02.02.2026, 23:48
(28.01.2026, 20:14)EinJurist schrieb: Es gibt ja viele die sagen, man sollte seine 20er genießen. Es sei die wertvollste Zeit weil man jung ist und als junger Mensch ganz andere Erlebnisse kreieren kann als wenn man alt ist oder in seinen 30ern mit Familie usw. viele Verpflichtungen hat (auch wenn das auch schön ist aber halt auf eine andere Weise)
Andererseits gibt es viele die sagen dass man in seinen 20ern grinden und alles geben soll und Freizeit usw hinten anstellen soll.
Wie sehr ihr das Ganze? Sowohl Erfahrungen von Leute in ihren 20ern als auch älteren wären hier sicher für alle sehr wertvoll (auch ganz allgemein für Nuchtjuristen)
Vor dem Hintergrund frage ich mich auch, ob ich mit 24/25 in eine andere Stadt zum Arbeiten in eine GK ziehen soll (Hustle in your 20s) oder ob ich in der Heimat bleiben soll bei einem Job wo ich deutlich weniger verdiene (unter 80k) dafür aber mehr Freizeit habe (Enjoy your 20s)
Gratuliere.
Meiner Meinung nach werden zwei Fragen angesprochen. Erstens ob man (iSV jeder) als junger Mensch zugunsten von Beruf/Ausbildung auf Freizeit verzichten sollte. Zweitens ob TE in seiner speziellen Situation nach der Ausbildung in der fernen Stadt bei GK viel arbeiten oder in der ländlichen Heimat bei Platzhirsch mit moderaten Arbeitszeiten arbeiten soll.
Wenn man die erste Frage so (wie ich) formuliert, lautet die Antwort in den meisten Fällen ja. Von Ausnahmen abgesehen lohnt es sich, Zeit mit Schule, Studium und Beruf zu verbringen. Mit entsprechenden Abschlüssen/Noten stehen einem nach Schule/Studium mehr Türen offen. Und auch die ersten Berufsjahre sind prägend. So steht einem Philosophie-Studium-Absolventen nach drei Jahren bei McKinsey / BCG mehrere Türen offen als dem Absolventen mit drei Jahren Erfahrung als Essens-Lieferant. Bei Jura ist es nicht anders. Wer bei Freshfields 5 Jahre Gesellschaftsrecht macht, kann danach tendenziell noch in alle andere Richtungen gehen. Wer dagegen 5 Jahre als Solo-Strafverteidiger auf dem Land gearbeitet hat, hat andere (vom jeweiligen Einzelfall abhängige) Optionen.
Fraglich ist also nicht, ob es sich lohnt, sich in jungen Jahren reinzuhängen, sondern wie viel Engagement es denn sein darf. Und diese Frage ist subjektiv und wird je nach Person und sozialem Umfeld (Familien, Freundeskreisen) unterschiedlich beantwortet. Letztlich hängt es von den eigenen Zielen (Chefjurist bei JPMorgsn oder einfacher Sachbearbeiter bei der Sparkasse, Landesbester im Examen oder 4-gewinn, Millionenvermögen mit 40 Jahren oder genug für Netflix und eine Haschischzigarette) und vorhandenen Ressourcen (Talent, Bildung, Netzwek, Vermögen) ab. Der Sohn von Donald Trump kann auch ohne großes Engagement viel erreichen, der Sohn einer alleinerziehenden Obdachlosen müsste sich für bescheidene Ziele schon sehr anstrengen müssen.
Für mich mit zwei reisesüchtigen Akademiker als Eltern und überdurchschnittlicher Lesekompetenz war Schule und Studium, Referendariat und Examina mit 2x VB und dabei die Welt bereisen ohne großes Engagement möglich. Ich habe auf nichts verzichtet, außer auf zwei Wochen für die Hausarbeiten in den Semesterferien. Ich habe selten aber fast schon gerne gelernt. Anstrengend fand ich nur mich selbst und anderen Juristen, nicht die Juristerei.
Ich hatte genug Freizeit in den 20ern. Ich war aber nicht automatisch glücklicher, wenn ich wenig zu tun hatte. Freizeit kann auch destruktiv sein (toxische Dates/Beziehungen, Rauschmittel, Videospiele, Glücksspiele, soziale Medien, Sinnsuche ohne Sinnfindung). Dies sieht man manchmal auch bei Single-Männern mittleren Alters. Ohne Frau und Kind fehlt es manchmal an „Checks and balances“.
Vor diesem - persönlichen - Hintergrund, hätte ich mit meinem heutigen Wissen versucht, meine Zeit in den 20ern anders zu nutzen. Nicht unbedingt mehr Jura, sondern andere persönliche Ziele verfolgen.
Es geht nicht um „entweder hustle oder Freizeit“, sondern um das Verfolgen von privaten und beruflichen Ziele.
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Enjoy your 20s vs Grinding - von EinJurist - 28.01.2026, 20:14
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RE: Enjoy your 20s vs Grinding - von Joko - 29.01.2026, 00:40
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RE: Enjoy your 20s vs Grinding - von Tess T. Culls - 30.01.2026, 13:21
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RE: Enjoy your 20s vs Grinding - von Registriert - 02.02.2026, 01:50
RE: Enjoy your 20s vs Grinding - von Kohlhaas - 02.02.2026, 23:48
RE: Enjoy your 20s vs Grinding - von BavarianLawyer - 06.02.2026, 14:52


