25.12.2022, 18:57
Hallo zusammen,
ich stehe kurz vor meiner Verbeamtung in einem BM in Berlin. Ich habe ein ordentliches VB und ein knappes B. Nach der Verbeamtung werde ich ca. 3.700 netto monatlich verdienen.
Ich höre nun öfter, dies sei für einen Juristen doch recht wenig. Wie seht ihr das? Kann man mit diesen Noten in Berlin ohne Probleme Anwaltskanzleien finden, bei denen (für gewöhnlich) nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet wird und man trotzdem deutlich besser verdient?
Oder ist der Deal insb. unter Berücksichtigung von Beihilfe und Pension im BM besser?
Ich frage hier bewusst nur nach der finanziellen Seite. Den Rest kann ich für mich selber beantworten.
Danke euch!
ich stehe kurz vor meiner Verbeamtung in einem BM in Berlin. Ich habe ein ordentliches VB und ein knappes B. Nach der Verbeamtung werde ich ca. 3.700 netto monatlich verdienen.
Ich höre nun öfter, dies sei für einen Juristen doch recht wenig. Wie seht ihr das? Kann man mit diesen Noten in Berlin ohne Probleme Anwaltskanzleien finden, bei denen (für gewöhnlich) nicht mehr als 40 Stunden gearbeitet wird und man trotzdem deutlich besser verdient?
Oder ist der Deal insb. unter Berücksichtigung von Beihilfe und Pension im BM besser?
Ich frage hier bewusst nur nach der finanziellen Seite. Den Rest kann ich für mich selber beantworten.
Danke euch!
25.12.2022, 19:07
Das wären laut Brutto-Netto-Rechner ca 79.000 Euro brutto in der freien Wirtschaft.
Nach meiner Einschätzung ein sehr guter Deal, wenn du nicht mehr als 40h arbeiten willst.
In den meisten Kanzleien musst du für das Bruttogehalt erheblich mehr Arbeitszeit leisten.
Nach meiner Einschätzung ein sehr guter Deal, wenn du nicht mehr als 40h arbeiten willst.
In den meisten Kanzleien musst du für das Bruttogehalt erheblich mehr Arbeitszeit leisten.
25.12.2022, 22:43
3700€ netto und andere Leute sagen dir, das sei „wenig“ …
Du hast eine 41-Stunden-Woche und kannst Überstunden abfeiern, 30 Urlaubstage, ne vernünftige Work-Life-Balance mit der Möglichkeit zu Teilzeit und Home Office, ne Verbeamtung auf Lebenszeit, eine vernünftige Pension und dein Gehalt steigt langsam, aber stetig.
Keine Ahnung wie man da ernsthaft denken kann, dass das wenig sei.
Du bist doch nicht dumm und kannst selber googeln. In einer GK kriegst du 120.000€. Hast aber weniger Netto vom Brutto. Und keine Pension. Und keine 41-Stunden-Woche.
Rechne selber aus was dir besser gefällt.
Du hast eine 41-Stunden-Woche und kannst Überstunden abfeiern, 30 Urlaubstage, ne vernünftige Work-Life-Balance mit der Möglichkeit zu Teilzeit und Home Office, ne Verbeamtung auf Lebenszeit, eine vernünftige Pension und dein Gehalt steigt langsam, aber stetig.
Keine Ahnung wie man da ernsthaft denken kann, dass das wenig sei.
Du bist doch nicht dumm und kannst selber googeln. In einer GK kriegst du 120.000€. Hast aber weniger Netto vom Brutto. Und keine Pension. Und keine 41-Stunden-Woche.
Rechne selber aus was dir besser gefällt.
26.12.2022, 03:10
(25.12.2022, 22:43)VerzweifelterJurist schrieb: 3700€ netto und andere Leute sagen dir, das sei „wenig“ …
Du hast eine 41-Stunden-Woche und kannst Überstunden abfeiern, 30 Urlaubstage, ne vernünftige Work-Life-Balance mit der Möglichkeit zu Teilzeit und Home Office, ne Verbeamtung auf Lebenszeit, eine vernünftige Pension und dein Gehalt steigt langsam, aber stetig.
