13.07.2021, 10:08
(13.07.2021, 10:03)Gast schrieb:(12.07.2021, 19:04)Gast schrieb:(12.07.2021, 18:35)Gast schrieb:(12.07.2021, 13:55)Hugo schrieb: Ich finde es echt krass, was hier einige für Arbeitszeiten als „gut“ oder „normal“ bezeichnen.
Als ich noch Anwalt war, hatte ich etwa um 16:30 Feierabend, inzwischen im Unternehmen zwischen 15:00-15:30 Uhr. Ausnahmen gibt es natürlich.
Ich habe damit so viel Freizeit wie schon lange nicht mehr.
Ja, ich bezahle den Porsche nicht aus der Portokasse, aber er wäre auch nicht unerreichbar.
An die ganzen Kollegen, die glücklich sind, wenn sie „schon“ um 19 Uhr Feierabend machen: habt ihr alle kein Leben, Hobbies? Keine Freunde? Oder Partner/Familie?
Also ich kann ja verstehen, wenn manche meine Arbeitszeiten (9-21 Uhr) als „zu viel“ empfinden und unter der Woche abends noch Zeit für Sport oder Netflix finden wollen (finde ich auch, nur halt weniger).
Aber dass jemand schon 19 Uhr Feierabend als „zu lang“ betrachtet und fragt, ob diese Leute kein Leben/keine Familie haben, das ist schon arg verwöhnt. Passt aber zur Generation Z.
Ich möchte auch nicht ewig bis 21 Uhr arbeiten, sondern in ein paar Jahren dann bei 18:30-19:30 Uhr ankommen (Unternehmen oder Mittelständische). Allerdings möchte ich auch nie mehr unter 100k, besser 120k-140k verdienen. Mit der entsprechenden Erfahrung lässt sich das aber leicht zusammenbringen.
Sorry, aber solche Aussagen grenzen doch schon an Stockholm-Syndrom :D
Wir Juristen haben einfach ein absolut geisteskrankes Verhältnis zu Arbeitszeiten. Während es in der Wirtschaft darauf ankommt, Prozesse zu optimieren und möglichst effektiv zu arbeiten, geht es bei uns darum, möglichst viele Stunden aufzuschreiben.
Während unsere Mandanten für jede Stunde, die sie an einem Kunden sparen, mehr Geld verdienen können, indem sie weitere Aufträge bearbeiten, haben wir eben nur die Möglichkeit, irgendwas in Richtung 2.000 billables im Jahr zu produzieren.
Kurz: Wir betreiben eines der dümmsten Geschäftsmodell, die es gibt - wir tauschen Lebenszeit gegen Geld.
Wenn wir mit unseren Mandanten über Arbeitszeiten und Gehälter sprechen, werden wir entweder ausgelacht, oder erhalten Mitleid. Gerade im KMU-Bereich wird weniger gearbeitet, bei locker dem 3-4-fachen an Einkommen. Erst vor paar Tagen wieder mit einem geschäftsführenden Gesellschafter einer nicht mal dem KSchG unterfallenden Bude darüber gesprochen: Der ist spätestens um 17:30h daheim, hat noch nie an einem Wochenende gearbeitet und verdient deine 120k in einem Quartal.
Habe vollstest Verständnis für Hugo. 70k und dabei auch noch so einen Job - absoluter Traum.
Verstehe weder, wo da das Stockholm-Syndrom liegen soll, wenn der Kollege schreibt, mit Feierabend um 19 Uhr herum könnte er ein Leben lang einhergehen, noch wo jetzt die krasse Erkenntnis sein soll, dass es Leute gibt, die mit weniger Arbeit mehr verdienen. Genauso gibt es Leute, die noch länger arbeiten, sich täglich abrackern und weniger verdienen. Glaube wir Juristen haben es schon ganz gut. Mit einem Einkommen von über 120k gehört man zu den oberen 1% (!) in diesem Land. Das muss man sich erstmal bewusst machen, im Rahmen dieser teils vom Realleben entkoppelten Diskussionen.
