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Richterjob - Berufswahl mit Reue?
Gast_
Junior Member
**
Beiträge: 11
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2021
#1
08.09.2021, 07:04
Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 
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Erste Infos zum Bewerbungsverfahren für den Justizdienst findest Du auf den Richter-Infoseiten von Juristenkoffer.de:
https://www.juristenkoffer.de/richter/

Darüber hinaus sollte man sich dann mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Optional besteht zudem die Möglichkeit, auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zuzugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben:

https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
 
Gast
Unregistered
 
#2
08.09.2021, 08:02
(08.09.2021, 07:04)Gast_ schrieb:  Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 

Ans VG kommen meist nur die Überflieger. In Berlin kenne ich Kollegen mit Doppelzweistellig. Damit du mal weisst, was von dir erwartet wird, bevor du dir Gedanken über die eigentliche Tätigkeit machst.
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HerrKules
Posting Freak
*****
Beiträge: 1.104
Themen: 7
Registriert seit: Mar 2021
#3
08.09.2021, 08:43
(08.09.2021, 08:02)Gast schrieb:  
(08.09.2021, 07:04)Gast_ schrieb:  Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 

Ans VG kommen meist nur die Überflieger. In Berlin kenne ich Kollegen mit Doppelzweistellig. Damit du mal weisst, was von dir erwartet wird, bevor du dir Gedanken über die eigentliche Tätigkeit machst.

Vor 15 Jahren? Ab 2015 waren die verzweifelt auf der Suche. Es scheint jetzt aber angezogen zu haben, bei uns wurden ProRi vom VG sogar an die ordentliche verplant.
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Gast_
Junior Member
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Beiträge: 11
Themen: 1
Registriert seit: Sep 2021
#4
08.09.2021, 08:51
(08.09.2021, 08:02)Gast schrieb:  
(08.09.2021, 07:04)Gast_ schrieb:  Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 

Ans VG kommen meist nur die Überflieger. In Berlin kenne ich Kollegen mit Doppelzweistellig. Damit du mal weisst, was von dir erwartet wird, bevor du dir Gedanken über die eigentliche Tätigkeit machst.

Danke für die Antwort!
Mir ist bewusst, dass die Einstellungsvoraussetzungen hart sind, aber nicht unmöglich. Außerdem gibt es den Zweitversuch, der mich im ersten Examen auch aufs Zweistellig im staatlichen Teil gebracht hat. 
Daher freue ich mich über Antworten auf meine Fragen, die nichts mit den Noten zu tun haben :)
(Dieser Beitrag wurde zuletzt bearbeitet: 08.09.2021, 08:52 von Gast_.)
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Gast
Unregistered
 
#5
08.09.2021, 09:10
(08.09.2021, 08:43)HerrKules schrieb:  
(08.09.2021, 08:02)Gast schrieb:  
(08.09.2021, 07:04)Gast_ schrieb:  Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 

Ans VG kommen meist nur die Überflieger. In Berlin kenne ich Kollegen mit Doppelzweistellig. Damit du mal weisst, was von dir erwartet wird, bevor du dir Gedanken über die eigentliche Tätigkeit machst.

Vor 15 Jahren? Ab 2015 waren die verzweifelt auf der Suche. Es scheint jetzt aber angezogen zu haben, bei uns wurden ProRi vom VG sogar an die ordentliche verplant.

Das ist gerade das Problem. Die haben wegen der Asylverfahren ordentlich aufgestockt und nun erkannt, dass der Bedarf doch geringer ist. Ändert sich bald wahrscheinlich wieder  Happywide  Deswegen gibt es nur wenige neue Stellen mit hohen Anforderungen wie vor 10 Jahren. Alternativ kann ich dir das Strafrecht empfehlen, da kannst du auch tief ins AufenthG einsteigen  Cheese
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Gast
Unregistered
 
#6
08.09.2021, 10:22
(08.09.2021, 09:10)Gast schrieb:  
(08.09.2021, 08:43)HerrKules schrieb:  
(08.09.2021, 08:02)Gast schrieb:  
(08.09.2021, 07:04)Gast_ schrieb:  Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 

Ans VG kommen meist nur die Überflieger. In Berlin kenne ich Kollegen mit Doppelzweistellig. Damit du mal weisst, was von dir erwartet wird, bevor du dir Gedanken über die eigentliche Tätigkeit machst.

