18.07.2026, 01:35
Hallo zusammen,
man liest im Zusammenhang mit Bewerbungen häufig, wie wichtig ein roter Faden im Lebenslauf sei. Einen solchen habe ich bislang nicht wirklich aufgebaut. Da ich jetzt vor einer Weichenstellung stehe, würde ich mich über ein paar Einschätzungen freuen.
Kurz zu mir: Mein erstes Examen habe ich mit 8,9 Punkten abgeschlossen (Schwerpunkt Internationales Recht), das zweite im Mai mit 7,4. Derzeit bin ich im Verbesserungsversuch; die Klausuren finden im September statt, die mündliche Prüfung im Februar. Für die Zwischenzeit suche ich ab Oktober zunächst eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, möchte danach aber möglichst zeitnah als Rechtsanwalt einsteigen.
Während des Studiums habe ich sechs Jahre bei einem Einzelanwalt gearbeitet, überwiegend im Zivilrecht. Danach war ich knapp zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer GK in der Fondsstrukturierung tätig, vor allem im Gesellschaftsrecht sowie im KAGB- und Geldwäscherecht. Das war interessant, ist aber ein recht spezieller Bereich, in dem ich mich langfristig nicht sehe. Meine Anwaltsstation im Ref habe ich erneut bei dem Einzelanwalt absolviert. Angenehme Tauchstation, rückblickend ärgere ich mich aber etwas darüber, die Gelegenheit nicht für eine neue Kanzlei und weitere Kontakte genutzt zu haben.
In der Wahlstation war ich anschließend in einer Boutique für Vergabe-, Außenwirtschafts- und Kartellrecht. Dort hat es mir fachlich und persönlich wirklich sehr gut gefallen, und ich kann mir gut vorstellen kann, in einem dieser Bereiche zu bleiben. Bei dieser Kanzlei hatte ich mich danach auf eine Associate-Stelle beworben, wurde aber aus Kapazitätsgründen (zuviele Neueinstellungen) leider nicht genommen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter könnte ich nun ab Oktober dennoch zurückkehren, allerdings ausdrücklich ohne spätere Übernahmeperspektive. Dafür sprechen die gute Adresse, das passende Rechtsgebiet und die Sicherheit, ab Oktober erst einmal eine Stelle zu haben. Dagegen spricht, dass die Kanzlei bereits in meinem Lebenslauf steht und die Tätigkeit keine langfristige Perspektive bietet.
Die Alternative wäre, weiterzusuchen. Das kostet allerdings Zeit und Energie, die ich eigentlich für den Verbesserungsversuch brauche. Zudem ist im Außenwirtschafts- und Kartellrecht quasi nichts ausgeschrieben, und viele der dort tätigen Kanzleien dürften mit meinen aktuellen Noten schwer erreichbar sein. Das Vergaberecht erscheint mir etwas zugänglicher. Denkbar wäre auch, die Suche auf das öffentliche Wirtschaftsrecht auszuweiten. Ich habe beispielsweise einige Stellen im Energiewirtschaftsrecht gefunden. Das klingt inhaltlich interessant, allerdings habe ich Sorge, damit nur in die nächste Nische zu wechseln, ohne zu wissen, ob sich später eine passende Associate-Stelle findet. Vielleicht wäre es strategisch sinnvoller, das bisherige Profil gezielt zu vertiefen und etwa bei einer weiteren Kanzlei im Vergaberecht zu arbeiten.
Grundsätzlich finde ich es einfach super schwierig, sich bereits jetzt auf ein Rechtsgebiet festlegen zu müssen, obwohl man von den zahlreichen möglichen Bereichen bislang nur wenige überhaupt praktisch kennenlernen konnte. Vielleicht liegt mir ein Gebiet besonders, mit dem ich bisher noch gar nicht in Berührung gekommen bin. Andererseits kann man natürlich auch nicht unbegrenzt verschiedene Bereiche ausprobieren, ohne irgendwann ein klares Profil zu entwickeln ... Deshalb meine Frage, was ihr an meiner Stelle tun würdet: die sichere Rückkehr in die Boutique wählen, aus der man sich dann im nächsten Jahr wegbewerben muss, oder weiter nach einer neuen Station mit besseren Anschlussmöglichkeiten suchen? Und welche Rechtsgebiete würdet ihr noch als nachvollziehbare Fortsetzung meines bisherigen Profils ansehen?
Lieben Dank im Voraus für eure Einschätzungen und Herzliche Grüße
man liest im Zusammenhang mit Bewerbungen häufig, wie wichtig ein roter Faden im Lebenslauf sei. Einen solchen habe ich bislang nicht wirklich aufgebaut. Da ich jetzt vor einer Weichenstellung stehe, würde ich mich über ein paar Einschätzungen freuen.
