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Deutlich schlechteres zweites Examen?
Gast
Unregistered
 
#18
01.12.2020, 12:10
Um hier auch nochmal was sinnvolles beizutragen:

Meine Erfahrung aus AG und Freundes-/Bekanntenkreis nach basiert die Verschlechterung häufig auf drei recht "banalen" Gründen:

1. Weniger Zeit zum Lernen trotz umfangreichen Stoffes. Ich kenne viele Leute, die gute erste Examen hatten und gute 6-7 Jahre ins Studium investiert hatte. Examen nach dem 12./13. Semester, nachdem man 1 Jahr im Rep war und dann nochmal 1-2 Jahre NUR gelernt hat (inklusive Klausurenkurs u.ä.). Die von einigen Repetitoren geforderten "100 Examen" haben viele von denen geschafft (2x Klausur die Woche, 1x Rep, 1x Uni über ca. 2 Jahre). 
Im Ref ist das anders. Zunächst ist die Zeit begrenzt. Paar Monate "schieben" wie im ersten geht halt nicht. Diese können aber durchaus mal eine Notenstufe ausmachen. Weiterhin fehlt die Zeit zum lernen. Im ersten Examen kenne ich wenige, die nicht min. 1 Jahr voll gelernt haben, tendenziell (s.o.) eher Richtung 2 Jahre. Im Ref hat man 18 (?) Monate bis zum Examen, die mit Stationen/Arbeit und mehr oder minder sinnvollen AGs vollgepackt sind. Das frisst Zeit. Arbeitsbelastung in den Stationen kann man auch nur bedingt beeinflussen bzw. scheint von Bundesland zu Bundesland und auch innerhalb dieser abzuweichen. Bspw. muss man bei einer "abgesoffenen" StA im Zweifel deutlich öfter Sitzungsvertretung übernehmen als bei einer StA die überhaupt nicht auf Referendare angewiesen sind. Bekannte hatten bei letzterer StA sogar Schwierigkeiten ihr Pflichtsoll zu erfüllen. 
Wenn man dann noch Verwaltungs- und Anwaltsstation nach Interesse und nicht nach Tauchen wählt, wird es halt zeitlich umso schwieriger. Ich selbst hatte bis zur Tauchphase nicht wirklich viel Zeit zum lernen, habe aber trotzdem versucht jede Sekunde reinzuinvestieren, die man über hat. Das war schon ziemlich anstrengend. 
So wenig ist der Stoff dann aber auch nicht, dass man den in 3-5 Monaten zu 100% reinkriegt. Auch viele Übungsklausuren wie im ersten sind zeitlich kaum gut machbar (gibt natürlich immer Ausnahmen, die permanent tauchen wollten/konnten, aber so grundsätzlich). Ggfs. würden die Examen besser ausfallen, wenn man die Leute einfach die 18 Monate lernen und dann schreiben lässt. Könnte mir auch vorstellen, dass das fehlende "Schieben" im Ref für viele ein Problem werden könnte, die es im ersten Examen in Anspruch genommen hatten. Es ist daher nicht unsinnig, gleich ab Beginn des Refs mit dem Lernen anzufangen.

2.) Unterschätzung des Refs: Hängt auch mit dem vorigen Punkt zusammen. Ich kenne viele gute Leute, auch aus meiner AG "damals", die das Ref einfach unterschätzt haben. Es ist viel Stoff und wenig Zeit, dass muss man sich einfach klar machen. 
Wenn ich dann aber bis zur Tauchphase chill und in den vorigen Stationen teilweise noch 1-2 Tage nebenbei pro Woche arbeite, wird es halt schwierig, den Stoff in der Tauchphase voll drauf zu haben. Ich habe das damals auch in der Lerngruppe während der Tauchphase mit entsprechenden Leuten gemerkt, die schockierend wenig wussten und teils Sachen nicht drauf hatten, die man sich in den ersten beiden Stationen hätte aneignen sollen/müssen (trotz guten Examens im 1.). Auch die Mentalität ("ich habe doch ein gutes Examen, das klappt nochmal; 2. Examen im Bundesland X/Y ist doch easy; Tauchphase reicht") ist in der Hinsicht nicht immer sinnvoll. Bekannter ist bspw. von 12,xx auf 6 in BaWü abgestürzt. Dies war ihm aber auch bewusst, weil er sich tatsächlich nur eine kurze Tauchphase eingeplant hatte und gemerkt hatte, "mist, dass reicht nicht".