Wenn man 70k für 40h als Traumjob erachtet, kann man das jederzeit selbst hinkriegen. Dafür muss man nichtmal Jura studieren. Aber wenn man es denn getan hat, vor allem mit nicht allzu schlechten Noten, kann man gleich morgen in so einem Job anfangen. Die gibt es wirklich wie Sand am Meer.
Echt? Ich hab bisher nicht das Gefühl, dass es so viele juristische Jobs in der freien Wirtschaft gibt, die 40h genügen lassen und noch fair bezahlen. Kenne den Arbeitsmarkt aber auch noch nicht allzu gut.
13.07.2021, 10:25
(13.07.2021, 10:07)Gasto schrieb:(13.07.2021, 10:00)Gast schrieb:(13.07.2021, 09:20)Gasto schrieb:Ahnungslos sollte man nicht daher plappern. Es gibt genug Verträge, die eine Kündigung vor Vertragsbeginn ausschließen und ggf. auch eine Vertragsstrafe vorsehen. Ist zulässig und nicht selten (hab ich z.B. auch). Kommt also drauf an, was beim Poster im Vertrag steht, und nicht, was Du so behauptest. Also bitte hier nicht in Unkenntnis etwas behaupten, was Unsinn ist.(13.07.2021, 09:17)HGE schrieb: Ich fange bald in einer GK an und bereue es jetzt schon. Die Arbeitszeit bis ca. 21/22 Uhr sagt mir gar nicht zu (Hut ab vor denen die das können). Meine Zusage für die Stelle war einfach zu überhastet. Wahrscheinlich werde ich mir unmittelbar nach Arbeitsbeginn bereits eine neue Stelle suchen.
Fazit: Kann den Threadersteller verstehen
Dann tritt die Stelle doch nicht an. Du kannst problemlos vor Jobbeginn kündigen. Das findet dein zukünftiger Chef übrigens besser als einen Mitarbeiter, der nach drei Monaten schon wieder die Biege macht.
@HGE: Schau mal, ob die vorzeitige Kündigung bei Dir vertraglich ausgeschlossen ist. Wenn nicht, würde ich davon Gebrauch machen, wenn Du schon eine Alternative hast. Sonst anfangen und schnell eine Alternative suchen, falls es wirklich so schlimm wird. Arbeitslosigkeit solltest Du besser vermeiden.
Ich würde - wenn wir uns kennen würden - Geld darauf wetten, dass der Nichtantritt der Stelle gar keine Probleme auslöst, wenn man beim Partner anruft und ihm mitteilt, dass man sich doch nicht in der GK sieht.
Und wieso? Weil jeder Neueinstieg in einer GK im Team erstmal Arbeit auslöst und man darauf keine Lust hat, wenn sowieso klar ist, dass der Typ in der Probezeit wieder kündigt.
Es ist aber nun etwas völlig anderes, jemanden anzurufen, darüber zu sprechen und einen ggf. bestehenden vertraglichen Ausschluss aufzuheben, weil das auch im Interesse der Kanzlei liegt, als einfach zu kündigen, wenn das ausgeschlossen sein sollte. Das ist dann schlicht vertragswidrig und kann zu Problemen führen. Und die Aufhebung der Regelung sollte man sich auch schriftlich oder per email geben lassen - die Kündigung muss ja ohnehin schriftlich erfolgen - allein ein Telefonat mit dem verständnisvollen Partner hat da nämlich mal überhaupt keine Aussagekraft, wenn HR Dich nach Eingang der Kündigung darauf hinweist, dass diese unzulässig ist.
Ich habe ja nicht geschrieben, dass es nicht möglich oder ein unlösbares Problem sei. Ich habe nur darauf hingewiesen, dass eine Aussage wie
"Dann tritt die Stelle doch nicht an. Du kannst problemlos vor Jobbeginn kündigen. ",
die ersichtlich von jemandem ohne arbeitsrechtlichen Background kommt, und sich an einen Berufsanfänger richtet, in der Pauschalität nicht hilfreich ist, wenn man die konkrete Situation nicht kennt. Recht und Praxis sind 2 Paar Stiefel, wie man als Jurist wissen sollte. Klar ist eine vorherige Kontaktaufnahme sinnvoll-das ging aus Deinem ersten Post aber auch nicht hervor- und vielleicht ist das bzgl. des Vertrags von HGE ohnehin kein Thema. Aber als Jurist sollte man zumindest die Lage rechtlich korrekt beurteilen können, bevor man es erstmal auf die praktische Weise versucht. Speziell, wenn eben ein Anfänger fragt.
