09.04.2021, 10:28
Also lasst euch nicht unbedingt abschrecken. Ich habe mich im ersten Jahr auch - genauso wie die Kollegen oben - dauergestresst gefühlt. Das wurde aber wesentlich besser. Zudem: wenn du ein Aufräumer bist und man dich auch mal länger auf einem Dezernat lässt (so ist’s bei mir zur Zeit), dann ist das auch nach einem Jahr aufgeräumt und du hast nur noch mit den Sachen zu tun, die du selbst ermittelt hast. Ich habe mir einen recht pragmatischen Stil angewöhnt und gehe mittlerweile regelmäßig spätestens 17 Uhr. Mal früher, mal - wenn etwas Außerordentliches anfällt - später. Die ständigen Wechsel in Dezernaten halte ich für sehr unglücklich, gerade in Anbetracht der allgemeinen Personalsituation in der Justiz. Denn das kostet Zeit, die nicht da ist.
09.04.2021, 11:01
(09.04.2021, 10:28)Gast schrieb: Also lasst euch nicht unbedingt abschrecken. Ich habe mich im ersten Jahr auch - genauso wie die Kollegen oben - dauergestresst gefühlt. Das wurde aber wesentlich besser. Zudem: wenn du ein Aufräumer bist und man dich auch mal länger auf einem Dezernat lässt (so ist’s bei mir zur Zeit), dann ist das auch nach einem Jahr aufgeräumt und du hast nur noch mit den Sachen zu tun, die du selbst ermittelt hast. Ich habe mir einen recht pragmatischen Stil angewöhnt und gehe mittlerweile regelmäßig spätestens 17 Uhr. Mal früher, mal - wenn etwas Außerordentliches anfällt - später. Die ständigen Wechsel in Dezernaten halte ich für sehr unglücklich, gerade in Anbetracht der allgemeinen Personalsituation in der Justiz. Denn das kostet Zeit, die nicht da ist.
Ich würde eher sagen: lasst euch nicht blenden von den vermeintlich positiven Erfahrungen weniger.
09.04.2021, 11:08
Es muss doch der Mehrheit trotz aller Missstände letztlich gefallen, ansonsten wäre die Abbruchquote um einiges höher. Mit den Noten für den Staatsdienst (trotz Absenken) sollte eine Einstellung in Wirtschaft/Verwaltung kein Problem sein.
Aber den massenhaften Austritt von Proberichtern aus der Justiz konnte ich nicht beobachten.
Aber den massenhaften Austritt von Proberichtern aus der Justiz konnte ich nicht beobachten.
09.04.2021, 11:19
(09.04.2021, 11:08)Gast schrieb: Es muss doch der Mehrheit trotz aller Missstände letztlich gefallen, ansonsten wäre die Abbruchquote um einiges höher. Mit den Noten für den Staatsdienst (trotz Absenken) sollte eine Einstellung in Wirtschaft/Verwaltung kein Problem sein.
Aber den massenhaften Austritt von Proberichtern aus der Justiz konnte ich nicht beobachten.
Ich kenne mittlerweile eine ganze Reihe von Leuten, die das Handtuch geworfen haben, tlw auch noch nach einigen Jahren.
Und der Grund, warum viele dennoch bleiben, dürfte nicht Zufriedenheit, sondern Angst vor Veränderung/Aufgabe der Beamtenprivilegien sein.
09.04.2021, 11:31
Kenne es auch so. Die meisten bleiben dabei, weil sie keine Veränderung mehr möchten und die Sicherheit beim Staat ganz angenehm ist, auch wenn die Tätigkeit inhaltlich nicht der Traumberuf ist.
09.04.2021, 11:36
(09.04.2021, 11:01)Gast schrieb:(09.04.2021, 10:28)Gast schrieb: Also lasst euch nicht unbedingt abschrecken. Ich habe mich im ersten Jahr auch - genauso wie die Kollegen oben - dauergestresst gefühlt. Das wurde aber wesentlich besser. Zudem: wenn du ein Aufräumer bist und man dich auch mal länger auf einem Dezernat lässt (so ist’s bei mir zur Zeit), dann ist das auch nach einem Jahr aufgeräumt und du hast nur noch mit den Sachen zu tun, die du selbst ermittelt hast. Ich habe mir einen recht pragmatischen Stil angewöhnt und gehe mittlerweile regelmäßig spätestens 17 Uhr. Mal früher, mal - wenn etwas Außerordentliches anfällt - später. Die ständigen Wechsel in Dezernaten halte ich für sehr unglücklich, gerade in Anbetracht der allgemeinen Personalsituation in der Justiz. Denn das kostet Zeit, die nicht da ist.
Ich würde eher sagen: lasst euch nicht blenden von den vermeintlich positiven Erfahrungen weniger.
Auf welcher Erfahrung basiert die Einschätzung?
