21.06.2026, 11:38
Ich finde diese Neiddebatte zu den überbezahlten Beamten lustig.
Es ist wenige Jahre her, dass ich in eine Bundesbehörde gegangen bin und damals war die Reaktion eher Unverständnis. A13 wurde geradezu als beleidigender Mindestlohn für einen Volljuristen mit überdurchschnittlichen Noten abgetan und öD ist doch sowieso total uninteressant. Geh lieber in eine GK, da verdienst du richtig Geld und machst Karriere!
Eine Wirtschaftsflaute später ist man plötzlich massiv überbezahlt, überversorgt und arbeitet sowieso nicht. Die Pension sollte man doch bitte auf Rentenniveau stutzen und die zugehörigen Rentenbeiträge dann noch von der Besoldung abziehen. Mh, klar. Passieren wird wie immer nichts.
Freue mich schon auf den nächsten Wirtschaftsaufschwung. In einigen Jahren werde ich dann wieder belächelt, weil ich mich mit so wenig Geld abspeisen lasse. Der endlose Zyklus des Beamtentums.
Es ist wenige Jahre her, dass ich in eine Bundesbehörde gegangen bin und damals war die Reaktion eher Unverständnis. A13 wurde geradezu als beleidigender Mindestlohn für einen Volljuristen mit überdurchschnittlichen Noten abgetan und öD ist doch sowieso total uninteressant. Geh lieber in eine GK, da verdienst du richtig Geld und machst Karriere!
Eine Wirtschaftsflaute später ist man plötzlich massiv überbezahlt, überversorgt und arbeitet sowieso nicht. Die Pension sollte man doch bitte auf Rentenniveau stutzen und die zugehörigen Rentenbeiträge dann noch von der Besoldung abziehen. Mh, klar. Passieren wird wie immer nichts.
Freue mich schon auf den nächsten Wirtschaftsaufschwung. In einigen Jahren werde ich dann wieder belächelt, weil ich mich mit so wenig Geld abspeisen lasse. Der endlose Zyklus des Beamtentums.
21.06.2026, 14:07
(21.06.2026, 11:38)RRalf schrieb: Ich finde diese Neiddebatte zu den überbezahlten Beamten lustig.
Es ist wenige Jahre her, dass ich in eine Bundesbehörde gegangen bin und damals war die Reaktion eher Unverständnis. A13 wurde geradezu als beleidigender Mindestlohn für einen Volljuristen mit überdurchschnittlichen Noten abgetan und öD ist doch sowieso total uninteressant. Geh lieber in eine GK, da verdienst du richtig Geld und machst Karriere!
Eine Wirtschaftsflaute später ist man plötzlich massiv überbezahlt, überversorgt und arbeitet sowieso nicht. Die Pension sollte man doch bitte auf Rentenniveau stutzen und die zugehörigen Rentenbeiträge dann noch von der Besoldung abziehen. Mh, klar. Passieren wird wie immer nichts.
Freue mich schon auf den nächsten Wirtschaftsaufschwung. In einigen Jahren werde ich dann wieder belächelt, weil ich mich mit so wenig Geld abspeisen lasse. Der endlose Zyklus des Beamtentums.
Du müsstest jetzt ein Abo der Zeit haben. Sonntags gibt es dort immer den "Kontoauszug", in dem jemand seinen Job und seine Ausgaben vorstellt. Letzte Woche war dort ein Anwalt, der Partner in einer Boutique ist, dieses Wochenende eine AL im öD, die in Teilzeit, 28h mit, nach eigener Angabe, wenig Stress 3700 Euro netto minus 382 Euro PKV für sich und die Kinder hat. Was meinst du, was da in den Kommentaren los ist. Voraussichtliche Pension laut ihrer Angabe 3800 Euro, in der freien Wirtschaft unter 2.000 Euro. Alles ihre Angaben, die ich nicht nachprüfen kann, deswegen also glauben muss.