13.07.2021, 11:00
Hier scheint mir sowieso ziemlich wenig arbeitsrechtliche Expertise anwesend.
13.07.2021, 11:04
Ey, ihr unerträglichen Klugscheißer. Er wird wohl im Vertrag selbst lesen können, ob die Kündigung vor Antritt ausgeschlossen wurde. Da das ein geregelter Ausnahmefall ist, müsst ihr euch nicht so aufspielen. Das ist jetzt kein Jura auf dem Hochreck seinen Arbeitsvertrag zu kennen.
13.07.2021, 11:17
(13.07.2021, 10:01)guga schrieb: bei Anwälten sind die Arbeitsverträge in der Regel aber fairer als bei normalen AN. Wahrscheinlich ist nichts ausgeschlossen.
Die Arbeitsverträge vielleicht (abgesehen von der bescheuerten gesetzlichen Regelung der fehlenden Überstundenabgeltung für "höhere Dienste"), aber bei viel zu vielen wird das was drin steht nicht eingehalten, z.B. Arbeitszeiten..
13.07.2021, 11:17
"Jura am Hochreck" - eine Formulierung, die mir immer wieder ein Schaudern einjagt. Furchtbar. :D
13.07.2021, 22:31
14.07.2021, 11:04
(13.07.2021, 10:08)Gast schrieb:(13.07.2021, 10:03)Gast schrieb:(12.07.2021, 19:04)Gast schrieb:(12.07.2021, 18:35)Gast schrieb:(12.07.2021, 13:55)Hugo schrieb: Ich finde es echt krass, was hier einige für Arbeitszeiten als „gut“ oder „normal“ bezeichnen.
Als ich noch Anwalt war, hatte ich etwa um 16:30 Feierabend, inzwischen im Unternehmen zwischen 15:00-15:30 Uhr. Ausnahmen gibt es natürlich.
Ich habe damit so viel Freizeit wie schon lange nicht mehr.
Ja, ich bezahle den Porsche nicht aus der Portokasse, aber er wäre auch nicht unerreichbar.
An die ganzen Kollegen, die glücklich sind, wenn sie „schon“ um 19 Uhr Feierabend machen: habt ihr alle kein Leben, Hobbies? Keine Freunde? Oder Partner/Familie?
Also ich kann ja verstehen, wenn manche meine Arbeitszeiten (9-21 Uhr) als „zu viel“ empfinden und unter der Woche abends noch Zeit für Sport oder Netflix finden wollen (finde ich auch, nur halt weniger).
Aber dass jemand schon 19 Uhr Feierabend als „zu lang“ betrachtet und fragt, ob diese Leute kein Leben/keine Familie haben, das ist schon arg verwöhnt. Passt aber zur Generation Z.
Ich möchte auch nicht ewig bis 21 Uhr arbeiten, sondern in ein paar Jahren dann bei 18:30-19:30 Uhr ankommen (Unternehmen oder Mittelständische). Allerdings möchte ich auch nie mehr unter 100k, besser 120k-140k verdienen. Mit der entsprechenden Erfahrung lässt sich das aber leicht zusammenbringen.
Sorry, aber solche Aussagen grenzen doch schon an Stockholm-Syndrom :D
Wir Juristen haben einfach ein absolut geisteskrankes Verhältnis zu Arbeitszeiten. Während es in der Wirtschaft darauf ankommt, Prozesse zu optimieren und möglichst effektiv zu arbeiten, geht es bei uns darum, möglichst viele Stunden aufzuschreiben.
Während unsere Mandanten für jede Stunde, die sie an einem Kunden sparen, mehr Geld verdienen können, indem sie weitere Aufträge bearbeiten, haben wir eben nur die Möglichkeit, irgendwas in Richtung 2.000 billables im Jahr zu produzieren.
Kurz: Wir betreiben eines der dümmsten Geschäftsmodell, die es gibt - wir tauschen Lebenszeit gegen Geld.