3.) Klausurtypen/Herangehensweisen an die Klausuren. Einige tun sich einfach mit gewissen praktischen Punkten schwierig und kriegen den "Theoretiker" des ersten Examens nicht aus sich raus, sodass sich alles wie ein Gutachten liest und häufig auch noch ausschweifende Meinungsstände in Klausuren gebracht werden, die - zumindest bei mir - nie wirklich nötig waren und tendenziell im zweiten Examen nicht gut ankommen - anders als im Ersten, wo das eine wichtige Leistung war. 
Auch zu wenig Arbeit mit dem Kommentar im Vorfeld, rächt sich bzw. das zu starke Verlassen auf selbigen ebenso. 5h sind knapp, man kann nicht alles nachgucken, insbesondere nicht, wenn man nicht grob weiß, wo man mit der Suche anfängt. 
Auch Schreibzeit ist ein Thema. Viele unterschätzen, dass die Assessorexamen einfach Rennfahrerklausuren in häufigen Fällen sind. Wer nach 5h 15-20 Seiten maximal schafft oder 2h+ gliedert, wird es schwierig haben (wobei das im ersten Examen ja auch schon anstieg). 
Fehlende Übung - wohl auch wegen der geringen Zeit - im Vorfeld ist nachteilig. Wenn ich 5-10 Minuten für Rubrum oder Nebenentscheidungen (ohne Probleme u.ä.) oder mehr als 1h für den Tatbestand brauche, ist das einfach viel zu viel Zeit, die mir woanders fehlt.

Das sind so Punkte, die ich bei vielen Bekannte/Freunden/in der AG festgestellt hatte und die sich auch immer wieder wiederholen bzw. wiederholt haben.

Der Willküraspekt taucht häufig auf, aber ich fand ehrlicherweise, dass das im ersten Examen ähnlich war. Bei uns haben da auch Praktiker korrigiert mit teils komischen Beurteilungen. Aber auch Professoren sind nicht so grandiose Korrektoren wie das hier immer wirkt. Gibt auch dort die Spezialisten, die gerade bei Meinungsständen doch sehr merkwürdige Beurteilungsauffassungen hatten. Mündliche ist mEn immer Willkür, war im ersten Examen auch so. Von Kommissionen wo man 9 Punkte als Untergrenze sicher hatte, bis zu welchen, wo selbst gut vorbenotete Leute mit 8/9 als Bester rausgehen, ist alles dabei. Da kann man sich ja teilweise sogar erfreuen. Nach dem Forum darf man ja die Erwartungshaltung haben sich im Ref in der Mündlichen um 1-2 Punkte zu verbessern.

Daneben mag natürlich auch ein Aspekt treten, der die Statistik etwas verzerrt: Der Schwerpunkt. Der ist von Uni zu Uni und auch innerhalb der Uni unterschiedlich. Wer 11 Punkte im ersten Examen hatte, wovon 7 auf Staatsteil und 16 auf Schwerpunkt entfallen (bloßes Beispiel, ka ob das rechnerisch aufgeht), muss sich nicht wundern, wenn er im zweiten bei 7 rum landet. Dann ist aber auch keine wirkliche "Verschlechterung" im eigentlichen Sinne. Vielmehr war die Note vorher durch den Schwerpunkt aufgebläht. 
Bei uns an der Uni war es damals bspw. auch vollkommen unterschiedlich. Es gab Schwerpunkte wo man min. 12 Punkte fast garantiert hatte. Der ging mit 1/3 in die Gesamtnote ein, sodass man ab 6-7 Punkten im Staatsteil bzw. Schriftlichen fast schon eine VB-Garantie hatte. Daneben gab es andere Schwerpunkte wo selbst die Landesbesten mit "nur" 10-12 raus sind. 
Was auch unterschiedlich ist und zu Abweichungen führen kann ist natürlich die generelle Gewichtung von mündlicher und schriftlicher Examensprüfung. Hatte Bekannte die waren grandiose Examensschreiber, aber mündliche Prüfung lag denen einfach nicht. Das zweite Examen dann in einem Bundesland zu machen, wo die Mündliche deutlich stärker gewichtet ist, hat einige davon auch ein gutes Stück runtergezogen.

Kurz: Es gibt einfach viele Unterschiede von der Herangehensweise und dem Erwartungshorizont. Nicht alle kann man als Referendar selbst "lösen". Auch die Ausgangslage bzw. der Notenvergleich hinkt häufig. 
Wenn ich die Punkte oben ausblende (also an Freunde/Bekannte denke, die das alles beachtet haben), kenne ich von den Leuten wirklich kaum einen, der sich was den puren Staatsteil angeht in beiden Examen krass verschlechtert hat. Die meisten lagen dann doch ungefähr in dem Bereich wo sie vorher waren (mal ticken schlechter, mal etwas besser, mal wirklich punktgleich).

Ist natürlich vollkommen subjektiv. Aber ich fand, dass die obigen Punkte einfach selten zum Ausdruck kamen und meiner Meinung nach nicht zu unterschätzen sind.
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Deutlich schlechteres zweites Examen? - von Gast - 30.11.2020, 09:35
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