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  5. Aussichtlos in Hamburg
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Aussichtlos in Hamburg
Egal_
Posting Freak
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Beiträge: 1.534
Themen: 1
Registriert seit: Feb 2022
#26
20.12.2025, 13:27
(19.12.2025, 13:32)RatlosimNorden schrieb:  Vielleicht findet hier jemand auch noch meine (laufende) Geschichte erhellend - nachdem ich in den letzten Jahren so viel still mitgelesen habe will ich mich auch mal einbringen:

Ich suche jetzt seit ca. 3 Monaten nach einer Stelle in Hamburg oder einer bestimmten anderen norddeutschen Großstadt, die erheblich näher an meinem Hauptwohnsitz liegt. Arbeiten in Hamburg würde für mich einen Zweitwohnsitz und wöchentliches (nicht tägliches!) Pendeln bedeuten, einhergehend mit monatlichen Mehrkosten von ca. 1500 Euro bei eher bescheidenen Wohnverhältnissen - was ich bei meinem voraussichtlichen Nettogehalt gegenrechnen muss. Deshalb und wegen der quasi völligen Aufgabe eines nennenswerten Privatlebens durch die gespaltene Lebenssituation war es eigentlich mein Anspruch, beim Bruttogehalt nicht unter 140k zu gehen, falls es Hamburg wird, und andernorts nicht unter 90k bei mäßigen oder 80k bei guten Arbeitsbedingungen. 

Ich bringe zwei hohe Prädikatsexamina, langjährige akademische Erfahrung, eine fast abgeschlossene Promotion und ein Jahr WiMi-Erfahrungen aus Frankfurter Tier 1-Litigation-Abteilungen mit. Mein letzter Mentor hat es so ausgedrückt: Vor eineinhalb Jahren wärst Du ohne nennenswertes Bewerbungsverfahren bei uns (Tier 1) mit 10k Signing-Bonus sofort eingestellt worden. 

Wie die Lage ist: Einschlägige Stellen gibt es fast keine. Nicht mehr so richtig einschlägige Stellen nur sehr wenige. Vitamin B hat nichts gebracht. Initiativbewerbungen wurden immerhin nett unter Verweis auf die Nichtexistenz freier Stellen abgelehnt. Wo ich mich auf eine konkrete Stelle bewerbe, werde ich meist noch eingeladen, um dann schon im Bewerbungsgespräch gesagt zu bekommen, dass es noch einen internen Kandidaten gibt, der es wahrscheinlich werden wird (danke für nichts), dass mein Geschlecht (männlich) nicht förderlich ist (das stelle man sich mal andersherum vor), oder dass mein Profil leider nicht scharf genug ausgeprägt ist. Ich hatte mehrfach das Gefühl, als Zweite-Reihe-Kandidat hingehalten zu werden, falls der Wunschkandidat doch noch abspringt. Meine Ansprüche an das Rechtsgebiet (Litigation in allen Farben und Formen) sind schon weggebröckelt, außerhalb dieses Bereichs bin ich allerdings trotz der formal hohen Qualifikation kaum konkurrenzfähig. Die Ansprüche beim Gehalt kommen nun ebenfalls ins Wanken; dabei ist mir bewusst, dass ich für 900-2500 Euro netto (!) weniger im Monat auch nicht nennenswert weniger arbeiten werden muss. Es wird also wohl ein schmerzhafter Riesenkompromiss werden, wenn ich nicht komplett auf Warteschleife schalten und auf eine Besserung der Stellenlage im nächsten Jahr setzen will (mit Blick auf die Gesamtwirtschaft gewagt).

Ich denke, du musst dir zunächst bewusst werden, was du wirklich willst. Deine Kommentare zu den verschiedenen Themen gehen in komplett unterschiedliche Richtungen und du klingst verzweifelt. Ich vermute, dies kommt in deinen Bewerbungen zu sehr rüber und die Kanzleien merken deutlich, dass sie eigentlich nur Notlösung für dich sind.

Hast du dich bei BMZ beworben? Bestimmt. Das ist eine der Top-Adressen im Norden und alle die dort arbeiten, haben perfekte Qualifikationen. Du musst dir allerdings bewusst sein, dass das Gehaltsgefälle von Hamburg in Richtung Kleinstadt sehr stark absinkt und du auch in Lübeck, Kiel und erst recht in Flensburg nicht die Gehälter erwarten kannst, wie sie in HH in der GK gezahlt werden. Noch nicht einmal annähernd.
Mit deinen Gehaltsforderungen liegst du schon bei Top-Adressen wie BMZ am oberen Limit und somit erst recht bei anderen Kanzleien, bei denen du dich beworben haben wirst. Du bist allerdings nicht der einzige Bewerber, der zu denen will und der perfekte Noten dafür mitbringt. Ich kenne einige Anwälte bei den bekannten Kanzleien im Norden. Alle mit Kriegsbemalung, alle Noten, mit denen sie seinerzeit in jeder GK genommen worden wären. Da sie jedoch örtlich, politisch oder familiär mit ihrer Heimat verbunden fühlen, haben sie sich gegen die GK und für die örtlichen Platzhirsche entschieden, wohlwissend, dass sie damit ein geringeres Gehalt in Kauf nehmen.

Was möchtest du? Möchtest du in die GK-Welt? Dann konzentriere dich auf Hamburg. Wären andere Kanzleien hingegen auch ok, weil du in deinem Wohnort bleiben möchtest, sollest du schauen, ob deine Gehaltswünsche realistisch sind. Ich weiß von vielen, dass sie Bewerbungen, die eindeutig zu hohe Vorstellungen haben, direkt aussortieren. Also informiere dich, was in der jeweiligen Kanzlei realistisch ist.
Übrigens kenne ich keinen Pendler mit Zweitwohnung, der über 1.000 Euro Mehrbelastung dadurch hat. Es ist weniger.
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Aussichtlos in Hamburg - von DEKANTO - 20.09.2025, 15:55
RE: Aussichtlos in Hamburg - von KnappVerfehlt - 20.09.2025, 18:39
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