Wenn wir mit unseren Mandanten über Arbeitszeiten und Gehälter sprechen, werden wir entweder ausgelacht, oder erhalten Mitleid. Gerade im KMU-Bereich wird weniger gearbeitet, bei locker dem 3-4-fachen an Einkommen. Erst vor paar Tagen wieder mit einem geschäftsführenden Gesellschafter einer nicht mal dem KSchG unterfallenden Bude darüber gesprochen: Der ist spätestens um 17:30h daheim, hat noch nie an einem Wochenende gearbeitet und verdient deine 120k in einem Quartal.
Habe vollstest Verständnis für Hugo. 70k und dabei auch noch so einen Job - absoluter Traum.
Verstehe weder, wo da das Stockholm-Syndrom liegen soll, wenn der Kollege schreibt, mit Feierabend um 19 Uhr herum könnte er ein Leben lang einhergehen, noch wo jetzt die krasse Erkenntnis sein soll, dass es Leute gibt, die mit weniger Arbeit mehr verdienen. Genauso gibt es Leute, die noch länger arbeiten, sich täglich abrackern und weniger verdienen. Glaube wir Juristen haben es schon ganz gut. Mit einem Einkommen von über 120k gehört man zu den oberen 1% (!) in diesem Land. Das muss man sich erstmal bewusst machen, im Rahmen dieser teils vom Realleben entkoppelten Diskussionen.
Wenn man 70k für 40h als Traumjob erachtet, kann man das jederzeit selbst hinkriegen. Dafür muss man nichtmal Jura studieren. Aber wenn man es denn getan hat, vor allem mit nicht allzu schlechten Noten, kann man gleich morgen in so einem Job anfangen. Die gibt es wirklich wie Sand am Meer.
Echt? Ich hab bisher nicht das Gefühl, dass es so viele juristische Jobs in der freien Wirtschaft gibt, die 40h genügen lassen und noch fair bezahlen. Kenne den Arbeitsmarkt aber auch noch nicht allzu gut.
Das ist auch nicht so. Aber hier haben alle immer eine große Klappe und tun so, als würden einen die Jobs hinterher geworfen werden.
In manchen Gegenden gibt es sicher mehr solche Jobs, aber auch mehr Bewerber.
In anderen Regionen, in denen zB kaum große Unternehmen sitzen, wohl kaum.
Vereinzelt mag das sein, wenn man 2x 13P hat, die haben aber nun mal sehr wenige Kandidaten (man lese die Prüfungsstatistik), im Forum aber natürlich jeder zweite.
PS. Wenn ich jetzt in Jobportalen gucke, gibt es in 50km Umkreis 4 Jobs die in Unternehmen sind, teilweise als Referentenstellen.
14.07.2021, 12:11
Ist halt die Frage, was man als "fair bezahlt" ansieht. 60-70T € brutto wird man schon relativ einfach hinkriegen mit 40h-Woche. Ist das fair bezahlt? Muss jeder selbst wissen. Ich sehe das Problem eher für gute Absolventen. Für die Standard-Unternehmensjobs mit Metaller-Tarifvertrag oder bei Big Pharma braucht man keine 10 Punkte. Wenn man die aber hat, ist es (so mein Eindruck) schwer, die zu (mehr) Geld zu machen. Da bleibt dann Notariat, worauf viele schlicht kein Bock haben oder eben große Kanzleien, wo man dann aber auch mehr arbeitet.
Nice wären mehr Jobs, wo man zwar 20-25 Punkte in Summe braucht, dann aber 100k+ kriegt und 40h ;)
Das o.g. Jura am Hochreck wird eben oft nicht bezahlt, sondern nur die Mehrstunden.
Nice wären mehr Jobs, wo man zwar 20-25 Punkte in Summe braucht, dann aber 100k+ kriegt und 40h ;)
Das o.g. Jura am Hochreck wird eben oft nicht bezahlt, sondern nur die Mehrstunden.
14.07.2021, 13:35
Ja. Ich will dich nicht aus Einhornland reißen, aber dein Arbeitgeber bezahlt dich nicht für deine Leistung im Examen, sondern dafür, dass du ihn reicher machst als er ist.



