25.08.2022, 09:28
Hallo zusammen,
hat hier jemand Erfahrung im Bereich patent litigation und kann mir ein paar Infos geben? Was genau macht man als Einsteiger überhaupt? Mit was für Arbeitszeiten (GK) muss ich rechnen? Wie sicher muss man die englische Sprache vor allem schriftlich beherrschen? Wie siehts mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen aus?
Ich habe ein gutes Angebot erhalten, bin mir aber sehr unsicher, ob mir der Bereich überhaupt liegt oder ob ich total untergehen werde.
Vielen Dank schon mal!
hat hier jemand Erfahrung im Bereich patent litigation und kann mir ein paar Infos geben? Was genau macht man als Einsteiger überhaupt? Mit was für Arbeitszeiten (GK) muss ich rechnen? Wie sicher muss man die englische Sprache vor allem schriftlich beherrschen? Wie siehts mit naturwissenschaftlichen Kenntnissen aus?
Ich habe ein gutes Angebot erhalten, bin mir aber sehr unsicher, ob mir der Bereich überhaupt liegt oder ob ich total untergehen werde.
Vielen Dank schon mal!
25.08.2022, 10:33
Mir hat der Bereich keine Freude bereitet.
Die Arbeit ist extrem technikbelastet, Du solltest eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen.
Außerdem solltest Du Dich für technische Fragestellungen begeistern, ansonsten wirst Du nicht viel Freude haben.
Englisch sollte ziemlich gut sein, EP-Schriften immer auf Englisch mit Ausnahme der Claims.
Ab dem nächsten Jahr wird teilweise vor dem UPC verhandelt, hier werden dann auch die Schriftsätze teilweise auf Englisch sein.
Vorteil an Patentrecht ist, dass das Gebiet extrem profitabel ist.
Ob das Gebiet für Rechtsanwälte noch viel Zukunft hat steht allerdings auch in den Sternen, siehe die Postulationsfähigkeit von Patentanwälten vor dem UPC.
Für die nächsten 7-14 Jahre aber sehr guter Broterwerb!
Die Arbeit ist extrem technikbelastet, Du solltest eine hohe Frustrationstoleranz mitbringen.
Außerdem solltest Du Dich für technische Fragestellungen begeistern, ansonsten wirst Du nicht viel Freude haben.
Englisch sollte ziemlich gut sein, EP-Schriften immer auf Englisch mit Ausnahme der Claims.
Ab dem nächsten Jahr wird teilweise vor dem UPC verhandelt, hier werden dann auch die Schriftsätze teilweise auf Englisch sein.
Vorteil an Patentrecht ist, dass das Gebiet extrem profitabel ist.
Ob das Gebiet für Rechtsanwälte noch viel Zukunft hat steht allerdings auch in den Sternen, siehe die Postulationsfähigkeit von Patentanwälten vor dem UPC.
Für die nächsten 7-14 Jahre aber sehr guter Broterwerb!
25.08.2022, 10:42
Man verfasst Schriftsätze (Klagen/Klageerwiderungen usw.) und macht auch viel Vorbereitung, d.h. prüfen, ob Patente der Mandantin verletzt sind/ Patente für eine Klage auswählen. In der Regel arbeitet man was die Technik angeht eng mit Patentanwälten und/oder Ingenieuren der jeweiligen Mandanten zusammen.
Hinzu kommt, dass man neben den eigentlichen Verletzungsverfahren vor den ordentlichen Gerichten auch in Nichtigkeitsverfahren vor dem BPatG/ dem EPA auftritt (je nach Kanzlei begleitet man nur die Patentanwälte, die dort fast alles selbst machen, oder man ist auch selbst mehr oder weniger aktiv). Vor dem EPA werden viele Verfahren auf Englisch geführt. Hinzu kommt, dass in dem Bereich viele Mandanten im Ausland sitzen. Man sollte sich also nicht unwohl fühlen, Englisch zu sprechen/ zu schreiben.
Arbeitszeiten sind wie sonst auch sehr kanzlei-, standort- und teamabhängig. Dadurch, dass es letztlich Litigation ist, und die Schriftsatzfristen und Termine lange bekannt sind, ist die Arbeit relativ planbar. Es gibt natürlich dennoch stressige Phasen (kurz vor Fristende/dem Termin), eV-Verfahren, und wenn einfach viel auf einmal ansteht. Bis spät in die Nacht oder am WE zu arbeiten dürfte aber eher die Ausnahme sein.