Vor 15 Jahren? Ab 2015 waren die verzweifelt auf der Suche. Es scheint jetzt aber angezogen zu haben, bei uns wurden ProRi vom VG sogar an die ordentliche verplant.

Das ist gerade das Problem. Die haben wegen der Asylverfahren ordentlich aufgestockt und nun erkannt, dass der Bedarf doch geringer ist. Ändert sich bald wahrscheinlich wieder  Happywide  Deswegen gibt es nur wenige neue Stellen mit hohen Anforderungen wie vor 10 Jahren. Alternativ kann ich dir das Strafrecht empfehlen, da kannst du auch tief ins AufenthG einsteigen  Cheese

Das ist (zumindest für Bayern) falsch. Dort wird weiterhin händeringend gesucht, selbst ein VB im Zweiten ist nicht zwingend.
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Gast
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#7
08.09.2021, 11:05
Um mal auf das Thema zu antworten, ich bin immer noch sehr glücklich, dass ich den Beruf des Richters gewählt habe. 
Um eines vorweg zu nehmen, auch hier muss man sehr viel arbeiten, auch über 40 Stunden in der Woche. Aber die Freiheiten die man in diesem Beruf hat sind sehr außergewöhnlich. Zumindest bei mir guckt niemand wann, wie und wo ich arbeite, Solange die Arbeit erledigt wird. Weiterhin sind wir ein relativ junges Kollegium, ich würde sagen über ein Drittel ist unter 40 Jahre. Die Kollegialität ist sehr hoch, sowohl fachlich als auch privat tauscht man sich viel aus. Einmal im Monat gehen wir zusammen einer privaten Unternehmung nach, wie Kart fahren, Billard spielen, Paintball, und so weiter. Das fördert den Spaß an der Arbeit schon enorm.
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Gast
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#8
08.09.2021, 11:16
Vielen Dank, das klingt ja wirklich nach einem angenehmen Job. Die Arbeitsbelastung ist überall hoch, aber ein nettes Kollegium macht das eindeutig wett.
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Gast.
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#9
08.09.2021, 11:56
(08.09.2021, 07:04)Gast_ schrieb:  Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 

Hi,

also mich hat nach meinem Einstieg beim VG vor allem die Unmündigkeit als Proberichter überrascht. Je nach Kammer ähnelte dies schon sehr dem Referendariat bzw. blieb sogar dahinter zurück. Zum Beispiel weiß ich von Kollegen, die auch noch nach einem Jahr jeden noch so einfachen Fall ihren Vorsitzenden mit komplett beabsichtigter Lösung vortragen mussten, bevor sie den Einzelrichterbeschluss bekommen haben, um dann gegenüber den Beteiligten in der mündlichen Verhandlung als "Vertreter mit gebundener Marschroute" aufzutreten. Von einem Kollegen aus HH habe ich einmal auf einer Fortbildung gehört, dass der Vorsitzende ihn immer vor den Referendaren in der Kammerbesprechung runtergeputzt hat. Je nach Gerichtskultur in dem Bundesland wird auch viel Wert auf tägliche Präsenz im Gericht gelegt, die mit mehr oder weniger sanftem Druck durchgesetzt wird. Oftmals scheitert Home Office aber auch an der fehlenden Technik. Ggf. hat sich das aber durch Corona etwas verbessert.