Wenn die Angaben so stimmen, kann ich verstehen, warum die Leute sich unter dem Artikel gerade massiv aufregen, zumal sie noch denkt, auf der anderen Seite (der freien Wirtschaft) wäre das Gras noch grüner, sprich mehr Gehalt, bei gleich guter WLB.
21.06.2026, 14:38
Will halt niemand wahrhaben, dass die Beamten insbesondere im höheren Dienst Privilegien haben, die den einfachen Menschen da draußen nicht mehr vermittelbar sind. Und gleichzeitig ist es kein wunder, dass der öffentliche Dienst derzeit boomt wie noch nie.
21.06.2026, 14:48
(21.06.2026, 11:38)RRalf schrieb: Freue mich schon auf den nächsten Wirtschaftsaufschwung. In einigen Jahren werde ich dann wieder belächelt, weil ich mich mit so wenig Geld abspeisen lasse. Der endlose Zyklus des Beamtentums.
Heul bitte leiser. 9 von 10 Juristen außerhalb eines Beamtenverhältnisses werden im Laufe Ihres Berufslebens weniger verdienen und am Ende als Pension raushaben, als Beamte in A13 aufwärts. Und selbst wenn ein entsprechendes Nettogehalt rauskommt, muss mit diesem noch privat vorgesorgt werden, um ein entsprechendes Rentenniveau im Alter zu erreichen. Heißt unterm Strich wieder weniger netto über Jahrzehnte hinweg.
Der Staat dreht derzeit hinsichtlich der Beamtenbesoldung völlig frei und es ist in Gänze der Gesellschaft auch nicht mehr vermittelbar, während die Quote an Steuern und Abgaben immer weiter steigt.
Kann man alles ausblenden, aber dieses Elfenbeinturmdenken ist es, das in so vielen Bereichen - nicht nur der Überprivilegierung des Beamtentums - die Augen vor der Lebensrealität der Menschen da draußen verschließt, dem wir die bald 30% der AfD zu verdanken haben.
Immer weiter, immer weiter. Brüssel will ja jetzt auch Bürokratie abbauen indem 2.500 neue Beamtenstellen geschaffen werden. Und wenn wir nicht mehr wissen, wie wir es bezahlen, dann wird halt an der Steuerschraube gedreht. Man schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und wundert sich dann, wenn das Prekariat aufbegehrt und blau wählt.
21.06.2026, 18:32
(21.06.2026, 14:48)Negatives Tatbestandsmerkmal schrieb:(21.06.2026, 11:38)RRalf schrieb: Freue mich schon auf den nächsten Wirtschaftsaufschwung. In einigen Jahren werde ich dann wieder belächelt, weil ich mich mit so wenig Geld abspeisen lasse. Der endlose Zyklus des Beamtentums.
Heul bitte leiser. 9 von 10 Juristen außerhalb eines Beamtenverhältnisses werden im Laufe Ihres Berufslebens weniger verdienen und am Ende als Pension raushaben, als Beamte in A13 aufwärts. Und selbst wenn ein entsprechendes Nettogehalt rauskommt, muss mit diesem noch privat vorgesorgt werden, um ein entsprechendes Rentenniveau im Alter zu erreichen. Heißt unterm Strich wieder weniger netto über Jahrzehnte hinweg.
Der Staat dreht derzeit hinsichtlich der Beamtenbesoldung völlig frei und es ist in Gänze der Gesellschaft auch nicht mehr vermittelbar, während die Quote an Steuern und Abgaben immer weiter steigt.
Kann man alles ausblenden, aber dieses Elfenbeinturmdenken ist es, das in so vielen Bereichen - nicht nur der Überprivilegierung des Beamtentums - die Augen vor der Lebensrealität der Menschen da draußen verschließt, dem wir die bald 30% der AfD zu verdanken haben.
