigentlich mein Leben lang in die Justiz, nun sieht die Einstellungssituation in meinem BL nicht so rosig aus. Ich wollte daher als Übergangslösung promovieren (ein LLM kommt für mich nicht in Betracht). Nun haben mir Freunde gerate, die bereits als Anwälte arbeiten, dass ich mir genau überlegen sollte, ob ich nicht lieber direkt den Berufseinstieg wähle. Die Stellenlage würde nach ihrer Ansicht tendenziell schlechter werden, da so viele Aufgabenbereiche langfristig von KI übernommen werden könnten.
Darüber, dass sich die Stellensituation noch weiter zuspitzen könnte, habe ich ehrlicherweise weniger nachgedacht. Wie seht ihr das? Wäre es cleverer möglichst schnell auf den Jobmarkt zu kommen? Habt ihr Erfahrungen aus eigenen Bereichen? Welche Prognosen schlagt ihr vllt an, wenn ihr schon länger fest im Beruf steht?
Freue mich über jede Rückmeldung!
LG
Unabhängig von KI, halte ich es für sinnvoller, wenn deine Note aktuell nicht ausreichen sollte (falls sie formal ausreicht, bewirb dich einfach mal. Man weiß ja nie), dass du dann in einen Beruf einsteigst (vielleicht als Anwältin), weil die Berufserfahrung spielt auch eine Rolle bei der Justiz Bewerbung
16.07.2026, 19:05
Claude Fable 5 ist der Wahnsinn. Damit wird man schneller und besser, ergo braucht man weniger Personal. Denke schon, dass weniger Juristen gebraucht werden/der Staat die Einsparung zu (noch) weniger Einstellungen führt.
Unabhängig von KI: In Niedersachsen wird wohl aktuell „normal“ eingestellt. Die letzten beiden Jahre wurde viel mehr eingestellt.
Bald kommt ja der Pakt 2.0. das wäre auch ein guter Zeitpunkt.
Es wird auch überall mehr gespart, Bestandsschutz zB als Beamter wird dann auch schwieriger.
Unabhängig von KI: In Niedersachsen wird wohl aktuell „normal“ eingestellt. Die letzten beiden Jahre wurde viel mehr eingestellt.
Bald kommt ja der Pakt 2.0. das wäre auch ein guter Zeitpunkt.
Es wird auch überall mehr gespart, Bestandsschutz zB als Beamter wird dann auch schwieriger.
16.07.2026, 20:41
Wenn die KI so gut ist, warum gibt es das Forum überhaupt noch? Wäre die KI nicht besser im Antworten?