Erste Infos zum Bewerbungsverfahren für den Justizdienst findest Du auf den Richter-Infoseiten von Juristenkoffer.de:
https://www.juristenkoffer.de/richter/
Darüber hinaus sollte man sich dann mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Optional besteht zudem die Möglichkeit, auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zuzugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben:
https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
https://www.juristenkoffer.de/richter/
Darüber hinaus sollte man sich dann mit dem Karriere-Dossier über die Einstellungschancen und Bewerbungsvoraussetzungen informieren. Optional besteht zudem die Möglichkeit, auf die vielen hunderten Erfahrungsberichte anderer Juristen zuzugreifen, die bereits das Bewerbungsverfahren erfolgreich absolviert haben:
https://www.juristenkoffer.de/richter/karriere-dossier-richter-staatsanwalt-werden.php
09.04.2021, 11:38
(09.04.2021, 11:19)Gast schrieb:Vor allem ist es ab einem gewissen Alter finanzieller Selbstmord, das Beamten-/Dienstverhältnis zu verlassen, da der Staat ja nur den Arbeitgeberanteil in die Sozialversicherungen nachzahlt. Ab 35, spätestens 40 kann man einen Wechsel daher vergessen. So sind mir in meinem Referendariat (das ich mit dem klaren Berufswunsch Richter begonnen habe) unglaublich viele ältere Richter und Staatsanwälte begegnet, die mir dringend abgeraten haben und mit ihrem Job und ihrem Leben unglücklich waren. Die kamen aus der Nummer aber einfach nicht mehr raus. Kannte ich so bisher nur von Lehrern und hat mich ganz klar abgeschreckt. Ich hab einfach keine Lust, ab 50 darauf zu warten, dass ich endlich in Pension gehen kann.(09.04.2021, 11:08)Gast schrieb: Es muss doch der Mehrheit trotz aller Missstände letztlich gefallen, ansonsten wäre die Abbruchquote um einiges höher. Mit den Noten für den Staatsdienst (trotz Absenken) sollte eine Einstellung in Wirtschaft/Verwaltung kein Problem sein.
Aber den massenhaften Austritt von Proberichtern aus der Justiz konnte ich nicht beobachten.
Ich kenne mittlerweile eine ganze Reihe von Leuten, die das Handtuch geworfen haben, tlw auch noch nach einigen Jahren.
Und der Grund, warum viele dennoch bleiben, dürfte nicht Zufriedenheit, sondern Angst vor Veränderung/Aufgabe der Beamtenprivilegien sein.
Ein bisschen Off-Topic: Die einzigen beiden Leute in meinem Umfeld, die im höheren Alter (Ü30) mit dem Rauchen angefangen haben, sind beide Richterinnen. Irgendwie scheint dieser Job wirklich sehr sehr stressig zu sein, obwohl er von den äußeren Bedingungen eigentlich sehr chillig erscheint (freie Zeiteinteilung, wenig "Kunden-"kontakt etc.).
09.04.2021, 11:40
(09.04.2021, 11:31)Gast schrieb: Kenne es auch so. Die meisten bleiben dabei, weil sie keine Veränderung mehr möchten und die Sicherheit beim Staat ganz angenehm ist, auch wenn die Tätigkeit inhaltlich nicht der Traumberuf ist.
Ich finde es erschreckend, mit welcher mönchsartigen Schluckmentalität juristische Berufsanfänger agieren, egal in welchem Bereich. Das ist in viel anderen Sparten völlig undenkbar. Jahrelang gepaukt mit der Aussicht irgendwann im Beruf wirds besser. Dann jahrelang Ausbeutung weil irgendwann mit mehr BE wirds besser. Und irgendwann dann Resignation weil in Rente wirds besser.
Will hier nicht den Marx markieren, aber mein Gott, schliesst euch in der Justiz zusammen und geht geschlossen nach 40h heim.
09.04.2021, 11:44
(09.04.2021, 11:40)Gast23122 schrieb:(09.04.2021, 11:31)Gast schrieb: Kenne es auch so. Die meisten bleiben dabei, weil sie keine Veränderung mehr möchten und die Sicherheit beim Staat ganz angenehm ist, auch wenn die Tätigkeit inhaltlich nicht der Traumberuf ist.
Ich finde es erschreckend, mit welcher mönchsartigen Schluckmentalität juristische Berufsanfänger agieren, egal in welchem Bereich. Das ist in viel anderen Sparten völlig undenkbar. Jahrelang gepaukt mit der Aussicht irgendwann im Beruf wirds besser. Dann jahrelang Ausbeutung weil irgendwann mit mehr BE wirds besser. Und irgendwann dann Resignation weil in Rente wirds besser.
Will hier nicht den Marx markieren, aber mein Gott, schliesst euch in der Justiz zusammen und geht geschlossen nach 40h heim.
Ich finde diese Pauschalität eher erschreckend.
09.04.2021, 12:03
Natürlich gibt es Lock-in Effekte bei längerer Zugehörigkeit, aber hier geht es doch um Berufsanfänger. Wenn es tatsächlich so schlimm ist, dann müssten viel mehr Berufsanfänger nach 6 Monaten oder 1 Jahr frustriert aufgeben. Die finanziellen Nachteile bei der Pension wären durch Arbeit in der Wirtschaft wieder kompensiert. Dass dies offensichtlich nicht massenhaft erfolgt lässt doch darauf schließen dass es doch machbar ist.