Immer weiter, immer weiter. Brüssel will ja jetzt auch Bürokratie abbauen indem 2.500 neue Beamtenstellen geschaffen werden. Und wenn wir nicht mehr wissen, wie wir es bezahlen, dann wird halt an der Steuerschraube gedreht. Man schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und wundert sich dann, wenn das Prekariat aufbegehrt und blau wählt.
Dann wird bestimmt alles besser... wollten die in Sachsen nicht auch erstmal 200 neue Beamte einstellen...?
21.06.2026, 18:57
(21.06.2026, 18:32)Homer S. schrieb:(21.06.2026, 14:48)Negatives Tatbestandsmerkmal schrieb:(21.06.2026, 11:38)RRalf schrieb: Freue mich schon auf den nächsten Wirtschaftsaufschwung. In einigen Jahren werde ich dann wieder belächelt, weil ich mich mit so wenig Geld abspeisen lasse. Der endlose Zyklus des Beamtentums.
Heul bitte leiser. 9 von 10 Juristen außerhalb eines Beamtenverhältnisses werden im Laufe Ihres Berufslebens weniger verdienen und am Ende als Pension raushaben, als Beamte in A13 aufwärts. Und selbst wenn ein entsprechendes Nettogehalt rauskommt, muss mit diesem noch privat vorgesorgt werden, um ein entsprechendes Rentenniveau im Alter zu erreichen. Heißt unterm Strich wieder weniger netto über Jahrzehnte hinweg.
Der Staat dreht derzeit hinsichtlich der Beamtenbesoldung völlig frei und es ist in Gänze der Gesellschaft auch nicht mehr vermittelbar, während die Quote an Steuern und Abgaben immer weiter steigt.
Kann man alles ausblenden, aber dieses Elfenbeinturmdenken ist es, das in so vielen Bereichen - nicht nur der Überprivilegierung des Beamtentums - die Augen vor der Lebensrealität der Menschen da draußen verschließt, dem wir die bald 30% der AfD zu verdanken haben.
Immer weiter, immer weiter. Brüssel will ja jetzt auch Bürokratie abbauen indem 2.500 neue Beamtenstellen geschaffen werden. Und wenn wir nicht mehr wissen, wie wir es bezahlen, dann wird halt an der Steuerschraube gedreht. Man schafft eine Zwei-Klassen-Gesellschaft und wundert sich dann, wenn das Prekariat aufbegehrt und blau wählt.
Dann wird bestimmt alles besser... wollten die in Sachsen nicht auch erstmal 200 neue Beamte einstellen...?
Darum geht es nicht.
Das Paradoxe ist, dass die meisten derjenigen, die nun blau wählen, sich deutlich schlechter stellen würden, wenn blau regiert. Und das bei den rechtsextrem durchsetzten Pseudokonservativen auch Wasser gepredigt und Wein gesoffen wird (Stichwort Vetternwirtschaft) ist auch kein Geheimnis.
Aber all das interessiert die Leute nicht! Die Leute interessiert, dass ihre Probleme nicht gelöst werden, dass ihr Wohlstand in Gefahr gerät, die Angst vor Jobverlust immer greifbarer wird und gleichzeitig die Quote von Steuern und Abgaben immer größer wird, während es sich ein Teil der Gesellschaft in der sozialen Hängematte eingerichtet hat, da sich aufgrund dieser Abgaben Mehrarbeit kaum noch lohnt und ein solcher Aufstieg immer schwieriger wird. Ein anderer Teil wird gleichzeitig immer reicher und nutzt alle möglichen Hebel sich vor der sozialen Verantwortung zu drücken, Stichwort Steuerhinterziehung und soziale Schere. Und die Entscheider verabschieden sich immer mehr in Ihren Elfenbeinturm, in dem sie die Probleme der Leute und ihre Ängste und Sorgen immer weniger erkennen und adressieren, geschweige denn lösen. Man bezahlt immer mehr Steuern und Abgaben und bekommt gleichzeitig das Gefühl, der Staat verkommt zum Selbstbedienungsladen, während er gleichzeitig zumindest dysfunktional ist. Straßen und Brücken werden zunehmend marode. Schulen sehen teilweise aus, als wären sie irgendwo in der dritten Welt gebaut. Lehrer und Schulen laufen am Limit. Kriminalität steigt, der Rechtsstaat wird an vielen Ecken und Enden nicht im ausreichenden Maße durchgesetzt - aber gleichzeitig lässt es sich auf Staatskosten eben doch sehr gut leben. In vielerlei Hinsicht eben.
