14.07.2026, 12:21
(14.07.2026, 09:36)JurisRef schrieb:(14.07.2026, 09:06)Silverywintersweet schrieb: Wie lief dein Verbesserungsversuch? Die Zeit ist wirklich hart, ich hab im zweiten auch meinen Verbesserungsversuch gemacht, weil ich unbedingt in die Justiz wollte. Hab mich dann auf 8,5 verbessert und erstmal eine Promotion angefangen und als Anwältin gearbeitet. Jetzt habe ich mich bei der Staatsanwaltschaft beworben und wegen fehlender charakterlicher Eignung (angeblich kein Verantwortungsbewusstsein und kein analytisches Denken) eine Absage bekommen. Es hat mir ehrlich gesagt den Boden unter den Füßen weggerissen und ich weiß jetzt auch nicht mehr weiter. Ich wollte immer in die Justiz und jetzt geht es zumindest in meinem Bundesland nicht mehr. Inzwischen bereue ich es, Jura studiert zu haben und hab die Perspektive verloren, was ich jetzt beruflich machen möchte.
Das tut mir sehr leid zu hören. Frage mich wie sie bitte charakterliche Eignung feststellen wollen. Ein Vorstellungsgespräch von 30 min alleine reicht doch überhaupt nicht um das festzustellen. Aber ich verstehe das. Geht mir genau. Ich habe auch recht ordentliche Noten, aber eben kein Prädikat und mein Traum ist Verwaltungsjuristin. Anwältin wollte ich nie werden und die Anwaltsstation waren für mich ein Alptraum. Ich hatte so viele Vorstellungsgespräche die mich an mündliche Prüfungen erinnern und immer Absagen. Nun fange ich bei einer größeren Behörde an, aber für E10 in der Hoffnung mich dann nach einer Zeit intern hoch zu bewerben. Dafür habe ich einem Anwalt nun abgesagt, der für meine Region, die eigentlich sehr mies bezahlt, ein gutes Gehalt angeboten hat. Aber ich möchte weder zivilrechtlich tätig sein noch als Anwältin arbeiten. Habe das Gefühl, dass Jura mir mein ganzes Selbstvertrauen kaputt nacht. Wenn jemand sagt ich habe gute Noten, dann antworte ich dass das nur Glück war, weil ich mich nicht für gut halte 🙈
Das Gespräch ging 1,5h, aber anscheinend reicht das, um meinen Charakter zu bestimmten. Meine Arbeitszeugnisse waren da anscheinend nicht so überzeugend.
Ich hab inzwischen auch echt etwas Schiss vor Bewerbungsgesprächen. Die für die Anwaltschaft waren immer total angenehm, aber das für die Staatsanwaltschaft war furchtbar. Glaub, ich hätte das so gemacht wie du, erstmal eine Fuß in die Tür bekommen und dann weitergucken. Ich glaube, ich könnte mir die Anwaltschaft gut vorstellen, mir bestimmten Rechtsgebieten, die ich sehr gerne mag und einem tollen Arbeitsklima. Aber leider gibt es in meiner Stadt kaum Kanzleien, die "meine" Rechtsgebiete anbieten. Außerdem war das Arbeitsklima in den Kanzleien, in denen ich bisher gearbeitet habe, echt schlecht. Am liebsten würde ich Strafrecht machen, aber nicht als Strafverteidigerin. Aber ich glaube, in meiner Stadt gibt es da leider kaum Jobs.
Jaa, mein Selbstvertrauen ist aktuell komplett erschüttert. Ich komm auch gar nicht gut damit klar, dass mir im Bewerbungsgespräch Kompetenzen abgesprochen wurden, die mir persönlich eigentlich super wichtig sind. Ich hinterfrage mich und mein fachliches Können jetzt auch die ganze Zeit selbst. Meine größte Angst war immer, eine schlechte Juristin zu werden.
11.08.2026, 05:33
(07.05.2026, 08:37)Aktenabgrund schrieb:(21.03.2026, 15:34)Träumchen schrieb: Moin! Ich schreibe bald (April) meinen Verbesserungsversuch, da es im ersten Versuch nicht gut lief. Irgendwie verlässt mich aber der Mut, dass ich mich wirklich verbessern werde. Ich habe immer mit dem ganz klaren Ziel des Richteramts oder der GK studiert und muss mich damit abfinden, dass beides wahrscheinlich nichts wird. Es fällt mir wirklich schwer damit umzugehen, dass ich „auf den letzten Metern“ versagt und mir die Chancen auf die begehrten Jobs verbaut habe. Ich wache nachts auf und mache mir Vorwürfe, denke jeden Tag daran und schäme mich.Hast du denn inzwischen den Verbesserungsversuch unternommen und wie ist es gelaufen?
