25.02.2026, 10:27
(25.02.2026, 09:32)Spencer schrieb:(25.02.2026, 07:05)Boevenvanger schrieb:Wenn gleich mehrere Lebenszeitrichter in kurzer Abfolge ein Gericht verlassen, sollten die Gründe hierfür die Hausspitze sehr wohl interessieren. Es könnte ja an Umständen liegen, die man ändern könnte.(24.02.2026, 14:50)Spencer schrieb: (...)
Als ich nach fast 10 Jahren angekündigt hatte, die Justiz verlassen zu wollen, hieß es lapidar „Sie werden schon Ihre Gründe haben. Brauchen Sie überhaupt eine Beurteilung?“
Wertschätzung sieht anders aus.
Sorry, aber was erwartest Du?
Wenn Du nach fast 10 Jahren zum P1 oder PLG gehst und mitteilst, dass Du die Justiz verlassen willst, muss ein Dich ernst nehmendes Gegenüber doch davon ausgehen, dass Du gute Gründe hast. Ich hielte da eher ein "Haben Sie sich das auch gut überlegt?" für verfehlt.
Wenn man auf Wertschätzung Wert legt, ist man mE - ich kann indessen nur über NRW sprechen - als Richter in der Justiz (jedenfalls aber am AG) schon systembedingt nicht am richtigen Ort. Das ist dann eben die Kehrseite der richterlichen Unabhängigkeit. Und es ist eben auch, wie dieses Forum zeigt, so, dass genügend Bewerber zur Verfügung stehen. Ich meine, man muss sich da schon ehrlich vor Augen führen, dass die eigene Lebensentscheidung dem System egal ist (und sein muss).
Außerdem macht es einen Unterschied, ob zB 5 Lebenszeitrichter ihren Job machen oder 5 Probezeitrichter. Erstgenannte sind aufgrund jahrelanger Praxis und Fortbildung schon dort, wo die Proberichter erst in einigen Jahren sein werden.
Dass Wertschätzung in der Justiz mit Blick auf die richterliche Unabhängigkeit unangebracht sei, hört man leider öfter. Ich halte das, vorsichtig gesagt, für wenig überzeugend. Dann dürfte es auch keine Beurteilung durch die Verwaltung geben.
Hätte man nicht das Gericht auch wechseln können? Oder ist das schwierig? 🤔
25.02.2026, 10:46
Hätte man wahrscheinlich. Aber irgendwann ist man a) familiär zu gesettelt, um 1,5h zum nächsten Gericht zu pendeln, b) weiss man von Kollegen, dass es dort ähnlich abläuft, c) hat man irgendwann einfach die Nase voll und d) hatte man dann irgendwann eine bessere Option ;-)
25.02.2026, 10:53
(25.02.2026, 10:46)Spencer schrieb: Hätte man wahrscheinlich. Aber irgendwann ist man a) familiär zu gesettelt, um 1,5h zum nächsten Gericht zu pendeln, b) weiss man von Kollegen, dass es dort ähnlich abläuft, c) hat man irgendwann einfach die Nase voll und d) hatte man dann irgendwann eine bessere Option ;-)
Zur Ergänzung an andere Vorposter:
Die hier beschriebene Abwägung ist recht typisch. Jegliche Gedanken in die Richtung "Was hast du sonst erwartet?" oder ähnlichem grenzen an Selbstgeißelung. Sie sind damit (gottseidank) nicht typisch. Wertschätzung ist für die meisten Menschen ein wesentlicher Faktor.
25.02.2026, 11:39
(25.02.2026, 10:53)KissingSpines schrieb:+1(25.02.2026, 10:46)Spencer schrieb: Hätte man wahrscheinlich. Aber irgendwann ist man a) familiär zu gesettelt, um 1,5h zum nächsten Gericht zu pendeln, b) weiss man von Kollegen, dass es dort ähnlich abläuft, c) hat man irgendwann einfach die Nase voll und d) hatte man dann irgendwann eine bessere Option ;-)
Zur Ergänzung an andere Vorposter:
Die hier beschriebene Abwägung ist recht typisch. Jegliche Gedanken in die Richtung "Was hast du sonst erwartet?" oder ähnlichem grenzen an Selbstgeißelung. Sie sind damit (gottseidank) nicht typisch. Wertschätzung ist für die meisten Menschen ein wesentlicher Faktor.