Keine Ahnung wie man da ernsthaft denken kann, dass das wenig sei.
Du bist doch nicht dumm und kannst selber googeln. In einer GK kriegst du 120.000€. Hast aber weniger Netto vom Brutto. Und keine Pension. Und keine 41-Stunden-Woche.
Rechne selber aus was dir besser gefällt.
Ich will auch nicht so ganz glauben, dass man mit einem "knappen befriedigend" im 2. StEx (zumindest wenn "knapp" heißt, dass nicht mehr viel zum ausreichend gefehlt hat) so locker-flockig in einer GK unterkommt, die zum Einstieg 120k aufwärts zahlt. Dann wäre auch noch der Sinneswandel nach fast drei Jahren Verwaltung zu erklären. Dass man nach <1 Jahr feststellt, dass die aktuelle Tätigkeit nichts für einen ist, ist ja ok, aber ich glaube, fast drei Jahre Verwaltung machen einen ziemlich unsexy für die GK und auch viele MKs.
26.12.2022, 11:25
Was man immer mitbedenken muss, ist Familie: Mit Ehefrau/-Mann und Kindern kommt ein Tausender im Monat oben drauf. Das gibt es so in der Privatwirtschaft meist nicht.
26.12.2022, 12:13
Die Pensionsansprüche werden bei solchen Gehaltsvergleichen nach meinen Erfahrungen gar nicht berücksichtigt. Die stellen (für mich) aber einen gewichtigen Pluspunkt für die Verwaltung dar und müssen eigentlich zum Gehalt dazugerechnet werden
26.12.2022, 12:43
Ich persönlich finde, das ist ein guter Deal. Meist sind auch in der Privatwirtschaft die Karrierechancen nicht unbedingt so klar, sodass Gehaltssteigerungen auch nicht garantiert sind - im öD schon. Daneben bietet der öD eben weitere Vorteile (Pension, Zulagen, Urlaub ist Urlaub, krank bedeutet krank, Familienzuschlag, ...). Ein wichtiger Punkt übrigens auch, wenn man Kinder hat: mehr Kinderkranktage als sonst üblich. Und bei Krankheit von mehr als 6 Wochen hat man keine finanziellen Einbußen.
Work-Life-Balance schwindet in der Privatwirtschaft immer zu Lasten eines höheren Gehalts. Das wirst du bei der Verbeamtung auch eher seltener erleben.
Übrigens ist es ja auch selten so, dass Leute für immer in der GK bleiben und den Rest ihres Lebens >150k verdienen. Das dürfte wohl nur auf einen geringen Prozentsatz zutreffen.
Work-Life-Balance schwindet in der Privatwirtschaft immer zu Lasten eines höheren Gehalts. Das wirst du bei der Verbeamtung auch eher seltener erleben.
Übrigens ist es ja auch selten so, dass Leute für immer in der GK bleiben und den Rest ihres Lebens >150k verdienen. Das dürfte wohl nur auf einen geringen Prozentsatz zutreffen.
26.12.2022, 13:04
(26.12.2022, 12:13)Gast01234 schrieb: Die Pensionsansprüche werden bei solchen Gehaltsvergleichen nach meinen Erfahrungen gar nicht berücksichtigt. Die stellen (für mich) aber einen gewichtigen Pluspunkt für die Verwaltung dar und müssen eigentlich zum Gehalt dazugerechnet werden
Gibt es irgendwo eine Beispielsrechnung, wieviel das pro Monat tatsächlich ausmacht im Vergleich zur Rente? Was muss ein angestellter RA zusätzlich zur Rente zurücklegen/anlegen, um an die Pension eines Durchschnittsbeamten/-richters (A15/R1 Endstufe) heranzukommen?