Und das Beamtentum mit seinen Pensionen ist da eben ein Beispiel für, wie sich der Staat und ein Teil der Gesellschaft zunehmend von der einfachen Bevölkerung entfremdet. Während um den Lebensbedarf einigermaßen zu decken das Rentenniveau der Boomergeneration letztes Jahr nochmals langfristig festgeschrieben wurde, während dieses umlagefinanzierte Modell künftig von immer weniger Beitragszahlern finanziert werden wird, wird es für die jungen Menschen nicht nur schwieriger erstmal ins Berufsleben zu kommen, sondern alt wie jung steht mit dem Beamtentum ein System gegenüber, dass völlig autark davon existiert, mit auskömmlichen Pensionen, die weit über Rentenniveau liegen, ohne das auch nur etwas vom Nettogehalt dafür aufgebracht werden musste. Und dieses System trägt sich selbst, denn im Zweifel werden einfach die Steuern erhöht - auf Kosten aller, auch derjenigen, die eben nur eine einfache Rente beziehen oder sich (auf eigene Verantwortung) selbst absichern.
Kann man alles toll finden, wie weit man von der einfachen Bevölkerung und ihren Problemen entrückt. Dann darf man sich aber nicht wundern, wenn die da unten als einzige Hoffnung auf eine wirkliche Änderung blau wählen. Völlig unabhängig davon, was dies für sie bedeuten würde. Denn viele Menschen sind inzwischen so staatsverdrossen, dass für sie alles besser ist, als diese bisherigen Parteien.
21.06.2026, 18:58
Die eigentliche Frage müsste ja eigentlich lauten: wer muss denn alles verbeamtet werden? Bei Polizei und Justiz dürfte das unstreitig sein. In der Verwaltung wäre vielfach ja ein Arbeitnehmerverhältnis ohne weiteres möglich. Es stellt ja auch niemand mehr in Frage, warum Angestellte bei der Post und der Bahn heute keine Beamte mehr sind. Auch wenn ich mich unbeliebt mache: Lehrer aus dem Beamtenverhältnis rausnehmen, wäre schonmal ein Anfang.
21.06.2026, 20:28
(21.06.2026, 18:58)Srcub schrieb: Die eigentliche Frage müsste ja eigentlich lauten: wer muss denn alles verbeamtet werden? Bei Polizei und Justiz dürfte das unstreitig sein. In der Verwaltung wäre vielfach ja ein Arbeitnehmerverhältnis ohne weiteres möglich. Es stellt ja auch niemand mehr in Frage, warum Angestellte bei der Post und der Bahn heute keine Beamte mehr sind. Auch wenn ich mich unbeliebt mache: Lehrer aus dem Beamtenverhältnis rausnehmen, wäre schonmal ein Anfang.
