27.01.2026, 23:25
(27.01.2026, 20:19)Lawgirl6161 schrieb: Hallo zusammen,
ich bin seit drei Jahren angestellte Rechtsanwältin in einer 5-Mann-Kanzlei in einer Kleinstadt. Ich bearbeite hauptsächlich familienrechtliche und verkehrsrechtliche Mandate.
Ich hatte seit etwa 1,5 Jahren einen Mandanten in einer familienrechtlichen Angelegenheit, der häufig meine Kompetenz angezweifelt hat und überlange (teilweise 2-3 Stunden) beansprucht hat. In den Besprechungen ging es um nicht durchsetzbare Ideen, anderes (vieles) habe ich auch in meinen Schriftsätzen verwendet. Trotz der ganzen Zeit und mehreren 25-seitigen Schriftsätzen, die ich in einem Trennungsunterhaltsverfahren angefertigt habe, hat er immer wieder meine Arbeit kritisiert. Zuletzt forderte er auch ein Gespräch bei meinem Chef ein und beschwerte sich da über mich. Er schrieb auch 2 Stellungnahmen, in denen er mir unter anderem vorwirft, dass ich seine Steuerberatung 81 Stunden Zeit gekostet habe etc. . Es sind Vorwürfe, die ich in keinster Weise nachvollziehen kann.
Ich habe meinem Chef schon vor 2 Wochen mitgeteilt, dass es große Probleme gibt. Am 19.01. habe ich ihm mitgeteilt, dass ich das Mandat niederlegen möchte, weil ich keine Kommunikationsebene mehr finden kann nach all seinen Anschuldigungen. Ich habe noch nie ein Mandat niedergelegt und das war auch nicht mein erster schwieriger Mandant. Mein Chef hat auf meine Bitten, die Mandatsniederlegung mit mir zu besprechen, mich immer wieder vertröstet. Zuletzt hat er auch meine Nachricht und meinen Anruf ignoriert. Da ich damit rechnen musste, dass jederzeit ein Termin bestimmt werden kann, musste ich handeln und habe daher das Mandat niedergelegt. Da ein Vorschuss bezahlt wurde, gibt es auch keine offenen Rechnungen. Mein Chef hat mich heute angeschrien, dass mein Verhalten unmöglich war und er mir nicht erlaubt hätte, das Mandat niederzulegen. Ich sehe das anders, weil ich als Anwältin auch höchstpersönliche berufliche Verantwortung trage und ich mich nicht verpflichtet sehe, sehenden Auges ein Haftungsrisiko einzugehen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass mein Arbeitgeber mir vorschreiben darf, ein Mandat gegen meinen Willen fortzuführen. Insbesondere dann, wenn ich auf mehrere Bitten keine Rückmeldung erhalte. Meine Gründe für die Mandatsniederlegung erkennt er übrigens nicht an. Er meinte sogar, dass ich für einen Schaden aufkommen muss, wenn ihm einer entsteht. Ich bitte um eine ehrliche Einschätzung. Ich hab auch kein Problem damit, wenn hier die Auffassung vertreten wird, dass ich Unrecht habe.
Es ist mir wirklich nicht klar, wie das Weisungsrecht in meiner Situation über der anwaltlichen Berufsethik stehen kann. Vielen Dank an alle, die sich die Zeit genommen haben, das Ganze durchzulesen
Dein Chef ist strenggenommen Vertragspartner des Mandanten. Das Innenverhältnis kann grundsätzlich schon regeln, wie Vertragsbegründung und -niederlegung stattfinden soll. Allerdings findet die Weisungsbefugnis dort ihre Grenzen, wo sind dir die Freiheit zu eigenverantwortlichem Handeln als Anwältin nehmen. Das ist die notwendige Konsequenz und Kehrseite aus deiner Berufshaftung.
Unterm Strich sollte dein Chef als Anwaltskollege Verständnis haben. Die Aufgabe deines Chefs wäre gewesen, sich schützend vor dich zu stellen und - wenn er den vergifteten Mandanten denn unbedingt behalten will - das Mandat selbst zu übernehmen. Anschreien, einschüchtern und kleinmachen hat im Arbeitsverhältnis nichts verloren.
Als Arbeitgeber sage ich dir, dass man sich das nicht gefallen lassen muss und sollte. Nicht jedes Arbeitsverhältnis ist rau, lauter Tonfall ist auch nicht üblich, sondern proletenhaft und unangemessen. Wir sind nicht so und in Jahren bei der GK habe ich das auch nie erlebt. Dass er gleich Schadensersatz von dir fordert, ist komplett lächerlich und unsouverän.
Ich empfehle dir dringend, dich nach Alternativen umzusehen. Der Typ bleibt so. Ohne Rückhalt von oben kann doch keiner in Ruhe arbeiten.
Nachrichten in diesem Thema
Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Lawgirl6161 - 27.01.2026, 20:19
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Buffo - 27.01.2026, 23:25
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Lawgirl6161 - 29.01.2026, 15:30
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Praktiker - 27.01.2026, 23:32
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Egal_ - 28.01.2026, 01:46
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Äfes - 28.01.2026, 11:52
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Lawgirl6161 - 29.01.2026, 15:50
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Lawgirl6161 - 29.01.2026, 15:37
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von RRalf - 29.01.2026, 16:25
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Lawgirl6161 - 29.01.2026, 18:05
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Lawgirl6161 - 29.01.2026, 19:23
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Praktiker - 29.01.2026, 23:04
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von RLP789 - 28.01.2026, 12:35
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Lawliet - 28.01.2026, 15:47
RE: Hilfe!! Weisungsrecht - Angestellte Anwältin - von Egal_ - 29.01.2026, 23:43










