22.06.2026, 09:35
(21.06.2026, 21:16)Praktiker schrieb: Um das nochmal zu versachlichen: es ist tatsächlich so, dass der öD mal lukrativer, mal weniger lukrativ als die Privatwirtschaft ist, und zwar im Einzelnen nochmal hochgradig von individuellen Aspekten abhängig:
"von der regionalen Verortung des Arbeitsplatzes, vom Geschlecht und Bildungsniveau der Beschäftigten und von der Form des Beschäftigungsverhältnisses. So profitieren öffentlich Beschäftigte in Ostdeutschland in höherem Umfang von einer Beschäftigung im öffentlichen Dienst als ihre Kolleginnen und Kollegen in Westdeutschland. Und während Frauen bis in höhere Einkommensbereiche hinein (West) bzw. durchweg (Ost) im öffentlichen Dienst bessere Verdienstchancen haben als in der Privatwirtschaft, sind für westdeutsche
Männer im öffentlichen Dienst fast durchweg beachtliche prozentuale Lohnnachteile zu konstatieren. In Bezug auf den Einfluss des Bildungsgrades auf die Lohndifferenz zwischen öffentlichem Dienst und Privatwirtschaft hat sich gezeigt, dass Personen mit niedriger Bildung mehr und Personen mit hoher Bildung weniger verdienen als im Privatsektor."
(vgl. hier am Ende: https://www.wsi.de/data/wsimit_2010_01_tepe.pdf).
Ich habe in genau der Zeit angefangen und kann nur bestätigen, dass das Unverständnis groß war, dass ich auf höhere Verdienstmöglichkeiten in der Privatwirtschaft verzichtet habe - inzwischen verdiene ich nach Jahren, mit Kindern und bei sehr herausgehobener Tätigkeit so viel, wie ich seinerzeit in der Großkanzlei als Einstiegsgehalt (!) bekommen hätte. Weil ich genau in die genannte Gruppe (männlich, Westen, gutes Examen) falle.
Jetzt ist das auch wieder ein paar Jährchen her, in der Tendenz aber sicherlich immer noch beachtenswert. Aber wir haben nun einerseits eine Phase vor allem im Bund und Berlin verfassungswidrig niedriger Besoldung hinter uns, die nun nach Jahren behoben wird, und gleichzeitig einen wirtschaftlichen Abschwung. Das passt insoweit nicht gut zusammen und wäre Anlass, das gesamte Gefüge, ggf. unter Wegfall einzelner Statusämter, mal grundsätzlich neu zu ordnen.
Achso, und zu den Lehrern: Streikverbot ist kein gutes Argument - Ärzte und Pflegekräfte sind auch keine Beamten und streiken dennoch nicht alle gleichzeitig, das regelt die Rechtsprechung auch irgendwie... Ob Ordnungsmaßnahmen und Prüfungsentscheidungen bei Lehrern für hoheitliche Tätigkeit ausreichen, kann man so sehen oder umgekehrt. Auf jeden Fall muss aber auch hier der Wurm dem Fisch schmecken und nicht dem Angler: Ohne die Vorteile der Verbeamtung würden wohl deutlich weniger Menschen Lehrer werden wollen, und wir haben in den meisten Fächern, Lehrbefähigungen und Regionen gerade eher Mangel als Überangebot. Damit ist die Diskussion in der Praxis entschieden, denn wenn in noch größerem Maße Unterricht ausfällt, wird die Wählerschaft dann wohl doch nicht von Dankbarkeit erfüllt die etablierten Parteien wählen, weil sie es den Beamten endlich mal gezeigt haben, sondern man wird noch lauter von Staatsversagen schimpfen und entsprechend wählen. Ob diese Art der Attraktivität die richtige Motivation zum Ergreifen des Lehrerberufs ist, ist allerdings wieder eine andere Frage...
ich bin nicht im öffentlichen Dienst, trotzdem Danke für diesen Beitrag
Wie gut der Deal im öD ist, wird hier im Forum seit Jahren geführt, Je nach wirtschaftlicher Lage und Arbeitsmarkt mal so, mal so.
Der öD hat Vor- und Nachteile und die Pension (in Bayern auch noch mit einer schönen Sonderzahlung) ist einer der großen Vorteile. Aufgrund der Notengrenzen können aber nur Menschen mit guten Examina in den öD und diese Menschen hätten sonst auf dem Markt auch gute Chancen gute Jobs zu erhalten. Insbesondere haben diese Jobs in der Wirtschaft erhebliches Steigerungspotential, die du so im öD nicht siehst. Und wenn du in der freien Marktwirtschaft gehaltlich nach oben gehst hast du dann entweder eine gute betriebliche Altersversorgung oder kannst selbst entsprechend vorsorgen. Und bei der Entgeltfortzahlung kann man durch eine Krankentagegeldversicherung auch vieles absichern.
Daher ist es müßig immer wieder so zu diskutieren. Jeder! Jurist (auch die mit schlechteren Noten) hat gute Chancen überdurchschnittlich zu verdienen. Nicht unbedingt zum Einstieg, aber im Laufe des Berufslebens geht da sehr viel. Letztens erst wieder ein Treffen unseres Refs gehabt und da haben inzwischen alle durchweg tolle Jobs oder haben sich bewusst für einen ganz anderen Weg entschieden. Bin auch mit vielen Referendaren noch im Kontakt, die ich hier betreut habe und da ist das gleiche Bild. Gerade auch im Vergleich mit vielen anderen Akademikern geht es den Juristen richtig gut.
P.S. Problematischer sehe ich systemische Themen im öD, die man dann intern kaum erklären kann. Wenn auf den geleichen Jobs Beamte und Angestellte eingestellt werden, dann wird es schräg im System. Da hast du erhebliche Unterschiede im Nettoentgelt insbesondere wenn man noch Kinder hat, dazu Krankenversicherung. Das kann man nicht mit möglichen Streikrecht alles begründen.
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