Du weißt schon, wenn kein Lehrer mehr verbeamtet ist, dass es dann wie in Kindergärten endet? Nämlich hier mal die Schulen wegen Streik geschlossen, da mal geschlossen. Ist doch bei Erziehern auch oft so 😅
21.06.2026, 21:16
Um das nochmal zu versachlichen: es ist tatsächlich so, dass der öD mal lukrativer, mal weniger lukrativ als die Privatwirtschaft ist, und zwar im Einzelnen nochmal hochgradig von individuellen Aspekten abhängig:
"von der regionalen Verortung des Arbeitsplatzes, vom Geschlecht und Bildungsniveau der Beschäftigten und von der Form des Beschäftigungsverhältnisses. So profitieren öffentlich Beschäftigte in Ostdeutschland in höherem Umfang von einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst als ihre Kolleginnen und Kollegen in Westdeutschland. Und während Frauen bis in höhere Einkommensbereiche hinein (West) bzw. durchweg (Ost) im öffentlichen Dienst bessere Verdienstchancen haben als in der Privatwirtschaft, sind für westdeutsche
Männer im öffentlichen Dienst fast durchweg beachtliche prozentuale Lohnnachteile zu konstatieren. In Bezug auf den Einfluss des Bildungsgrades auf die Lohndifferenz zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft hat sich gezeigt, dass Personen mit niedriger Bildung mehr und Personen mit hoher Bildung weniger verdienen als im Privatsektor."
(vgl. hier am Ende: https://www.wsi.de/data/wsimit_2010_01_tepe.pdf).
Ich habe in genau der Zeit angefangen und kann nur bestätigen, dass das Unverständnis groß war, dass ich auf höhere Verdienstmöglichkeiten in der Privatwirtschaft verzichtet habe - inzwischen verdiene ich nach Jahren, mit Kindern und bei sehr herausgehobener Tätigkeit so viel, wie ich seinerzeit in der Großkanzlei als Einstiegsgehalt (!) bekommen hätte. Weil ich genau in die genannte Gruppe (männlich, Westen, gutes Examen) falle.
Jetzt ist das auch wieder ein paar Jährchen her, in der Tendenz aber sicherlich immer noch beachtenswert. Aber wir haben nun einerseits eine Phase vor allem im Bund und Berlin verfassungswidrig niedriger Besoldung hinter uns, die nun nach Jahren behoben wird, und gleichzeitig einen wirtschaftlichen Abschwung. Das passt insoweit nicht gut zusammen und wäre Anlass, das gesamte Gefüge, ggf. unter Wegfall einzelner Statusämter, mal grundsätzlich neu zu ordnen.
Achso, und zu den Lehrern: Streikverbot ist kein gutes Argument - Ärzte und Pflegekräfte sind auch keine Beamten und streiken dennoch nicht alle gleichzeitig, das regelt die Rechtsprechung auch irgendwie... Ob Ordnungsmaßnahmen und Prüfungsentscheidungen bei Lehrern für hoheitliche Tätigkeit ausreichen, kann man so sehen oder umgekehrt. Auf jeden Fall muss aber auch hier der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler: Ohne die Vorteile der Verbeamtung würden wohl deutlich weniger Menschen Lehrer werden wollen, und wir haben in den meisten Fächern, Lehrbefähigungen und Regionen gerade eher Mangel als Überangebot. Damit ist die Diskussion in der Praxis entschieden, denn wenn in noch größerem Maße Unterricht ausfällt, wird die Wählerschaft dann wohl doch nicht von Dankbarkeit erfüllt die etablierten Parteien wählen, weil sie es den Beamten endlich mal gezeigt haben, sondern man wird noch lauter von Staatsversagen schimpfen und entsprechend wählen. Ob diese Art der Attraktivität die richtige Motivation zum Ergreifen des Lehrerberufs ist, ist allerdings wieder eine andere Frage...
"von der regionalen Verortung des Arbeitsplatzes, vom Geschlecht und Bildungsniveau der Beschäftigten und von der Form des Beschäftigungsverhältnisses. So profitieren öffentlich Beschäftigte in Ostdeutschland in höherem Umfang von einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst als ihre Kolleginnen und Kollegen in Westdeutschland. Und während Frauen bis in höhere Einkommensbereiche hinein (West) bzw. durchweg (Ost) im öffentlichen Dienst bessere Verdienstchancen haben als in der Privatwirtschaft, sind für westdeutsche
Männer im öffentlichen Dienst fast durchweg beachtliche prozentuale Lohnnachteile zu konstatieren. In Bezug auf den Einfluss des Bildungsgrades auf die Lohndifferenz zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft hat sich gezeigt, dass Personen mit niedriger Bildung mehr und Personen mit hoher Bildung weniger verdienen als im Privatsektor."