Ich bin ja wahrscheinlich nicht der Einzige. Wie/wann seid ihr damit klargekommen? Habt ihr trotzdem noch etwas gefunden, was Euch Spaß macht? Gerade bei dem aktuellen Arbeitsmarkt habe ich auch Angst nichts außerhalb kleiner Kanzleien zu finden…
Ich kann mich ebenfalls anschließen - es gibt so wahnsinnig viel abseits der klassischen Justiz oder GK. Als ich "damals" 2022 fertig wurde, hätte ich beides haben können und habe mich bewusst dagegen entschieden. Und ich sehe bei Kollegen bspw. in der Justiz, das wirklich nicht alles Gold ist was glänzt. Auch oder insbesondere da braucht es eine Menge intrinsische Motivation im Berufsalltag ... Es gibt eine Reihe interessante Dinge, die man als Volljurist machen kann, du wirst sicher eines davon finden.
Ich habe den Verbesserungsversuch letzten Monat abgeschlossen, aber er war leider umsonst. Ich habe mich von 6,8 nur auf 7,9 verbessert, sodass ich zwar formal ein paar Punkte mehr habe, aber sich meine beruflichen Aussichten nicht verändert haben. Es ist hart, aber ich versuche, ähnlich wie der andere Threadersteller, einfach irgendwie damit klarzukommen. Es fühlt sich einfach momentan so an als hätte ich 9 Jahre meines Lebens sinnlos weggeworfen. So viel Zeit, so viele Mühen, für nix…
11.08.2026, 07:28
Und wieso gehst du nicht in eines der Bundesländer, wo du mit 7,9 im zweiten realistische Chancen für die Justiz hast?
Wenn du einen Umzug nicht mal in Erwägung ziehst, war der Traum für die Justiz kein sehr großer.
Wenn du einen Umzug nicht mal in Erwägung ziehst, war der Traum für die Justiz kein sehr großer.
11.08.2026, 07:42
(11.08.2026, 07:28)JuraLiebhaber schrieb: Und wieso gehst du nicht in eines der Bundesländer, wo du mit 7,9 im zweiten realistische Chancen für die Justiz hast?Ich denke, weil die Aussichten auf ein Leben in der Afd-regierten ostdeutschen Provinz für mich wahrscheinlich noch schlimmer wären, insbesondere da es in der Justiz keinen Weg zurück in die Heimat gibt. In anderen Jobs kann man ja zeitweise woanders einsteigen, in der Verwaltung sich wenigstens woanders bewerben, aber in der Justiz ist man für immer gebunden.
Wenn du einen Umzug nicht mal in Erwägung ziehst, war der Traum für die Justiz kein sehr großer.
Ich habe es aber auch noch nicht zu 100% ausgeschlossen.
11.08.2026, 07:55
(11.08.2026, 07:42)Träumchen schrieb:(11.08.2026, 07:28)JuraLiebhaber schrieb: Und wieso gehst du nicht in eines der Bundesländer, wo du mit 7,9 im zweiten realistische Chancen für die Justiz hast?Ich denke, weil die Aussichten auf ein Leben in der Afd-regierten ostdeutschen Provinz für mich wahrscheinlich noch schlimmer wären, insbesondere da es in der Justiz keinen Weg zurück in die Heimat gibt. In anderen Jobs kann man ja zeitweise woanders einsteigen, in der Verwaltung sich wenigstens woanders bewerben, aber in der Justiz ist man für immer gebunden.
Wenn du einen Umzug nicht mal in Erwägung ziehst, war der Traum für die Justiz kein sehr großer.
Ich habe es aber auch noch nicht zu 100% ausgeschlossen.
Wieso ist man denn in der Justiz für immer gebunden? Du kannst auch als Richter dein Gericht oder dein Bundesland wechseln.
11.08.2026, 09:02
(11.08.2026, 07:42)Träumchen schrieb:(11.08.2026, 07:28)JuraLiebhaber schrieb: Und wieso gehst du nicht in eines der Bundesländer, wo du mit 7,9 im zweiten realistische Chancen für die Justiz hast?Ich denke, weil die Aussichten auf ein Leben in der Afd-regierten ostdeutschen Provinz für mich wahrscheinlich noch schlimmer wären [...].
Wenn du einen Umzug nicht mal in Erwägung ziehst, war der Traum für die Justiz kein sehr großer.
Das spricht mir so aus der Seele! Anders als heute genügen 8,X nicht mal mehr für NRW (vgl. andere Threads) ... damit oder mit den Noten des TE aber in den Osten zu gehen unter diesen Bedingungen - eine super gruselige Vorstellung. Ich bezweifle, dass man da mit weniger begehrten Noten unkompliziert und zeitnah versetzt wird.
