13.05.2026, 11:58
(12.05.2026, 22:52)glanrw schrieb: Ich muss mich mal auskotzen und hoffe auf ein wenig Austausch, der mir aktuell fehlt. Bessert sich dieses Selbstbild irgendwann? Wie ist/war es bei euch?
Dieses Minderwertigkeitsgefühl hat jetzt, kurz vor dem Berufseinstieg, seinen absoluten Höhepunkt erreicht. Ich weiß nicht, was ich der juristischen Arbeitswelt bieten könnte. Mein größtes Problem ist, dass ich mich ständig vergleiche, mich bzgl. des Berufseinstiegs sorge und mein fachliches Können ausschließlich an meinen Noten festmache. Dass ich in beiden Examina meine Ziele nicht erreicht habe und nun der von mir geplante Berufseinstieg in einer bestimmten Kanzlei flachfällt, war nicht gerade hilfreich:
1. Examen schriftlich: 7,8. Mündliche Prüfung verlief sehr unglücklich und ich bin am Ende mit 7,6 raus. Neben mir wurde ein weiterer Mitprüfling runtergeprüft. Immerhin komme ich mit dem SP auf ein "VB".
2. Examen schriftlich: 4,6. Nach der mündlichen immerhin noch auf 5,9 verbessert. Auch hier waren keine großen Notensprünge in der Gruppe zu verzeichnen.
An dem einen Tag finde ich alles unfair: andere werden von 6 auf 9 hochgeprüft, hatten andere Startbedingungen, mussten nicht nebenher arbeiten und hatten keine Schwierigkeiten mit der Finanzierung eines VV. An anderen Tagen rede ich mir alles damit "schön", dass ich nun mal Pech mit der Kommission hatte, im 2. sämtliche meiner "Lücken" drankamen und ich trotz meines backgronds immerhin 2 juristische Staatsexamina in der Tasche habe. Aber dann denke ich mir: hättest du halt mal im 1. schriftlich 0,2 Punkte mehr geholt oder im 2. keine Lücken gehabt. Die anderen kriegen es ja auch hin und machen on top noch LLM und Dr.
Der aktuelle Arbeitsmarkt stimmt mich noch pessimistischer und ich habe Angst, keinen anständigen Job zu finden. Mein juristisches Umfeld war leider ziemlich toxisch und hat meinen Hang zu dieser ganzen Denkweise ziemlich verstärkt.
Das ganze Jura-System hat mich nervlich auseinander genommen und ich kann dieses Gedankenkarussell nicht abschalten. Kann es mit der steigenden Verantwortung im Beruf überhaupt besser werden? Dieses geringe Selbstwertgefühl strahlt man doch gewissermaßen aus. Was hat euch geholfen? Wann habt ihr euch von diesem Jura-Drama erholen können - sofern es euch auch so sehr zugesetzt hat?
Das Selbstwertgefühl ist bei mir auch im Keller momentan, obwohl das 2. Examen noch relativ gut ist, aber da sage ich mir auch immer, ich hatte einfach nur Glück mit der Prüferkommission. Eine andere Kommission hätte mich niemals so gut bewertet. Dann kamen die Vorstellungsgespräche und ich merke, dass ich einfach nicht mithalten kann und andere sich besser verkaufen können als ich. Kann dich daher ganz gut verstehen, dass du an dir zweifelst :( Aber denke, wenn man erstmal einen Job hat und damit zufrieden ist, heilt die Zeit irgendwann die Wunden. Und ja, die einen müssen arbeiten für die Finanzierung des VV, während andere es von Eltern problemlos finanziert bekommen, gleiches auch um Studium mit den Nebenjobs. Das fühlt sich dann im 1. Moment des Frusts unfair an
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Fühle mich wie der größte Versager - von glanrw - 12.05.2026, 22:52
RE: Fühle mich wie der größte Versager - von Egal_ - 13.05.2026, 01:05
RE: Fühle mich wie der größte Versager - von Praktiker - 13.05.2026, 06:51
RE: Fühle mich wie der größte Versager - von JurisRef - 13.05.2026, 11:58
RE: Fühle mich wie der größte Versager - von Freidenkender - 13.05.2026, 13:21
RE: Fühle mich wie der größte Versager - von asesor - 13.05.2026, 19:11