(vgl. hier am Ende: https://www.wsi.de/data/wsimit_2010_01_tepe.pdf).
Ich habe in genau der Zeit angefangen und kann nur bestätigen, dass das Unverständnis groß war, dass ich auf höhere Verdienstmöglichkeiten in der Privatwirtschaft verzichtet habe - inzwischen verdiene ich nach Jahren, mit Kindern und bei sehr herausgehobener Tätigkeit so viel, wie ich seinerzeit in der Großkanzlei als Einstiegsgehalt (!) bekommen hätte. Weil ich genau in die genannte Gruppe (männlich, Westen, gutes Examen) falle.
Jetzt ist das auch wieder ein paar Jährchen her, in der Tendenz aber sicherlich immer noch beachtenswert. Aber wir haben nun einerseits eine Phase vor allem im Bund und Berlin verfassungswidrig niedriger Besoldung hinter uns, die nun nach Jahren behoben wird, und gleichzeitig einen wirtschaftlichen Abschwung. Das passt insoweit nicht gut zusammen und wäre Anlass, das gesamte Gefüge, ggf. unter Wegfall einzelner Statusämter, mal grundsätzlich neu zu ordnen.
Achso, und zu den Lehrern: Streikverbot ist kein gutes Argument - Ärzte und Pflegekräfte sind auch keine Beamten und streiken dennoch nicht alle gleichzeitig, das regelt die Rechtsprechung auch irgendwie... Ob Ordnungsmaßnahmen und Prüfungsentscheidungen bei Lehrern für hoheitliche Tätigkeit ausreichen, kann man so sehen oder umgekehrt. Auf jeden Fall muss aber auch hier der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler: Ohne die Vorteile der Verbeamtung würden wohl deutlich weniger Menschen Lehrer werden wollen, und wir haben in den meisten Fächern, Lehrbefähigungen und Regionen gerade eher Mangel als Überangebot. Damit ist die Diskussion in der Praxis entschieden, denn wenn in noch größerem Maße Unterricht ausfällt, wird die Wählerschaft dann wohl doch nicht von Dankbarkeit erfüllt die etablierten Parteien wählen, weil sie es den Beamten endlich mal gezeigt haben, sondern man wird noch lauter von Staatsversagen schimpfen und entsprechend wählen. Ob diese Art der Attraktivität die richtige Motivation zum Ergreifen des Lehrerberufs ist, ist allerdings wieder eine andere Frage...
21.06.2026, 21:28
(21.06.2026, 21:16)Praktiker schrieb: Ich habe in genau der Zeit angefangen und kann nur bestätigen, dass das Unverständnis groß war, dass ich auf höhere Verdienstmöglichkeiten in der Privatwirtschaft verzichtet habe - inzwischen verdiene ich nach Jahren, mit Kindern und bei sehr herausgehobener Tätigkeit so viel, wie ich seinerzeit in der Großkanzlei als Einstiegsgehalt (!) bekommen hätte. Weil ich genau in die genannte Gruppe (männlich, Westen, gutes Examen) falle.
Dieser Vergleich passt schon dahingehend nicht, dass die entsprechende Besoldung zu einer völlig anderen geforderten Wochenarbeitszeit steht.
Klar geht man in der Großkanzlei mit mehr netto nachhause als im hD zum Einstieg trotz geringerer Abzüge. Gleichzeitig muss man die dafür veranschlagten Stunden aber auch bitte damit in Relation setzen.
Die allerwenigsten Juristen steigen da draußen mit rund 4.000 EUR netto bei ner 41-Stunden-Woche in den Beruf ein.