Die Stimmung unter den jungen Kollegen ist gut. Es gibt einige wenige soziale Ausfälle im Bereich Ellenbogenmentalität, aber insgesamt ist das Klima angenehm. Allerdings fällt schon ein deutlicher Trend zur Anpassung auf, auch wenn hinter vorgehaltener Hand oftmals eine andere Meinung vertreten wird ("Ja, eigentlich sehe ich das anders, aber ich will ja lebenszeitverplant, Koordiniationsrichter/in, Vorsitzende® werden."). Einige der Älteren wirkten schon etwas frustriert oder emotional abgestumpft. Generell wird in der Verwaltungsgerichtsbarkeit viel Wert auf Seniorität/Betriebszugehörigkeit gelegt. Das führt bisweilen zu befremdlichen Ergebnissen, weil teilweise Leute aus der Generation Ü50 oder Ü60 dank Zuwarten Vorsitzende geworden sind, die fachlich deutlich hinter den jungen Kollegen bzw. Kolleginnen liegen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Fall eines Vorsitzenden, der eine Kollegin, die seinerzeit im Examen Landesbeste mit Sehr Gut war, erfolgreich im Gericht als "Problemfall" präsentiert hat, ohne dass es dafür Anknüpfungspunkte in ihrer richterlichen Arbeit gab. 

Ich bereue die Entscheidung nicht, Richter geworden zu sein, habe der Justiz aber nach einigen Jahren den Rücken gekehrt. Ich bin froh, dass ich den Richterberuf einmal ausprobiert habe und gesehen habe, dass ich fachlich sehr gut mithalten kann, weil ich mir sonst immer die Frage gestellt hätte, ob ich dem Beruf gewachsen gewesen wäre. Das eigentliche richterliche Kerngeschäft, insbesondere das Verhandeln, hat mir auch großen Spaß gemacht. Aber von der Stimmung im Gericht und der Mentalität vieler Kollegen her war das einfach nicht meins. Jetzt fühle ich mich deutlich wohler und selbstbestimmter. Wenn Du Dich mit dem Richterberuf trägst, kann ich Dir das Buch "Das Ende der Wahrheitssuche" von Joachim Wagner empfehlen, welches die Rahmenbedingungen der Justiz gut beleuchtet. Vielleicht hilft Dir das ja als Einstieg in die weitere Entscheidungsfindung. Viel Erfolg im Examen!
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Gast
Unregistered
 
#10
08.09.2021, 12:37
(08.09.2021, 11:56)Gast. schrieb:  
(08.09.2021, 07:04)Gast_ schrieb:  Hallo zusammen,

ich schreibe aktuell mein zweites Examen und werde nach dem Ref ziemlich sicher erst einmal in einer mittelständischen Kanzlei als Anwalt anfangen. Mir geht allerdings nicht mehr aus dem Kopf, ob nicht der Staatsdienst auch etwas für mich wäre und dementsprechend mache ich mir mittlerweile Druck mit den Noten (im ersten hatte ich ein VB, jetzt noch offen) und Stress für die letzten Klausuren im Schriftlichen… Konkret geht es um den Job als Verwaltungsrichter. Ich bin mir nicht sicher, ob das tatsächlich etwas für mich wäre und wollte daher nach Erfahrungsberichten fragen, bevor ich mir weiter unnötig Druck mache, wenn das ohnehin nicht das Richtige für mich wäre…
  • Wie ist der Einstieg als (Verwaltungs-)Richter so?
  • Wie ist die Stimmung bei Gericht und unter den Kollegen? 
  • Ist es kollegial und angenehm oder eher eine Eigenbrötler-Tätigkeit?
  • Bereuen diejenigen ihre Entscheidung, die von der Anwaltschaft in den Richterjob gewechselt sind? 
Ich freue mich über ehrliche Erfahrungsberichte 
Danke vorab! 