Kurz zu mir: Mein erstes Examen habe ich mit 8,9 Punkten abgeschlossen (Schwerpunkt Internationales Recht), das zweite im Mai mit 7,4. Derzeit bin ich im Verbesserungsversuch; die Klausuren finden im September statt, die mündliche Prüfung im Februar. Für die Zwischenzeit suche ich ab Oktober zunächst eine Stelle als wissenschaftlicher Mitarbeiter, möchte danach aber möglichst zeitnah als Rechtsanwalt einsteigen.
Während des Studiums habe ich sechs Jahre bei einem Einzelanwalt gearbeitet, überwiegend im Zivilrecht. Danach war ich knapp zwei Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter in einer GK in der Fondsstrukturierung tätig, vor allem im Gesellschaftsrecht sowie im KAGB- und Geldwäscherecht. Das war interessant, ist aber ein recht spezieller Bereich, in dem ich mich langfristig nicht sehe. Meine Anwaltsstation im Ref habe ich erneut bei dem Einzelanwalt absolviert. Angenehme Tauchstation, rückblickend ärgere ich mich aber etwas darüber, die Gelegenheit nicht für eine neue Kanzlei und weitere Kontakte genutzt zu haben.
In der Wahlstation war ich anschließend in einer Boutique für Vergabe-, Außenwirtschafts- und Kartellrecht. Dort hat es mir fachlich und persönlich wirklich sehr gut gefallen, und ich kann mir gut vorstellen kann, in einem dieser Bereiche zu bleiben. Bei dieser Kanzlei hatte ich mich danach auf eine Associate-Stelle beworben, wurde aber aus Kapazitätsgründen (zuviele Neueinstellungen) leider nicht genommen. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter könnte ich nun ab Oktober dennoch zurückkehren, allerdings ausdrücklich ohne spätere Übernahmeperspektive. Dafür sprechen die gute Adresse, das passende Rechtsgebiet und die Sicherheit, ab Oktober erst einmal eine Stelle zu haben. Dagegen spricht, dass die Kanzlei bereits in meinem Lebenslauf steht und die Tätigkeit keine langfristige Perspektive bietet.
Die Alternative wäre, weiterzusuchen. Das kostet allerdings Zeit und Energie, die ich eigentlich für den Verbesserungsversuch brauche. Zudem ist im Außenwirtschafts- und Kartellrecht quasi nichts ausgeschrieben, und viele der dort tätigen Kanzleien dürften mit meinen aktuellen Noten schwer erreichbar sein. Das Vergaberecht erscheint mir etwas zugänglicher. Denkbar wäre auch, die Suche auf das öffentliche Wirtschaftsrecht auszuweiten. Ich habe beispielsweise einige Stellen im Energiewirtschaftsrecht gefunden. Das klingt inhaltlich interessant, allerdings habe ich Sorge, damit nur in die nächste Nische zu wechseln, ohne zu wissen, ob sich später eine passende Associate-Stelle findet. Vielleicht wäre es strategisch sinnvoller, das bisherige Profil gezielt zu vertiefen und etwa bei einer weiteren Kanzlei im Vergaberecht zu arbeiten.
Grundsätzlich finde ich es einfach super schwierig, sich bereits jetzt auf ein Rechtsgebiet festlegen zu müssen, obwohl man von den zahlreichen möglichen Bereichen bislang nur wenige überhaupt praktisch kennenlernen konnte. Vielleicht liegt mir ein Gebiet besonders, mit dem ich bisher noch gar nicht in Berührung gekommen bin. Andererseits kann man natürlich auch nicht unbegrenzt verschiedene Bereiche ausprobieren, ohne irgendwann ein klares Profil zu entwickeln ... Deshalb meine Frage, was ihr an meiner Stelle tun würdet: die sichere Rückkehr in die Boutique wählen, aus der man sich dann im nächsten Jahr wegbewerben muss, oder weiter nach einer neuen Station mit besseren Anschlussmöglichkeiten suchen? Und welche Rechtsgebiete würdet ihr noch als nachvollziehbare Fortsetzung meines bisherigen Profils ansehen?
Lieben Dank im Voraus für eure Einschätzungen und Herzliche Grüße
Nachrichten in diesem Thema
Roter Faden im Lebenslauf - von Myxomatosis - 18.07.2026, 01:35
RE: Roter Faden im Lebenslauf - von Egal_ - 18.07.2026, 11:56