Auch der Spruch „Wir haben es uns ausgesucht“ fällt an Kantinentischen des öfteren. Da musste ich immer an die Kantinen-Szene aus Das Leben der Anderen denken.
Leider auch eine meiner Erkenntnisse aus 10 Jahren Justiz: Nirgendwo habe ich angepasstere Kollegen getroffen als unter den richterlich Unabhängigen.
25.02.2026, 12:58
(25.02.2026, 11:39)Spencer schrieb:Dystopische Szene(25.02.2026, 10:53)KissingSpines schrieb:+1(25.02.2026, 10:46)Spencer schrieb: Hätte man wahrscheinlich. Aber irgendwann ist man a) familiär zu gesettelt, um 1,5h zum nächsten Gericht zu pendeln, b) weiss man von Kollegen, dass es dort ähnlich abläuft, c) hat man irgendwann einfach die Nase voll und d) hatte man dann irgendwann eine bessere Option ;-)
Zur Ergänzung an andere Vorposter:
Die hier beschriebene Abwägung ist recht typisch. Jegliche Gedanken in die Richtung "Was hast du sonst erwartet?" oder ähnlichem grenzen an Selbstgeißelung. Sie sind damit (gottseidank) nicht typisch. Wertschätzung ist für die meisten Menschen ein wesentlicher Faktor.
Auch der Spruch „Wir haben es uns ausgesucht“ fällt an Kantinentischen des öfteren. Da musste ich immer an die Kantinen-Szene aus Das Leben der Anderen denken.
Leider auch eine meiner Erkenntnisse aus 10 Jahren Justiz: Nirgendwo habe ich angepasstere Kollegen getroffen als unter den richterlich Unabhängigen.
25.02.2026, 13:23
(25.02.2026, 07:05)Boevenvanger schrieb:(24.02.2026, 14:50)Spencer schrieb: (...)
Als ich nach fast 10 Jahren angekündigt hatte, die Justiz verlassen zu wollen, hieß es lapidar „Sie werden schon Ihre Gründe haben. Brauchen Sie überhaupt eine Beurteilung?“
Wertschätzung sieht anders aus.
Sorry, aber was erwartest Du?
Wenn Du nach fast 10 Jahren zum P1 oder PLG gehst und mitteilst, dass Du die Justiz verlassen willst, muss ein Dich ernst nehmendes Gegenüber doch davon ausgehen, dass Du gute Gründe hast. Ich hielte da eher ein "Haben Sie sich das auch gut überlegt?" für verfehlt.
Wenn man auf Wertschätzung Wert legt, ist man mE - ich kann indessen nur über NRW sprechen - als Richter in der Justiz (jedenfalls aber am AG) schon systembedingt nicht am richtigen Ort. Das ist dann eben die Kehrseite der richterlichen Unabhängigkeit. Und es ist eben auch, wie dieses Forum zeigt, so, dass genügend Bewerber zur Verfügung stehen. Ich meine, man muss sich da schon ehrlich vor Augen führen, dass die eigene Lebensentscheidung dem System egal ist (und sein muss).
Ich würde unabhängig von Arbeitsmarkt und Umfeld jedenfalls Anstand und persönliches Interesse an den Gründen erwarten (so habe ich es bei mir auch erlebt). Und unabhängig davon ist es natürlich auch ein dienstliches Problem, wenn vermeidbar gute Leute gehen und eine hohe Fluktuation mit allen Folgen für Einarbeitungsaufwand und Qualität entsteht. Ein solches Verhalten ist also unter keinem Gesichtspunkt erwartbar (außer wenn ein Gericht bekanntermaßen vollkommen kaputt ist).
03.03.2026, 11:00
hat sich hier jemand mit den schriftlichen noten aus oktober beworben und schon rückmeldung?










