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Angst vor Sitzungsvertretung - Pflicht?
Dem672
Junior Member
**
Beiträge: 44
Themen: 15
Registriert seit: Dec 2022
#1
07.05.2023, 17:19
Hallo,

ich habe panische Angst vor der Sitzungsvertretung. Allein bei dem Gedanken kriege ich schon Herzrasen. Gibt es eine Möglichkeit, wie man die Sitzungsvertretung eventuell umgehen könnte bzw. ist jeder verpflichtet, daran „teilzunehmen“? 
Bei der Bewerbung in SH konnte man extra angeben, ob man zum Richter oder zu StA möchte. Ich hatte dann natürlich den Richter angekreuzt, wurde aber offensichtlich der StA zugeteilt. Habe zwar gelesen, dass das für das Examen wohl hilfreicher ist (aufgrund der Anklageschrift?), aber die Panik breitet sich in meinem Kopf ins Unermessliche aus.  Aengstlich
Wie ging es euch so, insbesondere wenn ihr davor auch mit solchen Gedanken zu kämpfen hattet?
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Rima
Junior Member
**
Beiträge: 47
Themen: 1
Registriert seit: Oct 2021
#2
07.05.2023, 19:04
Nimm es als challenge, an deinen Ängsten zu arbeiten. Klingt blöd, kann aber, wenn man es richtig framed, total helfen.

Gute Vorbereitung ist alles. Besprich das, was du dir vorstellst vor. Bau dir nen groben Sitzungsrenner. Mach dir keinen Stress, wenn dein Plädoyer ein wenig holprig daherkommt - jeder hat mal angefangen. Mach dir bewusst, dass da im Zweifel in der Mitte noch ein Profi sitzt, der die Entscheidung trifft und begründet. Und - ganz wichtig - mach dir bewusst, dass du jederzeit um eine kurze Unterbrechung bitten darfst, in der du entweder deine Gedanken ordnen, oder Rücksprache mit deinem Ausbilder halten kannst. Und lass dich da bloß nicht vom Amtsrichter kirre machen. Es ist nicht der Job der Staatsanwaltschaft, sicherzustellen, dass der Amtsrichter am Sitzungstag schon um 1 auf dem Golfplatz stehen kann (ACHTUNG: Ironisch überspitzt!).

Je nachdem, wie dein/e Ausbilder/in so drauf ist, kannst du von deinen Sorgen berichten und ggfs. darum bitten, die erste Sitzung gemeinsam zu begehen.

Und für den Notfall: Von dir gefordert wird (und im Protokoll landet am Ende) nur der Antrag (bzw. die Anträge). Formuliere den vor, und im schlimmsten falle - wenn du zB einen Blackout hast - liest du eben NUR den Antrag ab. Hinsetzen. Fertig.

Am Ende: Toi toi toi. Das wird schon! Vielen macht es trotz anfänglicher Sorgen sehr schnell richtig Spaß! Das wird bei dir bestimmt genau so sein.
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Lost_inPages
Senior Member
****
Beiträge: 311
Themen: 76
Registriert seit: Mar 2023
#3
07.05.2023, 19:28
Hatte auch ziemlich Schiss davor. Aber da muss man durch. 

Ein paar Hinweise zur Beruhigung:

1) in  der Regel merkt man von außen nicht, dass du krass nervös bist

2) Ganz wichtig: du kannst nichts falsch machen, solange du nicht ohne Rücksprache nach 153 f StPO einstellst. Du trägst also keine echte Verantwortung. Anklage vorlesen, im Idealfall den Zeugen und dem Angeklagten paar Fragen stellen.

3) der einzige etwas unangenehme Teil ist das Plädoyer. Ich habe mir eine Vorlage erstellt am Tag zuvor und in der Verhandlung nur noch die jeweiligen Sachen eintragen müssen. Die Beweiswüridigung ist natürlich nicht vorhersehbar, aber das selbst das kriegt man hin.

Kurz und knackig.

4) sei einfach geistig abwesend. Und sei flexibel genug, auch einen Freispruch beantragen zu können, wenn du merkst, die Beweise taugen nichts. Auch dafür hatte ich eine Vorlage.