Klar, das hängt von vielen Faktoren ab, aber ein "Durchschnittsbeispiel" mit konkreten Zahlen wäre mal interessant. Reden wir hier eigtl über 100, 300 oder 500 Euro netto Unterschied pro Monat?
26.12.2022, 20:47
Ich kann die Frage nachvollziehen, bezweifle jedoch, dass ein solcher Vergleich möglich ist. Bereits die Frage, was "Durchschnittlich" sein soll, ist in meinen Augen nicht zu beantworten - schließlich reden wir hier von einem 30-40 Jahre Zeitraum, in dem gesellschaftliche Umbrüche (zB Wirtschaftskrisen, Krieg), Arbeitsmarktentwicklung, private Lebensgestaltung oder Schicksalsschläge massive Auswirkungen auf die beruflichen Möglichkeiten haben.
Und Personen, die gewillt und fähig sind in der Verwaltung bis auf A15 aufzusteigen, sind auch in der Lage in der Wirtschaft sehr weit aufzusteigen. Dort würden sie dann deutlich mehr Geld zu verdienen, sodass das am Ende verfügbare Vermögen deutlich größer ist als bei einem Beamten. Von dem könnte ja ebenfalls der Ruhestand (teil-)finanziert werden.
Und Personen, die gewillt und fähig sind in der Verwaltung bis auf A15 aufzusteigen, sind auch in der Lage in der Wirtschaft sehr weit aufzusteigen. Dort würden sie dann deutlich mehr Geld zu verdienen, sodass das am Ende verfügbare Vermögen deutlich größer ist als bei einem Beamten. Von dem könnte ja ebenfalls der Ruhestand (teil-)finanziert werden.
26.12.2022, 21:33
(26.12.2022, 13:04)ohmann75 schrieb:(26.12.2022, 12:13)Gast01234 schrieb: Die Pensionsansprüche werden bei solchen Gehaltsvergleichen nach meinen Erfahrungen gar nicht berücksichtigt. Die stellen (für mich) aber einen gewichtigen Pluspunkt für die Verwaltung dar und müssen eigentlich zum Gehalt dazugerechnet werden
Gibt es irgendwo eine Beispielsrechnung, wieviel das pro Monat tatsächlich ausmacht im Vergleich zur Rente? Was muss ein angestellter RA zusätzlich zur Rente zurücklegen/anlegen, um an die Pension eines Durchschnittsbeamten/-richters (A15/R1 Endstufe) heranzukommen?
Klar, das hängt von vielen Faktoren ab, aber ein "Durchschnittsbeispiel" mit konkreten Zahlen wäre mal interessant. Reden wir hier eigtl über 100, 300 oder 500 Euro netto Unterschied pro Monat?
Das ist nicht so leicht zu beantworten, da die Kammern unterschiedlich performen. Zudem kannst Du als Rechtsanwalt bzw. Rechtsanwältin meist individuell entscheiden, ob Du nur den Mindestbeitrag oder freiwillig deutlich mehr in das Versorgungswerk einzahlen möchtest. Richtig kompliziert wird es, wenn Du z.B. aus der GK den Exit ins Unternehmen wählst: Denn dort gibt es bisweilen noch (?) sehr attraktive Pakete für die betriebliche Altersvorsorge.
Ich glaube, dass bei einem guten Exit mit der passenden Anlagestrategie die freie Wirtschaft das Beamtentum finanziell deutlich schlägt. Denn neben dem Einkommensplus in frühen Jahren, der den Zinseszinseffekt beflügelt, rechnen sich auch die vielen Benefits:
Bei Beamten stehen A13 und A14 als solide Gehälter. Aber den Kaffee, Obst und das Gym zahlen sie selbst. Auch bei sonstigen Benefits, wie z.B. einem Dienstwagen oder einem begleitenden LL.M. oder sonstigen qualifizierten Fortbildungen, schlägt die freie Wirtschaft den öffentlichen Dienst meist. Diese vermeintlich weichen Bestandteile machen aber schnell noch einige hundert Euro zusätzlich aus.