11.08.2026, 10:18
(11.08.2026, 07:55)JuraLiebhaber schrieb:(11.08.2026, 07:42)Träumchen schrieb:(11.08.2026, 07:28)JuraLiebhaber schrieb: Und wieso gehst du nicht in eines der Bundesländer, wo du mit 7,9 im zweiten realistische Chancen für die Justiz hast?Ich denke, weil die Aussichten auf ein Leben in der Afd-regierten ostdeutschen Provinz für mich wahrscheinlich noch schlimmer wären, insbesondere da es in der Justiz keinen Weg zurück in die Heimat gibt. In anderen Jobs kann man ja zeitweise woanders einsteigen, in der Verwaltung sich wenigstens woanders bewerben, aber in der Justiz ist man für immer gebunden.
Wenn du einen Umzug nicht mal in Erwägung ziehst, war der Traum für die Justiz kein sehr großer.
Ich habe es aber auch noch nicht zu 100% ausgeschlossen.
Wieso ist man denn in der Justiz für immer gebunden? Du kannst auch als Richter dein Gericht oder dein Bundesland wechseln.
Die Justiz NRW nimmt Bundeslandwechsler nur mit direktem Tauschpartner an. Alternativ musst Du Dich im anderen Bundesland entlassen lassen und Dich in NRW neu bewerben.
Ich werde mich natürlich für das gesamte Land NRW (Hamm und DUS, Köln nimmt erst ab 8,5 Bewerbungen an) bewerben. Da wäre eine Versetzung ja realistischer.
11.08.2026, 10:57
Bei allem Verständnis für eure Situation, das ist ein bisschen viel Mimimi.
Ich war damals (2010) in derselben Lage, der Arbeitsmarkt für Juristen war mäßig. Ich wollte in den Staatsdienst und habe deshalb erst mal in einem weit entfernten Bundesland angefangen (Verwaltung). Nach einigen Jahren habe ich dann zur Justiz gewechselt. Auf die Idee, aufgrund eines temporären Engpasses „umsonst studiert“ zu haben, wäre ich im Leben nicht gekommen. Der Arbeitsmarkt für Juristen unterliegt großen Schwankungen. Das musste man wissen, als man mit dem Studium begonnen hat. Wenn der Wunschjob nicht sofort in Reichweite ist, muss man sich eben erstmal was anderes suchen. Ein paar Jahre Berufserfahrung schaden auch in der Justiz nicht und können bei der Persönlichkeitsentwicklung nur helfen.
Seht es doch auch mal als Chance, nicht 40 Jahre lang immer nur dasselbe machen zu müssen. Akten wegkloppen werdet ihr in der Justiz noch lange genug ;-)
Ich war damals (2010) in derselben Lage, der Arbeitsmarkt für Juristen war mäßig. Ich wollte in den Staatsdienst und habe deshalb erst mal in einem weit entfernten Bundesland angefangen (Verwaltung). Nach einigen Jahren habe ich dann zur Justiz gewechselt. Auf die Idee, aufgrund eines temporären Engpasses „umsonst studiert“ zu haben, wäre ich im Leben nicht gekommen. Der Arbeitsmarkt für Juristen unterliegt großen Schwankungen. Das musste man wissen, als man mit dem Studium begonnen hat. Wenn der Wunschjob nicht sofort in Reichweite ist, muss man sich eben erstmal was anderes suchen. Ein paar Jahre Berufserfahrung schaden auch in der Justiz nicht und können bei der Persönlichkeitsentwicklung nur helfen.
Seht es doch auch mal als Chance, nicht 40 Jahre lang immer nur dasselbe machen zu müssen. Akten wegkloppen werdet ihr in der Justiz noch lange genug ;-)
11.08.2026, 13:50
Was sagt es über die Gesellschaft aus, wenn das einzig lohnenswerte berufliche Ziel der Staatsdienst ist.
Naja angesichts der Besoldung bereits zum Einstieg samt entsprechender Pension auch irgendwie auch nicht verwunderlich.
Naja angesichts der Besoldung bereits zum Einstieg samt entsprechender Pension auch irgendwie auch nicht verwunderlich.
11.08.2026, 14:23
(11.08.2026, 13:50)Negatives Tatbestandsmerkmal schrieb: Was sagt es über die Gesellschaft aus, wenn das einzig lohnenswerte berufliche Ziel der Staatsdienst ist.
Naja angesichts der Besoldung bereits zum Einstieg samt entsprechender Pension auch irgendwie auch nicht verwunderlich.
Na klar weil man nicht wegen der Inhalte / des doch einzigartigen Berufsbildes oder erlebten Sinnhaftigkeit zum Staat gehen wollen kann ... Immer dieselbe eindimensionale Pauschalität ...