Grundsätzlich ein sehr spannender Bereich. Zumindest ein Interesse an technischen Sachverhalten muss aber sein (naturwissenschaftliche Kenntnise/Studium sind nicht erforderlich).
Hinzu kommt, dass man neben den eigentlichen Verletzungsverfahren vor den ordentlichen Gerichten auch in Nichtigkeitsverfahren vor dem BPatG/ dem EPA auftritt (je nach Kanzlei begleitet man nur die Patentanwälte, die dort fast alles selbst machen, oder man ist auch selbst mehr oder weniger aktiv). Vor dem EPA werden viele Verfahren auf Englisch geführt. Hinzu kommt, dass in dem Bereich viele Mandanten im Ausland sitzen. Man sollte sich also nicht unwohl fühlen, Englisch zu sprechen/ zu schreiben.
Arbeitszeiten sind wie sonst auch sehr kanzlei-, standort- und teamabhängig. Dadurch, dass es letztlich Litigation ist, und die Schriftsatzfristen und Termine lange bekannt sind, ist die Arbeit relativ planbar. Es gibt natürlich dennoch stressige Phasen (kurz vor Fristende/dem Termin), eV-Verfahren, und wenn einfach viel auf einmal ansteht. Bis spät in die Nacht oder am WE zu arbeiten dürfte aber eher die Ausnahme sein.
Grundsätzlich ein sehr spannender Bereich. Zumindest ein Interesse an technischen Sachverhalten muss aber sein (naturwissenschaftliche Kenntnise/Studium sind nicht erforderlich).
25.08.2022, 11:36
Wenn man Freude an Technik hat, ist das der optimale Bereich. Vertiefte naturwissenschaftliche Kenntnisse braucht es nicht, aber man muss sich in technische Sachverhalte „eindenken“ können. Wie schon geschrieben, arbeitet man eigentlich immer eng mit Ingenieuren und/oder Patentanwälten. Gutes Englisch ist ein muss, die Kommunikation mit den Mandanten erfolgt in 95% der Fällen auf Englisch, die Calls dann ebenso.
Nach meiner Erfahrung bist du in dem Bereich auch als Einsteiger direkt an der Front, erstellst also Schriftsätze und untersuchst Patente (je nach Auftrag auf Tauglichkeit für eine Klage oder eben auf Verletzung durch Produkte o.ä. des Mandanten).
Die Arbeitszeiten sind zumindest nach meinen Erfahrungen und den Erfahrungen zweier Freunde bei anderen Kanzleien gut planbar, da das Fristenregime meist schon mit der ersten Vfg. des Gerichts festgesetzt wird. Stressige Phasen gibt es natürlich trotzdem immer mal wieder, aber es ist nicht wie im M&A, dass man regelmäßig bis spät in die Nacht sitzt. Normalerweise ist bei mir und fast allen Kollegen spätestens gegen 20:00/21:00 Schluss. Beginn so gegen 09:00/09:30. Da man oft auch eigenverantwortlich auf die Frist hinarbeitet, kann man natürlich auch früher anfangen und entsprechen früher gehen.
Nach meiner Erfahrung bist du in dem Bereich auch als Einsteiger direkt an der Front, erstellst also Schriftsätze und untersuchst Patente (je nach Auftrag auf Tauglichkeit für eine Klage oder eben auf Verletzung durch Produkte o.ä. des Mandanten).
Die Arbeitszeiten sind zumindest nach meinen Erfahrungen und den Erfahrungen zweier Freunde bei anderen Kanzleien gut planbar, da das Fristenregime meist schon mit der ersten Vfg. des Gerichts festgesetzt wird. Stressige Phasen gibt es natürlich trotzdem immer mal wieder, aber es ist nicht wie im M&A, dass man regelmäßig bis spät in die Nacht sitzt. Normalerweise ist bei mir und fast allen Kollegen spätestens gegen 20:00/21:00 Schluss. Beginn so gegen 09:00/09:30. Da man oft auch eigenverantwortlich auf die Frist hinarbeitet, kann man natürlich auch früher anfangen und entsprechen früher gehen.