Ansonsten viel Erfolg. Und vllt wird es dir sogar gefallen.
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Praktiker
Posting Freak
*****
Beiträge: 2.186
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2021
#4
07.05.2023, 19:37
Du willst die Befähigung zum Richteramt erwerben, da muss man schon einmal im Sitzungssaal agieren. Ja, am Anfang ist es aufregend, aber Du wirst es schaffen! Es sind am Anfang auch alle sehr rücksichtsvoll, das wird schon werden.
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Dem672
Junior Member
**
Beiträge: 44
Themen: 15
Registriert seit: Dec 2022
#5
07.05.2023, 21:23
Vielen Dank für eure Antworten. Ich glaube auch, dass ich mich zu 60% auch total unnötig stresse (und es im Nachhinein auch bestätigen kann), eben aus den von euch genannten Grünen, aber das ist noch so viel Neuland alles :D
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Drin
Senior Member
****
Beiträge: 346
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2022
#6
08.05.2023, 06:25
Ich bin StA und hatte anfangs auch echte Angst (obwohl im Ref alles gut gelaufen ist). Wichtig ist, dass du nicht versuchst, davonzukommen. Das steigert die Angst nur. Mach dir auch klar, dass du nicht die Hauptperson bist, das sind der Angeklagte (überleg mal, wie es dem gehen muss ;)) und der Vorsitzende. Das bedeutet auch, dass die Leute nixht so sehr auf dich achten, wie du es befürchtest. Ansonsten 
- Unterbrechung erbitten, wenn du einen Blackout hast
- 1-2 Minuten plädoyer reichen 
- tief atmen in den Bauch 

Viel Erfolg!
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Ref_GPA1234
Member
***
Beiträge: 89
Themen: 0
Registriert seit: Dec 2022
#7
08.05.2023, 15:18
Also als ich bei der StA war, hat mir meine Ausbilderin während der Einführungswoche angeboten, einmal mit ihr gemeinsam an einer Verhandlung teilzunehmen. Ich konnte dadurch alles schon einmal üben und es war beruhigend zu wissen, dass zur Not noch jemand dabei ist.

Frage doch sonst einfach mal nach, ob du auch diese Gelegenheit bekommst.

Ich kann dir aber sagen, es ist im Nachhinein alles halb so wild.
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Freidenkender
Posting Freak
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Beiträge: 784
Themen: 1
Registriert seit: Mar 2022
#8
08.05.2023, 18:05
bei mir lief es bei der StA wie folgt: erster Termin durfte ich zusehen, beim 2. war ich dann alleine aber mein Ausbilder war jederzeit greifbar. Er wäre aber auch noch mitgekommen und hätte sich neben mich gesetzt, wenn ich das gewollt hätte. Das war damals bei der StA in Bayreuth das Vorgehen, dass alle Ausbilder bevorzugt haben.

Ich hatte am Anfang auch etwas Panik, ABER das war mega hilfreich für die Zukunft und man hat schnell gemerkt, dass das Spaß machen kann. Du wirst solche Situationen auch im späteren Beruf haben. Irgendwann steht man immer vor Leuten, dem Chef etc. und kann den Termin auch nicht durchplanen und weiß nicht was geschieht. 

Im Nachgang fand ich die Station bei der StA die beste im gesamten Ref. Auch wenn Strafrecht für mich nie in Betracht kam, war es eine lehrreiche Zeit, die ich nicht missen möchte. Hat mich persönlich weiter gebracht und das kann über die wenigsten Stationen sagen
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advocatus diaboli
Member
***
Beiträge: 181
Themen: 1
Registriert seit: May 2023
#9
09.05.2023, 13:27
Die Sitzungsvertretung ist entspannt, davor muss man keine Angst haben. Dennoch kann ich deine Sorge verstehen. Allerdings ist die Sitzungsvertretung kein Jura am Hochreck. Der Richter weiß, dass du Referendar bist und weiß das zu berücksichtigen. Außerdem hast du letztlich nicht so viel Einfluss. Der Richter trifft noch immer die Entscheidungen und selbst, wenn du z.B. eine Nebenstrafe zu beantragen vergisst, kann der Richter diese trotzdem anordnen.

Und falls du mal völlig planlos bist, bittest um eine Unterbrechung und rufst deinen Ausbilder an. Wenn man seine Akten etwas vorbereitet, kann eigentlich nicht viel schief gehen.
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Spitzbube
Member
***
Beiträge: 62
Themen: 0
Registriert seit: Apr 2022
#10
10.05.2023, 09:40
(07.05.2023, 19:28)Lost_inPages schrieb:  Kurz und knackig.

4) sei einfach geistig abwesend. Und sei flexibel genug, auch einen Freispruch beantragen zu können, wenn du merkst, die Beweise taugen nichts. Auch dafür hatte ich eine Vorlage.



Ansonsten viel Erfolg. Und vllt wird es dir sogar gefallen.

Definitiv der beste Tipp bisher  Cheese
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