Hi,

also mich hat nach meinem Einstieg beim VG vor allem die Unmündigkeit als Proberichter überrascht. Je nach Kammer ähnelte dies schon sehr dem Referendariat bzw. blieb sogar dahinter zurück. Zum Beispiel weiß ich von Kollegen, die auch noch nach einem Jahr jeden noch so einfachen Fall ihren Vorsitzenden mit komplett beabsichtigter Lösung vortragen mussten, bevor sie den Einzelrichterbeschluss bekommen haben, um dann gegenüber den Beteiligten in der mündlichen Verhandlung als "Vertreter mit gebundener Marschroute" aufzutreten. Von einem Kollegen aus HH habe ich einmal auf einer Fortbildung gehört, dass der Vorsitzende ihn immer vor den Referendaren in der Kammerbesprechung runtergeputzt hat. Je nach Gerichtskultur in dem Bundesland wird auch viel Wert auf tägliche Präsenz im Gericht gelegt, die mit mehr oder weniger sanftem Druck durchgesetzt wird. Oftmals scheitert Home Office aber auch an der fehlenden Technik. Ggf. hat sich das aber durch Corona etwas verbessert.

Die Stimmung unter den jungen Kollegen ist gut. Es gibt einige wenige soziale Ausfälle im Bereich Ellenbogenmentalität, aber insgesamt ist das Klima angenehm. Allerdings fällt schon ein deutlicher Trend zur Anpassung auf, auch wenn hinter vorgehaltener Hand oftmals eine andere Meinung vertreten wird ("Ja, eigentlich sehe ich das anders, aber ich will ja lebenszeitverplant, Koordiniationsrichter/in, Vorsitzende® werden."). Einige der Älteren wirkten schon etwas frustriert oder emotional abgestumpft. Generell wird in der Verwaltungsgerichtsbarkeit viel Wert auf Seniorität/Betriebszugehörigkeit gelegt. Das führt bisweilen zu befremdlichen Ergebnissen, weil teilweise Leute aus der Generation Ü50 oder Ü60 dank Zuwarten Vorsitzende geworden sind, die fachlich deutlich hinter den jungen Kollegen bzw. Kolleginnen liegen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Fall eines Vorsitzenden, der eine Kollegin, die seinerzeit im Examen Landesbeste mit Sehr Gut war, erfolgreich im Gericht als "Problemfall" präsentiert hat, ohne dass es dafür Anknüpfungspunkte in ihrer richterlichen Arbeit gab. 

Ich bereue die Entscheidung nicht, Richter geworden zu sein, habe der Justiz aber nach einigen Jahren den Rücken gekehrt. Ich bin froh, dass ich den Richterberuf einmal ausprobiert habe und gesehen habe, dass ich fachlich sehr gut mithalten kann, weil ich mir sonst immer die Frage gestellt hätte, ob ich dem Beruf gewachsen gewesen wäre. Das eigentliche richterliche Kerngeschäft, insbesondere das Verhandeln, hat mir auch großen Spaß gemacht. Aber von der Stimmung im Gericht und der Mentalität vieler Kollegen her war das einfach nicht meins. Jetzt fühle ich mich deutlich wohler und selbstbestimmter. Wenn Du Dich mit dem Richterberuf trägst, kann ich Dir das Buch "Das Ende der Wahrheitssuche" von Joachim Wagner empfehlen, welches die Rahmenbedingungen der Justiz gut beleuchtet. Vielleicht hilft Dir das ja als Einstieg in die weitere Entscheidungsfindung. Viel Erfolg im Examen!

Das klingt für mich absolut furchtbar  Sad wenn das mit den "Vertretern gebundener Marschroute" tatsächlich an vielen VG's in DE praktiziert wird, wundert mich die (hierdurch wohl künstlich erschaffene) Arbeitsüberlastung in der Justiz überhaupt nicht. Warum begehren nicht mehr junge Richter*innen dagegen auf? Klar, man ist noch in der Probezeit...doch wird schließlich kein VG kollektiv mehrere Richter*innen auf einmal entlassen, nur weil sie mehr Eigenverantwortung übernehmen möchten? 

Was die Technik anbetrifft...kann hierzu vielleicht jemand konkretere Aussagen treffen? Gern auch bundeslandabhängig...wie weit ist es noch bis zur eAkte? Welche Übergangslösungen werden angeboten?
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