25.08.2022, 13:54
Die Kollegen haben hier schon gut zusammengefasst. Da die Verfahren streitig sind, ist es viel Schriftsatzarbeit, wobei in GKs auch viel koordinative Arbeit hinzukommt. Wenn du etwa in mehreren Ländern Parallelverfahren am Laufen hast, kann es auch sein, dass du den ganzen Tag Emails schreibst und Tabellen pflegst. Die Regel sollte das aber nicht sein.
Wie geschrieben ist Frustrationstoleranz sehr wichtig. Als Einsteiger ohne Vorerfahrung kämpfst du auf zwei Gebieten, du hast keine Ahnung von Patentrecht und du weißt nicht, wie man einen guten Schriftsatz schreibst. Am Anfang wird daher alles Grütze sein. Du solltest dir daher schon 1-2 Jahre einplanen, um langsam auf den Trichter zu kommen, wie Patentrecht geht.
Sorge vor dem UPC und den Patentanwälten würde ich mir nicht machen. Die allermeisten sind schriftsätzlich nicht so stark (genauso wie die meisten Anwälte in der Technik nicht so stark sind wie die PAs).
Wie geschrieben ist Frustrationstoleranz sehr wichtig. Als Einsteiger ohne Vorerfahrung kämpfst du auf zwei Gebieten, du hast keine Ahnung von Patentrecht und du weißt nicht, wie man einen guten Schriftsatz schreibst. Am Anfang wird daher alles Grütze sein. Du solltest dir daher schon 1-2 Jahre einplanen, um langsam auf den Trichter zu kommen, wie Patentrecht geht.
Sorge vor dem UPC und den Patentanwälten würde ich mir nicht machen. Die allermeisten sind schriftsätzlich nicht so stark (genauso wie die meisten Anwälte in der Technik nicht so stark sind wie die PAs).
25.08.2022, 14:35
Habe Einblick durch einen Bekannten erhalten, der in dem Bereich in einer GK arbeitet. Mich schrecken die super langen und sich wiederholenden Schriftsätze extrem ab. Glaube in wenigen anderen Rechtsgebieten sollte man idealerweise so sehr Leidenschaft und persönliches Interesse mitbringen um auf Dauer glücklich zu werden.
Die Klagen sind nicht selten gefühlt über 100 Seiten stark und dementsprechend sitzt man teils über mehrere Monat an bloß einem Schriftsatz. Hinzu kommen dann noch die ganzen Erwiderungen. Denke insgesamt kein Mainstream Bereich.
Die Klagen sind nicht selten gefühlt über 100 Seiten stark und dementsprechend sitzt man teils über mehrere Monat an bloß einem Schriftsatz. Hinzu kommen dann noch die ganzen Erwiderungen. Denke insgesamt kein Mainstream Bereich.
25.08.2022, 14:52
(25.08.2022, 14:35)Gast schrieb: Habe Einblick durch einen Bekannten erhalten, der in dem Bereich in einer GK arbeitet. Mich schrecken die super langen und sich wiederholenden Schriftsätze extrem ab. Glaube in wenigen anderen Rechtsgebieten sollte man idealerweise so sehr Leidenschaft und persönliches Interesse mitbringen um auf Dauer glücklich zu werden.
Die Klagen sind nicht selten gefühlt über 100 Seiten stark und dementsprechend sitzt man teils über mehrere Monat an bloß einem Schriftsatz. Hinzu kommen dann noch die ganzen Erwiderungen. Denke insgesamt kein Mainstream Bereich.
Lang sind die Schriftsätze oft aber wiederholen, tun sie sich selten. Wenn doch, freut man sich, weil man dann nicht mehr lang dafür braucht.
Wer aber mehrere Monate an einem Schriftsatz sitzt, hat aber entweder eine Mandantin mit zu viel Geld oder zu wenig Mandanten (oder beides). Vor allem weil du diverse Parallelverfahren hast, machst du eigentlich mehrmals am Tag - jedenfalls mehrmals in der Woche - Arbeit an einem anderen Verfahren/Schriftsatz.



